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DJ Friction (Shogun Audio)
"Man darf nicht unterschätzen dass unsere Szene eine massiv große ist"


DJ Friction sorgte am vergangenen Urban Art Forms Festival mit einem der vielseitigsten Sets für eines der Highlights auf der Drum’n’Bass-Stage. Für resident und die UAF-DVD07 nahm sich der Ausnahme-DJ eine Auszeit vom hektischen Backstage-Business.

Grüß dich Friction, du kommst quasi direkt von deinem Set hier beim Urban Art Forms Festival. Wie war’s denn?

Es war großartig. Super Crowd und es gab ein super Setup um auf drei Decks zu spielen. Letztes Jahr gab es das Potenzial für die perfekte Party, aber da gab es ein paar Probleme. Dieses Jahr war es wirklich perfekt zu spielen.

Du hast es erwähnt, du spielst auf drei Decks. Es ist faszinierend, dir beim Auflegen zuzusehen – wie du die nächste Platte direkt reinmischst und solche Dinge. Wie lange hat es denn gedauert, bis du das drauf hattest und so sicher wurdest?

Ich mixe schon seit ich 15 bin und ich bin jetzt 30. Als es mit den vielen Gigs losging habe ich auch viel gelernt. Es fiel mir immer leichter und mittlerweile versuche ich es so natürlich wie möglich anzugehen. Manchmal möchte ich einen schönen Vocal-Tune lange alleine laufen lassen und manchmal spiele ich verrückte Mixes mit drei Tunes auf einmal. So mag ich das. Drum’n’Bass ist nicht nur *macht ein einer Reece nachempfundenes Geräusch* und „Hands in the Air“-Musik. Da gibt es so schöne soulful und melodische Tunes, es geht um die ganze Musik. Drum’n’Bass hat bekanntlich Einflüsse von Techno, Soul, Reggae, HipHop und so weiter. Ich versuche alle diese Einflüsse zu zeigen.

Bereitest du Sets auch manchmal vor?

Nicht wirklich. Ich spiele so viel unterwegs, da passieren dann Mixes die mir gefallen und die mache ich wieder. Ich habe einfach keine Zeit um Sets vorzubereiten. Ich kenne zwar viele DJs die das machen, aber für mich ist das nichts. Wenn du das tust und dein Publikum nicht mag was du spielst, dann bist du aufgeschmissen.

DJ Friction der Produzent ist über die Jahre auch gewachsen. Wie siehst du deine Identität als Producer?

Nun, fürs Produzieren bleibt nicht all zu viel Zeit, weil der DJ-Schedule so hektisch ist. Hin und wieder kommt dann so was wie der „Back to your Roots“-Remix. Auf jeden Fall nehme ich mir dieses Jahr vor, mehr zu machen. Ich mache jetzt mal einen Remix für die Future Loop Foundation, die machen Downbeat und Ambient-Sachen. Ein wirklich großartiger Tune – „The Sea and the Sky“ – der auch oft für Werbungen verwendet wurde. Darauf freue ich mich wirklich.

Dazu mache ich noch ein paar Breaks-Sachen mit Aquasky und den Freestylers. Das macht einfach Spaß. Ich versuche das Musikmachen als etwas zu betrachten was mir Spaß macht. DJing ist mein Ding und mein Beruf, Tunes zu machen ist wie ein Hobby für mich.

Wie war das denn bei dem „Back to your Roots“–Remix? Irgendwie war klar, dass ein Remix nur von dir kommen kann, weil du das Original oft sehr prominent in deinen Sets hattest. Hast du Johnny L gefragt ob du remixen darfst?

Ich habe das Original wirklich geliebt. Ich hatte tatsächlich eine Idee für einen Remix und habe ihm das mal geschickt. Er hat das gleich gut gefunden und so war schnell klar, dass er released werden würde. Die Resonanz war echt überraschend gut, daheim in England haben ihn sogar Judge Jules, Giles Peterson und Annie Mac auf Radio1 gespielt. Ich hätte nie gedacht, dass der Tune so einen Crossover-Appeal hat.

Der Remix kam ja auf Shogun Audio, deinem Label, das mittlerweile drei Jahre alt ist, oder…?

Ja genau, drei Jahre. Die letzten zwei Jahre waren wirklich gut. Wir hatten Sachen von Break, Alix Perez, Noisia… Lauter Leute, die auch meine Lieblings-Künstler sind. Das ist der Plan mit Shogun, ich release nicht, um Geld zu machen. Ich bringe Sachen raus, die ich wirklich gern mag und liebe.

Um was geht es bei „Shogun Limited“, deinem zweiten Label?

Es ist ein Offshoot von Shogun, um frische Leute zu pushen und ihnen eine Chance zu geben, Sachen auf Vinyl zu veröffentlichen. In dieser digitalen Zeit gibt es nicht mehr so viele Möglichkeiten das zu tun.

Die digitale Revolution greift über… Du bist trotzdem ein 100%iger Vinyl-DJ, denkst du manchmal an den Umstieg?

Nein, ich bin wirklich 100% Vinyl. Ich spiele hin und wieder eine CD wenn es nicht anders geht. Aber wirklich nur wenn ich einen Mörder-Tune direkt vor einem Gig bekomme und keine Zeit habe, diesen zu cutten. Das ist aber sehr selten. DJing für mich ist eine Kunstform und da gehört Vinyl dazu. Ich spiele daheim mit Ableton, das ist eine wunderbare Sache. Die digitale Revolution eröffnet einfach viele Möglichkeiten. Wenn du sie nützt, zum Beispiel mit Ableton, dann solltest du aber wirklich was Spezielles machen.

Eine Möglichkeit wäre ja auch Final Scratch oder Serato, so wie es mittlerweile auch Grooverider macht.

Klar, ich weiß schon warum er das macht. Jedes Mal auf Tour die ganzen Platten herumzuschleppen ist ganz schön ermüdend, es geht an die Substanz. Aber ich liebe mein Vinyl einfach. Ich mixe seit 15 Jahren, ich liebe es einfach. Ich habe angefangen Leuten wie Grooverider, Fabio, Randall und Hype auf die Finger zu schauen und ich bleibe einfach dabei.

Kommen wir nochmals auf Shogun Audio zu sprechen… Was können wir erwarten?

Jetzt kommt mal eine Nummer von Break, „Let It Happen“ (schon releast, Anm. der Redaktion), ein schöner Tune der gut ankommt. Dann kommt eine 12“ von Alix Perez, eine von Commix…

Ist Alix Perez wirklich exklusiv auf Shogun?

Er macht zwar noch ein paar Sachen für andere Labels, ab dem nächsten Jahr wird er exklusiv bei uns sein, ja.

Du pushst ja auch den neuen Sound, den Commix und Icicle machen. Was gefällt dir denn so momentan?

Ich mag Commix sehr, ja. Das ist Jungle für mich. Jungle-Music 2007 – astrein produziert. Sonst mag ich natürlich Alix Perez und Break, auch TC ist gut. Er macht Tunes, die die Leute zum Schreien bringen. Aber es gibt so viel gute Musik da draußen...

Lass uns noch kurz über die vieldiskutierte „Pendulum-Sache“ sprechen, wie viel Mainstream verträgt Drum’n’Bass?

Pendulum haben wirklich eine Riesensache geleistet. Leute außerhalb der Szene wissen jetzt, wer Pendulum ist. Gleichzeitig wissen verhältnismäßig wenige Leute wer ich bin, oder Zinc oder Andy C. Bei Pendulum ist das anders und dadurch bringen sie einfach mehr Leute zu Drum’n’Bass. So einfach ist das. Man muss das positiv sehen. Ihr Sound wurde weltweit so gut angenommen, House-, HipHop- oder Technoleute hören sich dadurch Drum’n’Bass an und kommen auf die Partys.

Du kommst ja viel herum, hast du wirklich das Gefühl, dass viele neue Leute auf den Partys am Start sind?

Ja, definitiv. Da kommen Leute zu mir her, irgendwo auf dieser Welt und sagen: „Yeah, Friction! Ich höre seit drei Monaten Drum’n’Bass“ – das ist immer sehr erfrischend. Und man darf einfach nicht unterschätzen dass unsere Szene eine massiv große ist. Drum’n’Bass ist die letzte Szene, die Tausende und Abertausende Einheiten Vinyl verkauft. Niemand anderer tut das. Rund um die Welt ist unser Ding einfach groß! Und es wird immer größer. 14, 15 Jahre nach Jungle. Ich glaube wir sind auf dem richtigen Weg.

Okay, Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg!


Text: Alex Intoxicated, Fotos: Crowdstrude
Der Text erschien im resident Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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23.11.2017, 02:30 h | 6 Junglists online