Home   Tech Report   Producing

Ableton Live 6 LE


Hersteller: Ableton
Produkt: Live 6 LE
Preis: ab 129,- € (Downloadversion)
Released: 2007

Knapp ein Jahr nach dem Ableton Live 6 in die Läden kam, ist nun auch die "Einsteigerversion" Live 6 LE erhältlich, die sich laut Ableton vor allem an Hobbymusiker und eben Einsteiger richtet. Live 6 wurde ja bekanntlich seit Erscheinen mit Lorbeeren geradezu überschüttet, weswegen wir nun seinen kleinen Bruder einem Test auf Herz und Nieren unterziehen wollen.


Als Erstes fällt dem Betrachter ins Auge, das der „kleine Bruder“ gar nicht so klein ausgefallen ist, wie man das teilweise von anderen Programmen her kennt. Sämtliche musikalischen Hauptfeatures sind vorhanden, so dass einem der Einstieg in (professionelles) Recording, Arrangieren und Produzieren ebenso möglich ist, wie Remixing, DJing und die (nomen est omen) passende Livepräsentation.

 
Ableton Live 6 LE
Ableton Live 6 LE
Die Aufnahmequalität erreicht (wie bei Live) 32 Bit und 192 kHz, womit jeder gewünschte und nötige Bereich problemlos abgedeckt wird, da bereits bei 98 kHz ein exakter digitaler Klon eines analogen Audiosignals erreicht wird.

Masse mit Klasse ist auch das Motto des Sequenzers, auf dem 64 Audio und beliebig viele MIDI-Spuren Platz finden, die mit über 20 (vor allem) mehr oder (manchmal eben auch) weniger professionellen Audioeffekten bearbeitet werden können, sprich: Filter, Delays, Verzerrer, Kompressoren und EQ`s und einige mehr. LE enthält darüber hinaus noch zwei eigene Software-Instrumente, nämlich Simpler für Sample-basierte Synthese und den Impulse, einen sehr feinen Drumcomputer, in dem eigene Drum- und Perkussivsamples kinderleicht hineingezogen werden können – drag and drop sei Dank.

Natürlich unterstützt Live 6 LE auch die gängigen Plugin-Formate VST und AU, ohne die eine Produktion zwar möglich, aber nur sehr eingeschränkt zu empfehlen ist. Live 6 ist eben kein Stand-alone-Programm (wie z.B. Reason), sondern „nur“ ein Sequencer, wenn auch einer der „besonderen“ Art.

Die Möglichkeiten der Instrumentenauswahl bringen dann bereits den ersten Unterschied zu Live 6 mit sich: Kann man im „Big One“ von jedem Effekt oder Instrument so viele Geräte benutzen, wie die CPU hergibt (also zehnmal der Impulse, fünf mal Hall, zwanzig Filter, etc.), ist bei LE recht früh Schluss: Es können insgesamt (!) nur 12 integrierte, 2 externe VST/AU-Effekte sowie 8 integrierte und 2 externe VST/AU-Instrumente simultan verwendet werden.

Arrangement
Arrangement
 
Was sich zugegebenermaßen für LIVE 6-Benutzer verheerend anhören mag, relativiert sich aber schnell: Wenn man die jeweiligen Spuren nämlich in Audiodateien umwandelt, kann man sehr wohl ein Instrument öfter als angegeben benutzen. Und mehr als 8 interne Effekte pro Spur sind wohl nur bedingt nötig, zumal ja selbst dann die Audiospur zumindest noch mit Audioeffekten bearbeitet werden kann.

Dem Original gleich ist die Audio-Abteilung von Live LE, die Echtzeit- Timestreching und Warping von AIFF-, WAV-, Ogg-Vorbis-, FLAC- und MP3-Dateien ermöglicht, und dem Remixing und vor allem dem DJing ungeahnte Impulse verleiht. Wer gesehen hat, wie kreativ und kindlich ungehemmt man Audio-Dateien (ohne Schneideprozess) zerstückeln, loopen, strechen und innerhalb der Takte verschieben kann, ohne das Zusammenspiel mit anderen (unveränderten) Audio- und MIDI-Spuren zu stören, erst der weiß, was geht. Das Synchronisieren von Audio-Files mit Schallplatten ist damit (wie von Richtie Hawtin und Ricardo Villalobos back2back gerne verwendet) problemlos möglich.

Selbstverständlich ist die Multicore- und Multiprozessor- Unterstützung genauso wie beim Original und ermöglicht effektive Leistungsverteilung (obwohl LE natürlich auch Einprozessor-Rechnern läuft). Darüber hinaus enthält Live 6 LE in der Box-Version (im Unterschied zu der preisgünstigeren Downloadversion) noch haufenweise Samples (Essential Instrument Collection LE Edition von SONiVOX), Loops und Construction Kits (Unnatural Selection von Puremagnetik).

 
Sessions
Sessions
Ebenso für die Downloadversion erhältlich sind zahllose Presets für die internen Instrumente und Effekte, die gerade Anfängern den Einstieg ins Musizieren wie auch das Verstehen der Geräte enorm erleichtern.

Wer es noch ausführlicher haben will, dem seien die integrierten und sehr ausführlichen Step-by-step-Tutorials an Herz gelegt.



Das deutsche Handbuch ist gedruckt allerdings nur in der Box-Version zu haben (und der einzige Grund, warum es sich überhaupt um eine Box und keine CD-Hülle handelt).


Fazit Ableton Live 6 LE

So kann man schlussendlich festhalten: Wer mit den erläuterten Einschnitten leben und auf die Filmbearbeitung vollständig kann, dem kann man bedenkenlos die LE-Version empfehlen, da ja für diverse (unumgängliche Plug-Ins) auch noch gute Sümmchen locker zu machen sind.

Wer nicht sicher ist, ob er nicht doch auf die Live 6-Version umsteigen will (deren Preis bei ca. 469 EUR liegt), der sollte sich auf jeden Fall erst mit der LE-Version (Download) versuchen, da sich diese problemlos upgraden lässt, und 300,- EUR Preisunterschied ja auch kein Pappenstiel sind. Zu welchem Preis das Aufstocken der Download-LE-Version auf eine Download-Live 6-Version möglich ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, weswegen sich hier der Besuch der sehr empfehlenswerten Ableton-Site im Internet empfiehlt.

Ableton Live 6 LE Homepage

Text: JT
Der Text erschien auf SCRNS Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
24.02.2017, 04:42 h | 6 Junglists online