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Utah Jazz




Utah Jazz – Der Sampleguru und Soulprince des Liquid Funk beehrt im Oktober 2014 zum ersten Mal Norddeutschland. Im Koffer sein viertes Studioalbum Portfolio, das im Juli erschien auf Spearhead Record.

Love everlasting – den Sound, den Luke Wilson aka Utah Jazz produziert und spielt, kannst du nicht einfach konsumieren oder „nur“ darauf abfeiern (was nicht heißen soll, dass die Autorin dessen abgeneigt ist :D). Utah Jazz produziert Musik fürs Herz und vor allem für die Seele. Drum&Bass von seiner sanften Seite. Er prägte die Entwicklung des Liquid Funk wie kein Anderer – deepe, soulige Samples, oft ergänzt und unterstrichen durch wunderschöne Vocals. Klar verwendet er auch Synths, aber eher sparsam auf schwingenden Baselines und treibenden Jungle – Drums. Kompositionen eines Perfektionisten. Manchmal nachdenklich, manchmal verspielt, aber immer mit einem leichten Zug nach vorne.

Gerade ist er auf Portfolio – Tour in Europa unterwegs und stellt uns am 17.10.2014 im Magazinkeller in Bremen sein dazugehöriges Set vor. Eine Mischung aus Oldschool, D&B und selbstverständlich gespickt mit Eigenkreationen. Trotz wenig Zeit, freut er sich dieses Interview für uns zu machen und spricht mit uns über Portfolio und die Kollaboration mit Spearhead Records, Gigs, über die Vereinbarkeit von Familie und seiner Passion, philosophiert über die zukünftige Entwicklung von D&B und einiges mehr..



Hi Luke, im Juli dieses Jahres erschien dein viertes Studio Album Portfolio auf Spearhead Records. Zur Zeit bist du auf Promotour für die LP. Wie geht’s dir und wo bist du gerade?

Hi Johanna, Danke für das Interview! Im Moment bin ich endlich wieder für ein paar Tage zu Hause im Norden Londons. In den letzten Wochen war ich in Portugal, Estland und Berlin unterwegs. Es ist wirklich schön auch mal hier zu sein.

Wir freuen uns schon dich „live on stage“ am 17.10.2014 im Magazinkeller in Bremen erleben zu dürfen. Bist du oft in Deutschland?

Ja, auf jeden Fall! Außerhalb von UK habe ich wahrscheinlich in Deutschland mehr gespielt als in irgendeinem anderen Land. Zum ersten Mal bin ich vor 10 Jahren in Mannheim & Berlin aufgetreten. Seitdem mache ich alle paar Monate Shows in der BRD, wenn nicht sogar jeden Monat. Aber noch nie in Bremen – bis jetzt! Ich finde es immer toll in einer neuen Stadt zu spielen.

Du legst seit deiner frühen Jugend auf, auch öffentlich und hast zahllose Gigs auf dem gesamten Globus gespielt. Blieb einer davon in besonderer Erinnerung?

Davon gibt es fast zu viele, um sie alle hier einzeln zu erwähnen. Auf dem Sun & Bass Festival (Sardinien) darf ich seit 10 Jahren in Folge dabei sein. Das ist wirklich eine sehr große Ehre für mich. Außerdem hatte ich wunderschöne Gigs in der Chinese Laundry in Sydney und an meinem 30. Geburtstag spielte ich vor tausenden Menschen in Mailand – das sind die Shows, die mir jetzt so spontan in den Sinn kommen.

Portfolio – Beschreibe den Sound oder kannst du uns sagen welche Unterschiede oder Entwicklungen du gegenüber deinen vorherigen Alben siehst?

Ich denke, dass das Ganze eine natürliche Weiterentwicklung meines Sounds gegenüber meinen anderen Alben ist. Ich würde sagen, Portfolio ist hauptsächlich geprägt durch einen eher atmosphärischen Grundton im direkten Vergleich zu einigen meiner früheren Soul- oder Funklastigeren Projekten.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Spearhead Records?

Ich arbeite schon eine ganze Weile mit Steve (BCee) von Spearhead Records zusammen. Er veröffentlichte einige meiner Tracks in der Vergangenheit oder fragte mich, ob ich ihm Remixe produziere. Wir sprachen schon länger über eine EP und dann stellte ich fest, dass ich sogar genug neue Musik für eine ganze LP zusammen hatte. Also beschlossen wir diese Option gemeinsam anzugehen.

Liquid Funk ist dein (!) Genre, aber magst du auch ein bisschen härteren D&B? Wenn ja, welche Produzenten aus dieser Richtung feierst du?

Ja, mag ich. Definitiv! Ich liebe die meisten Drum&Bass Stilrichtungen. Die Sachen, die Hazard im Moment macht, feiere ich und Break produziert auch immer noch diesen abgefahrenen Stuff. Gerade veröffentlichten Ulterior Motive eine LP mit einem ganzen Heer von Styles und niemals spiele ich ein Set ohne Calibre Tracks…

In der letzten Zeit gab es einige wichtige Veränderungen in deinem Privatleben. Du hast geheiratet und bist Vater eines kleinen Mädchen geworden. Glückwunsch! Hast du jemals darüber nachgedacht etwas anderes zu machen als Musik? Wenn ja, was würde es sein?

Dankeschön! Ja, die Geburt meiner Tochter (gestern,vor einem Jahr übrigens) stellt eine überaus große Veränderung für mich dar. Sie gibt mir eine völlig neue Perspektive auf das Leben an sich. Hört sich ein wenig nach Klischee an, ist aber tatsächlich so. Seitdem empfinde ich das DJ-Touring als ein bisschen härter im Vergleich zu früher. Wenn ich jemals mit dem DJ-ing / Producing aufhöre, würde ich wahrscheinlich einen Blick auf das Immobilieninvestment bzw. die Immobilienentwicklung hier in London werfen.

Ein typischer Tag in Utah Jazzs Leben. Wie sieht der aus?

Jede Menge E-Mails, ganz viel Kochen für die Familie und danach ist hoffentlich noch ein bisschen Zeit übrig, um noch etwas zu samplen. Zwischendurch gibt es lange Perioden, in denen ich nicht im Studio sein kann und wenn ich dann dort bin, schreibe ich die Tracks manchmal ziemlich schnell. Das ist so eine Sache, die Zeit hin und her zu jonglieren zwischen Familie, DJ-ing und Musikproduktion.

Was würdest du deiner Tochter raten, wenn sie vorhat ein genauso erfolgreicher DJ oder Produzentin zu werden wie ihr Daddy?

Ich würde ihr sagen, arbeite hart daran und drück die Daumen (*original: keep your fingers crossed – klingt soviel schöner als im Deutschen). Sei nett zu den Menschen, versuche verständnisvoll und geduldig zu sein. Nichts passiert einfach so über Nacht.

Du bist jetzt schon so lange in der D&B – Szene aktiv. Momentan stürmen einige Künstler, wie Sigma oder DJ Fresh, weltweit die Charts. Welche Entwicklungen erwartest du für die Zukunft?

Das ist eine gute Frage. Ich denke, dass D&B zunächst auf dem kommerziellen Level weiter wachsen wird, dann wird der Trend wahrscheinlich, vielleicht erst in ein paar Jahren, wieder ein wenig absterben. Aber der Untergrund bleibt natürlich bestehen!

Für mich persönlich ist es eine große Freude zu sehen, dass die Jungs von Sigma so erfolgreich sind zur Zeit. Ich glaube auch, dass dadurch mehr Leute auf das Ganze D&B Genre aufmerksam gemacht werden.

Zu guter Letzt nenne uns doch schon mal drei bis fünf Lieblings-Tunes aus deinem Set.

SBTRKT – New Dorp, New York (Utah Jazz Remix)
Bcee& David Boomah -Typical Description (Calibre Remix)
Ulterior Motive -Sideways
Bcee – Breathe In
Utah Jazz – Love Everlasting

Vielen Dank für das Interview!


www.discogs.com/artist/21340-Utah-Jazz
en.wikipedia.org/wiki/Utah_Jazz_(producer)

Interview: Johanna Jedowski

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22.08.2017, 05:40 h | 3 Junglists online