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High Contrast

Folgendes Interview erschien im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Verfasser des Textes: Gia-Thien Nguyen.    

Lincoln, wie fühlt es sich an zu wissen, als einer der talentiertesten Produzenten in der Drum & Bass Gemeinschaft tituliert zu werden?

Gut fühlt es sich an, keine Frage. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man hört, dass zahlreiche namhafte und renommierte Künstler wie Fabio, Grooverider oder London Elektricity meine Musik spielen. Aber ich möchte mich nicht mit derartigen Dingen beschäftigen. Ich denke einfach nicht daran, sondern versuche auf dem Boden der Realität zu bleiben. Vielmehr konzentriere ich mich auf meine zukünftige Arbeit.

Aber Du bist doch zufrieden mit dem Level, welches Du bis jetzt erreicht hast?

Sicherlich, ich kann mich nicht beklagen. Wenn man bedenkt, dass ich noch vor kurzer Zeit ein unbekanntes und unbeschriebenes Blatt im Drum & Bass gewesen bin und momentan die Aufmerksamkeit der Szene genieße. Und das innerhalb eines Jahres.

Deine Verschmelzung von zahlreichen unterschiedlichen Musikelementen ist beachtlich und faszinierend zugleich. Was ist die Quelle Deiner Inspiration?

Es liegt in erster Linie an meiner Vorliebe für wunderschöne und belebende Melodien und Sounds. Ich lasse das gesamte musikalische Spektrum auf mich einwirken und finde dort meine inspirativen Gedanken. Zum Beispiel höre ich Garage, Trance, Hip Hop, Filmmusik, Swing aus den 40er oder Jazz aus den 60er Jahren usw., d.h. alle Musikgenres können die Grundlage meines Sounds darstellen. Beispielsweise sample ich auch US-House oder Disco Tunes.

Wie kommt es, dass Du dich mit Musik auseinandersetzt, die weit vor Deiner Zeit gewesen ist? Mir ist sehr deutlich geworden, dass die jüngere Anhängerschaft in der Drum & Bass Community keinen Bezug zur Musik aus vergangenen Tagen hat.

Ich denke, dass liegt daran, dass ich sehr offen für alle Formen der Musik bin. Wenn ich erst einmal den Zugang zu einer Musikrichtung entdeckt habe, dann bin ich schnell von ihr begeistert.

Es hat bei mir vier Jahre gedauert, um alle Einflüsse innerhalb der Szene aufzunehmen und um tiefere Einblicke in die Musik zu gewinnen. Man muss sich permanent mit ihr auseinandersetzen und die persönliche Offenheit kann bei dem Prozess sehr dienlich sein.

Aber um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, woher es kommt, dass ich derart zugänglich für die unterschiedlichsten Musikgenres bin.

Würdest Du behaupten, dass heutzutage die Drum & Bass Szene die von Dir erwähnte Offenheit mit sich bringt?


Auf jeden Fall. Ich spüre momentan eine positive Entwicklung und das sogar weltweit. Selbstverständlich lastet auf jedem Produzenten ein gewisser Druck, denn der Großteil der Drum Bass Headz möchte Musik hören, die für den Dancefloor konzipiert ist.

Aber es ist gerade der Abwechslungsreichtum der Produktionen, welcher Drum & Bass auszeichnet. Sprich es muss auch Werke geben, die verstärkt musikalische Elemente beinhalten. Nicht umsonst reicht die Bandbreite von Bad Company bis Ed Rush & Optical oder Fabio bis Peshay.

Meine nächste Frage tangiert Deine Studioarbeit. Hast Du Dir die jeweiligen Techniken autodidaktisch beigebracht?

    Am Anfang meiner Schaffensperiode hatte ich nicht die leiseste Ahnung, wie die Programme zu handhaben sind, wie man einen guten Drum & Bass Tune strukturiert, welche Geräte man benutzen sollte etc.

Zwei Jahre hat es in Anspruch genommen, um alle wichtigen Sounds herauszufiltern, die für Drum & Bass Musik relevant sind.

Ich muss auch dazu sagen, dass ich ausschließlich mit Cubase arbeite und kein Midi verwende, sondern nur Audiodateien auf WAV-Basis. Meine gesamten Produktionen werden nur an meinem Computer verwaltet, d.h. ich besitze kein Mischpult, keine Sampler, kein externen Synthesizer usw.

Das ist ein Witz, oder?

Nein, ich arbeite nur an einem PC, der in meinem Zimmer steht. Die meisten können es nicht nachvollziehen, dass meine gesamten Produktionen aus dem PC stammen. Mit Hilfe der Softwareprogramme kann ich meine Musik nach meinem Belieben kreieren und es funktioniert.

Das impliziert, dass Du nur von Plug-Ins lebst?

Klar, die Programme helfen mir ungemein und ich bin dankbar dafür, dass ständig neue und nützliche Plug-Ins erfunden werden. Aber nach meinem Album, welches im Februar des nächsten Jahres erscheinen wird, werde ich in Equipment investieren, denn ich möchte gerne ein nächsthöheres Level erreichen.

Bevor es soweit ist, möchte ich meinen Longplayer fertig stellen, um den Leuten zu zeigen, dass man nur mit einem PC ein komplettes Album herstellen kann. Vielleicht werden sich weitere Produzenten meinem Weg, den ich eingeschlagen habe, anschließen.

Bitte weihe uns in die Detail Deines Debütalbums ein. Welche Intention hast Du bei diesem Projekt verfolgt?

    Es werden acht Tracks auf der Vinyl- und zehn auf der CD-Version erscheinen. Das Album wird eine Reihe von verschiedenen Musikstilen vereinen.

Es werden nicht nur Disco-Elemente zu hören sein, sondern auch Einflüsse, wie zum Beispiel Garage oder Loungemusik aus den 60er Jahren, werden in den Werken verarbeitet.

Insgesamt soll das Album durch den Einsatz von melodiösen Parts einen positiven Vibe ausstrahlen, wobei es nicht nur Musik zum Nebenbeihören sein soll, sondern auch zum Tanzen animieren, d.h. die Tracks verfügen über eine entsprechende Energie.

Hast Du Dir vorher einen Masterplan zurechtgelegt?

Ja, ich wollte mit meiner LP nicht in den typischen Klischees von Drum & Bass verfallen, sondern habe versucht, alle möglichen Sounds in meinen Tracks zu vereinen. Es sind auch düstere Soundstrukturen zu hören, aber im Endeffekt ist es stets mein Sound.

Wirst Du nur über das Label Hospital Deine Records veröffentlichen? Stehen Auftragsarbeiten für weitere Labels vor der Tür?

Mein Album wird exklusiv bei Hospital erscheinen. Nach der Veröffentlichung werde ich für wenige, auserwählte Labels Tracks produzieren. Ich denke, dass ich meine Kooperation mit Hospital ausweiten werde. Sie sind sehr stark auf dem Markt positioniert und beherbergen gute Künstler wie London Elektricity oder Danny Byrd.

Darüber hinaus arbeiten sie sehr professionell und kümmern sich sehr gut um ihre Artists, was man auch in der Promotion sieht.

Wie sieht Deine nähere Zukunftsplanung aus?

Der musikalische Einfluss wird intensiviert. Ich spiele zum Beispiel Klavier und versuche meine Möglichkeiten, in meine Musik miteinfließen zu lassen. Zudem habe ich eine Sängerin aus Cardiff für zukünftige Produktionen gewinnen können. Ich werde auch mit anderen Produzenten wie zum Beispiel Calibre, London Elektricity oder Marky und Patife aus Brasilien zusammenarbeiten.

Mein Sound soll zukünftig vielfältiger und facettenreicher klingen. Ich werde in vielen Bereichen experimentieren. Das beste Exempel ist die Flipside zu „Make It Tonight“.

Befürchtest Du nicht, dass sich Deine treuen Anhänger etwas irritiert fühlen, wenn sie den nicht gewohnten Style von Dir zu hören bekommen?


Ich fühle mich schon geehrt, dass die Leute bestimmte Produktionen mit meiner Person assoziieren. Aber das interessiert mich nicht vordergründig, denn ich bin der entscheidende Faktor. Es ist abhängig von meiner Gefühlslage. Wenn ich in der Stimmung bin, nur Tracks mit fröhlichen Vocals zu produzieren, dann soll es so sein.

Nichtsdestotrotz möchte ich eine Balance halten, die es mir auch ermöglicht, darke Tunes zu schreiben. Außerdem wäre es auf die Dauer sehr monoton, wenn man mich nur mit einem spezifischen Style in Verbindung setzen würde. Ich bin der Ansicht, dass der Variantenreichtum in erster Linie für meine Arbeit hilfreich sein kann.

Hast Du zu guter Letzt noch einige Shout Outs zu verkünden?

Ich möchte die gesamte Hospital Crew, Fabio und Grooverider, Influx Datum aus Miami, Marky und Patife in Brasilien, Calibre aus Irland, meine Crew in Cardiff und alle, die Drum & Bass repräsentieren, grüßen.

Danke für das Interview.

Thanks to GTN!
22.11.2017, 03:00 h | 6 Junglists online