Hersteller: Clavia Produkt: Virtueller Modular-Synthesizer Preis: ca. 2.000,- Released: Sommer 2004
Modularsysteme kennt man ja...
Was die Schwedische Firma Clavia auf den Beine gestellt haben, ist aber nicht
nur ein gewöhnliches Modularsystem, sondern eine gute Kombination aus Hard-
und Software. DSP - Power pur!
Clavia
Die Schwedische Firma Clavia hat vor 20 Jahren begonnen exzellente Synthesizer
zu bauen. Mittlerweile sind viele Boliden, so auch der Nord Modular, erschienen,
was dazu führte, dass die Schweden nachgelegt haben und vor einigen Wochen
den Nord Modular G2 auf den Markt brachten. Wer das erste Modell schon kennt,
weiß, dass Clavia damals sehr gute Arbeit geleistet hat. Genau hier haben
die Entwickler angeknüpft und mit der zweiten Version einen fast perfekten
Synthesizer in Modularform geschaffen.
Seht aber selber, was der rote Kasten aus Skandinavien alles kann:
Der G2 ist eine neue Maschine und hat mit dem Vorgänger nur bedingt Gemeinsamkeiten.
So ist es leider nicht möglich alte Patches in den G2 zu laden, da diese
nicht zum alten Modular kompatibel sind.
Nichts desto Trotz überzeugt das eigenständiges Konzept, indem man den
Modular - Synthesizer per USB mit dem Rechner verbindet und ihn dann anschließend
per Computer steuert. Virtuelle Module wie Oszillatoren, Filter und Verstärkern
können mit virtuellen Kabeln zusammengefügt werden. Dieses Konzept wurde
zudem von unzählig vielen kostenlos verfügbaren User - Sounds unterstützt.
Per Download auf www.clavia.se konnte man sich immer auf dem neuesten Stand halten
und neue Sounds laden.
Das Nord Modular G2-System besteht grundsätzlich aus zwei Teilen: Dem Synthesizer
und dem Software-Editor. Die Klangerzeugung findet im G2 selbst statt. Der Anschluss
des G2 an den Rechner erfolgt via USB 1.1.
Man benötigt die Software nicht zwingend zum Spielen, sondern nur zum Erstellen
von Sounds. Das Verkabeln von Modulen bei einem Hardware - Modularsystem und dem
anschließenden Einstellen der Parameter waren hier das Vorbild. Die fertig
erstellten Sounds werden im G2 gespeichert und können ohne die Editor - Software
gespielt und editiert werden.
Das Editieren bezieht sich hier auf das Verändern der Parameter der verkabelten
Module. Verändert man einen Paramter im Editor, werden diese auch vom G2
angezeigt. Umgekehrt passiert natürlich dasselbe.
Gesamtansicht Nord Modular G2
Es gibt den G2 als Keyboard und als Rack - Version. Beide besitzen die gleiche
DSP - Leistung. Die G2 Engine muss allerdings über den Software - Editor
oder über MIDI editiert werden, kostet dafür allerdings weniger als
die Hälfte.
Die Soundauswahl ist bei Clavia gesondert zu betrachten. Die Schweden nennen den
Sound „Patch“, was auch Sinn macht, da es sich beim Modular um ein
Modularsystem handelt. Will man nun einen Sound laden, hat man die Slots A bis
D zur Verfügung, welche nun mit „Patches“ gefüllt werden
können. Pro Patch sind beim G2 bis zu acht Variationen speicherbar. Diese
basieren alle auf dem gleichen Patch, allerdings mit verschiedenen Parameter-Einstellungen.
Der Modular-Synthesizer hat sehr viele Module. Von traditionellen Bauteilen wie
Filter, Oszillatoren und Hüllkurven - Generatoren über Effekte und Step
- Sequenzer bis hin zu Spezialmodulen ist die Auswahl sehr groß.
Die Auswahl an Oszillatoren: Oszillator mit FM, Shape Oszillator, Phase Modulation
Oszillator, Dual Oszillator, Drum Synth, Noise Generator, Percussion Oszillator
und String Oszillator.
Die Auswahl an Filter: LP 6 - 36 dB, HP 6 - 36 dB, Nord 12 / 24 dB, Multi Filter
6 / 12 dB, Classic LP 12 / 18 / 24 dB, Static 12 dB, Vocoder, Wah-Wah, Kuhschwanzfilter,
EQ 2 band, EQ 3 band, Comb Filter und Phase Filter.
Display und Auswahl
Im Bereich Sequenzer lautet die Auswahl: Event Sequenzer, Level Sequenzer, Note
Sequenzer und Control Sequenzer.
Die Auswahl beim Shaper sind: Clip, Overdrive, Wavewrapper, Rectifier, Static
Shaper, Saturation und Exp. Shaper.
Bei den Effekten sieht es ebenfalls gut aus. Hier stehen Stereo Chorus,Phaser,
Flanger, Digitizer, Frequency Shifter, Reverb und ein Kompressor zur Verfügung.
Kommen wir aber nun zur Software, die ja einen wesentlichen Bestandteil des G2s
darstellt.
Wir öffnen die Software zum ersten Mal und bemerken, dass den Programmierern
eine geniale Umsetzung gelungen ist. Alle Module, die in die Software geladen
werden, stehen sofort zur Verfügung. Dabei sind die Möglichkeiten dieses
Modularsystems fast unendlich, da man den Signalweg frei wählen kann. Hier
steht einem nur die endliche DSP-Leistung im Weg, die aber vom Hersteller sehr
hoch angesetzt wurde.
Zudem hat Clavia die DSP-Last geschickt verteilt, so dass jede Menge Module geladen
werden können. Wir mussten schon eine ganze Menge an Modulen in die Software
laden, bis das System nicht mehr einwandfrei Musik ausgab. In unserem vierwöchigen
Test haben wir diese Situation im Studio nie erlebt. Will man also coole Sounds
kreieren, braucht man sich also um die Leistung keine Sorgen machen, da es recht
unwahrscheinlich ist, dass man mit nur einem Gerät ein Lied produziert. Wer
das Gerät allerdings für den Live-Einsatz benötigt, könnte
etwas ins Straucheln geraten. Für diesen Fall hat Clavia schon einmal vorgesorgt.
Für gerade einmal 400 € bekommt man eine DSP-Erweiterung, die noch einmal
ordentlich Leistung verspricht.
Wo wir aber schon einmal beim live spielen sind, müssen wir leider noch erwähnen,
dass beim Löschen, Einfügen oder Kreieren eines Moduls der Sound kurz
aussetzt. Hier muss man aber die Hoffnung nicht aufgeben, denn Clavia updatet
regelmäßig ihre Software.
Ein weiterer großer Vorteil sind die vielen verschiedenen Farben, die Clavia
zum Einsatz bringt. Mag man sich zwar am Anfang fragen, warum denn alles so bunt
gestaltet wurde, ergibt die Vielfalt der Farben beim konzentrierten Arbeiten einen
Sinn. Insgesamt müssen nämlich drei Signalwege unterschieden werden.
Die Audioanschlüsse der Module sind rot eingefärbt, die Controll-Anschlüsse,
zum Beispiel für Hüllkurven oder LFOs, tragen die Farbe blau und die
Logic-Signal - Anschlüsse wurden vom Hersteller mit gelb und orange unterlegt.
Endlosdrehregler
Der Aufbau von Modulen ist sehr einfach gehalten, die Möglichkeiten sind
dagegen enorm. Umso mehr man an den Modulen herumschraubt, desto abgefahrene Ergebnisse
sind realisierbar. Hier gilt dann allerdings die Devise, dass nicht geraten wird,
sondern vielmehr mit Logik vorgegangen werden muss. Wer am Anfang erst einmal
nicht das nötige Fundament oder Ausdauer besitzt, kann natürlich auf
der Homepage von Clavia neue Sounds runterladen. Ein reisen Vorteil ist nämlich
die sehr große Community, die regelmäßig für frischen Sound
sorgt.
Will man es aber am Anfang etwas ruhiger angehen, muss man einfach per Drag &
Drop die Module in den Editor einsetzten und schon kann’s losgehen. Um eine
Kabel - Verbindung herzustellen, wählt man einen Ein- oder Ausgang eines
Moduls aus und bewegt das Kabel zur gewünschten Verbindung. Fertig ist das
Modul!
Weiterhin hat Clavia noch die Möglichkeit des Replacing Modules untergebracht.
Tauscht man zum Beispiel einen Filter gegen einen anderen aus, so werden die angeschlossenen
Kabel beim neuen Modul automatisch gepatcht. Bedingung dafür ist allerdings,
dass das „alte“ und „neue“ Modul aus der gleichen Gruppe
stammen. Dies erspart Arbeit und ermöglicht so das einfache Ausprobieren
einzelner Module. Sehr schön!
Ein großer Vorteil vom Nord Modular G2 ist die anfangs erwähnte Flexibilität.
Schaut man sich allein schon die acht Endlosdrehregler, die auch als MIDI-Controller
dienen können, an, so ist es möglich, fast alle Parameter über
diese zu steuern. Rechts unten stehen dafür die fünf Page-Taster zur
Verfügung. Diese sind in die Bereiche Oszillator, LFO, Envelope, Filter und
Effekte unterteilt. Wer will, kann aber auch andere Parameter, wie die des Sequenzers,
steuern.
Bei dieser Art der Parameterregulierung ist aber noch nicht Schluss. Clavia hat
auch noch so genannte „Columns“ als Unterbereiche der Parameter ermöglicht.
Rechnet man sich einmal die vorgegebenen Möglichkeiten aus, kommt man auf
eine sehr große Anzahl pro Patch bzw. Sound.
Ein weiteres Feature ist die Morphmöglichkeit. Mit dieser ist es nämlich
möglich fließende Übergänge zwischen zwei einzelnen Klangvariationen
zu realisieren. Hierfür hat Clavia den Pitch-Stick und das Modulationsrad
geschickt auf der linken Seite untergebracht, so dass beim live spielen noch die
rechte Hand zum Spielen übrig bleibt. Für Live-Freaks genau das Richtige!
Wer nun seine entwickelten Patches speichern will, hat bei Clavia zwei Möglichkeiten.
Zum einen bieten die Schweden an, dass man die Sounds im G2 selbst und im Computer
ablegen kann. Pro Patch kann man acht „Variations“ speichern. Zudem
gibt es 32 Speicherbänke á 128 Patches. Man könnte so über
4000 unterschiedliche Patches im G2 ablegen, sodass man sich also um die Vielfältigkeit
keine Sorgen machen muss. Wie viele Patches nun genau gespeichert werden können,
hängt davon ab, wie Komplex die einzelnen Module sind.
Parameter Pages
Nun werdet Ihr Euch sicherlich fragen, wie es um die Sounds des G2s steht. Bei
diesem wichtigen Kriterium hat der Hersteller ganze Arbeit geleistet, denn die
Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Stept man bei den ersten Malen durch
die Soundbänke, wird man zunächst nicht vom Hocker gerissen. Dies ist
aber auch ganz bewusst so gewählt, denn ein 1a-Sound muss nicht großartig
verändert werden. Dafür seid Ihr verantwortlich!
Der Hersteller hat sehr gute Basissounds geschaffen, sodass richtig coole Möglichkeiten
entstehen können. Allein der Shaper ist hier zu erwähnen, denn die Techno-
und Schranzfreunde werden mit diesen Modulen schmutzige Sounds erschaffen können.
Wer etwas flächigere Sounds mag, wird ebenfalls nicht enttäuscht. Die
Schweden haben nämlich in Sachen Lead-Sounds ein sehr großes Lob verdient.
In unserer zweijährigen Testphase haben wir noch kein Gerät getestet,
das die Flächen so klar und brillant im Arrangement erscheinen lässt.
Hier könnten fast alle Hersteller neidisch werden.
Weiterhin ist zu erwähnen, dass der Hersteller eine sehr gut geschriebene
Bedienungsanleitung mitschickt. Wer auf Fragen stößt wird, wird nicht
im Stich gelassen.
Zu guter letzt haben wir uns über das Konzept noch einige Gedanken gemacht
und haben festgestellt, dass Clavia zur Übertragung von Sounds die USB-Schnittstelle
verwenden könnte. So würde man sich die DA- und AD - Wandlung ersparen,
was der Qualität nur gut tun würde. Vielleicht wird dies aber bald realisiert…
Fazit Clavia Nord Modular G2
Der Modular G2 ist eine Bastel-Maschine. Mit ihrer reichhaltigen DSP-Power kann
man eine Menge an Möglichkeiten rausholen. Das Tolle an diesem System ist
die Verbindung aus Computer und Hardware-Synthesizer. So hat man diese beiden
Komponenten voneinander getrennt und kann sich darauf verlassen, dass beides eigenständig
funktioniert.
Die Möglichkeit den G2 auch als MIDI-Controller einzusetzen spart zudem Geld
und beweißt, dass es sich hier um ein Profigerät handelt.
Wer mit Modular-Systemen Freude hat, wird vom Clavia Nord Modular G2 nicht enttäuscht.
Wer auch noch mehr Leistung haben will, kann zudem durch ein einfaches Upgrade
mehr DSP-Power erhalten. Wo gib es so etwas schon?
Der Preis von 2.000,- € für die Keyboard-Version ist unterm Strich vollkommen
gerechtfertigt. Wer etwas Geld sparen will oder überhaupt nicht an Live-Auftritten
interessiert ist und schon ein MIDI-Keyboard besitzt, kann natürlich auch
zur Rack-Version greifen. Diese kostet ca. 1.000,- € und nimmt zudem weniger
Platz in Anspruch. Clavia
Nord Modular G2 Homepage Text: Kilian Heller
Der Text erschien auf loveparade.net
und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.