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MC Stunnah




Im Interview mit Patrick aka MC Stunnah erzählt der aus Celle stammende "Doubletimer" über seine musikalische Laufbahn, seine Crossover-Projekte, die Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Drum'n'Bass Rave-Szene und kommende Projekte...


Hi Stunnah, wie bist Du zum MCing gekommen. Erzähl uns etwas über Deine Laufbahn im Drum'n'Bass und Musikbusiness.

Würden wir das hier als Gespräch führen, würde ich in Erinnerungen schwelgen, aber ich werde das kurz auf den Punkt bringen. Ich war fasziniert von der Geschwindigkeit der MCs, die ich 1996/97 zum ersten Mal auf Aufnahmen gehört habe. Je mehr ich davon hörte, desto stärker kam in mir das Gefühl hoch, dass ich das auch machen möchte und fing 1999/2000 an, die Texte nach zu chanten.

Zu der Zeit traf ich mich täglich mit Ricardo (Mex-E), dem es auch so ging. Wir fingen an, gemeinsam erste Gehversuche zu starten. Eher schlecht als recht. Auf Ricardo lag relativ schnell das Augenmerk hier in der Umgebung und bis nach Bremen hin weil er eine wohlklingende Stimme hatte (sagten die Leute damals) und sogar ein bisschen singen konnte. Ich konnte das nicht. Meine Stimme war krächzend und singen konnte ich auch nicht. Ich klang wahrscheinlich so, wie jemand, dem ich heute raten würde, es sein zu lassen. Als Rechtfertigung dafür versuche ich es mit diesem Argument: damals war das noch etwas anderes als heute.

Welche Musik hörst Du privat am liebsten?

An der Musikrichtung kann ich das nicht festmachen, hauptsächlich sind es viele der Songs (so darf man es mittlerweile schon nennen) von Londoner MCs wie Calibar, Ghetts, Wretch 32, Scorcher, Wizzy Wow, Dot Rotten und vielen anderen. Sie ziehen die Spanne von ihrem ursprünglichen Grime mittlerweile über so viele Genres, dass ich es an der Musikrichtung nicht festmachen kann, was ich gern höre. Aber es sind einige Künstler, die mir immer wieder auffallen, weil ich ihre Gedanken zur Musik, ihre Texte und die Art wie sie es rüberbringen gut abkann und interessant finde. Inspirierend ist es auch.

In letzter Zeit kann ich mich ein wenig besser auf Dubstep einschießen und höre ansonsten immer mal wieder in Drakes Sachen rein. Der Kerl hat Songwriter-Qualitäten. Auf vieles, was Hed Kandi rausbringt, kann ich zum Sommer hin ganz gut. Einiges an 70ies und 80ies gefällt mir ebenfalls gut. Seit letztem Jahr hab ich durch einen Freund, Chris CK, mein Faible für minimalistischen Drum & Bass entdeckt. In meiner Playlist findet sich ungefähr alles.

Was machst Du beruflich? Oder kannst Du vom MCing und der Musik leben?

Von der Musik im Allgemeinen und von DnB im Speziellen zu leben ist als MC utopisch. Vielleicht ist mein Zugang da allerdings auch falsch oder mein Anspruch an meinen Lebensstandard zu hoch.

Ich möchte mich nicht auf die Gagen von Bookings verlassen müssen und riskieren, dass mal etwas schief läuft und ich meine Rechnungen nicht bezahlen und meinen Lebensunterhalt nicht bestreiten kann. Ich arbeite im öffentlichen Dienst und das läuft sehr gut zurzeit, nicht zuletzt weil ich dort Rückendeckung erhalte, was meine Urlaubsplanungen angeht. Allerdings spiele ich gerade mit dem Gedanken, meine Arbeitszeit zu reduzieren um mehr Zeit dafür zu haben im Studio zu arbeiten. Den Plan gehe ich noch mal an, wenn ich rationaler heran treten kann. Im Moment bin ich vielleicht noch ein wenig zu überschwänglich.

Gibt es in Deiner Heimatstadt Celle selbst eine vitale Drum'n'Bass Szene? Oder sind das eher Städte im Umkreis wie Hannover, Braunschweig, etc.

Celle ist eine kleine 70.000-Seelen-Stadt mit ganz beschaulicher kultureller Landschaft und einer, den Veranstaltungen nach zu urteilen, stetig wachsenden positiven Resonanz auf Drum & Bass.

Als Szene im Sinne von Identifikation mit dieser einen Musikrichtung würde ich das nicht bezeichnen, viel kann ich dazu aber nicht sagen, weil ich im Zusammenhang mit meiner Musik die wenigste Zeit hier verbringe. Hannovers Szene ist meiner Meinung nach, gemessen an der Größe der Stadt, recht überschaubar. Braunschweig hat sich durch die Initiative Judge Ds, den Night Flight Club aufzubauen und durch Triple Ts Zusammenarbeit mit Random Concept UK, eine solide Szene aufgebaut, die sehr gut zu "funktionieren" scheint. Also alles in allem gibt es hier vor Ort und in der unmittelbaren Umgebung ein vitales Angebot mit sehr guter Resonanz.

Du kommst ja viel rum - wo in Deutschland bzw. außerhalb Deutschlands spielst Du am liebsten?

Es ist kein Geheimnis, dass die großen Raves wie Kings of the Jungle, Dreamland, Random Concept usw. eine rohe Energie und eine andere Form von Dynamik haben als Clubveranstaltungen.

Von der Bühne aus ist es auf den Raves anonymer und unpersönlicher, was ich angenehm finde weil ich, auch wenn man es vom MCen her nicht glauben mag, eher nicht so gesprächig bin. Ich lege meinen Fokus da auf viele Lyrics und viel Präsenz weil es meiner Meinung nach zum Konzept passt und ich Stunnah dadurch definiere. Hier treffe ich per se auch eher auf englische MCs, mit denen Back to Backs mehr Spaß machen als mit den deutschen MCs, die ich bisher getroffen habe, weil deren Herangehensweise sich mit meiner deckt.

Man kann dann auch mal eine Stunde "Sparring" durchziehen ohne dass der Gegenüber nach den ersten 80 Bars anfängt, sich wiederholen zu müssen oder anfängt nur noch zu hosten und die Crowd "anzuschreien".

Bei Clubveranstaltungen gehe ich anders an die Sache heran. Meistens trifft man sich vorher mit dem Veranstalter, geht gemeinsam etwas essen und trinkt dann im Laufe des Abends ein bisschen mehr. So wird es persönlicher und ein anderer Vibe entsteht schon bevor die Veranstaltung begonnen hat. Wenn in dem Club eine Bühne steht, nutz ich die meistens nicht mal, weil das für mich gegen das Essentielle solcher Veranstaltungen geht. Da stehe ich dann vor oder auf der Tanzfläche und mach Schabernack. (Anfang 2009 hat Judge D in Wiesbaden auf der "Knietief in Beats" als letzte Scheibe "Could you be loved" von Bob Marley gespielt und wir haben eine 250-Mann-Polonese durch den Club dazu gemacht Verrückter Abend! Big up Franksen und Mikey). Ich halte mich da auch eher mal mit den Doubletimes zurück und lass die Musik mehr atmen.

Mir gefallen also beide Konzepte gleichermaßen. In England, mit Engländern oder vor und mit englischsprachigem Publikum zu spielen mag ich besonders, weil ich davon ausgehen kann, dass die Resonanz auf meine Lyrics nicht von dem Standpunkt "du rappst schnell" kommt, sondern weil die Wortspiele und Witze, "Indi-rs", eher verstanden werden. Das bricht eigentlich immer das Eis.

Bei den future-music.net Awards 2009 wurdest Du zum besten nationalen MC gewählt. Stolz drauf?

Ich freue mich, dass die Rückmeldung positiv ist. Ob ich darüber stolz bin, könnte ich sagen, wenn ich um die Hörgewohnheiten der Leute wüsste, die für mich gestimmt haben und die Kriterien, an denen sie ihre Wahl für mich als besten MC festgemacht haben. Es geht subjektiv zu, ist also eine Frage des Geschmacks. Den Geschmack von Leuten zu treffen ist nichts, worauf ich jetzt stolz zu sein muss. Das scheint eher Zufall zu sein.

Um das auf Produzenten zu übertragen: Die breite Masse wird sich nicht mit dem Produktionsstandard eines Produzenten auseinandersetzen (in meinem Fall Metrik, Reimschemen, Wortwitz, Doppeldeutigkeit meiner Texte und Bühnenpräsenz, Auftreten), sondern aus dem Bauch heraus entscheiden, was gerade gefällt.

Auch auf die Gefahr hin, dass es vermessen klingt: Als einen der technisch besten MCs, nicht nur aus Deutschland, sähe ich mich auch ohne das Voting aufgrund des internationalen Feedbacks von hier bis nach Amerika. Ich nenne es lieber "beliebtester nationaler MC".

Nun die obligatorische Frage: Wie ist es eigentlich mit Groupies? Gibt es Mädels die auf Deutschlansd No. 1 MC stehen?

Ich hab allein von Januar bis Februar dieses Jahres so viele Frauen von Veranstaltungen mit ins Hotel genommen, dass ich da aufgehört habe zu zählen. Das ist ja auch nichts, worüber man im Detail spricht, deswegen lasse ich das lieber so stehen. Ich will nur sagen, dass Gummi gemessen am Spritpreis zurzeit immer noch teurer ist. Image als Prolet gefestigt? ;)

Das fiel mir zuerst auf die Frage hin ein. Zweite Idee, die mir kam, war diese hier: Nein, gibt es nicht!

Das mit dem Gummi- und Spritpreis war mir neu... Anyway! ;)
Viele wissen sicher von den Unterschieden zwischen Raven in Deutschland und UK. Aber wie ist es für Dich als MC? Gibt es da Unterschiede?

Ja, große Unterschiede, was die Resonanz angeht. Bei der Frage nach den Events habe ich das kurz angeschnitten. Mein Augenmerk liegt auf meinen Texten. Das Hypen ist dabei für mich nebensächlich und ich fordere auch nicht besonders viel aktive Resonanz, was "make some noise" und "i say... you say..." angeht, weil das zu viele MCs nutzen um sich damit als "Bindeglied zwischen DJ und Publikum" scheinheilig stumpf in den Vordergrund zu brüllen. Das gibt es bei Deutschen wie Engländern gleichermaßen.

Wenn man, abgesehen vom Inhalt der Texte auf Reimschemen usw. achtet, lässt das meistens darauf schließen, wer ein Bisschen mehr auf dem Kasten hat und wer stumpf an die Sache heranzugehen scheint.

Um den Kreis hier zu schließen: Englischsprachiges Publikum und Künstler verstehen, was ich rüberbringen will. Nicht nur schnell runtergeratterte Texte, sondern ein bisschen Witz, ein bisschen was zum inhaltlich auseinandernehmen und…

Du arbeitest national wie international mit vielen Artists zusammen. Rusher, Skibadee, Eksman, einige Grime MCs um nur einige zu nennen. Erzähl ein Bisschen was darüber, wie kam es beispielsweise dazu?

Rusher war von Anfang an meine erste Wahl, was Studioarbeit angeht, weil ich bei ihm wusste, dass er sein Handwerk versteht und wir kreativ zusammen funktionieren ohne dass wir dafür Sprache brauchen. Nachdem Rusher, Skiba und ich uns das erste Mal gemeinsam im Studio eingeschlossen hatten um den "Conspiracy II"-Mix aufzunehmen war klar, dass das noch nicht alles war. Der Vibe war perfekt und künstlerisch haben wir eine große Schnittmenge. Die Idee mit Eksman war nur eine Frage der Zeit nach all den Bookings, die wir gemeinsam in den letzten Jahren hatten. Ich bin gerade dabei auszuloten, was für ein Projekt ich mit ihm angehen möchte.

Was die Grime MCs angeht, konkret "Calibar", warte ich darauf, dass es nun konkret wird und ans Aufnehmen geht. Vergangenes Wochenende war ich mit Basti von Triad im Studio um den Remix eines Songs fertigzustellen, der auf dem O.C. California Soundtrack erschienen ist. Das ist etwas Besonderes für mich, weil es meine erste Erfahrung mit Musik ist, die bereits kommerziellen Erfolg hatte.

Als Nächstes folgt ein weiterer Remix für einen Londoner Produzenten namens Phonat, der für Ministry of Sound produziert. Dazu kommen Projekte mit diversen Rapproduzenten, die meiner Meinung nach großartige Beats schrauben. Es werden sowohl Samplebeats in Old School Manier dabei sein, als auch etwas Poppiges, was sich auch im Radio gut machen würde.

... auch im Crossover Bereich hast Du Collabos, Stichwort "Drone". Wie kam es dazu und wie bist Du da eingebunden?

Drone ist eine Death Metal Band, die 2007 in Wacken den Metal Battle gewann und kurz darauf bei Universal unter Vertrag kam, soweit ich weiß.

Den Sänger und den Drummer der Band kenne seit meiner Jugend, ich bin also über die persönliche Anbindung dazu gekommen mir die Band 2006 mal live und laut anhören zu wollen. Nach der Show haben wir uns unterhalten und im Laufe des Abends die "Schnapsidee" gefasst, gemeinsam einen Song zu schreiben. Um uns gegenseitig musikalisch anzunähern haben wir es mit typischen Breakbeats auf 180 bpm gespielt und darauf die Songstruktur gepresst. Verse mit Inhalt, catchy Hook mit eingängigen Harmonien und eine Bridge um die Zeit bei Konzerten nutzen zu können, die Zuhörer in den Circle Pit zu treiben.

Rusher, sowie der Sänger und Gitarrist der Band und ich haben letztes Jahr den Plan aufgestellt, mehrere Songs zusammen zu schreiben. Bisher kam es leider nicht dazu weil Drone nach wie vor viel auf Tour ist, Rusher im Moment viel mit seinem Rap Album und dem Studium in Hamburg beschäftigt ist und ich so gut wie jedes Wochenende Bookings habe. Ich bin aber guter Dinge, das in nächster Zeit umsetzen zu können, weil wir alle den richtigen Fokus auf das Künstlerische legen können.

Das hört sich spannend an! Zu welchen Künstlern in Deutschland hast Du sehr guten Kontakt und wen schätzt Du besonders?

Meinst du damit Künstler im eigentlichen Sinne oder solche, die sich selbst so nennen, aber nur auf einen Hype aufgesprungen sind? Persönlich schätze ich die meisten Künstler, die ich bisher getroffen habe. Musikalisch ist das bei vielen etwas anderes. Ich unterscheide da auch noch mal zwischen Ansatz, Umsetzung und Hintergrund, deswegen mein Eingangssatz. Diese Aussage möchte ich auch gern so stehen lasen um nicht unnötige Diskussionen aufkommen zu lassen.

Wer mir gerade vor einigen Tagen sowohl als Künstler, als auch persönlich, sehr sympathisch entgegengekommen ist, ist MC Fava. Der Grund dafür wird demnächst bei Soundcloud zu hören sein.

Engeren Kontakt hab ich vor allem zu anderen Künstlern hier aus Norddeutschland und in letzter Zeit bin ich dabei, etwas mehr Fokus auf Berlin zu richten.

Gerüchte besagen dass Du von MC GQ und Andy C angesprochen wurdest. Was steckt dahinter?

Das ist wahr. Anfang April 2010 war ich mit den Beiden gemeinsam auf einer Veranstaltung gebucht und sollte die zweite Stunde von Andys Set am Mic machen. Weil das MCen mit GQ immer viel Spaß macht und wir vom ersten gemeinsamen Auftritt vor einigen Jahren an einen guten Vibe hatten, haben wir uns beide im Laufe des Sets immer mehr im Freestyle verloren und beinahe die gesamte Stunde improvisiert. Ich muss ehrlich sagen, dass ich überrascht bin, wie agil GQ war, weil er sich mit inhaltlichen Bars doch sonst eher zurückhält. Bei den wenigen Rewinds, die Andy gezogen hat, haben GQ und ich dann mit der Crowd "gespielt". Haben sie zum Beispiel sich hinsetzen und auf Kommando wieder hochspringen lassen (big up Benski an dieser Stelle). Das liest sich mit Sicherheit seltsam, aber das war eine einzigartige Stimmung an dem Abend.

Nach dem Set kam Andy zu mir, bedankte sich für die Show und sagte, dass er bisher noch keinen MC so mit der Crowd hat umgehen sehen und sich viele der englischen MCs ein Stück von meiner Performance und Bühnenpräsenz abschneiden können. Er würde mich darum gern in seinen Rider für Bookings in Deutschland aufnehmen.

Wie wir das umsetzen werden, haben wir bisher nicht genauer besprochen, das wird allerdings in nächster Zeit geschehen.

Das Internet ist heute wichtiger denn je für Künstler. Nutzt du die Plattformen aktiv und wie ist die Resonanz auf Plattformen wie Onlineforen, MySpace, YouTube, etc.?

Ich nutze Facebook, Soundcloud und Myspace. Myspace war für meinen Geschmack lange die beste Möglichkeit, sich kostenlos darzustellen und vor allem mit Supportern (ich mag es nicht gern "Fans" nennen), Interessierten und anderen Künstlern in Kontakt zu treten und zu bleiben. Mittlerweile ist das leider zu einem Spam-Sumpf verkommen und ich aktualisiere dort nur noch meine Bookingdaten und beantworte Mails.

Facebook, gerade in Verbindung mit Soundcloud, scheint mir die flexibelste Lösung zurzeit. Die Resonanz ist natürlich zu 100% positiv. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich jemand allgemein die Mühe macht, ein Profil aufzurufen um dann eine negative oder vielleicht sogar beleidigende Nachricht zu schreiben oder einen Kommentar zu posten, der ohnehin vom Verwalter der Seite gelöscht werden würde.

Auf Youtube habe ich bisher zwei oder drei Videos selbst hochgeladen, nutze es aber im Moment nicht aktiv. Ich denke, dass sich das ändern wird, wenn ich mein erstes Video im Kasten habe.

Foren habe ich nie großartig aktiv genutzt weil mir das als Plattform nicht der richtige Ort ist, mich zu präsentieren. Mir ist aufgefallen, dass viele Diskussionen und Argumentationen (wenn man das so nennen kann) unabhängig vom ursprünglichen Thema eines Threads auf so vier bis fünf Grundsatzdiskussionen hinauslaufen und dort dann stecken zu bleiben scheinen. Als Veranstalter, um zu werben oder zur Unterhaltung haben sie mit Sicherheit einen guten Effekt. Für mich sehe ich das aber nicht.

Leute wie SP:MC hosten ja eher DJ-Sets wohingegen Skibadee, Eksman und auch du sehr präsent in Sets sind. "Doubletime MCing" - man hört von dem MC oder den MCs oft mehr als von der Musik.

1. Diese Artists haben einen anderen Zugang zu der Musik.
Doubletimer kommen nicht so entspannt und smooth auf Sets rüber, wie ein Host. Halftimer, die zwar nicht schnell rappen, aber dafür permanent präsent sind, haben auf der anderen Seite auch wieder das Potential, sich zu sehr in der in den Vordergrund zu stellen. Dann ist es zwar nicht stressig im Sinne des Tempos, aber im Sinne übermäßiger Präsenz. Also ist es meiner Meinung nach nicht zu Ende gedacht, das Nerven auf Doubletime Bars zurück zu führen.

2. Als MC gibst du auch einen kleinen Einblick preis.
Menschen nehmen dich auch wahr, wenn sie dich nur auf Aufnahmen hören und erkennen deine Stimme, deine "Trademarks", wie Eks das nennen würde, und vielleicht sogar dein Auftreten.

Abgesehen davon, ob ihnen gefällt, was du tust, können sie beurteilen, ob dich das für sie als "Typ Mensch" sympathisch oder unsympathisch machen könnte. Wie stehst du zu der Aussage, dass viele MCs sich in den Vordergrund stellen. Viele Leute, die gern mcen, sind vorschnell und nennen sich dann auch "MC". "Ein Bisschen MC machen" hat nichts damit zu tun, "MC" zu sein. Darunter hat der Ruf, gerade in den deutschen Reihen und in der Internet-DnB-Landschaft, auch ein gutes Stück weit gelitten und für Vorurteile gesorgt. Der Ansatz eines MCs, der täglich an seinen Texte arbeitet und sich Neues einfallen lässt, ist mit Sicherheit nicht, sich stumpf Zuhörern aufzudrängen, sondern seine Definition der Kunst zu präsentieren. Wenn das aufgrund des Geschmacks nicht ankommt, ist da niemand für verantwortlich. Menschen täten gut daran, den künstlerischen Aspekt zu beachten. Andererseits haben viele, auch etablierte, MCs vor Jahren mal ein paar 8-Zeiler geschrieben und damit war es dann auch schon um die Kreativität geschehen. Diese Achter sind seitdem auf jedem Tape und auf jeder Show zu hören, auf der sie spielen. Leute kennen es, Leute können es mitsingen und das hat auch etwas für sich. Ich nenne das den "Schunkel-Faktor", wie bei der Volksmusik.

Wir haben hier aber mit Drum & Bass eine der futuristischsten und am breitesten gefächerten Musikrichtungen überhaupt. Alles entwickelt sich rasend schnell weiter und erfindet sich neu, auch zum Leidwesen mancher. Da kann man jetzt sagen, dass diese MCs zumindest eine Konstante in der Musik sind, wenn man wohlwollend ist. Ich sag das lieber so: Langweilig und ausgelutscht. Wo ist der Ansporn, sich weiter zu entwickeln und zu definieren? Ich kann verstehen, wenn es Zuhörern langweilig wird oder es anfängt zu nerven. Mir geht das auch so. Das ist wider die Natur des Drum & Bass und wider die Natur eines MCs.

So wie ein DJ Platten nicht nur als "notwendiges übel" mixt, sondern dadurch etwas Neues kreieren kann und will, so lege ich meine Bars in Sets auf die Tunes. Einige mögen Doubledrops, andere stehen auf smoothes Mixen. Einigen gefallen schnelle, aggressive Tunes, anderen gefallen deepere Dinge. Ich akzeptiere und respektiere, wenn mir jemand sagt, dass ich seinen Geschmack nicht treffe, aber meiner Qualität lasse ich keine Kritik zu. Auch auf die Gefahr hin, dass es vermessen klingen mag: Bisher ist mir deutschlandweit kein Texteschreiber begegnet, der so mit der englischen Sprache umgeht.

Auf der Random Concept in UK sind zum Intro meines DJs beide Plattenspieler ausgefallen. Ich hab das versucht als Chance zu sehen und die Pause zum Darstellen genutzt. Ein Bisschen Beatbox (woran ich noch weiterfeile), ein paar Freestyles über Leute, die ich auf dem Dancefloor gesehen habe und natürlich feste Texte, damit die Leute auch ein Gespür für mich als MC bekommen. Um damit noch mal auf deine Frage einzugehen: In dem Fall hört man vom MC mehr als von der Musik und das ist so gewollt.

Wie sieht es aus mit deutschen Rhymes aus?

Mau. 2006/2007 habe ich fast ausschließlich deutsche Texte geschrieben. Allerdings nichts, was ich im Hinblick auf Partys verwenden wollte, sondern Songtexte. Das bin aber nicht ich. Abgesehen davon finde ich Englisch wohlklingender, außerdem könnte ich als deutschsprachiger MC ich nicht davon ausgehen, reguläre Bookings in nicht-deutschsprachigen Ländern zu bekommen. Mir fällt es leichter, auf Englisch zu schreiben. Es sind beispielsweise mehr Worte enthalten, die bei gleicher Phonetik verschiedene Bedeutungen haben. Damit ergeben durch bei richtigem "Nutzen" der Sprache auch mehr Möglichkeiten beim Schreiben.

Wie ist deine Herangehensweise wenn Du Texte schreibst?

Das hängt davon ab, ob es Drum & Bass-Texte sind oder ob ich einen Song schreibe. Bei Drum & Bass-Bars habe ich mein Augenmerk bisher schon primär auf das Tempo gelegt. Reime über so viele Silben wie möglich ("Im back in a way from back in the day to be stackin the papes and be reppin the place because like Timbo'd say: That's the way I are when I spray my bars and I play my part as the best MC by far. I don't sky lark"). Das ist nun nichts, wo sich ein tieferer Sinn verbirgt, aber diese Metrik mit dem ähnlichen Klang in beinahe jeder Silbe und der Metrik wirkt auf einem Shuffle-Beat wahre Wunder. Ich versuch also Drum & Bass in Sachen Tempo und Flow Rechnung zu tragen und zu unterstützen.

Der Inhalt der Bars ist dabei für mich sekundär und in der Regel nicht besonders tiefgreifend. Noch mal mit Augenmerk: ich sagte "sekundär", nicht "unwichtig".

Wenn ich Songtexte schreibe, überlege ich mir vorher ein Thema. Da ist es mir wichtig, dass ich mich damit identifizieren kann. Das was ich in Songs schreibe ist von vorn bis hinten wahr, selbst erlebt, teilweise autobiografisch und in einigen Fällen metaphorisch verpackt. Da gibt es einen Einblick in Dinge, die mich beschäftigen und mit denen ich mich auseinandersetze. Bei diesen Texten gehe ich auch anders an die Metrik heran und verschachtele mehr, weil es bei Tempo ab 140 bpm abwärts einen Effekt hat, den man bei Drum & Bass-Tempo wahrscheinlich nicht mehr heraushören würde.

Du arbeitest derzeit an einem Album. Was werden wir zu hören bekommen und wann erscheint es?

An dem Album arbeite ich, du es so siehst, schon seit 2008. Jetzt musste ich mir eingestehen, dass meine Herangehensweise nicht die richtige war. Ich wollte ein Album machen, um ein Album zu haben. Das war kontraproduktiv für mich und hat mir auch ehrlich gesagt ein Bisschen Verdruss bereitet. Aktueller Status ist so: Es wird ein Mixtape geben. Wann es soweit ist, kann und will ich noch nicht sagen weil ich das entscheide, wenn ich alle Songs, die ich in den letzten Monaten geschrieben habe zu 100% tight aufgenommen habe und mir sicher bin, was ich offiziell veröffentlichen möchte. Vorab wird es bei www.soundcloud.com/stunnstarr immer schon ein paar Snippets zum Reinhören geben.

Ok Patrick, sonst noch etwas was Du loswerden willst?

Selbstreflexion ist wichtig und spart viel Stress!
Danke!

Wir haben zu danken für das Interview!


www.myspace.com/stunnstarr
www.soundcloud.com/stunnstarr

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19.11.2017, 22:44 h | 4 Junglists online