Home   Tech Report   Producing

Gearjunkies Corner - Beats Special




Dieses Mal gehts um Drumsamplerprogramme. Als Samplerfreak bin ich erst mit etwas Verspätung bei diesem für Drum & Basser doch nicht gerade unwichtigen Thema angelangt. Das hat aber auch damit zu tun, dass mir bei ersten Versuchen vor Jahren deutlich instabilere Programme vorlagen, heute dagegen funktionieren die Dinger wie am Schnürchen und es macht wirklich Spaß!


EZ Drummer: Schnell trommeln für Einsteiger

Die Firma Toontrack bietet mehrere Drummingprogramme an. EZ Drummer ist die Einsteigerversion, für die es jede Menge zusätzliche Drumkits gibt, die sich aber auch in den grossen Bruder "Superior Drummer" laden lassen, den wir vielleicht bei einer anderen Gelegenheit testen können.

 
EZ Drummer
EZ Drummer

Das Programm bietet zunächst eine Vollansicht eines Drumsets und mit Mausklicks auf die Trommeln kann man die Sounds probehören. Oben mittig wählt man das gewählte Soundpack aus (mitgeliefert: Pop/Rock und Cocktail EZX), links daneben das eigentliche Kit, welches man sich über die unauffälligen "Construction Bars" mit Pfeil unten an den Drums selbst zusammenstellen kann. Mit dem Velocity-Knopf stellt man schnell ein, wie fest der Dummer draufhaut - Humanize bringt leichte Ungenauigkeiten mit rein.

Der Mixer erlaubt einfache Volume, Pan und Grouping -Funktionen sowie Routing auf sieben externe Stereo-Outs. Bemerkenswert dabei ist das Vorhandensein separater Snare "Top" und Snare "Bottom" Kanäle (ausserdem: Kick, 3xTom, HiHat, Overhead, Room) sowie zwei Optionen, rumnebengeräusche wie sie bei Mikrofonierung entstehen mit einzublenden.

EZ Drummer
EZ Drummer
 

In der Groove-Library ist eine umfassende Sammmlung an Midi-Files dabei, die grob nach Genres ("Styles") sortiert sind, dabei aber für jedes Genre zusätzlich Grooves und Variations beinhalten. Grooves lassen sich problemlos vorhören, laden oder per drag&drop als Midifile in den Sequencer ziehen. Über das "?" Menü ganz rechts kann man auf den User Midi Folder (sowie u.a. auf Tutorials) zugreifen, um eigene Midifiles zu importieren. Wer mehr Stellschrauben braucht, sollte vermutlich ohnehin noch ein paar Tage warten, denn Toontrack scheint ein neues Produkt zu entwickeln, das evtl. erlauben wird, eigene Samples zu laden, falls ich die Andeutungen auf der Website richtig verstanden habe. Denn sowohl EZ Drummer wie auch die grösseren hier angesprochenen Programme können zwar jede Menge zusätzlich kaufbare Kits, aber keine eigenen Samples importieren. EZ Drummer ist das richtige Programm für alle die schnell loslegen und keine Bedienungsanleitung lesen wollen, auch wenn die Installation etwas dauert, da erst das Original, dann das Update und dann das Zusatzpack "Cocktail" plus dessen Update installiert wird. Zwei Computer-Autorisationen per Challenge/Response sind möglich. Man blickt schnell durch und die wichtigsten Funktionen sind vorhanden. Der Sound ist auf Anhieb gut und kräftig.

EZ Drummer kostet 119 Euro (Streetprice 99 Euro, Superior Drummer 209 Euro) Drumpacks kosten zwischen 55 (z.B 33 gesampelte Drumcomputer) und 69 Euro (Metal Foundry) , ein Midi Monsterpack (ca. 450 Midifiles) 15 Euro.

Addictive Drums

Die Installation ging sehr schnell - das 1,5 GB grosse File musste heruntergeladen werden. Das Programm kann auf vier Rechnern autorisiert werden, zwei der Autorisationen können aktiv sein.

 
Addictive Drums
Addictive Drums

Addictive Drums bietet intuitive Möglichkeiten, an Drums zu schrauben. Mitgeliefert wird ein "Machine Kit", das sich extrem nach elektronischen Drums anhört. Etwas irritiert von der Diskrepanz zwischen den abgebildeten Naturtrommeln und dem elektronischen Sound schaue ich mir die Edit-Page an, wo sich für Pitch und Volume intuitiv Hüllkurven einzeichnen lassen, mit denen man eine Sustainlänge mehr als mit üblichen ADSR-Reglern einstellen kann. Ausserdem finden sich dort noch Filter, Compressor, Distortion (incl. Bitcrushing), EQ, Saturation und Sendeffekte pro Sound. Für Kick und Snare lässt sich die Mic-Position zwischen zwei Polen verschieben. Insert-Settings lassen sich per copy/paste austauschen. Auch wenn es schade ist, dass man auch in Addictive Drums keine eigenen Samples laden kann, so ist es doch wiederum erstaunlich, wie effektiv und gut klingend man das mitgelieferte Material in Soundrichtungen, die ich hier mal "Ballad" bis "Electronic" nenne, verbiegen kann. Hierzu tragen auch die zusätzlichen Effekte in der Mastersektion bei.

Der Mixer verfügt über acht Mono-Kanäle (Kick, Snare, HiHat, Xtra, Tom 1-4) plus Overhead, Room, Bus und Master Stereokanalzüge. Im Groove-Bereich findet man eine stilsortierte Midifiles-Sammlung mit Favoritenliste Text-Search Funktion. Auch hier lassen sich Beats problemlos in den User-Ordner importieren, vorhören und in den Sequencer ziehen. Wie stark getrommelt wird kann ebenso eingestellt werden wie eine "Höchst-" oder "Mindestvelocity" und Beattempoveränderungen (Half, Double, 66,67%, 150% usw.). Edits nimmt man dann im Sequencer vor.

Addictive Drums
Addictive Drums
 

Zwei integrierte Reverbs lassen sich aktivieren (Plate, Ambience, Room, Hall), editierbar bezgl. Pre-Delay, Länge und Dämpfung Ein Gated-Reverb a la Phil Collins ist allerdings nicht möglich, vielleicht auch wegen der Bus-Architektur. Auch ein Delay sucht man vergebens. Dafür überzeugen die Hall und Effektpresets allerdings mit sehr gutem, griffigem Sound. Kurzes Drehen an Reglern führt sehr schnell auch zu brauchbaren Ergebnissen. Im Preset-Menü finden sich deshalb bereits viele genrespezifische Drumkits, die mit Hilfe dieser Soundeinstellmöglichkeiten konstruiert wurden (und auch ein "Leerkit"). Freude kommt auf, wenn sich dabei auch ein "Junglist" oder "DnB" Kit findet. Auch ein für Elektronikmusik bekanntes Programm wie Ableton erzeugt seinen elektronischen Sound oft mit Hilfe von einfachen Tonhöhenveränderungen (Einzeldrumsounds hochpitchen). Kits und einzelne Sounds lassen sich ohne ruckeln "on the fly" bei laufendem Beat austauschen.

Das Programm kostet 237 Euro (189,- Street Price), zusätzliche Drumpacks (12 Kit Pieces, 400 MIDI Grooves, 30 Presets) kosten ca. 64 Euro. Midi-Packs mit 200 Beats 23 Euro.


Text: Heiner Kruse aka The Green Man
Der Text erschien im Headliner Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
20.08.2017, 19:10 h | 11 Junglists online