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Mc Stunnah - Definition Doubletime




Über MC Stunnah müssen nicht viele Worte verloren werden. Seit knapp einer Dekade ist er ein wichtiger Teil der deutschen Drum and Bass Szene. Letztes Jahr wurde er als erster deutscher MC auch nach England gebucht. Höchste Zeit, ihn mit ein paar Fragen zu löchern.


Du bist seit Anfang 2000 ein wichtiger Teil der deutschen Rave-Szene. Inwieweit hast du diese auch mit geprägt?

Dass ich die Szene mitgeprägt habe, nehme ich selbst nicht so wahr. Ich glaube, ich habe es geschafft, mich gut zu positionieren und durch meine Internetpräsenz auch außerhalb von Partys Aufmerksamkeit generiert. Mein Augenmerk liegt allerdings darauf, den Namen Stunnah auch unabhängig von der Subkultur zu prägen.

Vor kurzem hast du es als erster deutscher Drum and Bass MC nach England geschafft. Wie kam es dazu?

Hier haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. Vor allem aber eine hohe Reputation durch Können und den richtigen Ort zur richtigen Zeit. Dass dabei oft auch Verbindungen eine Rolle spielen, lässt sich leider nicht leugnen. Hast du allerdings nichts drauf, bringt dir auch die beste Connection nichts.

Wer war die Connection in deinem Fall?

Bei der „Random Concept“ die Veranstalter Presha und Garry K. Für die „Innovation“ Bookings war Phantasy verantwortlich.

Du hast mir mal erzählt, dass es sehr angenehm sei, in England aufzutreten, weil deine Texte dort verstanden werden, was in Deutschland oft nicht der Fall sei. Welche Rolle spielt der MC unter diesem Gesichtspunkt in Deutschland deiner Meinung nach?

Auf Großveranstaltungen eine sehr Große. Gerade auf Raves halte ich die MCs für genauso wichtig wie es die DJs sind. Aber was die Gäste an dem MC, kickt kann ich gar nicht mit Bestimmtheit sagen. Es müssen Flow, Metrik und/oder Bühnenpräsenz sein.

Und der damit verbundene Hype-Faktor?

Das trifft es wohl. Dann hat das ganze schon Pop-Charakter. Und wenn man diesen mit rein nimmt, ist es klar, dass ein Doubletime MC, der sich in den Vordergrund chattet, schon per se mehr Aufmerksamkeit bekommt als ein Host, der „nur“ den DJ unterstützt.

Ist Doubletime bei Auftritten eine Pflicht für dich geworden, weil es von dir erwartet wird?

Gewissermaßen schon. Also keine Pflicht jemand anderem gegenüber, sondern meinem STUNNAH MC „inneren Grinch“ gegenüber, denn darüber definiere ich Stunnah. Es passiert aber auch, dass Leute auf mich zukommen und mich auffordern,ich sollte mir Mühe geben, wenn ich mal kein Doubletime gechattet habe.

Interessant, dass Doubletime für Mühe geben steht.

Ja genau, interessant! Ich weiß nicht ob das generell so ist, oder ob das die Assoziation mit Stunnah ist, der durch und mit Doubletime bekannt wurde. Bei anderen MCs, die ebenfalls darauf aufbauen, würde ich es genauso sehen. Bei typischen Hosts wäre das schon wieder etwas anderes.

Im Februar hast du zusammen mit Spycee die „Heartbeat EP“ herausgebracht. Statt Drum'n' Bass ist hier Hip-Hop und Dubstep zu hören. Geben dir diese Genres mehr Platz?

Wenn mir ein Song gefällt, möchte ich unabhängig vom Genre, einen Text darauf schreiben. Hip-Hop ist Tempo mäßig ähnlich wie Drum and Bass zu handeln, da es sich etwa bei der Hälfte bewegt. Dubstep liegt mit 140 BPM dazwischen und ist alleine wegen der Grime-Verwandtschaft sehr interessant für mich. Wichtiger als die Geschwindigkeit ist die Songstruktur der Stücke. Ein Mixing Tool ist eben kein Song.

Vielen Dank für das Interview.


Text: Christian Kinkel
Der Text erschien im Headliner Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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28.04.2017, 06:21 h | 4 Junglists online