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Duo Infernale


Betrachtet man die Produzenten-Landschaft im Genre Drum’n’Bass stößt man unweigerlich auf „Duo Infernale“ – Thien und Jörg aus Berlin. Mit Veröffentlichungen auf Timeless Recordings, dem Dogs On Acid Sublabel Under Construction und zuletzt dem „Feeling Blue“ Track auf Marcus Intalexs Soul:r Label – der auch für die aktuelle FABRICLIVE Mix-CD gesigned wurde – machten sich die zwei national und international einen Namen. Im folgenden Interview plaudern sie über ihre Historie, Producing und Drum’n’Bass im Allgemeinen.

Das letzte Mal, als ich Euch getroffen habe, war beim "German Connection" Event in Berlin... Wie hat es Euch gefallen?

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und rein musikalisch gesehen hat uns nicht alles gefallen. In erster Linie ging es uns darum, Alkohol zu trinken, zu feiern und nebenbei einige Leute aus dem deutschen D&B-Zirkus persönlich kennen zu lernen. Meist kennt man sich nur aus dem Internet, was sehr anonym und unpersönlich ist. Ich (Thien) war recht enttäuscht darüber, dass kein weiblicher DJ eingeladen wurde und es somit mehr oder minder eine „Männerveranstaltung“ gewesen ist.

Ok, mal zu den Basics: Wie habt Ihr Zwei als "Duo" zusammengefunden?

Wir haben uns an einer Fachhochschule kennengelernt. Man lief sich ab und zu über den Weg oder besuchte eine gemeinsame Vorlesung, aber der erste richtige Kontakt kam auf einer D&B-Party (Doc Scott spielte mit MC Justyce im WMF) zustande. Erst da haben wir festgestellt, dass wir uns für dieselbe Musikrichtung interessieren.

Man sollte auch erwähnen, dass wir uns in einer sehr interessanten Phase des D&B kennengelernt haben. Es war um 1999, wo Ed Rush & Optical den Standard im D&B markierten, wo Roni Size & Co. noch innovativ waren und wo neue Acts wie Bad Company, Konflict oder Usual Suspects neue Maßstäbe setzten. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir untereinander immer die neusten Clips von Bad Company ausgetauscht haben.

Thien, Du hast mit einem Kollegen damals auch das Breakbeat, später LEVEL47 Magazin gemacht. Sind Dir die Kontakte, die Du damals aufgebaut hast, noch hilfreich?

Ich war über einige Jahre auch Party-Promoter und habe über diese Tätigkeit auch zahlreiche Kontakte aufgebaut, wo ich immer dachte, dass sie uns mal nützlich sein könnten, aber die Realität sieht meist anders aus. Ich will nicht wissen, wie viele Kontakte ich auf meinem Rechner gespeichert habe, aber um ehrlich zu sein, stehe ich nur mit sehr wenigen Leuten direkt in Kontakt.

Als Du uns paar Tracks von Euch über AIM geschickt hast, waren das gerippte BOSS-Releases. Das hat mich gewundert. Wie beurteilst Du das "rippen" und verteilen von Drum'n'Bass Releases als MP3s?

Können wir das „Rippen“ denn verhindern? Wir beurteilen diese „Bewegung“ auch nicht sehr kritisch, da es erstens ein fester Bestandteil der Musikszene geworden ist und wir zweitens wissen, dass diese MP3-Community auch noch Vinyl-Veröffentlichungen konsumiert. Viele nutzen diese Plattform, um sich auf dem Laufenden zu halten bzw. sich zu informieren, was demnächst auf dem Markt erscheinen wird.

Natürlich gibt es wie überall schwarze Schafe, die diese MP3s dazu nutzen, um sie in den Clubs zu spielen, aber es gibt halt immer Licht und Schatten.

Wie gestaltet sich die Arbeit bei Euch im Studio? Sind die Aufgaben klar verteilt, oder macht jeder Mal etwas?

Jörg produziert und ich hole das Bier. Nein, Scherz beiseite. Unsere Studioarbeit ist schon durch Struktur gekennzeichnet, aber man kann nicht eindeutig sagen, dass jedem ein festes Arbeitsgebiet zugewiesen ist.

Die Arbeit im Studio ist geprägt von unzähligen Komponenten, die im Ergebnis alle wichtig sind, d.h. wenn ein Punkt nicht stimmt, dann erreicht man auch nicht das gewünschte Ziel.

Da wir uns immer nur samstags treffen, gehört beispielsweise die „Sportschau“ zum festen Bestandteil unserer Studioarbeit. Wenn Hertha gewinnt, kann dann eigentlich produktionsmäßig nichts mehr schief gehen

Wie sieht es mit Kollaborationen mit anderen Producern aus - diesbezüglich macht ihr nicht viel... warum?

Wir haben schon Interesse, mit dem einen oder anderen Produzenten zusammenzuarbeiten, aber vieles ist auch eine reine Zeitfrage oder man arbeitet mit unterschiedlichen Programmen.

Welchen bekannten Act würdet Ihr liebend gerne mal remixen?

Wenn wir uns auf D&B Acts beschränken, dann gehören Namen wie Commix, Calibre oder Klute schon zu unseren Favoriten.

Ihr veröffentlicht seit neuestem auf Marcus Intalex' Label Soul:R. Wie kam es dazu?

Ich (Thien) kenne Marcus Intalex seit vielen Jahren. Da hat sich über die Zeit ein gewisses Verhältnis aufgebaut. Nach seinen Aussagen war ich erst der zweite Promoter, der ihn nach Deutschland geholt hat. Und selbst das war ein reiner Zufall. Ich wollte Future Cut nach Deutschland holen und habe sie zu Hause angerufen, aber am Ende der Leitung erwischte ich Marcus, der zu dieser Zeit noch mit ihnen in einer WG zusammen wohnte. Seit dieser Zeit haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren.

Er war der erste englische Produzent, der unsere Produktionen eingehend und kritisch beurteilt hat. Es war an einem Sonntagmorgen nach einer Party und er hat sich eine ganze Stunde Zeit gelassen, um sich unsere Sachen anzuhören. Man kann sagen, dass er unser Schaffen seither beobachtet hat und nun ist es uns endlich gelungen, mit dem Signing auf Soul:R einen unserer Träume im D&B zu verwirklichen.

Ein Track von Euch ist auf der Fabriclive 35 CD. Zahlt sich das - im wahrsten Sinne des Wortes - aus?

Das lässt sich im Moment nicht sagen, da die Mix-CD erst vor wenigen Tagen offiziell erschienen ist, aber es wird uns mit Sicherheit ungemein helfen. Die Mix-Serie erscheint in einer recht hohen Auflage und erreicht auch andere Musikszenen, so dass wir am Ende davon profitieren werden.

Wie beurteilt ihr die Drum'n'Bass Szene global und in Deutschland derzeit?

Jede Musikszene unterliegt einem permanenten Veränderungsprozess. Alles bewegt sich in einem ständigen Fluss. Ob die Richtung stimmt, dass muss jeder für sich selbst beurteilen.

Die Klagefront, ob in Deutschland oder in anderen Ländern, ist massiv und man liest und hört ständig irgendwelche Beschwerden über die Szene, über deren Entwicklung, über die Veröffentlichungen, über die DJs usw., aber wir wollen uns all den Klagen nicht anschließen, denn wir sehen ja, dass immer noch gute Tunes produziert werden und das wird auch immer so bleiben. Man muss halt nur seine persönliche, musikalische Nische finden, wo man sich wohl fühlt. Und diesen Platz haben wir gefunden.

Und noch einen Schritt weiter: Wie sieht es mit der Drum'n'Bass Szene in Berlin aus?

Wir sind sehr selten in Berliner Clubs unterwegs, so dass wir wenig zu diesem Thema sagen können. Die Szene scheint in verschiedene Crews aufgesplittet zu sein, die wohl miteinander nicht allzu viel zu tun haben. Es kommt z.B. ab und zu vor, dass Veranstaltungstermine und Bookings nicht abgesprochen werden.

Was ist bei euch in der Pipeline? Über was können wir uns in den nächsten Wochen oder Monaten freuen?

Wir benötigen für einen Tune in etwa zwei Monaten, manchmal länger, so dass unsere „Pipeline“ meist leer ist. Wir haben uns vorgenommen, in jedem Quartal etwas von uns veröffentlichen zu lassen, und haben unser Ziel für dieses Jahr ja fast schon erreicht, nicht wahr?

Any last words?

Immer locker bleiben...es ist ja nur Drum'n'Bass.


www.myspace.com/duoinfernale

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21.11.2017, 18:20 h | 4 Junglists online