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Gearjunkies Corner - Drummaschinen




In dieser Ausgabe stelle ich abseits der gängigen Hypes zwei weniger bekannte Drummaschinen vor: GURU von FXpansion und RM V von Linplug.


Guru Slice-Sequence-Mix Drumtool

Guru von Fxpansion ist ein echter Geheimtip und wird von vielen Usern als die beste aller Drummachines betrachtet. Tatsächlich gibt es Guru schon recht lange, es wurde regelmässig aktualisiert und das wird wohl auch so bleiben. Programmierer Angus von FXpansion schmunzelt zurecht mit einem etwas bitteren Beigeschmack, wenn er Motu's BPM oder Digidesign's Transfuser betrachtet, denn viele GURU Ideen wurden exakt kopiert. Man hat das Gefühl, bei fxpansion sind Vollprofis am Werk, andere Produkte der Firma sind BFD (Big Fat Drums), VST to RTAS Converter (Plug Ins werden formatumkonvertiert) oder jetzt die neuen DCAM Nachbauten alter Synths.

 
EZ Drummer
Guru Slice-Sequeince-Mix Drumtool

Guru ist eine Softwaredrummachine im MPC Style, Guru ist gleichzeitig ein Sampler und ein Sequencer. Acht Engines a 16 Pads können unabhängig voneinander Patterns wiedergeben, so lassen sich ganze Songs arrangieren. Auch Instrumentensounds lassen sich spielen, indem man einem Pad eine zwei Oktaven grosse Tastaturzone zuweist. Jede Engine hat ihren eigenen Midikanal. Pro Pad kann man bis zu acht Sounds layern, dabei ist die Anordnung der Layerebenen etwas übersichtlicher als z.B. in BPM und die einzelnen Layer haben eigene Standardparameter wie Filter. Hüllkurven. Ein Layer hat einen Inserteffekt und die zur Engine (also de facto dem Kit) gehörenden drei Sends. Eine Besonderheit bei GURU ist die Aufteilung der 16 Pads in vier absolut sinnvolle Kategorien: Kicks, Snares, Hihats und Percussion. Wenn man ein Recycle File importiert, sortiert GURU die Schläge automatisch. Das ist sinnvoll in der Vorvereitung für den weiteren Mixdown, allerdings ist das Guru-Keymapping auf diese Art nicht kompatibel mit den Original Rex Midifiles. Das ist aber nicht so wichtig, denn Guru kann selbst Midi Files erzeugen. Die Bedienung funktioniert reibungslos, vor allem die Schnelligkeit des Browsers und seine Exaktheit beim temposynchronen Vorhören von Rex-Files sind absolut top. Selbstverständlich kann Guru auch normale Audiofiels selber slicen und kategorisieren.

Man merkt das Guru einer seltenen Instrumentengattung entstammt die auszusterben droht: es ist für Profis und Frickler konzipiert und besitzt extrem viele optionale Profifunktionen. Dazu gehört zum Beispiel, dass sämtliche Guru-Options-Einstellungen als Teil eines Songs wahlweise mitgespeichert werden oder unabhängig vom Song voreingestellt bleiben können. Im Browser kann man für Einzelteile, die man laden will, separate "Favorites" erstellen. Auch mit Laptoptastatur kann man Guru triggern, Oder es gibt z.B., je nachdem ob man Shift, Ctrl-Shift oder Alt+Shift drückt, unterschiedliche Shortcuts zur Bedienung und Livesteuerung von Guru (das ist allerdings für meinen Geschmack zu kompliziert gelöst und verwirrt). Dazu gehört ein eingebauter Audiorecorder, der wahlweise nur ein Pad, einen Track, eine Group, eine Engine oder Guru insgesamt mitschneidet. Der Mitschnitt wird automatisch der Patternlänge angepasst und kann als Audiofile exportiert werden. Bei er Automation lassen sich mehrere Paramter gleichzeitig steuern. ein Rechtsklick auf ein "Pad" erlaubt den Export aller Pads als Kit inklusive Samples. Neben dem sehr intuitiv bedienbaren Patterneditor gibt es einen Graph- Editor, wo übersichtlich für jeden Schlag Kurven eingezeichnet werden könen, z.B. für Velocity, Pitch, Cutoff- oder Timingschwankungen. Sogar Reverse oder Rolleffekte kann man hier kinderleicht erzeugen. Guru funktioniert ohne Dongle und kommt mit grosser Soundlibrary. Die Samples sind im normalen .wav Format. Es ist faszinierend, wie schnell man in Guru einen Groove gebaut hat. Die Patternprogrammierung ist einfach zu begreifen, bei den Details dagegen wird es manchmal auch etwas komplizierter. GURU kostet 199 Euro, funktioniert stabil standalone und auf allen Plattformen als Plug-In, auch unter Pro Tools/RTAS. Registrierten Usern stehen zahlreiche Artistkits und -patterns zur Verfügung wie z.B von Deadmau5 (www.fxpansion.com). Guru ist ein echter Geheimtip.

RM V Drum Addiction

Auch Linplug ist so eine Geheimtipfirma, deren FM-Synth Octopus mich beispielsweise nach wie vor begeistert. Der RM V Drumsampler ist Nachfolger des recht erfolgreichen RM IV, hat einige Funktionen mehr, ist aber leider manchmal nicht auf Anhieb zu begreifen. Was RM V kann,was andere nicht können: RM V hat für die Pads eigene Synths! Man muss also kein Sample laden, sondern kann die Drumsounds selbst erzeugen! Ausserdem hat RM V sechs Loop-Player, die Drumloops laden (und slicen) können. Die Drumloops lassen sich nach etwas Eingewöhnung so editieren, dass markierte Schläge zu separaten Editgroups gehören können, für die sich unterschiedliche Settings (z.B Cutoff, Outputs etc.) eingestellen lassen. Was RM V nicht kann: Patterns werden ausserhalb von RM V programmiert, aber Midi Files lassen sich laden. Aus Sicht eines NI Users ist RM V vielleicht eine Mischung aus Battery und Intakt. RM V funktioniert aber nur als Plug- In und nicht standalone.

 
EZ Drummer
RM V Drum Addiction

Jedes Pad und auch jedes Slice eines Loops kann 3 mit eigenen Inserteffekten und zwei Sends sowie einem Vieband EQ aufgepimpt werden. Es gibt eine Modulationsmatrix ähnlich wie bei Albino. Für die Synthdrums stehen verschiedene Module mit unterschiedlichen Parametern zur Verfügung, z.B. Kickmodule und Snare und Hihatmodule. Samples lassen sich ähnlich wie in Linplug's Cronox verwalten, Editing in einem externen Editor ist möglich, sehr gut mitgedacht hat man bei der Option, einfach eine Kopie des aktuellen Samples zu benutzen. Jedes Drumpad kann bis zu 30 Samples verwalten! Auf dem Mac unter Logic brauche ich ein paar Brife mit Linplug, um Sounds spielen zu können, denn die Pads reagieren nur auf Midikanal 10, den ein normales Softwareinstrument nicht anspricht, und ich muss mir ein Extrainstrument im Enviornment basteln. Ähnlich ist es beim Loopimport, den kleinen I Knopf finde ich einfach zu versteckt. Der kleine Knopf mit dem D-Symbol zieht ein Midifile in den Sequencer und der kleine H Knopf muss erst mal ausgeschaltet werden, damit ein Loop nicht im Hold-Modus weiterläuft, sondern sich von der Midisequenz triggern lässt. Ein Profi springt über solche Hindernisse vielleicht hinweg und erfreut sich der tollen Sounds, ein Anfänger bleibt hier sicher hängen und deshalb muss man sagen: das Interface Design ist leider nicht so gelungen, was schade ist, denn RM V hat einiges Potential unter der Haube.

EZ Drummer
RM V Drum Addiction
 

Die Library auf einem externen Laufwerk zu installieren funktionierte bei mir ebenfalls nicht reibungslos. Auf einem anderen Rechner hatte ich genug Platz und km in den Genuß der 10.000 Drumsounds, 2600 Midi Grooves und 1500 Loops die mitgeliefert werden. Besonders die Drumsounds gefallen mir. Temposynchrones Vorhören von Rex-Files hat dagegen nicht richtig gut funktioniert. Vor der aktuellen Version 5.04 unter Logic 9 muss ich danke ein paar Crashs eher warnen. Mit Ableton Live als VST funktionierte RM V besser. Allerdings ist laut Linplug ein Update in Arbeit. Möglicherweise tauchen die Probleme auf einem Windows PC auch nicht auf. Auf www.linplug. com ist ein RM V Demo herunterladbar, da könnt ihr es selbst ausprobieren. Die Vollversion kostet 139 Euro.Korrektur Tools wie "Vari Audio" oder "Pitch Correct" versprechen Gesangbearbeitung im Melodyne Stil. Schliesslich wird Cubase mit "Reverence" auch ein Faltungshall-Plug-In haben.

Zum Schluß noch ein Wort zu neueren Konkurrenten auf dem Markt: Wer z.B. mehr über die neuen Beatmaschinen BPM von MotU und Maschine von Native Instruments wissen will, schaut am besten im Synthesizer Magazin nach, wo ich beide extrem ausführlich getestet habe. BPM hat seine Stärken vor allem bei den R&B Hip Hop Sounds und ein ähnliches Konzept wie Guru, aber mehr Optionen für Effekte, das Spielen von Instrumenten und eigenes Sampling. Dafür braucht es einen Dongle und der Browser ist nicht ganz so komfortabel ausgestattet. Gelayerte Sounds haben zwar eigene Effekte, aber keine eigenen Hüllkurven. Native's Maschine bietet einen Hardwarecontroller und innovative Patternprogrammierung, hat aber (noch) Schwächn beim Sampleediting und Songarrangement. Letztlich bleibt die Wahl Geschmacksache. GURU und von den Soundoptionen auch RM V sind sicher Geheimtips mit denen man Beats machen kann, die man so noch nicht gehört hat.


Text: Heiner Kruse aka The Green Man
Der Text erschien im Headliner Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
24.02.2017, 04:39 h | 12 Junglists online