System-Check! Nachdem wir in der Vergangenheit schön öfters Nadeln
getestet haben, kommen wir nun zum ersten Nadelvergleich. Dabei haben wir Systeme
von Ortofon, Stanton und Shure mehrere Monate verglichen und unsere Erfahrungen
für euch zusammengetragen. Die Tester waren drei DJs aus dem Bereich Techno
und Electro, Trance und HipHop...
Generelles: Wir haben unseren Vergleichstest auf drei Plattenspielern gemacht.
Die drei Modelle hießen Technics SL1200 MK2, Technics SL1210M5g und Vestax
PDX 2300 MK II Pro.
Wir können gleich vorweg sagen, dass alle Systeme bei Standarteinstellungen
gleiche Funktionalität aufgewiesen haben. Variiert man allerdings mit dem
Gewicht oder dem Anti- Skating, kommen sehr unterschiedliche Ergebnisse zustande.
Man sollte daher von System zu System ausprobieren. Vor allen sollte man sich
die Anti- Skating Funktion sehr genau anschauen und bei Bedarf beim Hersteller
nachfragen, welche Einstellung die beste ist.
Ortofon, Shure, Stanton
Alle unsere getesteten Modelle haben einen sphärischen Schliff. Von einem
sphärischem Schliff spricht man bei einer kegelförmigen Abtastnadel,
die an der Spitze die Form einer Kugel hat. Dieser Schliff ist für den DJ
vorzuziehen, der eher scratchen will. Man kann sich dies auch vereinfacht so merken:
s, wie sphärischen = s, wie scratchen
Von einem elliptischen Schliff spricht man, wenn die Form der Nadel der
Schneidesichel beim Presswerk entspricht. Hier holt die Nadel mehr Informationen
aus der Rille heraus indem sie tiefer hineintaucht. Das hat den Vorteil, dass
sie lauter ist, dafür aber generell einen höheren Verschleiß hat.
Das Wort generell ist in diesem Zusammenhang sehr genau zu nehmen. Je nachdem
wie man mit seiner Nadel umgeht, kann auch ein sphärischer Schliff einen
krasseren Verschleiß aufweisen, als einen elliptischer. Spielt man allerdings
seine ßreicher.
Bei den Modellen von Ortofon mussten wir leider feststellen, dass in der neuen
Produktionsreihe alle Kontaktstifte abgerundet waren. Dies führt dazu, dass
man bei all unseren Plattenspielern in der Balance 2 dB Unterschied hat. Wir hatten
glücklicherweise noch ältere Systeme, auf denen wir die neusten Nadeln
montiert haben. Unser Ergebnis war hier, dass es den Pegelunterschied von 2 dB
nicht gab. Auch die anderen Systeme von Stanton oder Shure hatten dieses Problem
nicht. Shure greift auf die original Technics Headshells zurück und ist somit
auf der sicheren Seite.
Stanton hat die Kontaktstifte sogar etwas voluminöser ausgestattet. Die
Stifte sind dicker, so dass mehr Kontakt zwischen den Stiften und dem Tonarm
besteht. Auch hier gab es die Pegeldifferenzen nicht. Zudem sind alle Stanton-
Systeme dicker, sprich schwerer. Wer also Scratchen will, kann mit den schwereren
Modellen bessere Ergebnisse erzielen. Kommen wir nun zu den Modellen:
SME-Systeme
Ortofon Concorde Elektro
Ortofon Concorde Elektro
Diese Nadel zählt mit einem Frequenzganz zwischen 20 und 22.000 Hz zur gehoberen
Mittelklasse von Ortofon. Mit einer UVP von 89,- € und einem Straßenpreis
um die 60,- € bekommt der DJ gute Ware. Im Set enthalten sind das System
plus Ersatznadel und eine Nadelbürste. Der Klang der Nadel ist gut.
Auch im Scratch- Verhalten gibt es keine Einwände. Sie kommt zwar nicht an
das hauseigene Scratch- System bzw. Stantons Groovemaster II Pro heran. Dafür
kostet sie auch weniger. Im Spurverhalten gibt es ebenfalls nichts einzuwenden.
So hat sie sogar Stellen ohne Sprung absolviert, bei denen andere Modelle versagt
haben. Alles in allem liefert sie ein sehr gutes Preisleitungsverhältnis.
Kauftipp!
Ortofon Concorde Scratch
Ortofon Concorde Scratch Diese Nadel ist für alle DJs interessant, die gerne scratchen wollen,
sich aber vor ½ Zoll- Systemen zur Selbstmontage scheuen. Sie hat einen
Frequenzgang von 20 - 20.000 Hz. Ihr Klang ist ebenfalls gut. Lediglich in den
Höhen schwächelt sie etwas. Dies ist aber angesichts des guten Handlings
kein Wunder.
Sie liefert beim Scratchen ebenso gute Resultate, wie Stantons Groovemaster II
Pro. Ebenfalls beim Preis hinterlässt sie einen guten Eindruck. So ist das
Set im Laden bereits ab 79,- € zu bekommen.
Ortofon Concorde Nighclub
Ortofon Concorde Nighclub
Diese Nadel zählt zu den Top- Modellen von Ortofon. Dafür schlägt
sich dies nicht so im Preis nieder. Für das Nadel- Set ist zwar 99,- €
zu bezahlen. Dies ist aber immer noch preiswerter, wie Stantons Trackmaster II
SK, das ähnliche Resultate erzielt. Im direkten Vergleich nehmen sich die
beiden Systeme kaum etwas. Vom Sound her klingen sie ähnlich. Der Output
ist bei Stanton aber höher, so dass bei nicht so guten Mixern ein Vorteil
besteht.
Wer aber auf den Output- Wert nicht so großen Wert legt, bekommt mit der
Nadel sehr gute Resultate. Beim Scratchen haben wir festgestellt, das sie häufiger
springt, als andere Systeme.
Stanton Discmaster II
Stanton Discmaster II Diese Nadel kann als Basismodell von Stanton bezeichnet werden. Sie hat einen
Frequenzgang von 20 - 17.000 Hz. Mit einem Straßenpreis um die 60,- €
bietet sie eine ordentliche Qualität. Der Discmaster II ist, bis auf die
gelbe Spitze, komplett in schwarz gehalten und hat, wie alle anderen Stanton-
Modelle auch, gute Kontakte vorzuweisen. Mitgeliefert wird eine Ersatznadel, die
ohne weiteres ausgetauscht werden kann. Leider hat der Hersteller, wie bei allen
anderen Systemen auch, keine Nadelbürste dazu gepackt.
In unserem Test haben wir ein paar Scratch- Übungen gemacht und festgestellt,
dass sie hierfür nicht so sehr geeignet ist. Da sollte man doch auf andere
Modelle zurückgreifen.
Weiterhin ist uns aufgefallen, dass der Mittenfrequenzgang unter der Nadel etwas
zu leiden hat. Hier hatten wir das Gefühl, dass die Nadel den Sound im Mittenbereich
etwas verschwommen wiedergibt.
Nichts desto Trotz können wir ein Empfehlung geben, da das Preisleistungsverhältnis
stimmt.
Stanton Trackmaster II SK
Stanton Trackmaster II SK
Diese Nadel zählt zu den gehoberen Tonabnehmern. Sie hat einen Frequenzgang
von 20 - 20.000 Hz. Mit einem Straßenpreis von ca. 160 € im Doppelpack
ist sie nur etwas teurer als der Discmaster II. Das System ist komplett in Schwarz
gehalten und wird mit zwei Ersatznadeln geliefert. Sehr auffallend war der hohe
Output. An einem Digital- Peakmeter von RTW haben wir den höchsten Outputwert
in unserem gesamten Test festgestellt. Weiterhin ist die Soundqualität zu
erwähnen. Diese hat uns ebenfalls überzeugt, so dass sich gerade Trance-
DJs diese Nadel mal genauer anschauen sollten.
Beim Scratchen hat sie einen besseren Eindruck als der Discmaster II hinterlassen.
An das hauseigene Top- Produkt oder das rote Scratch- System von Ortofon kann
sie aber nicht herankommen. Wem das Turntablism aber nicht so wichtig ist, sollte
sich diese Nadel genauer anschauen. Vergleichbar ist sie mit dem Nightclub- System
von Ortofon, das zwar nicht ganz so gute Werte beim Output erreicht, dafür
aber preiswerter ist.
Stanton Groovemaster II Pro
Stanton Groovemaster II Pro Diese Referenznadel von Stanton ist der Hammer und hat ebenfalls einen Frequenzgang
von 20 - 20.000 Hz. Hier stimmt fast alles. Dafür hat die Nadel ihren Preis.
Mit einem Straßenpreis von ca. 300,- € für zwei Systeme plus jeweiliger
Ersatznadel ist dieses Set zwar teuer. Aber Qualität hat eben ihren Preis.
In unserem Test hat sie bei den Systemen mit SME- Anschluss den besten Eindruck
hinterlassen. Hier stimmt alles. Sie liefert einen sehr guten Output, eine sehr
gute Soundqualität und ein sehr gutes Handling beim Scratchen. Einzigallein
die Spurführung beim gewöhnlichen Abspielen haben wir zu kritisieren.
Es kam öfters vor, dass die Nadel gesprungen ist, obwohl sie dies eigentlich
nicht dürfte.
Fazit SME-Systeme
Wer auf das Geld als erstes achtet, sollte sich die Modelle Stanton Discmaster
II und Ortofon Concorde Elektro näher anschauen. Wer bessere Qualität
haben möchte und ein bisschen mehr Geld zur Verfügung hat, sollte sich
die Modelle Trackmaster II SK und Ortofon Concorde Nighclub sehr genau anschauen.
Wer mehr Wert auf Turntablism legt, sollte sich das Modell Ortofon Concorde Scratch
anschauen. Dies hat gerade wegen seines guten Preisleistungsverhältnisses
gute Werte erzielt.
Eine Ausnahme stellt das Referenzsystem Groovemaster II Pro dar. Dies ist fürs
Scratchen und Abspielen gleichermaßen gut geeignet. Allerdings muss man
auch tief in die Tasche greifen.
½ Zoll-Systeme
Die ½ Zoll- Systeme müssen in der Regel selbst montiert werden.
Dabei muss beim Montieren darauf geachtet werden, dass man nichts falsch macht,
da sonst die Nadel und das Vinyl beschädigt werden können. Auf jeden
Fall sollte man eine Plattenschablone benutzen, um den Montagewinkel richtig
beurteilen zu können.
Wer etwas mehr Geld ausgeben will, kann sich die Nadeln auch vormontiert kaufen.
Dies ist für alle DJs ratsam, die mit der Montage nicht so viel Erfahrung
gemacht haben.
Wer ein Stanton Headshell zur Verfügung hat, kann sogar ein Zusatzgewicht
von jeweils zwei oder vier Gramm aufmontieren. Für Scratch- Freaks genau
das Richtige.
Kommen wir nun zu den einzelnen Modellen:
Stanton 520 SK
Dieses System wurde von DJ Craze und Stanton gemeinsam entwickelt. Ganz nach den
Vorgaben des HipHop- Masters liefert die Nadel ein sehr gutes Verhalten beim Scratchen.
Diese Nadel klebt förmlich in der Rille. Die Soundqualität ist mit einem
Frequenzband von 20 - 17.000 Hz zufrieden stellend. Bei manchen Platten, vor allem
im Trance- Bereich, hört man deutliche Verluste heraus. In Sachen Output
liefert sie gute Ergebnisse.
Im Vergleich zum Shure M44-7 gab es kaum Unterschiede. Lediglich das Shure-
System hat einen höheren Output.
Allerdings ist der Plattenverschleiß bei dieser Nadel sehr hoch. Wer also
viele Platten mit der Nadel abspielt, muss sich nicht wundern, dass sie sich
nach einiger Zeit nicht mehr so gut anhören. Dies ist besonders in den Höhen
auffällig.
Mit einem Straßenpreis von ca. 40,- € ist sie besonders preiswert.
Stanton 680 HP Dieses System bietet, wie der Trackmaster II SK, einen sehr hohen Output.
Die Soundqualität ist mit einem Frequenzband von 20 - 18.000 Hz O.K. Auch
hier hört man bei manchen Platten Verluste heraus, die aber nicht so stark
sind, wie beim 520er Modell. In Sachen Output können wir diesem System wieder
sehr gute Resultate bescheinigen. Sie liefert mit dem Shure M44-7 den zweihöchsten
Output in dieser Kategorie.
In Sachen Scratchen liefert sie gute Ergebnisse. Mit einem Einzelstraßenpreis
von ca. 60,- € bietet sie ein gutes Preisleitungsverhältnis. Wer
ca. 130,- € ausgibt, bekommt ein Set mit zwei Systemen, die vormontiert
sind. Da heißt es zuschlagen!
Shure M44-7
Shure M44-7
Das M44-7 hat mit dem 520 SK von Stanton in unserem Test die besten Resultate
beim Scratchen geliefert. Auch hier liegt das Frequenzband von 20 - 17.000 Hz.
Daher gelten auch die gleichen Eigenschaften, wie beim Konkurrenzmodell von Stanton.
Der Output liegt ein bisschen höher. Sonst sind aber, bis auf das Design,
kaum Unterscheide festzustellen.
Die Nadel wird vormontiert in einer Plastikbox geliefert, in der die Nadel gut
geschützt ist. Beim Preis verlangt Shure aber den tieferen Griff ins Portemonnaie.
Einzeln ist sie für ca. 50,- € und vormontiert für ca. 80,- €
zu bekommen.
Fazit ½ Zoll-Systeme
Die besten Resultate in Sachen Sound liefert das Modell 680 HP von Stanton. Allerdings
wird auch hier nicht das komplette menschliche Hörfeld wiedergeben.
In Sachen Turntablism liefern sich das Shure M44-7 und Stantons 520 SK einen Wettkampf,
bei dem beide gleich gut abschneiden. Richtige Unterscheide sind bei dem Direktvergleich,
auch bei Verwendung unterschiedlicher Headshells, nicht festzustellen. Daher können
wir in dieser Rubrik keinen Ratschlag geben. Es kommt hier ganz auf den persönlichen
Geschmack an. Ortofon
Homepage Stanton
Homepage Shure
Homepage Text: Kilian Heller
Der Text erschien auf loveparade.net
und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.