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Pioneer DJM-909


Hersteller: Pioneer
Produkt: Professioneller DJ Battle-Mixer
Preis: 1.450,- €
Released: Sommer 2004

Der Japanische Elektonikriese schlägt zurück. Dabei zeigen sie neue Maßstäbe und wollen die DJ Battle - Mixer - Reihe erobern. Mit den 50 Effekten kann man ganz schön viel anstellen...


Pioneer - Sound Vision Soul
 
Nun hat es zwar einige Zeit gedauert, aber die Firma Pioneer kommt dieser Tage mit zwei brandneuen Mischpulten zurück. Da ist nun endlich das DJM-707 und das DJM-909 erschienen. Beide sind bis auf die Effekte und die Farbe identisch.

Wir wenden uns heute dem DJM-909 zu und können gleich von vorne weg sagen, dass die Japaner wieder einmal zum Gegenausschlag holen und bei einigen DJs auf jeden Fall für Furore sorgen werden. Dabei muss man auch gleich sagen, dass dieser Zweikanäler nicht gerade für die Techno, sondern eher für die Hip Hop und Scratch-Fraktion konzipiert wurde. Das mag nun nicht heißen, dass erstere nichts mit dem Mixer anfangen können. Ganz im Gegenteil, hier können alle mächtig ins Staunen kommen. Kommen wir aber erst einmal der Reihe nach zum Aufbau und den Anschlüssen.

Letztere bestehen aus zwei Mal Phono, zwei Mal Line, zwei Mal CD, Master-Out mit XLR- und Chinch - Anschlüssen, Booth in Chinch-Out und ein Mal Send und Return-Out im Klinkenformat. Natürlich gibt’s noch den Kopfhörerausgang, der wahlweise zwischen Stereo und Mono betrieben werden kann. Weiter hat der Hersteller dem Mischpult noch drei Mikroeingänge, wovon einer in XLR und zwei im Klinkenformat vorhanden sind, spendiert.

Kommen wir nun zum Aufbau, der beim allerersten Hinsehen komplizierter ausschaut, als er es in Wirklichkeit ist.

 
Pioneer DJM-900
Zentral in der oberen Hälfte des Mixers ist das Display. Genau daneben sind jeweils fünf kleine Knöpfe untergebracht. Diese sind jeweils für die Effektauswahl da. Der unterste ist zudem für eine optische Kontrolle der Cross-Fader - Kurve verantwortlich. Etwas weiter darunter findet man weitere Einstellmöglichkeiten für die Effekte vor. So kann man zum Beispiel die Effektstärke für jeden einzelnen Kanal, die Zeitauswahl in Millisekunden und die Tap-Funktion auswählen. Die Tap-Funktion ist übrigens für das wilde Hin- und Hersteppen der Effekte verantwortlich, falls man mal ganz schnell die Effektalgorithmen ändern will.

Weiter kann man sich per Taster aussuchen, ob der Effekt die ganze Zeit oder nur ein gewisse Zeit angeschaltet ist. Soll der Effekt die ganze Zeit eingeschaltet sein, rastet der Regler ein. Setzt man hier den Taster geschickt ein, kann man die Effekte ebenfalls wie das trockene Signal transformern, also im rhythmischen Ein- und Ausschalten beeinflussen.

Links neben dem Display ist jeweils die Equalizer-Funktion. Der dreifach EQ, der von-26 dB bis + 6 dB reicht, kann ebenfalls per Taster ein- oder ausgeschaltet werden, was beim Mixen natürlich vom Vorteil ist. Eine vollkommene Killfunktion der Frequenzen wäre aber für einen Battle-Mixer schöner gewesen. Über den EQs ist der Gain-Regler und die Auswahl für die Eingänge vorhanden.

Auf der linken Seite des Mischpults ist die Mikrofonsektion vorhanden. Die Eingangslautstärke, die Höhen und die Tiefen können dabei verändert werden. Bei den Mic.-EQs kann man von –12 dB bis +12 dB Einstellungen vornehmen. Darunter ist der Mic.-Send-Knopf inklusiver LED vorhanden. Betätigt man diesen wird das Mic.-Signal zu den Send-Kanälen für das externe Effektgerät weitergeschleift. Das gleiche Prinzip gibt es natürlich nicht nur für Mikros, sondern ist auch jeweils für die beiden Kanäle vorhanden.

Weiterhin gibt es auf der linken Seite des Mixers noch den Session-In-Regler. An diesen Kanal kann man noch ein zusätzliches Gerät wie z.B. ein zweites Mischpult anschließen. Der Session-In-Regler ist für den Pegel verantwortlich, der auf das Master-Signal noch hinzugemischt wird. Will man eine Performance mit mehreren Mixer machen, so ist diese Funktion sehr hilfreich.

Auf der rechten Seite ist die Master-, Booth- und Kopfhörer-Funktion vorhanden. Darunter findet man die Kopfhörerauswahl zwischen Master, CUE und Effekt vor. Weiterhin ist eine Sektion für das Mischen zwischen Kanal eins und zwei darunter vorhanden.

 
EQs
In der untern Hälfte des Mischpults sind die Line-Fader, der Cross-Fader, die Master- oder Kanalanzeige, der Transformer-Taster und der Fader-Start-Knopf vorhanden. Da wir gerade bei den Cross- und Line-Fadern sind, ist noch zu erwähnen, dass Pioneer hier auf die neuste Technik setzt. Die Fader arbeiten nicht mit Kontakten, sondern mit Magnetismus. Daher ist es auch ohne Probleme möglich, den Widerstand für die Cross-Fader einzustellen. Leider hat der Hersteller dieses Prinzip aber nicht auf die Line-Fader angewendet. Schade! Schöner wäre es zudem noch gewesen, wenn die Japaner den Widerstand noch leichter eingestellt hätten. Es gibt Mixer, die einen noch leichteren Cross-Fader haben. Bei schnellen Transformer-Aktionen per Fader macht sich das dann bemerkbar, da man nämlich nicht mehr so viel Kraft in den Armen stecken muss und das heißt wiederum, dass es länger abgeht…
Da hier mit einem elektromagnetischen Prinzip gearbeitet wird, sollte eine Modifikation also eigentlich kein Problem sein. Auf jeden Fall halten die Fader aber länger, als bei gewöhnlichen Fadern.

An einer Stelle müssen wir zudem auch ein einen Minuspunkt verteilen. Warum der Hersteller das schnelle Auswechseln der Fader, wie es beim DJM 600 der Fall ist, nicht ermöglicht hat, bleibt uns angesichts des Preises ein Rätsel. Man ist somit gezwungen, früher oder später die Fader beim Service auswechseln zu lassen, was natürlich wieder mehr Geld kostet.

Wie eben schon erwähnt, gibt es auch noch einen Transformer-Taster für beide Kanäle. Dieser ist sehr stabil verbaut und kann für ordentlich Spaß sorgen!

Kommen wir aber nun zur Rückseite. Hier findet man die Auswahl für die Line- und Cross-Fader-Kurve, das Ein- oder Ausschalten für den Fader-Start und den Fußschalter, mit dem man die Effekte starten kann.

Zudem gibt es noch eine Auswahl für den Fader-Reverse.
Der Hamsterswitch - also das schnelle Vertauschen der Kanäle-kann für die beiden Line Fader und den Cross-Fader angewendet werden. Vorbildlich!


Display & Effekte
 
Als weiteres Bonbon hat Pioneer eine kleines Dreh-Rad mit der Bezeichnung „Fader Cut Lag“ untergebracht. Diese spezielle Funktion ist für das Einstellen des Fader-Starts verantwortlich. Der Fader-Start ist für das automatische Starten eines dafür vorgesehenen CD-Players verantwortlich. Die aktuellen Pioneer-Modelle können das alle! Bewegt man nun den Cross-Fader, startet der CD-Player automatisch. Mit diesem kleinen Dreh-Rad kann man sich nun selber aussuchen, ob der Start des CD-Players nach einem Millimeter oder erst nach einem Zentimeter losgeht. Die Abstufungen können also für jeden einzelnen User selbst definiert werden! Was will man mehr?

Ein weiteres Merkmal des 909 fehlt noch: das Display, inklusive Touch –Screen-Funktion, bei dem im Übrigen auf der Hinterseite die Helligkeit und den Kontrast eingestellt werden kann.

Das Display, mit dem man insgesamt die 50 unterschiedlichen Effekte regeln und variieren kann, hat eine gute Steuerbarkeit. Man muss nicht zig Mal auf das Display drücken, damit ein Effekt richtig eingestellt wird.

Die Effekte teilen sich generell in 35 Beat-Effekte und 15 Fader-Effekte ein. Leider kann man die dargestellten Werte nicht mehr so gut erkennen, wenn man sich ein wenig zur Seite dreht. An der Blickwinkelunabhängigkeit sollte Pioneer daher unbedingt arbeiten, da man sonst bei schnellen Moves immer genau von oben schauen muss, was sich doch als sehr nervig herausstellen kann. Ansonsten kann man die gut klingenden Effekte gut einsetzten.

Von Echo, Delay, Flanger, Kompressor, Phaser ect. ist eigentlich die komplette Palette abgedeckt. Man kann sich sogar bei jedem Kanal aussuchen, ob jedes Frequenzband, also Höhen, Mitten und Tiefen, vom Effekt angesteuert werden. Cool!

Jede Münze hat nun aber auch zwei Seiten. Daher mussten wir leider feststellen, dass man eine Sache bei den Effekten nicht berücksichtigt hat: das Ansteuern der Mastersektion. Bei einem Echo oder Delay macht sich das nun bemerkbar. Kleines Beispiel?

Man solle sich nur einmal vorstellen, dass man nur auf dem ersten Kanal ein Stück spielt und auf dem Master ein Echo eingestellt ist. Zieht man nun den Kanal runter, so gibt es einen schönen Nachhall, der über die direkte Ansteuerung von Kanal eins nicht möglich ist. Zieht man hier den Kanal runter, so erstummt das Signal. Will man demnächst ein Update oder ein ganz neues Mischpult bauen, sollten die Entwickler dieses Manko auf jeden Fall berücksichtigen. Hier fehlt nun ein Feature, der von etlichen DJs benutzt wird und ja beim 600er ja auch sehr gut funktioniert.

Wie sieht es eigentlich mit einer Vergrößerung des Effektspeichers aus? Man könnte somit eine Effektkombination oder sogar noch eine größere Anzahl von neuen Effekten auf das Pult packen. Mit den heutigen Speicherpreisen, sollte das eigentlich kein Problem sein. Vielleicht gibt es demnächst also Nachschub?!

Warum der Beat-Counter bei jedem Lied neu eingestellt werden muss, damit er richtig korrekt läuft und er nicht die ganze Zeit, wie beim 600er mitläuft, ist uns ebenfalls ein Rätsel.

Nichts desto Trotz geht es mit der Pegelanzeige weiter.
Hier hat sich Pioneer, wie viele andere Hersteller auch, für eine „Sparvariante“ entschieden und nicht jeden Kanal und den Master eine eigene Anzeige geschenkt. Es gibt daher nur zwei LED-Ketten, die zwischen den Line-Fadern liegen. Das Umschalten zwischen Kanal und Masteranzeige bleibt also einem nicht erspart.

 
TAP-Tasten
Eine weitere Veränderung, die der Hersteller auch bei diesem Mischpult geändert hat, ist auch noch die Kopfhörersektion. Genauer gesagt geht es um die Vormischfunktion. Konnte man beim 600er alle Kanäle separat auswählen, wenn es sogar erwünscht war, dann hat man alle Kanäle, die Effekte und den Master auf einmal gehört, kann man beim 909 nun zwischen dem Master und den CUE-Kanälen wählen. Ein Vormischen ist zwar per Schieberegler möglich, aber leider nicht so gelöst wie beim 600er. Das ist nun nicht als Kritikpunkt zu sehen. Als Besitzer eines Vorgängers, muss man aber auf jeden Fall umdenken.
Die alte Vormischfunktion sollten also bei einem Nachfolgermodell auf jeden Fall eingehalten werden, da hier Pioneer ein großes Plus in der Vergangenheit verdient hat. Es wäre schade, wenn der Konzern das nun endgültig verworfen würde.

Ein weiterer Verbesserungsvorschlag ist zudem noch ein Unterbringung eines USB-Anschlusses. Die Konkurrenz pennt ja bekanntlich nicht und daher werden in Zukunft vermehrt Mixer mit diesem Anschluss auf dem Markt kommen. Aber warum? Na für neue Updates!

Man möge sich nur vorstellen, dass man gegen einen geringen Beitrag neue Effekte oder Effektkombinationen bekommt. Da freut sich der User und Pioneer verdient auch noch ein paar Euro. Beim nächsten Mal wird’s daher also bestimmt diesen Anschluss geben…

Wie kommt man aber nun selber beim Mischen zurecht. Wir haben das Teil nun von zwei DJs, einem Hip Hopper und einem Techno-DJ, unter realen Bedingungen testen lassen und können eigentlich nur positives berichten. Die Verarbeitung, früher immer ein Manko von Pioneer gewesen, hat sich enorm verbessert. Der Sound ist zudem unserer Meinung noch ein wenig fetter geworden.

Fazit Pioneer DJM-909

Alles in allem können wir daher dem Hersteller nur gratulieren. Mit diesem Mischpult haben sie ein geiles Teil gebaut, dass mit 1250 € natürlich gut den Geldbeutel schlägt. Qualität hat aber nun eben seinen Preis. Der Hersteller sollte nur die Farbe Silber nicht vergessen. Das sieht auch ganz schick aus…

Wenn man dieses Konzept auf ein 4-Kanal-Mischpult anwendet und die kleinen Mankos, die eben aufgezählt wurden, beseitigt, kann Pioneer ein Mischpult bauen, dass für einen DJM 600 als würdigen Nachbau gelten würde. Dass das ganze dann ein wenig mehr Geld kosten würde, ist selbstverständlich. Das würden aber dann auch die Clubs und Profi-DJs ausgeben! Was da in Zukunft noch alles auf uns zukommen wird, bleibt abzuwarten. Spannend bleibt es auf jeden Fall. Wir bleiben da in dieser Hinsicht auf jeden Fall für euch dran.

Zum Schluss möchten wir dann noch einmal die Situation "Battle-Mixer und Pioneer" beleuchten.
Dass der Japanische Hersteller nun auch Profiware der Spitzenklasse bauen kann und sich vor Rane und Vestax nicht verstecken muss, ist nun jedem klar. Momentan haben sie das beste Battle-Mischpult der Welt auf dem Markt. Mit einem Problem hat der Riese doch aber noch zu kämpfen. Die Hip Hop-Fraktion kennt Pioneer so gut wie gar nicht und es wird eine Menge Überzeugungsarbeit kosten, dass man in diesem hart umkämpften Markt ein Standbein bekommt. Was da alles noch passiert, können wir natürlich nicht beantworten. Nur so viel sei gesagt. Vor über sechs Jahren haben die Japaner mal eben ein Mischpult Namens DJM 500 auf den Markt gebracht und damit einen Erfolg gehabt, den sie eigentlich nicht erwartet hätten. Man kann daher nur erahnen, was mit dem 707und dem 909 passieren kann.

Wem übrigends das DJM 909 ein Tick zu teuer erscheint, braucht sich jetzt nicht beschweren. Pioneer hat auch eine preiswertere Variante im Angebot. Das DJM 707 hat die gleichen Eigenschaften, wie das DJM 909. Bis auf die Effekteinheit ist alles identisch.

Ein ausführlicher Testbericht über das DJM 707 folgt demnächst.

Pioneer DJM-909 Homepage

Text: Kilian Heller
Der Text erschien auf loveparade.net und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
26.10.2014, 02:49 h | 9 Junglists online