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No U Turn: Nico


Was waren die Gründe für das neue Label No U-Turn Limited?

Nico: Die schwarze Serie? Das war, weil ich immer Cover und Namen für Schallplatten gemacht hatte und alle DJs, die ich kenne mir gesagt haben, daß genau das sie eigentlich nicht interessiert. Die Musik sei entscheidend. Wenn man Platten veröffentlicht, gibt es immer diesen Promorun, man verschickt Platten an DJs, Zeitschriften und all das, aber die Kids, die sie dann im Laden kaufen, sind irgendwie immer die letzten.

Der Schwerpunkt liegt darauf, daß alle die Tracks schon kennen sollen, wenn sie im Laden sind, weil man dann mehr verkauft und so; aber ich wollte das Experiment machen und ohne Warnung eine Platte rausbringen.Grooverider und andere wollten mir davon abraten, das könnte nicht funktionieren, aber jetzt sind sie draußen und verkaufen genausogut wie alle anderen, und die Leute im Laden haben endlich mal das Gefühl, einen Track zu kaufen der absolut neu ist und den noch niemand kennt.

Besonders das Dubplatebusiness in England macht das ja ganz schwierig.

Nico: Ja, das kotzt mich schon lange an. Und für die zweite von mir und Fierce gab es kein einziges Dubplate. Groovrider und Doc Scott hatten eine Testpressung, aber die haben sie nie gespielt, und eine Woche nachdem es draußen ist, legen sie es beide im Blue Note auf. Seltsam.

Es gibt aber auch musikalische Unterschiede. Die Tracks sind einfach härter als auf No U-Turn.

Nico: JA, aber das ist nur ein Zufall. Wir sind nicht losgegangen und hatten vor ein besonders hartes Label zu machen, das ist einfach die Art Musik, die wir jetzt machen, denn die Tracks können ja schneller rauskommen. Die nächste No U-Turn wird dann vermutlich noch härter. Wer weiß.

Wie kommt es, daß die Tracks nahezu jede Woche härter werden?

Nico: Es kommt einfach so. Die Nico, Ed Rush & Trace war einfach ein Studiojam. Die mit Fierce und mir ist anders. Fierce ist ein 17 Jahre alter DJ.

Nie von ihm gehört vorher.

Nico: Ja, und das ist auch ein Teil des Spaßes mit dem Label. Die Leute sollten stutzig werden. Er ist superenthusiastisch, bringt mich immer wieder hoch, wenn es mir mal nicht so gut gehen sollte. Er kam früher immer vorbei, hat meine Whitelabel gestempelt und steht absolut hinter der Musik. Da hab ich ihm einfach einen Job gegeben, er macht Tee für alle, staubsaugt und mein großes Versprechen an ihn war eines Tage einen Track mit ihm zu machen. Nach ein paar Monaten war es dann soweit. Was für einen Track, wollte ich von ihm wissen und er meinte dark, heavy und die gleichen Breaks wie auf letzten Trace & Ed Rush. Na gut.

Die beiden wollen ja immer nach einem Tag im Studio ein DAT mitnehemen, sofort Dubplates cutten und den Track verteilen, er kam am nächsten morgen wieder und wir konnten weiterarbeiten und den Track noch besser machen. Es ist sehr gut geworden, dafür daß wir zum erstenmal zusammen einen Track gemacht haben. Aber warum es immer härter wird? Vielleicht weil die DJs es so wollen. Es ist auf jeden Fall ein Spaß. Ich glaube, wir sind auch schon wieder einen Schritt weiter, haben schon wieder einen neuen Stil. Der fühlt sich komplett neu an. Anders.

Kannst du das beschreiben?

Nico: Ja, im Grunde ist es 85 bpm. So wie das, was wir jetzt machen, aber ohne Bezug auf die 165 bpm. Kein schnelles Gezischel, nur Bassdrums und steppende Snares. Das ist einfach ein neuer Stil. Ich habe ein Ding bemerkt, mit Darkside. Es ist anstrengend. Wenn ich mit Trace im Studio bin. Wenn der Track fertig ist, dann hasse ich ihn und denke das ist absoluter Schrott. Zwei Tage später merke ich, dann das da etwas verdammt mächtiges passiert ist, daß es Energielevel gibt, die immens hoch sind. Und ich mag es. Früher war das genau andersrum.

Mußt du viele Remixe machen?

Nico: Ja, ein paar, einen für Humungous Fungus, falls du die kennst. Irgendwie mochten die unsere Platten und dann habe ich einen sehr darken Remix mit Gitarren gemacht, den hier vermutlich keiner spielen wird, den Leuten selber aber zeigen sollte, was sie alles machen könnten. Aber genaugenommen habe ich gelernt, daß es doch vernünftiger ist, seinen Namen auf die Platten zu schreiben; was ich ja früher nicht gemacht habe. Bei Remixanfragen bekomme ich dann schon mal so Antworten wie: wenn nicht Ed Rush draufsteht, dann wollen wir es auch nicht. Sehr seltsam.

Du hast ja auch mit Lars und Tom vom Groove Attack in Köln Tracks gemacht.

Nico: Ja, die sind sehr nett, wir hatten viel Spaß zusammen. Diese Doppelgänger-Sache ist auch nicht so dark geworden, das ist anders. Als wir das gemacht haben, hatten wir ziemlichen Spaß. Die Tracks mit Tim Leg, die als TMF rauskommen, sind auch ganz anders. Ich mache die Beats und er spielt fast alles Live dazu ein. Er kann das und die Tracks haben eine Qualität, die ich bei vielen Good Looking-Sachen vermisse.

Wenn ich ein Demo bekomme, daß ich wirklich gut finde, dann frage ich nach, ob ich es auf Saigon machen kann. No U-Turn sollen eigentlich nur Tracks sein, die in unserem Studio gemacht werden, die ich engineere und produziere.

Machst du immer noch weiter Tracks für Emotif?

Nico: Naja, ich weiß nicht. Dieses Techsteppin-Album war ja zum großen Teil auch von mir und ich habe gerade erst die Studiokosten reinbekommen. Da warte ich lieber mal, ob sie auch zahlen.

Du scheinst jetzt endlich den längst fälligen Respekt zu bekommen.

Nico: Ja, No U-Turn hat einfach einen guten Ruf und was mit Ed Rush passiert, ist schon unglaublich. Aber auf jeden Fall wird es immer besser und das ist gut.

Das Interview erschien im September 1996 im Frontpage Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Thanks to Jürgen Laarmann!
21.11.2017, 05:38 h | 5 Junglists online