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DJ Rap


Folgendes Interview erschien in Breakbeat Ausgabe 20 und wurde future-music.net freundlicher Weise exklusiv zur Verfügung gestellt.    

DJ Rap, ihr bürgerlicher Name ist Charissa Saveiro, wird nicht selten als '1st Lady of Jungle' tituliert. Andere bezeichnen sie auch als "Jennifer Lopez des Drum & Bass".

Namen bzw. Titel sind Schall und Rauch, denn der Mensch mit all seinen Eigenschaften sollte im Vordergrund stehen. Sicherlich fällt es beim ersten Anblick dieser atemberaubenden Frau nicht sehr leicht, daraus zu schließen, dass sie zu den Headlinern des Jungle Business gehört. In einer von Männern dominierten Szene hat sie es geschafft, wie ihre Kolleginnen Storm und Wild Child, sich zu etablieren.

Raps offensichtlich autarke und unglaublich willensstarke Mentalität half ihr ihre Reputation auf einem hohen Level zu konsolidieren und wurde zu einer einflussreichen Kraft innerhalb der Szene. All zu oft gewann man(n) ein kontroverses Bild von Rap, weil sie offen und direkt ihre Meinung kundgetan hat.

Cool Hand Flex u.a. unterstützte Raps mixing skills und sie wurde in absehbarer Zeit Resident bei Clubs wie Astoria und bei Raves wie Sunrise und Raindance.

Im Jahre 1993 gelang ihr mit dem heute legendären Track "Spiritual Aura" der Durchbruch als Produzentin. Gerade jene Produktion, eine Mixtur aus Ambient und Jungle, war ihrer Zeit voraus. Auf ihrer Kompilation "New Brave World" wurde ihr Klassiker für das Millennium in einem neuen Gewand gekleidet.

1994 war die Zeit für ihr eigenes Label Proper Talent, das Licht der Drum & Bass Landschaft zu erblicken. Nur ein Jahr später lies sie mit der Kompilation "Journey By DJ" und dem Proper Talent Album "Intelligence" die Hörerschaft aufhorchen, denn sie zeigte mit jenen genannten Produktionen den Weg des damaligen Sounds in Richtung Hardstep.

Was war die Konsequenz? Majorlabels wurden auf ihre Produktionskünste aufmerksam. Sie unterzeichnete einen Deal bei einem Sublabel von Sony, Higher Ground, und veröffentlichte das Album "Learning Curve", welches ihre gesanglichen Fähigkeiten in Begleitung mit einer Band unter Beweis stellte.

Das Jahr 2001 wird aus ihrer Perspektive eine sehr ereignisreiche und verheißungsvolle Zeit sein. Voller Enthusiasmus und Tatendrang stürmt sie mit zahlreichen neuen Produktionen nach vorne und wird ihren Zuhörern aufzeigen, wie intensiv ihre Liebe zu Drum & Bass ist.

Aber bevor es soweit ist, führt euch das Interview mit dieser faszinierenden Persönlichkeit zu Gemüte.

Charissa, meine erste Frage ist, ob Du auf die Titulierung, die "1st Lady of Jungle" zu sein, stolz bist?

DJ Rap: Thank you very much. Ja, natürlich bin ich persönlich stolz, diesen Titel verliehen bekommen zu haben. Es ist schön zu wissen, dass meine Leistungen anerkannt werden. Aber die Tatsache, dass meine Karriere bereits ins 16. Jahr (!!!) geht, erfüllt mich mit viel mehr Stolz.

    Sind Dir derartige Bezeichnungen wichtig in Deinem Leben?

DJ Rap: Auf der einen Seite dienen mir diese Titel als Anreiz, meinen Weg weiter kontinuierlich und konsequent zu gehen.

Ich würde es als Motivationsschub bezeichnen.

Auf der anderen Seite ziele ich schon darauf ab, mir diese Auszeichnungen zu verdienen. Das spielt aber nur eine untergeordnete Rolle.

Würdest Du behaupten, dass Du das beste Beispiel für die Emanzipation der Frauen in der männer-dominierten DJ-Szene repräsentierst?

DJ Rap: Zur Zeit kannst Du auf zahlreichen Parties und Raves wirklich gute und talentierte DJanes an den Decks hören. Ich kann die Frage schwerlich beantworten, weil ich mich nicht zur sehr in den Mittelpunkt stellen möchte.

Meine Position innerhalb der Szene beurteile ich folgendermaßen. Permanent stehe ich unter Stress, all meine Termine kann ich kaum ohne Verspätungen einhalten, ich leite mein eigenes Label Proper Talent, ich besitze einen Recorddeal mit Sony usw. Wie Du siehst, irgend etwas muss ich richtig machen.

Hast Du eine Hypothese parat, warum nicht mehr Mädchen und Frauen den Versuch starten, sich als DJane eine Reputation zu erarbeiten?

DJ Rap: Es ist ein sehr harter Job und manchmal ein sehr einsamer. Ständig bist Du auf Achse, um weltweit zu touren und aufzulegen. Du bist fast nie zu Hause und falls doch, dann sitzt Du im Studio, um Musik zu machen. Während dieser Phase musst Du hoch konzentriert sein.

Auf der anderen Seite musst Du im technischen Bereich versiert sein, womit sich viele Frauen nicht identifizieren können und müssen somit das technische Know-how erst mal erlernen.

Zudem solltest Du über eine ausgeprägten Sinn für das Business haben und musst auch über eine toughe Einstellung verfügen. Die Auflistung könnte ich locker erweitern, aber ich glaube, dass deutlich geworden ist, dass zahlreiche Aspekte eine Rolle spielen, warum Frauen eher zu konventionelleren Berufen tendieren.

Ich würde gerne mehr weibliche DJs in der Szene sehen. Du auch?

DJ Rap: Es interessiert mich nicht, ob der DJ männlich oder weiblich ist. Die Hauptsache ist, dass sie oder er gut auflegen kann. Ansonsten wäre ich auch ein Sexist.

Dein Künstlername weckt bei vielen Menschen ganz bestimmte Assoziationen. Die wenigsten würden a) eine Frau dahinter und b) eine Koryphäe des Drum & Bass' vermuten. Wie bist Du auf diesen Namen gekommen?

DJ Rap: Ich rappe immer, wenn ich zu tief ins Glas geguckt habe. Außerdem mixe ich immer Hip Hop Breaks mit House Tunes, damit sie fetter klingen. Wie Du unschwerlich erkennen kannst, hat mein Künstlername eine tiefere Bedeutung.

Bitte erzähle unseren Lesern etwas über Dein Label Proper Talent, über die Philosophie und Historie.

DJ Rap: Proper Talent ist mein Baby, weil es aus Liebe zum Leben erweckt wurde. Aus Liebe zur Musik. Mein Imprint eröffnet mir die Möglichkeiten, auf der einen Seite D&B und auf der anderen Breakbeat zu veröffentlichen.

Auf diese Weise kann ich mich selbst verwirklichen. Des weiteren gibt es mir die Möglichkeit, neue Künstler und Talente zu promoten, von denen ich zahlreiche im Visier habe. Die Philosophie von Proper Talent ist, gute Musik aus Liebe zu ihr und nicht des Geldes wegen auf den Markt zu bringen.

Wie sehen Deine Ziele für Dein Label aus? Was können wir in Zukunft erwarten?

DJ Rap: Ich möchte das Label auf ein höheres Level bringen und neue Talente entdecken und fördern. Im September diesen Jahres wird Proper Classics erscheinen. Es wird eine Mix-CD mit all meinen Lieblingsklassikern sein inkl. vier bangin' 12"es, so look out for that!

Letztes Jahr habe ich "Brave New World" mit Kollaborationen mit praktischer der gesamten Szene releast, d.h. ich bin stark motiviert, permanent neue Projekt zu initiieren. Ach ja, ihr könnt euch alle zwei bis drei Monate auf eine neue Single von mir freuen.

Du bist auf Higher Ground/Sony gesignt. Hat Dich das Majorlabel stets in der Form supported, wie Du es Dir immer vorgestellt hast?

DJ Rap: Ich kann mich wirklich nicht beklagen, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass die Unterstützung in Amerika größer ist.

Würdest Du Dir eine breitere Unterstützung der Drum & Bass Bewegung durch Majors wünschen?

DJ Rap: Meine Antwort ist definitiv: Nein. Mein Majorvertrag mit Sony erstreckt sich ausschliesslich auf Breakbeat und nicht D&B. Aus meiner Sicht muss D&B im Underground bleiben, auch wenn großartige Tunes niemals von der breiten Masse gehört werden kann bzw. wird. Es fehlt am Support, was auch erklären würde, warum sowohl "Scheiße" in den Charts platziert sind.

Wie würdest Du D&B definieren? Was sind die wichtigsten Elemente für einen phatten Track?

DJ Rap: Das wichtigste im D&B ist die unbändige Energie, die Du in keiner vergleichbaren Musik finden wirst. Es sind die Geschwindigkeit und die Basslines, aber auch der technische Bezug zur Musik.

Wo siehst Du D&B in der Zukunft?

DJ Rap: Leider verfüge ich über keine Kristallkugel, die mir die Zukunft offenbaren könnte, aber, wenn Artists wie J-Majik den Weg zu neuen Sounds und Vocals weist, mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft. Wir müssen das Spektrum von D&B erweitern und wir brauchen neues, frisches Blut, wie zum Beispiel DJ Craze, der D&B Platten wie Hip Hop Scheiben behandelt. So wird ein neuer Typ von DJ geboren.

Zu guter Letzt eine Message von Dir an unsere Leser.

DJ Rap: Ich möchte mich ganz herzlich bei allen für ihre Unterstützung und Liebe danken. Ich kann es kaum erwarten, mit meiner Band auf Tour zu gehen und euch zu sehen.
Watch out, für das neue Album auf Sony Music.

Charts:
1. alle Produktionen von Jamie Majik
2. alle Produktionen von Ram (ihr Album ist wirklich cool!)
3. alle Produktionen von meinem Label, natürlich
4. checkt all die Musik auf der Website von Nu Urban Music aus!!!
5. Alle Produktionen von Danny C oder Twisted Anger.

So, das sind genug Tipps von mir. C U soon and much luv, Rap.

Text: Gia-Thien Nguyen
Das Interview erschien in Breakbeat Ausgabe 20 und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
31.10.2014, 23:06 h | 9 Junglists online