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Nookie on Cloud 9


Wann bist du in diesen Moving Shadow World Domination Club eingetreten?

Nookie: Das muß jetzt so zwei Jahre her sein. Die erste Platte, die ich für Rob gemacht habe, war die Cloud Nine "You Got Me Burning". Dann habe ich und Ray Keith einen Remix gemacht und es wurde rereleased. Vorher hatte ich bei ihnen schon als Nookie Remixe gemacht. Aber da der Name bei Reinforced ist, mußte ich einen anderen nehmen. So um die 6 bis 7 Monate vorher war ich schon bei Reinforced. Ich hatte immer schon zwei Namen. Auf meinem eigenen Label "Daddy Armshouse", das ich mit meinem Partner Pedro gemacht habe, hatte ich ja auch schon Releases. Aber Platten selbst rauszubringen ist zuviel Ärger für mich. So etwas muß man schon irgendwie lieben.

Ich mache dann doch lieber nur Musik. Da kann ich mich besser konzentrieren. Politics sind irgendwie Rubbish. Meine erste EP überhaupt wurde von Absolute 2 Records nochmal veröffentlicht, aber die haben mich nicht gut behandelt, niemanden eigentlich, deshalb gibt es sie wohl auch nicht mehr. Goldie wollte mich bei Reinforced haben und damit nahm dann alles irgendwie klarere Züge an.

Da passiert mittlerweile ja auch einiges.

Nookie: Ja, die LP und die 12 "Only you" sind grade draußen und schon sind die nächsten beiden EPs in Planung. "A Drum A Bass & A Piano" mit einem Origin Unknown Mix und ein "Only You"-Remix.

Immer sehr einfache Titel.

Nookie: Ja, ich mag es nicht, Leute zu verwirren. Einfach aber effektiv soll es sein. Wie meine Tracks. Ich will, daß sie sehr klar klingen und nicht alles mit Samples zustopfen. Einfach.

Warum?

Nookie: Das ist effektiver. Dead Dread ist ein Paradebeispiel, Drum and Bass mit klarem Vocal und Basslinie. Oder Deep Blue. Ich mag sowas lieber als moodige verrückte Sachen, die übervoll sind.

Woher kommt die Bedeutung der beiden Namen und wo ist der Unterschied?

Nookie: Es sind verschiedene Stile. Mein Idol noch von früher ist Todd Terry, und der hatte so viele verschiedene Namen, die ihm ermöglichten, überall etwas zu machen mit diesen wirklich verschiedenen Sounds für jedes Projekt. Das will ich auch. Nookie ist eher musikalisch und mehr happy, Cloud 9 ist eher ein Drum & Bass und mehr techno-orientiertes Projekt, zumindest bis vor kurzem.
Die neue Cloud 9 ist ja ganz anders, ein Track sehr jazzy und einer sehr melodisch. Schon irgendwie Confusing. Nookie hieß ich früher schon, weil ein guter Freund mir einfach diesen Namen gegeben hat, ein kurzer prägnanter Name, der nichts mit Sex zu tun hat. Cloud 9 weil ich versuche, die Leute auf Wolke 9 zu bringen, also keine große Story hinter den Namen, sorry.

Was ist dein musikalischer Background?

Nookie: Electro, Jazz und Funk, Hip Hop. Wenig Soul. Meine älteren Schwestern haben immer Jazzfunk gehört, und ich immer Hiphop. Als die Houseszene begann, war ich ziemlich into Acidhouse, wie hier wohl jeder zu der Zeit. Aber im Grunde bin ich sehr offen, wenn es um Musik geht. Einfach der Klang ist wichtig. Was immer es ist. Ich war auch ein Breakdancer.
Electro ist auf dem Weg zurück.
Ich mag auch gerne Techno, UR und die alten Detroit-Helden, Derrick May, Kevin Saundersson und alle. Seltsamerweise ist die erste Platte, die ich gemacht habe als ich 18 war, ein Raggahiphopremix für Ninja Man und dann auch noch einen für Cutty Ranks. Ich habe damals im Red Records gearbeitet, der jetzt Unity heißt. Mein erster Hardcore-Track war ein White Label, wie es damals so war, "Large Southend Doughnut" - ziemlich lächerlicher Name.

Weshalb wolltest du Musik machen?

Nookie: Ich liebe Musik seitdem ich denken kann. Ich war DJ und Producer ist dann einfach der nächste Schritt. Außerdem gibt es so viele schlechte Platten, daß man sich denkt, man kann es viel besser machen. Eigentlich eine gute Einstellung: Wettstreit, Competition, ich glaube das ist gesund. Ich war auch immer sehr an der elektrischen Seite der Dinge interessiert und habe Computerstudies gemacht. Ich bin ziemlich Technical Minded wie man so sagt.

Mit was arbeitest du?

Nookie: Das übliche eigentlich, Cubase, Akai S 1000, und diverse Keyboards, auch analoge. Mein Studio wächst und wächst. Was ich immer noch haben will ist eine 909.

Auf der LP ist ja auch ein Technotrack drauf.

Nookie: Ja, ich mag alle Arten von Musik, und das sollte damit verstanden werden. Auf Reflective habe ich ja auch unter dem Namen Acoustic Assault Squad eine Techno EP gemacht. Ich wollte nicht, daß die LP einfach nur ein Label hat, sondern den Leuten, die ziemlich auf eine Richtung stehen, zeigen, daß es viel mehr gibt. Nicht so engstirnig sein. Es ist alles ein State of Mind.

Es ist aber auch immer ein kritisches Moment dabei, wenn man die Szenen wechselt, ohne sich in denen aufzuhalten.

Nookie: Ja schon, aber ich habe auch ein paar Housetracks gemacht. Aber die sind noch nicht wirklich so, wie sie sein sollen. Deshalb kommen sie nicht raus.

Ist es nicht viel einfacher House zu machen?

Nookie: Nichts ist wirklich einfach, weil es in Musik so viele Strukturen gibt. ...

Was werden Moving Shadow wohl nach ihrer 2 On One Serie machen, ich fange an, die zu vermissen?

Nookie: Es ist eine Art Serie im Gespräch, aber genau weiß ich das nicht. Enforcers sind ja immer noch da. Ich bin da mit einem Remix, das mache ich überhaupt immer öfter. Die neue Cloud 9 wird allerdings wieder sehr musikalisch und jazzy, aber wer weiß das schon vorher, denn der Track ist noch nicht ganz fertig. Zeit ist ja ziemlich irrelevant, wenn es um Musik geht. Mal geht alles sehr schnell, mal geht es nur schleppend.

Hier in Hitchen scheint ja eh alles vor allem nett zu sein. Man glaubt, daß die Stadt nur aus schlendernden Touristen besteht.

Nookie: Stimmt schon, ich bin ja wenigstens in England geboren. Meine Eltern kommen aus Honkkong und noch seltsameren Inseln. Aber hier ist es wirklich nett. Ich bin jetzt ein Hitchen Boy. Die sind irgendwie freundlich hier, das Haus ist nett und Rob Playford wohnt nur ein Dorf weiter. Aber die Szene ist ja auch sehr unified. Zumindest die Producer unter sich. Nur die Plattenindustrie ist sehr böse. Ich für meinen Teil habe auch keine Probleme mit dem Split zwischen der Happy Hardcore Szene und dem Rest. Das spielt für mich nicht unbedingt eine Rolle, die Tunes sind wichtig.

Wen würdest du als deine musikalischen Einflüsse angeben.

Nookie: Derrick May und Kevin Saundersson. Aber es gibt soviele Leute, zu denen ich wirklich aufsehe. Ich mag gerne deepe Sachen, Musik soll die Seele berühren, wie Strings of Life. Old School Hiphop war auch sehr wichtig für mich, EPMD, Run DMC und die frühen Public Energy. Aber das wars dann auch schon.

Hast du jemals nicht-elektronische Musik gehört?

Nookie: Nein, nie.

Gibt es ausser Musik noch andere Technologien, die dich interessieren?

Nookie: Mein Sega. Als ich jung war haben mich meine Eltern schon mit allen möglichen Spielen vollgestopft, und ich habe sie auseinandergenommen. Aber jetzt bin ich brav. Und hoffe, daß die neue Generation von Konsolen jetzt mal bald kommt, sonst muß ich nach Japan fahren...

Das Interview erschien im Mai 1995 im Frontpage Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Thanks to Jürgen Laarmann!
22.11.2017, 19:41 h | 5 Junglists online