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Dillinja - Tear down the Place, Bass

Wenn man einen Dillinja aufweckt, kann er schon mal böse werden. Er mag keine Interviews. Er hat keine Zeit. Es soll immer noch ein Track kommen. Er möchte gerne ins Studio. Nicht zuletzt deshalb ist er für viele ein Held. Er lebt für Drum & Bass.

Seine Tracks zeigen immer wieder eine unnachgiebig grausame Härte und Brillianz in den Drums und verbreiten eine Energie, die hart an die Grenze des Ertragbaren und vor allem des Verstehbaren geht. Dillinja ist ein Synonym für Bass.
Den Bass, der dir nicht einfach den Magen umdreht, sondern deine ganze Seele umkrempelt. Eine Bassline von Dillinja wird in den richtigen Kreisen viel mehr als Droge, der feinste, reinste chemische Müll gehandelt. Ein Bass, den man schon nicht mehr halluzinieren kann.

Kurz: Dillinja kickt ohne Ende. Er ist einfach cool.
Da sind sich wohl alle einig, die auf Drum & Bass stehen. Ohne ihn kommt man in keinem Set aus, selbst wenn die Zeiten eher jazzig und ruhig sind. Seine Tracks sind zu brilliant, als daß man sie umgehen könnte. Er gehört einfach zu den besten Producern der Welt, Goldie weiß es. Jeder kann es hören, für viele ist es sicherer als ihre eigene Position in der Welt. Der Kultstatus, den er jetzt schon hat, wird sich wohl dieses Jahr gefährlich ausbreiten. Dillinja ist genau der Typ, der dich erst mal verstummen läßt, dann ein wissender Blick, und man befindet sich mitten in der tiefsten Geheimwissenschaft der Breaks.


Wie kommt es, daß du überall präsent bist. Schon vor drei Jahren gab es Tracks von dir, aber irgendwie wechselten die Label ständig.

Dillinja: Sogar schon früher. Meine erstes Whitelabel "Tear Off Your Chest" zumindest. Es ist nie wirklich erschienen. Alle Tracks waren am Anfang auf meinen eigenen Labeln verstreut. Allerdings sehr unprofessionell, eher Versuche von Labeln.

Und du hast immer noch ein eigenes Label, oder?

Dillinja: Ja, zwei: Deadly Vinyl und Logic; aber da ist ziemlich lange nichts mehr rausgekommen. Was aber nicht heißen soll, daß es sie nicht mehr gibt. Viel zu tun für andere, aber das wird sich dieses Jahr noch ändern.

Auf Logic gab es immer auch sehr ruhige Tracks, weshalb erscheinen von dir zur Zeit fast nur Killer?

Dillinja: Logic war eher ein jazziges Label.

Und das schon damals. Vielleicht war es sogar das erste, daß sich richtig auf den Jazz-Einfluß eingelassen hat. Auf späteren Tracks hört man das nicht mehr so. Was ist aus deiner ruhigeren Seite geworden?

Dillinja: Die gibt es. Es gibt Plates von mir da draußen, die sehr ruhig und bislang noch nicht erschienen sind. Die härteren Sachen von mir scheinen beliebter zu sein.

Goldie hat dich >Bass Explorer Of The Ninties< genannt. Wie findest du das?

Dillinja: Tja, was soll ich dazu sagen. Irgendwie stimmts. Ich mag alle Arten von Bässen. Ist wohl eine Obsession, die ich schon als Kind hatte. Ich hab mir ein Soundsystem gebastelt. Ich liebe die Art, wie Bässe aufgebaut sind. Zuerst war Musik ein Hobby für mich. Ich lief durch die Läden, hab mir HipHop Platten gekauft. Dannach kam House, und dann habe ich angefangen zu mixen und ab & an auf Partys aufgelegt. Aber da war ich noch in der Schule. Scratching, Electro... all das.

Seltsamerweise benutzt du keine Scratches. Obwohl HipHop ja grade eine große Renaissance erlebt...

Dillinja: Das ist auch gut so. Einer der Gründe, warum ich Drum & Bass mache, ist meine breite Musikliebe. Und genau das fällt in Drum & Bass zusammen. Wenn es gut klingt, ist es das, und nichts anderes.

Hast du Lieblings-HipHop-Producer?

Dillinja: Oh, da gibt es so viele. Ich höre ständig HipHop. Es kommt alles wieder - auch Electro. Ich werde "Cybotron" wieder ins Leben rufen, noch so eins meiner frühen Label...

...und ein Electro-Name Die LPs von Cybotron zirkulieren zur Zeit ja auch wieder.

Dillinja: Ja, das ist gut. Zur Zeit geschieht viel. Früher konnte man ja gerade mal 500 pressen, wenn man sein Label anfing, aber mittlerweile kann man richtig loslegen.

Vielleicht auch außerhalb von Drum & Bass?

Dillinja: Wer weiß? Ich habe grade meine ersten Remixe gemacht, die nicht Drum & Bass sind. HipHop-Mixe, Musik die ich ja immer mochte, einer war für CL Smooth, ein DJ Krush-Mix, und einer für Optical Stairway...

Das alles unter verschiedenen Namen?

Dillinja: Ja, der aktuellste ist Cybotron auf Groovriders Label. Zusammen mit der von Ed Rush. Daß ich auf Hardleaders Platten mache, hat ja wohl jeder mitbekommen. Dumm nur, daß die Leute von Kickin' auf der Conquerer-Platte meinen Namen genommen haben, und den auch noch falsch geschrieben haben. Die nächste unter meinem Namen, ist die auf Metalheadz. Ist gar nicht so einfach, immer neue Namen zu finden. Aber Dillinja ist der wichtigste.

Produzierst du auch mit andern Leuten?

Dillinja: Ja, doch das ist länger her. Aber das Projekt steht. Ich werde auch versuchen ein paar Tracks mit Sängern zu machen, aber das kommt erst später.
Das wichtigste für dieses Jahr ist erst mal ein LP zu machen.

Für wen?

Dillinja: Kann man noch nicht sagen, aber vielleicht auf Mo Wax.

Was hältst du davon, daß Mo Wax oder R&S jetzt plötzlich Jungle machen, was sie vorher ja gar nicht mochten.

Dillinja: Das sind schon ganz gute Label. Sie haben ihr Ding gemacht und ganz eigene Ziele weiterverfolgt. Und das zählt letztendlich. Politics sind immer ein bißchen dumm.

Was ist dein Lieblingstrack?

Dillinja: Kann ich so nicht sagen, das sind doch hunderte, ich weiß es einfach nicht.

Und was ist dein Lieblingsinstrument?

Dillinja: Ich habe mir grade einen Macintosh geholt. All die Möglichkeiten Samples zu editieren! Das ist einfach ein neuer Weg. Ja, Macintosh, das ist mein Ding!

Wir haben grade Sonic Worx ausprobiert. Schon beim Lesen der Soundeffekte denkt man, der Cyberspace könnte doch noch was werden.

Dillinja: Es gibt so viele Programme. > Ziemlich fett!

Glaubst du, daß es noch tiefer in die Sounds geht?

Dillinja: Erst mal Freestyling. Und Härte. Und es wird härter, jedenfalls bei mir. Computer sind noch nicht für jetzt, das dauert wohl noch eine Weile. Goldie arbeitet ja schon länger damit und das kann man hören. Ein paar andere und ich jetzt auch, aber es ist schon etwas teuer. Allerdings wird man ja heutzutage schon mal bezahlt. Da werden wohl mehr Leute sich auch einen Mac leisten können.

Was denkst du, wenn du deine Tracks im Club hörst?

Dillinja: Ich kritisiere sie konstant. Ich finde jeden noch so kleinen Fehler. Manchmal ist es allerdings ziemlich irritierend, weil Dubplates oft schlecht gecuttet werden, da die DJs nicht genug Geld für einen teuren Cut haben. Und dann denkt man, es wäre grauenvoll gemixt.

Korrigierst du deine Tracks?

Dillinja: Nein, so gut wie nie, das wäre zuviel. Ich versuche, die Tracks richtig powerfull aufs DAT zu bekommen. Ich mache auch nicht gerne Remixe von meinen Tracks.

Was ist dein Lieblingsbeat?

Dillinja: Ich will meine eigenen machen. Aber ich muß zugeben, daß der Sound von Amen der härteste ist. Ich liebe diese Kraft! Kein Break, den ich kenne, hat soviel Energie. Aber eigene Beats wären schon besser. Recycle ist ein ziemlich gutes Programm dafür. Re-designing Breaks ist der neue Lick. Der nächste wäre dann, verdammte Drummer auf richtig abgefuckten orginal Drumkits spielen zu lassen und das dann zu Samplen. Den Sound bekommt man so nicht hin. Richtig krachiges, abgefucktes Drumkit. Das wäre cool. Drums eben, und Basslines.

Das Interview erschien im August 1996 im Frontpage Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Thanks to Jürgen Laarmann!
25.11.2017, 01:08 h | 5 Junglists online