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Teebee


Folgendes Interview erschien im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Verfasser des Textes: Gia-Thien Nguyen.    

Die Sphäre des Drum & Bass’ beschränkte sich bis vor wenigen Jahren auf das britische Festland. Über 90% aller Produktionen stammten aus den UK. Aber es war nur eine Frage der Zeit bis auch Produzenten und DJs aus dem Ausland in der Szene für Furore gesorgt und Aufmerksamkeit erregt haben. Todd Terry wurde zur Kenntnis genommen, aber gerade ein Norweger hat es vollbracht, mit seinen Produktionen Zugang in die DJ-Boxen von DJs wie Ed Rush & Optical, Andy C und Bad Company zu finden. Die Rede ist von Torgeir Byrknes aka TeeBee.

Beim konzentrierten Lauschen seiner Produktionen wird man erkennen, auf welchem qualitativ hochwertigen Niveau sich seine Werke bewegen. Exemplarisch steht der Track „Fingerprints“ auf seinem Debütalbum „Black Science Labs“. Die Fusion der einzelnen Elemente harmonieren wunderbar miteinander; düstere Klangstrukturen durchdringen unser Gehör und lassen uns vor Ehrfurcht erschauern, die Beats rollen unentwegt, ohne monoton zu wirken, die Breaks präzise wie eine lasergeschärfte Rasierklinge.
In diesen Zeiten vermitteln TeeBees Produktionen eine unvergleichliche Atmosphäre und einen einzigartigen Vibe, der Millionen Meilen von der englischen Insel entfernt zu sein scheint. Seine Inspiration findet er in der Abgeschiedenheit seines Heimatlandes Norwegen. Wenn er sich in sein Studio setzt, um seiner Arbeit nachzugehen, manchmal auch zusammen mit seinem langjährigen Partner K aka Polar und ebenfalls Artist beim Label Certificate 18, dann kann er seiner Inspiration freien Lauf lassen. Man begibt sich auf eine kleine Insel an der Nordwest-Küste, um die richtige Umgebung zu schaffen. Gerade Norwegen und die anderen skandinavischen Länder bieten unheimliche Sonnenlicht-Effekte, die sogar Auswirkungen auf seine Musik haben. "Über drei Monate haben wir das Tageslicht nicht erblicken können, aber die Mitternachtssonne schenkte uns bei Zeiten 24 Stunden lang Licht, so dass ich das Gefühl der absoluten Ruhe verspüren konnte", sagt er.

Torgeir ist ein Abstinenzler, der nicht raucht und Alkohol trinkt. Zudem ist er ein fortgeschrittener Kung Fu Kämpfer, der den Shaolin Stil Hung Gar praktiziert, der auf Unberechenbarkeit beruht. "Ich versuche die Philosophie in meinen Beats miteinfließen zu lassen," erzählt er, "bei der Philosophie dreht es sich um Fallenstellen, Einsperren und seine Gegner mit dem genauen Gegenteil, was sie eigentlich erwartet hätten, narren." Er möchte sich nicht in Schemas und Klischees verlieren. Das Element der Überraschung, getreu aus einem Kung Fu Handbuch, ist entscheidend. Seine Vielseitigkeit spiegelt sich auch bei seinen DJ Sets wider, die meist vier bis sechs Stunden dauern können. "Wenn man für einen so langen Zeitraum auflegt, dann kannst Du die Crowd auf eine Reise mitnehmen und mit ihnen all die Höhen und Tiefen gemeinsam erleben," entgegnet TeeBee.


TeeBee, Du stammst aus Norwegen. Über 90% der namhaften Produzenten kommen aus England. Wie schwer ist es für Dich gewesen, sich als nicht-englischer Produzent in der Drum & Bass Szene zu etablieren?

Ob es schwierig war? Es ist nahezu unmöglich! Als ich begann, meine Musik in England vorzustellen, bekam ich keinerlei Resonanz, weil ich zu jener Zeit nur ein gebrochenes Englisch sprach. Meine Kontaktpersonen konnten an meinem Akzent akustisch nachvollziehen, dass ich nicht aus Großbritannien kam. Meine erste Aufgabe bestand darin, dass ich anfing, mein Englisch zu verbessern. Ich lernte 6 Monate lang intensiv die „neue“ Sprache. Danach begann ich, wie ein Besessener Tunes zu produzieren und zu meiner Überraschung spielte Randall 1995 in einem Club einen meiner Tracks.
Es war ein langer und beschwerlicher Pfad, den ich zu beschreiten hatte. Anfang 1996 kristallisierte sich heraus, dass Drum & Bass ausschließlich eine britische Erfindung gewesen ist. Besonders für die Londoner war es ihre Musik. Keiner von außen durfte involviert sein bzw. diese Musikrichtung mitgestalten, weil sie Drum & Bass wie ihren Besitz angesehen haben. Ähnlich verhält es sich mit Hip Hop. Genauso wie alle behaupten, dass Hip Hop eine amerikanische Musikform sei, ex aequo sah man Drum & Bass als typisch britisch an. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich während einer Klassenfahrt in England zum ersten Mal mit Drum & Bass in Berührung kam. Es war 1991 als ich ein White Label in die Finger kriegte und fortan der Musik verfiel. Ich habe von dort an erkannt, dass ich ein Leben mit Drum & Bass führen möchte. Nach all den Jahren habe ich mir eine Position in der Szene erarbeitet und es ist schön zu sehen, dass ich diesen Punkt erreicht habe. Aber für mich ist das Produzieren keine Arbeit, sondern es ist eine Leidenschaft, der ich nachgehe. Ich beschreite mit Drum & Bass meinen Lebensunterhalt, reise durch viele Teile dieser Erde und habe meine „Idole“ zu meinen Freunden gemacht, wie zum Beispiel Grooverider, Goldie, Fabio oder Andy C. Sie alle sind meine Freunde geworden. Zu Beginn konnte ich meine neu errungenen Freundschaften nicht realisieren. Damals habe ich all jene Künstler vergöttert und plötzlich rufen sie dich an und wollen deine Produktionen auf Dubplate schneiden. Zum Beispiel rief mich Andy C an und wollte unbedingt mein neues Album haben. Er sagte die LP sei „fucking bad“ und für mich wäre es damals unvorstellbar gewesen, dass der Produzent von „Valley Of The Shadows“ mich kontaktiert hätte.
Darüber hinaus war es nicht gerade leicht für mich, weil ich über keinerlei musikalischen Background verfügte. Ich beherrsche keine Instrumente, geschweige bin ein Computerfreak. Ich habe nur all meine bis dato gesetzten Zeile erreicht, da ich konsequent meinem Traum nachgegangen bin. Man muss auch ein gewisses Risiko eingehen können, denn, wenn man sich entscheidet, die Musik zu seinem Beruf zu machen, bedeutet das, dass man für einen Zeitraum von mehreren Jahren so gut wie kein Einkommen hat. Im Jahre 1996 besaß ich fast keinen einzigen Pfennig und musste mich mit Hilfe von Nebenjobs über dem Wasser halten. Um im Drum & Bass einen Durchbruch zu feiern, muss man 24 Stunden Drum & Bass leben; es ist ein Full-Time-Job. Du musst insbesondere als ausländischer Produzent mehr Tracks als die UK Artists produzieren. Zu guter Letzt kann ich sagen, dass ich einen Traum habe wahrmachen können.

Eines muss ich Dir lassen. Du sprichst ein einwandfreies Englisch und Dein Akzent ist brillant.

Danke. Fabio hat einmal bei einer Show auf Radio 1 gesagt, dass mein Englisch weitaus besser ist, als das von den Engländern.

Kommen wir nun zu Deinem neuen Album "Through The Eyes Of A Scorpion". Nach meiner Ansicht besitzt die LP das Potenzial als heißester Anwärter auf den Titel "Bestes Album des Jahres". Also, weihe uns bitte in die Details des Projekts ein.

"Through The Eyes Of A Scorpion" wurde in Norwegen geboren. Es sollte einen Kontrast zu meinem Debütalbum “Black Science Labs” bilden. Mein erster Longplayer sollte nur andeuten, welche technischen Fähigkeiten ich besitze, aber das Nachfolgealbum sollte definitiv ein Clubalbum werden. Über 18 Monate habe ich an dem Nachfolger gearbeitet. Während meiner Gigs habe ich all die Emotionen der Menschen aufgefangen und in einer LP integriert. Das Ergebnis stimmt mich zufrieden, denn ist definitiv ein Clubalbum entstanden. Der Opener "Silent Depths" (Anm.: KILLER!) spricht für sich selbst und wird den Verkauf des Album sicherlich forcieren.
Der Titel des Longplayers stellt eine Metapher dar. Ein Skorpion ist blind, aber dementsprechend gut sind seine Instinkte ausgeprägt. Keiner kennt meine Instinkte, keiner kann durch meine Augen sehen, was ich sehe, aber das Album soll eine gewisse Nähe zu den Zuhörern schaffen.

Deine Fusion von wundervollen Vocals, düsteren Klangkörpern und harten Beats ist wirklich einzigartig. Was sind Deine Quellen Deiner Inspiration?

Wenn ich das wüsste. Ich glaube dadurch, dass ich meine Arbeit nicht als etwas Anstrengendes oder Belastendes ansehe, fällt mir das Produzieren relativ leicht. Ich hatte keine Ahnung, wie man produziert, also habe ich mir alles autodidaktisch beigebracht. Ich denke, dass ich einen eisernen Willen besitze, um meine Visionen und Träume zu verwirklichen. Nicht umsonst habe ich diverse Erfolge feiern können.

In diesem Jahr haben zahlreiche Künstler wie John B, Omni Trio, Stakka & Skynet, Dillinja u.a. ein Album veröffentlicht. Bist Du der Ansicht, dass momentan die richtige Zeit ist, ein abendfüllendes Opus auf den Markt zu bringen?

Na ja, da bin ich mir nicht so sicher. Das Album von Dillinja ist eindeutig zwei Jahre zu spät rausgekommen. Bei Omni Trio muss man sagen, dass er eine Indie-Fangemeinde von 20.000 Menschen hinter sich hat, welche ihn seit Jahren loyal begleitet und dementsprechend seine Alben konsumiert haben. Eigentlich bin ich nur glücklich über den Umstand, dass Bad Company, Matrix oder Ed Rush & Optical kein Album veröffentlicht haben, weil sie im engeren Sinne eine Konkurrenz für mich darstellen.

Ich habe mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, dass Du in den letzten Monaten sehr oft mit Future Prophecies zusammengearbeitet hast. Um wen handelt es sich bei diesem Duo?

Die beiden Produzenten kommen ebenfalls aus Norwegen und werden uns in Zukunft mit phatten Tracks bombardieren. Ich habe Produktionen von ihnen gehört, die einfach von einem anderen Planeten stammen müssen.

Was können wir zukünftig von Dir erwarten, auch in Bezug auf Kollaborationen?

Nach der Promotiontour meines Albums will ich demnächst mit DJ Craze (3-facher DMC Champion) und einem namhaften MC ein Projekt starten, welches die Drum & Bass Szene bis dato noch nicht gehört hat (Anm.: an diesem Punkt wird noch nicht mehr verraten). Darüber hinaus habe ich nach Sängerinnen Ausschau gehalten, mit denen ich kollaborieren möchte. Meine Favoritin war Aaliyah, aber leider ist sie tragischerweise verunglückt. Der Kontakt wurde bereits hergestellt, aber leider werde ich nie mit ihr zusammenarbeiten können.

Was wird nach Deiner Ansicht der dominierende Sound im Drum & Bass in absehbarer Zeit sein?

Diese Frage ist nicht sehr leicht zu beantworten, weil Drum & Bass permanent in Bewegung ist und ständig sich weiterentwickelt. Ich bin der Ansicht, dass die Musikalität eine größere Rolle spielen und zudem der Einsatz von Vocals intensiviert wird.

Zum Schluss des Interviews bitte ich Dich um ein Statement für unsere Leserschaft.

Wir besitzen das Potenzial und die Technologie, eine komplett neuartige Musik zu kreieren, aber einige Leute verharren in demselben Strickmuster und bewegen sich in alten und routinierten Territorien. It's time to fuck up the rulebook.

Vielen Dank Torgeir für die angeregte und unterhaltsame Unterhaltung.

Thanks to GTN!
18.11.2017, 01:59 h | 6 Junglists online