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Marvel Cinema




Martin und Micha sind Marvel Cinema. Marvel Cinema ist Drum'n'Bass aus Köln. Releases des Duos gibt es inzwischen auf Inform, Soul Deep, Fokuz Limited, LuvDisaster, Influenza, etc. Wir haben den Jungs in einem amüsanten Interview ein paar Fragen gestellt.


Martin, Micha, wo habt ihr beiden euch kennengelernt?

Martin: Wir waren auf der selben Schule. Micha besaß in den 90zigern 'n bischen Audioequipment, dh 'n kleines Mischpult, ein einfaches Effektgerät und 'nen Hardwaresampler. Ich selbst hatte Turntables und hab aus Spaß 'n bischen gemixt. Seit 'nem Summer Jam Besuch war ich vom Junglevirus gepackt, und spielte ihm ein paar Platten vor.

Micha: Ich hab die Platten erstmal überhaupt nicht begriffen und total arrogant behauptet, dass jeder Tontechniker diesen Mist aus Drums und Bässen in 5 Minuten zusammenbasteln könnte. Dabei waren unter den Platten so Sachen wie die Modus Operandi LP von Photek. Ich habs natürlich nicht auch nur annäherungsweise hinbekommen, und war auch noch angefressen, weil er meine Versuche gedisst hat, dabei waren die im Rückblick echt grauenhaft. Einige Zeit später haben wir uns für ne ziemlich lange Zeit aus den Augen verloren.

Und wie gings dann weiter?

Micha: Viele Jahre später trafen wir uns durch Zufall auf einem Internetportal wieder und tauschten aus Fun 'n paar Samples aus, Breaks und sowas. Martin hatte sich inzwischen selber Cubasewissen angeeignet und mixte daraus den Tune Machine World, der prompt in einem Podcast des Labels Offshore erschien. Also beschlossen wir es nochmal mit dem Produzieren zu probieren.

Martin: Die ersten Tunes waren natürlich auch erstmal wieder tendenziell totaler Müll, aber nach einiger Zeit wurden die Sachen besser und MC Santana gab uns dann auf seinem SRBE Label die erste Releasemöglichkeit.

Produziert ihr in einem Studio oder seid ihr klassische Bedroom Producer?

Martin: Um ganz ehrlich zu sein - wir sind Besitz einer geheimen Kammer, in der sich ein noch geheimeres Laboratorium befindet, in welchem wiederum eine außergewöhnliche Maschine steht, die ihrerseits mit den sprituellen Kräften von James Brown und Bob Marley erbaut wurde. Es gab auch einen Teil, der mit dem Geist von Kurt Cobain verflucht war, aber den Part haben wir rausfräsen lassen.

Micha: Früher haben wir uns mal den Luxus eines Mini Studioraums in Köln gegönnt, für völlig überteuerte Mietpreise, aber jeder der weiß, wie hoch zur Zeit die Umsätze mit Digital Downloads sind, versteht warum wir schnell pleite waren und längst zum klassischen Bedroom Producing zurückgekehrt sind, was sich aber sogar als Vorteil erwiesen hat, weil in Martins Schlafzimmer die Akustik so geil ist, dass er viel schneller 'nen fetten Mixdown hinbekommt. Wir arbeiten getrennt, wobei ich meistens die Grobentwürfe und das Soundprogramming bei mir erledige, und für mich ist das auch angenehm direkt nach dem Aufstehn, wenn ich plötzlich Bock oder ne Idee hab, mal spontan an 'nem neuen Beat zu basteln, dann 'ne Runde Cartoons zu glotzen und Pizza zu mampfen, und weiter zu produzieren.

Martin: Das mit der Pizza stimmt. Das sieht man ihm ja auch an. Beats ist aber ne übertriebene Bezeichnung für seine schrottigen Entwürfe.

Micha: Halt's Maul Affengesicht.

Martin: Der schmierige Fettsack erträgt die Wahrheit nicht, weil sein Wanst ständig über seinen kleinen Penis hängt.

Von dieser tiefen, harmonischen Zuneigung abgesehen - welche Tipps würdet ihr denn jungen Producern geben?

Martin: Das Gehör zu trainieren, Erfahrung zu sammeln und den Spaß an der Sache nicht zu verlieren. Ein paar halbwegs anständige Monitorboxen sind wichtig. Alle anderen technischen Details wie die Frage nach der besten DAW, der besten Soundkarte oder dem besten Plug In sind erstmal völlig unwichtig. Nehmt Euch einfach als Referenz die Tunes von Euren Lieblingsartists und hört sie im Vergleich zu euren eigenen Mixes, wenn möglich auf verschiedenen Anlagen und versucht ehrlich zu beurteilen, ob sie mithalten können.

Micha: Der zweite Tip betrifft eher die Business Seite, nämlich nicht mit falschen Erwartungen an die Sache ranzugehn. Die Umsätze im Digitalzeitalter haben eher einen idealistischen, denn einen echten finanziellen Wert. Selbst bei einem Release auf einem bekannteren Label kann man keine nennenswerten Einkünfte erwarten. Also wenn ihr 600 Euro in Monitorboxen investiert, dann erwartet nicht dass ihr die Kohle in absehbarer Zeit wiederseht. Erstens gibt es einen unglaubliche Anzahl von Neuerscheinungen jeden Monat, und zweitens jede Menge "illegale" Downloads. Jetzt kann man endlos darüber motzen, dass diese auch nichts mit Altruismus zu tun haben, sondern der Uploader und der dahinter stehende Sharehoster daran verdienen, aber um ehrlich zu sein bringt das nichts, solange die Situation aufgrund der juristischen Gegebenheiten in verschiedenen Staaten in einer globalen Welt so ist wie sie ist. Erspart Euch also den Frust auf die fette Kohle zu hoffen und bleibt dabei es rein ideell aufgrund der Musik an sich zu machen, sonst folgt auf die Euphorie ganz schnell die nüchterne Depression. (lacht)

Das klingt nach Zweckoptimismus. Habt ihr denn selbst auch musikalische Vorbilder?

Martin: Logo - na klar, ne Menge Leute haben unglaubliche Beats gemacht, Kraftwerk, Lee Perry, Hank Shocklee, Jan Jelinek und Cymande, um nur ein paar zu nennen, um im Drum and Bass zB ganz klar Total Science. Ach es gibt soviele.

Micha: Die Liste wäre unendlich lang, die ganzen deepen Calibre Tunes, das irre Sounddesign von Billain - es kommt jeden Monat soviel fettes Zeug aufn Markt.

Martin: Für uns persönlich ist wichtig, auch bei unseren eigenen Produktionen, dass der emotionalen Information noch eine "räumliche" Information zugefügt wird, um es irgendwie zu benennen. Eine Rockballade würde ich mit einem Landschaftgemälde vergleichen, möglicherweise für den einen oder anderen emotional ansprechend, aber ich bevorzuge eher die Op-Art. Deswegen ist unser Lieblings MC auch M.C. Escher, noch vor Eksman oder IC3 und anderen. Wir wollen den auch immer mit zu Gigs nehmen um die Crowd anzuheizen, aber er sagt ständig vorher ab, weil er schon tot ist. (lacht) Naja, das ist unser Ziel, emotionale Informationen mit "räumlichen" Informationen zu ergänzen, um etwas Mehrdimensionales zu erschaffen, also gewissermaßen einen akustischen Raum zu kreieren. Manchmal gelingt es, oft verlieren wir. (lacht wieder)

Und was steht diesbezüglich bei Euch persönlich an neuen Releases in der Warteschleife?

Micha: Bald werden wir zum ersten Mal bei Inform Records releasen, dazu Eps bei LuvDisaster (ua 'nen Tune den Grooverider in einer seiner letzten Radioshows gehyped hat), Liquid Drops, Soul Deep, usw., usw.

Eure Wünsche für die Zukunft?

Martin: Der Fettsack muss im Synthprogramming besser werden und natürlich ganz viele Bookings.

Micha: Ein McDonalds Lieferservice mit Nackt-Chauffeusen, 'nen Maselec Multiband Kompressor und PMC Monitore.

Martin: Reicht dir dein eigener Jungsbusen nicht? Er hat nämlich wunderbare, weiche Brüste.

Micha: Lass deine schmierigen Finger von meinen Titten, das ist mein Körper, der gehört mir und über den bestimme ich.

Danke für das Interview.

Wir bedanken uns für das Interview!


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24.02.2017, 04:41 h | 8 Junglists online