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Nico & Ed Rush - No U-Turn - Some very loud piece of power


Spätestens mit "Techsteppin", der Compilation die mit einem mal auch für weniger Versierte klar machte, daß Nico, Ed Rush und Trace einen ganz eigenen Stil entwickelt haben, kennt sie auf der Insel jeder. Nico, der alle Tracks auf No U-Turn produziert, hat diesen Stil geprägt wie kein anderer. Eine Mischung aus Hardstep und der Wiederauferstehung von Darkside, dessen Handschrift unübersehbar in jeden seiner Tracks und darüber hinaus reicht.

Ed Rush ist ist das Aushängeschild von No U-Turn, das Wunderkind, daß im Sturm alle wichtigen Label der Drum & Bass Szene erobert. Metalheadz, Prototype, Moving Shadow. No U-Turn wird der Hype des Jahres. Und sie werden es alle bereuen, denn mit No U-Turn zieht eine Bande über die Welt, die einen der kompromißlosesten Sounds seit Jahren macht, Bässe erfindet, die alles bisher gehörte irgendwie naiv erscheinen läßt und Beats so schneidend macht, daß Ed Rush jetzt schon mit seinem Titinusnerv zu kämpen hat. No U-Turn läuten ein neues Zeitalter ein, dark, futuristisch und gnadenlos.


Wie geht es zur Zeit für dich?

Ed Rush: Es ist gerade verdammt hecktisch. Ich habe diesen verdammten Job von 9 bis 5, arbeite für einen verdammten Off Licence-Laden. Wein und sowas rumfahren, und das bezahlt mir die Miete und so shit. Und abends rase ich runter zum Studio und bleibe bestimmt drei Tage in der Woche bis morgens dort. Rinsin Out. Ein paar Tracks machen. In der letzten Zeit mache ich auch mehr und mehr Tracks alleine. Nico macht die technischen Sachen, kickt den Sound, aber die letzen beiden Tracks `Sector 3' und `Comatone' sind von mir arrangiert, produziert und gemixt. Das ist es, was ich zur Zeit will.

Aber mit anderen produziere ich auch gerne. Ein paar Tracks mit Dom & Roland (sein Sampler). Bei ihm im Studio habe ich auch die Metalheadz EP aufgenommen. Ich habe auch einen mit Pete Parsons gemacht, der Houseengineer von Dee Jay, als Hydro für Emotif. Ich kann es nicht erwarten, den 9-5 Job loszuwerden, und mein eigenes Studio einzurichten, damit ich morgens aufstehen kann und meinen Kopf sofort in ein paar Beats stecken kann. Die ideale Situation.

Wann ist es eigentlich so dark geworden?

Ed Rush: Bloodclod Artattack, war ja nicht mein erster Track, es gab ein paar Whitelabel vorher, die waren sehr Technobeeinflußt. Blodclod war der erste, der dann richtig war, unter den ich meinen Namen setzen wollte. Dann wurde ich ein bißchen ruhig. Hab mir alles genau angesehn, wie ein Schwamm alles aufgesaugt, was ich finden konnte. Und dann kam der Lucky Spin Track `Clean Gun' sehr dark und hart, `The Force Is Electric', `Guncheck', das sehr HipHop beeinflußt war und dann hatten Nico und ich unseren Sound richtig ausgearbeitet, und ich bin einfach immer produktiver geworden. Bis zu `Mothership' jetzt. Als die darken Tracks wieder aufkamen, dachte ich, das würde vielleicht den Winter über so gehn und mit der ersten Sonne dann wieder Happy werden, was aber nur ein kleines bißchen so war. Aber die Produktion in den darken Tracks ist so advanced, benutzt die Technologie mehr, twisted die Sounds mehr, weil es nicht so eine cleane Produktion braucht wie ein jazzigerer Track.

Die Leute wollen alles bis ans Maximum pushen, und Dillinja arbeitet jetzt auf Macintosh. Ich weiß nicht. Dark Side. Die Welt ist ja auch ein verdammter Ort. Das wird wohl irgendwie auch reflektieren, wie sich die Leute fühlen. Ich stehe allerdings zur Zeit auf auch diese futuristischen Blade Runner Sounds. Trace kommt gerade aus Philadelphia wieder und wir waren wieder im Studio. 8 Tracks hat er schon gemacht. Wir ergänzen uns sehr gut. Es ist eine Art freundlicher Competition zwischen uns beiden. Irgendwie Cool.

Wie kam es zu deiner Metalheadz EP?

Ed Rush: Das war im Bluenote, ich hab meine Tracks zu Grooverider gegeben, der sich immer Dubplates gemacht hat, und Goldie wird wohl ein paar gehört haben und wollte eine EP. Das fand ich natürlich groß. Blue Note ist dafür verantwortlich. Ich bin auch nahezu jede Woche da.

Wie ist die Reaktion auf deine Sets in England?

Ed Rush: Ganz gut, ich war neulich bei Innovation, und da haben sie eigentlich keine DJs wie mich sonst, keine Darkstepp-Intechstep-DJs. Ich habe verdammt 2 Stunden nur darke Rinser gespielt und das fanden sie gut. Die wissen aber auch, wen sie booken, weil eigentlich jeder meine Tunes kennt. Im Norden ist es sogar noch besser, die drehen eher durch, das ist gut. I get mad inspirations from different situations.

Hast du Independence-Days gesehn?

Ed Rush: Ja am Freitag und verdammt, `They are coming'. Das ist eine verdammte Warnung. Auf einmal entdecken sie auch noch, daß es Leben auf dem Mars gab. Sehr gutes Timing das alles. Die wollen uns langsam darauf vorbereiten, daß die Typen eines Tages von irgendwo auftauchen.

Was wird denn passieren, wenn sie kommen?

Ed Rush: Ich weiß nicht, Mothership Business. Into Darkside. Ich weiß nicht. Es ist nicht mehr die Frage ob, sondern die Frage wann sie kommen. Es ist verdammt dark. Was Sound und neue Releases betrifft, suche ich immer nach etwas Neuem. Ich langweile mich leicht mit den gleichen Sounds und den gleichen Beats, aber dann muß man auch sagen, daß es verdammt lange dauert, eigene Beats zu machen. Dillinja und Lemon D sitzen den ganzen Tag da und machen genau das. Daher ihr absolut eigener Sound. `Sector 3' hat einen ziemlichen Acideinfluß. Schmutziger analoger Acidsound, die Bassline. Darker kalter metallener futuristischer Sound. Das wird auf No U-Turn kommen. Trance Europe Express wollen es auch haben, für ihre erste Drum & Bass Compilation.

Jeder will jetzt eine machen.

Ed Rush: Ja, das ist lächerlich. Und die Majors signen jeden. Rechts, links, in der Mitte, egal. Hoffentlich verwässern sie es nicht, das wäre traurig. Aber die Leute können ja machen was sie wollen, weil die Majors es nicht verstehn. Es ist Streetmusic.

Was ist das darkeste, was du dir vorstellen kannst?

Ed Rush: Vermutlich ein verdammter Nuclearer Holocaust, das ist nasty. Irgendsoein Scheiß. Die Explosion überleben und dann im Fallout krepieren, das ist ein darker Gedanke. Wir zerstören den Planeten, die nächsten Generationen werden nicht viel zu lachen haben; und den ganzen Tag in diesem Scheißvan rumfahren, das macht mich verrückt. Verdammter Verkehr; wenn ich ins Studio komme hab ich schlechte Laune und will heavy distorded Beats hören, harte Amenbreaks.

Glaubst du daß du andere Tracks machen wirst wenn du nicht mehr arbeiten mußt?

Ed Rush: JSie werden bestimmt technisch besser, aber das rohe Element wird immer noch da sein. Ich stehe im Moment auf Basistunes, alles runterfahren, nur noch ein paar Sounds benutzen und einen guten Groove damit machen. Aber ich stehe auch total auf diesen ultradetailierten Photek; er ist ein Genie, ein Beatmaster, ein Chirurg, zerschneidet alles und wirft es überall hin und die Tracks rollen. Das ist unglaublich, aber ich mag es auch ins Studio zu gehn und den Vibe eines Abends in einen Track zu packen.

Wer kam auf den Namen Techsteppin?

Ed Rush: Das war an dem Abend, als ich, Trace und Nico den Mutantremix gemacht haben; ich glaube es war im Auto von Trace, vermutlich hat er es erfunden und ich fand es verdammt baaad. Gutes Word.

Das Interview führte Bleed. Der Text erschien im September 1996 im Frontpage Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Thanks to Jürgen Laarmann!
23.11.2017, 02:32 h | 8 Junglists online