Home   Stage   Interviews

MC Kemo - Around the World


Er ist MC wegen der Musik. Bling Bling & Boom Boom oder Profilierungswahn wie man es von manch anderen MCs kennt sind ihm fremd. Seine Stimme ist warm und prägnant ohne aufdringlich zu sein – egal ob zu Jazz, House, Dubstep oder Drum’n’Bass. Die Rede ist vom auf Hawaii geborenen Amerikaner MC Kemo! Er ist Kosmopolit, Nomade und ein Adjektiv beschreibt ihn wohl am besten: open-minded. In der Drum’n’Bass Szene hat er sich nicht zuletzt durch seine Zusammenarbeit mit Lynx – Macher des „Disco Dodo“ Tracks – einen Namen gemacht ("Global Enemies"). Soviel steht fest: 2008 wird heiß…

Dizzeldope also Düsseldorf, New York und Hawaii steht als Hometown auf Deiner MySpace Seite. Und weiter: "... geprägt durch eine Vielfalt kultureller Einflüsse und Erfahrungen". Das hört sich interessant an...

Ich bin in mehreren amerikanischen Städten aufgewachsen und habe dazu in Belgien und Deutschland einen Teil meiner Jugend verbracht. Geprägt haben mich also mehrere Kulturen und verschiedene Bewegungen. In Amerika habe ich die Anfänge der Hip Hop Kultur erlebt, das Freestylen, Breakdancing und Graffiti.

In Europa waren es Jungle Musik, die Rave Szene und Skate Punk, die mich beeinflußten. Später auch 2Step, Grime und jetzt Dubstep. Meine Bildung erhielt ich im „International School“ System, mein Freundeskreis bestand also aus Jungs und Mädels aus 100 verschiedenen Ländern. Das nahm natürlich auch Einfluß auf die Entwicklung meiner Persönlichkeit und meiner Kunst. Vorteil des ganzen Umziehens und des so vielfältigen Umfeldes war, dass ich – im Gegensatz zu vielen anderen – nicht in Versuchung geriet, mich zu sehr anzupassen.

Viele Künstler / MCs hören sich relativ gleich an, weil sie unter Druck gesetzt werden, bestimmte Erwartungen zu erfüllen. Das war Gott sei dank bei mir nicht der Fall.

Welche drei Worte beschreiben Dich am besten?

Oh mann, so Fragen finde ich ja total schwierig. Das können andere viel besser sagen. Vielleicht frei, tief und schattenhaft? So wie das Meer...

Spiegelt sich Dein "Nomadentum" auch in Deiner Arbeit als Musiker wieder? Kannst Du da Inspiration raus ziehen?

Definitiv. Für mich ist es selbstverständlich, mit Menschen aus aller Welt zu arbeiten / zu networken / zu schaffen. Distanz, Raum und Zeit existieren für mich nicht. In London ist man so schnell wie in Berlin. New York ist auch nur ein Katzensprung und kostet heutzutage auch nicht mehr viel. Und im Internet sind meine Kollegen in Neuseeland direkt nebenan.

Und welche Künstler oder Labels hatten einen großen Einfluß auf Deine musikalische Entwicklung?

Da gibt es so viele. Ich war früher in einer Rockband und die Songwriter Qualitäten von Trent Reznor, Maynard James Keenan und Mike Patton haben mir sehr imponiert. Björk, Tricky, Amon Tobin, Radiohead, Unkle, Ninja Tune, Goldie, Ed Rush & Optical, Prodigy, Calibre, Kool Keith, Tha Alkaholiks, Masta Ace, Nas, Miles Davis, John Coltrane, Arvo Pärt... Ich könnte noch 10 Seiten auflisten. Es gibt so viel gute Musik, leider vergessen wir das manchmal, weil es auch so viel Schrott gibt.

Wie genau bist Du zu Drum'n'Bass gekommen? Wer oder was hat dich "infiziert"?

Als ich nach Europa kam, hatten wir BFBS Radio und Fernsehen aus England. Hier wurden Stücke gespielt, wie „The Prodigy - Charly“, „SL2 - On A Ragga Tip“, „The Shamen - Ebeneezer Goode“ und „Goldie – Inner City Life“. Diese geladene, gefühlvolle Musik hat mich weggefegt. Ich hatte das große Glück in dieser Zeit einige Male nach England zu reisen und ein paar sehr einzigartige Erlebnisse sammeln zu können. Zu dieser Zeit Britische Autobahnen runterzuheizen, Pirate Radio zu hören um zu Erfahren, wo die nächste Rave stattfindet... es hatte so ein Gefühl von Rebellion, von Freiheit, von einem gemeinsamen Geist. Einfach Monumental.

In der Drum'n'Bass Szene hast Du Dir vor allem im letzten Jahr einen Namen gemacht. Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Lynx. Wie habt ihr zueinander gefunden?

Kate Whitmarsh (die Freundin von Lynx) produziert auch. Wir haben uns bei MySpace getroffen und mir gefiel direkt ihre stimmungsvolle Musik. Eine Kollaboration mit der Sängerin Ira kam zustande. Fortune heißt der Track, der auf der LYNX & KEMO MySpace Seite (www.myspace.com/evocators) angehört werden kann und der auch bei Soul:R erscheinen wird. Lynx war sehr begeistert von meinen Raps, so wie ich von seinen Beats und so fanden wir zueinander. In echt getroffen haben wir uns erst 3 Wochen nach dem erfolgreichen, weltweitem Release von „Global Enemies“.

Dein MCing könnte man als eher zurückhaltend, ergänzend zur Musik beschreiben. Wie siehst Du Deine Rolle bei einem Drum'n'Bass Set?

Genau so. Ich meine, wir alle gehen doch in den Club, um die Musik zu hören. Ein MC hat meiner Meinung nach die Rolle eines Begleiters, eine wohltuende Ergänzung zum Set des DJs. Dazu gehört ein wenig Animation, ein wenig Unterhaltung, ein bißchen Singen (wenn man es kann!) ein paar gute Raps, und wenn es passt, noch ein paar sozialpolitische Denkanstösse. Wenn Gott ein DJ ist, dann ist der Club schließlich so etwas wie eine Kirche.

Gerüchte besagen, dass Du an einem eigenen Album arbeitest...

Gegen Sommer 2008 wird es ein LYNX & KEMO Album auf Soul:R geben. Es ist meiner Meinung nach ein sehr innovatives Album. Es greift auf Elemente des Dubsteps, Trip Hops, Drum’n’Bass und Minimal zurück. Im ganzen ist es sehr theatralisch, orchestral und man hört, denke ich, dass den einzelnen Stücken viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Auf dem Album werden Marcus Intalex, DRS, Alix Perez, Henree, Spoonface, Ninja, Singer Jay, Matt Flores u.v.a. gefeatured. Ohne überheblich klingen zu wollen, denke ich, dass dieses Album die Szene verändern und auch viele Leute außerhalb von Drum'n'Bass erreichen wird. „Global Enemies" war erst der Anfang! The Revolution is near.

Was ist sonst noch in der Pipeline?

„Lynx – Shaku“ b/w „Lynx & Kemo ft. Ciah – Skylines“ auf Digital Soundboy im Februar oder März 2008. Und noch einige andere, einige non-D'n'B Releases.

Wir sind gespannt... Wo fühlst Du Dich überhaupt wohler? Im Studio oder live on stage?

On Stage. Die Musik lebt, Energiefelder bewegen sich im Raum, man tritt auch ohne Drogen in kosmische Atmosphären ein... Das ist unvergleichbar. Wir machen ja schliesslich auch Musik um uns mit anderen Seelen zu verbinden. Dieser Austausch ist essentiell.

Neben Deinem MCing im Drum'n'Bass Bereich - welche Musikprojekte hast Du sonst noch am laufen?

Ein anderes heißes Projekt ist meine Zusammenarbeit mit den Homewreckers. Deren Album „American Ruhr", auf dem ich bei 4 Tracks gefeatured bin, erscheint ca. Mai 2008 auf Unique Records. Die erste Single „It's about Time" erschien im November 2007. Die Zweite „Close Your Eyes / Hot Hot Hot“ erscheint im März 2008.

Außerdem feile ich stets an neuen Club Smashern mit Matt Flores auf Combination Records. So wie unser Radio Hit „Ignoranz Shmignoranz" von der Underducks Compilation.

Andere Künstler mit denen ich in 2008 / 2009 releasen werde sind die Dubstep Jungs aus Litauen namens „Bango Collective, der Broken Beats Guru aus Machester „Zed Bias“ und der freundliche Minimal Onkel von Nebenan „Douglas Greed“.

Was sind Deine Zukunftspläne im musikalischen, wie im privaten Bereich?

Nach dem Album und den anstehenden Live Gigs und Festivals werde ich mich erstmal sammeln müssen und gründlich überlegen, in welche Richtungen ich mich weiter musikalisch entwickeln möchte. Zur Zeit arbeite ich mit Lynx, Marcus Intalex, DRS, Calibre und Alix Perez an neuen Tunes und das werde ich auch fortführen.

Ich möchte 2009 anfangen an einem Photographie Buch zu arbeiten. Ich reise ja sehr viel und dabei nehme ich mit einer sehr schönen Spiegelreflexkamera Fotos auf. Diese finde ich zum Teil so schön, das ich sie gerne teilen möchte.

Ein paar Worte zu Sun&Bass, wo Du auch am Start warst?

Das war wunderbar. Tagsüber im Meer schwimmen und abends in schönen Clubs qualitativen Drum'n'Bass zu hören...Großartig. Die Menschen waren auch nur cool. Es war einfach traumhaft.

Danke fürs Interview Kemo! Any last words an unsere Leser?

Drum'n'Bass ist eine Bewegung und ich denke wir sollten unsere Energien bündeln, um den Kräften entgegenzuwirken, die D'n'B Radiosendungen canceln, den Vinyl Markt zerstören und die jüngste Generation mit ihrem Bling Bling Boom Boom blenden. Wir sind eine starke Bewegung und wenn wir die Kraft nehmen mit der wir diese ganzen Subgenren und Nichen geschaffen haben und auseinanderhalten, die Kraft mit der wir uns gegenseitig den Weg erschweren... wenn wir diese Kräfte bündeln und uns gemeinsam nach vorne treiben, dann wird 2008 wahrlich ein monumentales Jahr für Drum'n'Bass. Und das wird auch geschehen. Davon bin ich überzeugt. Vielen Dank hierfür im Voraus. ONE LOVE & BLESS. Kemo


Booking & Contact: kemo@evocators.com

www.myspace.com/kemosun

Ihr habt Kommentare / Fragen? Diskutiert das Interview im Future Forum!
18.11.2017, 11:23 h | 8 Junglists online