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Mistabishi - Vom Kreditspekulanten zum Hospital-Artist


Ende September 2008 erschien im Rahmen der Salvation LP auf Violence vorläufig der letzte Tune von Mistabishi, der nicht auf Hospital erscheint. Dann ging's los mit Album und vielem mehr...

Wie war das jetzt genau mit deinem Signing bei Hospital? Du hast zuerst abgelehnt und später zugesagt...

Das war wirklich sehr weird. Ich hatte einen stressigen Finanzjob in der Londoner City. Hospital wollte meine Musik exklusiv und ich wusste nicht ob ich die Zeit habe, so viel Arbeit für sie zu erledigen. Ich dachte nicht, dass ich fähig wäre das zu tun, und ich war mir nicht sicher ob ich derjenige bin, den sie suchen. Auf jeden Fall fühlte ich mich sehr geehrt, dass meine Musik ihnen so gefällt.

Auf jeden Fall ist der Finanzmarkt zu dieser Zeit ja mehr oder weniger auseinander gebrochen. Ich arbeitete im Bereich der Kredit-Derivative für eine amerikanische Bank. Diese ganze Blase ist geplatzt und überhaupt ist dieses ganze System eine Zeitverschwendung. Ich habe vier Jahre mit diesem Job verschwendet. 14- Stunden Tage und die Leute, mit denen du arbeitest, kümmern sich nicht darum ob du tot bist oder lebst. Sie sind nicht deine Freunde – wenn jemand nett zu dir ist, dann nicht weil er dich mag, sondern weil er was von dir will. Also habe ich mir gedacht, warum nicht etwas komplett anderes machen? Ich hab meinen Job gekündigt und den Leuten bei Hospital gesagt, dass ich das doch gerne machen würde.

Und hast du dich jetzt schon an den Gedanken gewöhnt, das neueste Pferd im Hospital-Stall zu sein?

Irgendwie fühle ich mich noch nicht so wirklich als der „Producer“. Ich mache meinen Stuff und finde es schon sehr nett, dass es da jemanden gibt der mein Zeug veröffentlichen will. Ich würde auch Musik machen, wenn sie keiner veröffentlichen würde. Früher habe ich Alben für meine Freunde oder Ex-Freundinnen gemacht, jetzt mache ich eben zwei für Hospital.

Vor kurzem gab es einen Thread auf DOA von dir zu lesen, in dem du nach Instrumentalisten für dein Album suchst schon Erfolg gehabt?

Oh ja. Du solltest das hören, ich habe wirklich interessante Leute gefunden. Zum Beispiel ein Japaner namens Gekki. Er sammelt exotische Instrumente und hat so eine Art Bongo, aber aus Eisen. So etwas habe ich noch nie gehört, es klingt wie nichts was ich zuvor schon gehört hätte. Außerdem habe ich eine Violinistin gefunden und mal alle möglichen Pads eingespielt damit – ich bin schon gespannt wie es dann alles zusammenpasst.

Also kann man auf deinem Album eher den Songwriter- Zugang hören? Live-Instrumente einspielen ist ja nicht unbedingt üblich im Drum’n’Bass.

Drum’n’Bass ist auf jeden Fall immer noch die beste Musik, um dazu zu tanzen. Es ist die großartigste Musik zum Tanzen, die je erfunden wurde. Ich fühle mich geehrt, da mitmachen zu können. Aber ich mag natürlich auch andere Formen der Musik, es ist ja nicht so einfach etwas zu sagen, wenn du vor lauter Beats nichts mehr hören kannst. Also musst du manchmal die Beats etwas zurückschrauben und eben Instrumente verwenden. Man muss ja nicht die ganze Zeit tanzen, manchmal ist es netter, sich hinzusetzen und richtig zuhören zu können.

Wie würdest du das Album beschreiben?

Grundsätzlich erzählt es von meinen Erfahrungen, in der City of London auszugehen. In Clubs zu gehen und nachher wieder nach Hause zu kommen, um dann sofort wieder arbeiten zu gehen. Die Erinnerungen von jemandem in der City. Ausgehen, Heimkommen, ein Scheiß Job, eine Scheiß Beziehung – meine Erinnerungen eben.

Wann soll es erscheinen?

Februar 2009.

Gibt es Kollaborationen mit anderen Leuten von Hospital?

Nicht wirklich, ich soll einen Track von Tony (London Elektricity, Anm.) remixen. „Attack Ships On Fire“, eigentlich sollte ich sofort damit beginnen. Ich werde mit Operator Please, einer Indie- Band aus Australien, zusammenarbeiten. Auf jeden Fall möchte ich eher mit Leuten arbeiten, die nicht dasselbe machen wie ich.

Wie ist es mit Mistabishi, dem DJ – man hat immer wieder gehört, dass du erst vor kurzem begonnen hast aufzulegen.

Ich hatte schon immer Turntables zu Hause. So lustige Soundlab-Dinger mit Riemenantrieb. Ein bisschen war das, wie Guitar Hero auf der Playstation zu spielen. Auf jeden Fall habe ich mir früher mit dem Auflegen leichter getan. Jetzt bekomme ich viele Tunes zugeschickt, da ist es oft schwieriger weil ich die Tunes noch nicht so kenne. Ich bin nicht der beste DJ der Welt und will es auch nicht sein, aber die Leute wollen mich und mein Zeug anscheinend im Club hören und buchen mich.

Du hast einen sehr guten Ruf, was die klangliche Qualität deiner Tunes betrifft. Hast du eine spezielle Ausbildung genossen?

Nein, überhaupt nicht, ich habe Philosophie studiert. Ich finde meine Mixdowns ja auch nicht sehr berühmt ehrlich gesagt – sie sind nicht laut. Sie klingen auch alt, ich benutze gerne alte Synths, darum kommt das wohl daher. Ich hatte aber immer ein feines Gehör, vielleicht hilft das – auf jeden Fall hat mir nie jemand geholfen etwas zu lernen. Ich denke da auch nicht drüber nach, ich denke nur an die Musik.


Text: Alex Intoxicated
Der Text erschien im resident Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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17.09.2014, 21:33 h | 6 Junglists online