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Serato - Scratch Live


Hersteller: Serato
Produkt: MP3- / Vinyl-Player
Preis: ca 799,- €

Seit ca. 2,5 Jahren bin ich nun begeisterter User von Scratch Live und anläßlich des neuen Updates auf Version 1.9.0 inklusive neuem USB 2.0 Interface SL3 denke ich, dass es Zeit für eine neue Bestandsaufnahme ist.

Wer Scratch Live nicht kennt: es handelt sich im ein DJ-Programm, mit dem man mit Hilfe von Timecode Platten auf Plattenspielern, Timecode CDs auf CD-Playern oder auch einfach nur mit einem Computer Audiofiles ineinander mixen kann. Bedingung hierfür ist eine angeschlossene Serato Hardware (z.B. SL1, SL3 Interface, Numark TTM57SL Mixer). Die besondere Stärke von Serato Scratch liegt in der Stabilität des Programms, es hat sich meiner Ansicht nach als erstes Programm überhaupt für professionellen Einsatz bewährt, auch wenn sich die Marktlage natürlich ständig ändert und nun viele Konkurrenzprogramme inklusive Natives "Traktor" existieren. Mein letzter Test bezog sich auf Version 1.7 und findet sich auf meinem Blog auf www.thegreenman.de oder in der entsprechenden Ausgabe von "Resident". Das "alte" USB 1.1 SL1 Interface wird weiterhin angeboten und unterstützt.

Software

Seit Version 1.8 verfügt das Programm auch über einen Autoloop-Modus. Wenn die BPM Zahl eine Stückes von Scratch erfasst wurde kann man dieses in neun Stufen von 32 Takten bis hinunter zu 1/8 Takt (in jeweils halbierenden Schritten) loopen.

Serato Logo
Serato
 

Ich konnte im Oktober 2008 bei einer Party in Köln Marky bei der Arbeit mit Scratch zusehen und war begeistert: Scheinbar völlig improvisiert und spontan nutzte er die Loop Funktion, um seine Mixe prägnanter zu machen und hatte auch keine Hemmungen, einen automatischen Loop ohne Vorhören bei einem "laufenden" Stück zu aktivieren. Das Beste dabei: im "relative" Mode kann man auch mit Vinylsteuerung solche Loops einsetzen, da das Vinyl nur die Vorwärts-/ Rückwärtsbewegungen und nicht die absolute Position bestimmt. So kann man also zum Beispiel einen Instrumentalteil eines auslaufenden Stückes endlos loopen, um genug Zeit zu haben, ein neues Stück prägnant hineinzumischen (dessen prägnantes Intro man unter Umständen ebenfalls noch loopen kann). Auch ich habe bei meinen DJ Sets schon viel Freude mit diesen Funktionen gehabt, nachdem die erste Hemmschwelle überwunden war.

Die Scratch Software beherrscht nun MIDI Fernsteuerung - alle möglichen Funktionen können MIDI Befehlen von Geräten zugeordnet werden, die das Computer OS sendet. Scratch unterstützt außerdem die Fernsteuerung durch diverse Geräte nativ (z.B. Denon HC-4500, Numark iCDx oder Pioneer MEP-7000 - die genaue Liste aller unterstützten Geräte findet ihr unter www.scratchlive.net). Version 1.9 bringt unter anderem 6 neue Sample Player, die sich auf Wunsch ein- und ausblenden lassen. Hier können Audiofiles geladen und auf verschiedene Art "getriggert" werden (so dass sie z.B. nur so lange spielen, wie man eine Taste drückt oder automatisch bis zum Ende spielen). Praktischerweise funktioniert das Triggering der Player auch über die Laptop-Tastatur, hierfür steht die untere der 3 Buchstabentastaturreihen zur Verfügung. Das macht Sinn, denn Reihe eins (QWERTZ..) steuert DECK A, Reihe 2 (ASDFG...) Deck B und nun eben Reihe 3 (YXCVB...) die Sampleplayer.

 
Softwareoberfläche Scratch Live
Softwareoberfläche

Ist das neue SL3 Audio-Interface angeschlossen, lassen sich die Player auf einen separaten, physikalischen Audio-Out routen, ansonsten lassen sie sich auch immer nach links, rechts oder auch auf beide Outs (M) schicken (auch mit SL 1). Mit Hilfe des SL3 kann auch in den neuen Aux-In hinein ein Mitschnitt des Abends aufgenommen werden. Mit "Live Feed" kann der Mic oder Aux In sogar an ein Deck gestreamt werden (indem man den in der Library befindlichen Track "Live Feed" in ein Deck lädt). Mit Neuaufsetzen der Nadel kann der Stream "aktualisiert" werden, so dass er im Deck zeitsynchron anliegt. Auf die Art und Weise kann man z.B. einen anliegendes MC Signal live "scrachen".

Mit dem neuen "Loop Roll" Effekt springt der Playhead nun alternativ zur eigentlichen Zeitposition (an der sich das Stück ohne Loop befinden würde), nachdem ein "Loop" aufgelöst wurde, anstatt an den Loop anknüpfend weiterzuspielen. Auf diese Art kann man zum Beispiel (im Gegensatz zum alten Modus) einen vorübergehenden, kurzen "Stutter Effekt" erzielen, ohne je aus dem eigentlichen Groove bzw. dem Songablauf "rauszufliegen". Man muss nun nicht mehr vor dem schließen der Software noch schnell die gespielten Tunes via "review" auflisten lassen, sondern kann in der "History" Ansicht sämtliche Gigs "reviewen" und die gespielten Stücke auflisten. Es gibt ein paar kleine Detailänderung im Handling von iTunes Files, denen ich noch etwas skeptisch gegenüberstehe (ohne große Gefahr zu sehen), die den Praxistest aber noch bestehen müssen. Auf Wunsch kann nun auch das Album Artwork neben dem laufenden Deck angezeigt werden.

Hardware

Das etwas kleinere SL-3 Interface (wiederum hergestellt vom Hardware Partner "Rane") unterscheidet sich nicht nur durch die zusätzlichen Aux In/Outs, sondern auch durch ein anderes Verkabelungskonzept vom SL-1: Beim SL3 gibt es für die beiden Mixkanäle nur einen Line-Out pro Kanal und nicht noch einen zusätzlichen Phono Thru, ausserdem keinen Mic-Eingang. Die Phono Thru Schaltung funktioniert automatisch, falls keine Software gefunden wird, ansonsten wird sie über die Scratch Software eingestellt. Man bedient also die Software, um eine reguläre Vinylplatte statt eines Scratch- Tracks zu spielen.

Rane SL3
Rane SL3
 

Eingangsseitig lassen sich die SL-In's zwischen Phono und CD umschalten, wodurch es möglich ist, auf einem Input mit CD-Steuerung und auf dem anderen mit Vinylsteuerung zu arbeiten. Der Aux "In" dient wohl der optionalen Unterstützung eines evtl. irgendwann mal in der Software auftauchenden, dritten "Decks". Das SL 3 bringt im Studiotest deutlich mehr Pegel (lt. Hersteller 3V rms bei 24 Bit Wandlung und 104dB dynamic Range) als das relativ leise SL-1 und klingt weniger mittig. Es erreicht in etwa die Lautstärke einer vergleichbaren Vinylplatte oder meines Macbook- Outputs. "Lauter" klingt im Vergleich natürlich immer besser. Mit dem SL-1 muss man gegenüber Vinyl oder einer CD im Mix manchmal deutlich mehr Pegel geben, mixt man jedoch die ganze Zeit über Serato und regelt Gain und EQ's entsprechend, fällt das kaum auf. Für einen alten SL1 User gibt es ein paar Dinge, die irritieren und den ersten Einsatz scheitern lassen können: Beim ersten Start mit Serato 1.9.0 im Club konnte ich z.B. im Setup Fenster den kreisrunden, grünen "Scope" nicht erkennen, der mir anzeigt, ob der Time Code richtig anliegt, bis ich herausfand, dass nur die Zoom Stufe falsch eingestellt war, aber da hatte ich den Test schon abgebrochen.

Außerdem darf man natürlich nicht vergessen, die kleinen Pinöpel für die "In's" am SL-3 Interface auf Phono bzw. CD richtig einzustellen und ggf. in der Scratch Software den "Thru" Schalter richtig einzustellen. Hier gefielel mir die Lösung mit den zusätzlichen Thru Kabeln im SL 1 besser - so konnte man zum einen am Mixer umschalten und musste zum anderen dem Vorgänger DJ nicht erklären, dass seine Vinyl-Decks nun auf einmal im Line-Kanal zu finden sind. Ausserdem besitzt das SL 3 noch extra Einstellungen zur Empfindlichkeit des Eingangssignals (in mV) zusätzlich zum Threshold, so dass das erste Setup etwas mehr Optionen hat, aber eben auch etwas mehr einzustellen ist.

Positiv ist mir noch aufgefallen, dass USB Dropouts bei kleinem Puffer, die es unter SL1 noch gab, nicht mehr auftauchten (in der Praxis war mein Hardware- Puffer beim SL 1 immer etwas höher eingestellt, so dass alles rund lief).

Fazit

Die Software Neuerungen Seit Version 1.7 auf nun 1.9 sind alle fantastisch und ich konnte im Kurztest keine Bugs finden. Zuletzt habe ich lange die stabile Version 1.8.3. benutzt. Dem neuen SL3 Interface liegt eine Version 1.8.4. CD bei (die nicht downloadbar ist), es wird ansonsten ab Version 1.9.0 unterstützt, die zum Glück auch noch auf meinem alten DJ Macbook mit Version 10.4.11 lief. Das neue Interface klingt besser, kostet aber 799,- Euro (im Vergleich zu 566,- Euro Streetprice für das SL 1) und bietet von den Anschlüssen her zwar etwas neues (dritter I/O), aber einfache Gemüter könnten hier und da auch durchaus noch besser mit dem SL-1 klarkommen.

Eine Upgrade Option gibt es leider nicht, somit finde ich den Preis für das neue Interface deutlich zu hoch, vor allem wenn man ein SL-1 besitzt. Geht es nach den englischsprachigen Rane-Beratern auf der Messe, gibt es nur eine Lösung für dieses Problem: "Sell it on eBay, if I want a new car, I need to sell my old car before, too." Das wollte ich nicht hören. Trotzdem sei an dieser Stelle auch weiterhin die hervorragende Stabilität, Kundenfreundlichkeit und der detaillierte Support im Scratch Internet Forum erwähnt, die das Programm nach wie vor als stabile Professional-Lösung qualifizieren.


Serato Scratch Live Homepage

Text: The Green Man
Der Text erschien auf HEADLINER Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
23.11.2017, 04:56 h | 8 Junglists online