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E.Decay - 15 Jahre Partyvibe


Anfang der 90er spielte er seine ersten DJ-Sets und startete Mitte 1994/1995 mit Gigs im legendären Vibration Club und Meditation schwer durch. Der nächste große Boost kam mit dem Erfolg der Rawhill Cru und dem Hit "Mo' Fire". Mr. E.Decay, what's up next?

Michael, Du bist mit einer der DJs die schon am längsten mit am Start sind. Erzähl uns doch was über Deine "Laufbahn".

Im zarten Alter von 14 (1991) kam ich mit elektronischer Musik in Kontakt "Techno". Bald fing ich an mir Platten zu kaufen und zu experimentieren und entwickelte meine Vorliebe für "Breakbeat" ohne zu Wissen, dass dieser Beat sich zu einer eigenen Musikrichtung entwickeln würde. Durch mein Umfeld, indem Breakbeat schon sehr früh eine große Rolle gespielt hat bekam ich 1992 meine ersten Möglichkeiten vor Publikum zu spielen. Es folgten Events im Rhein-Neckar-Kreis z.B. im DAI (Heidelberg), Normal (HD), diverse Locations in meiner Region Wiesloch/Sinsheim.

1994 kam es dann zum legendären Vibration Club in Forst, indem ich als Resident DJ involviert war. In dieser Zeit begann für mich wie für die Musik eine neue Epoche, da sich aus Breakbeat Jungle entwickelte und für mich auch ein neuer Schritt in meiner Laufbahn anbrach.

Als Mitte 1995 die Meditation Reihe ins Leben gerufen wurde, war ich ebenfalls auf der Resident-Liste. Seitdem auch bei fast allen nachfolgenden Club- und Großevents wie Future, Jungle Fever und Desire. Zu dieser Zeit etablierte sich Drum and Bass immer mehr im Nachtleben und es bildeten sich eigene Szenen in vielen Städten Deutschlands, in denen ich mir dann auch einen Namen machte. Zudem entdeckte ich auch die Begeisterung im Studio zu arbeiten und gründete daraufhin mit Oliver Bendig das Label U3R Music, mit dem wir Platten veröffentlichten, Touren organisierten und Events veranstalteten.

Die Rawhill Cru die zu diesem Zeitpunkt schon bestand wurde 2001 durch MC Navigator, Spyda und den Ragga Twins vervollständigt. Mit unserem Release "Mo Fire" hatten wir internationalen Erfolg. 2002 gründete ich mit zwei DJ-Kollegen das Clubprojekt „Phazeclub“, welches in Mannheim Kultstatus erlangte. Auch mit dem Event „Made in Germany“ brachten wir Bewegung in die deutsche Szene.

Heute spiele ich immernoch auf vielen Major Events Deutschlands wie Kings of the Jungle, Sonne Mond und Sterne, Nature One…und bin auch im Ausland zu hören.

Wie würdest du deinen Style bezeichnen?

Partyvibe – Musik für den Dancefloor. Ich bin auf keinen Fall ein Style-Fetischist. Es gibt so viele gute Produktionen, ich kann mich da schlecht festlegen. Wer mich kennt, weiß dass ihn alles erwarten kann – von Hospital über Ganja bis Virus, und alles mit einem roten Faden.

Ich mag es, Platten verschiedener Gefühlsebenen und Elemente so zu verbinden, dass eine ganz Neue daraus entsteht. Z.B. High Contrast/ Barcelona Remix unterlegt mit Swift/ the one. Ich bin schon immer offen für alles und versuche in meine Sets ein weites Spektrum abzudecken. Abwechslung ist mir sehr wichtig! Ich könnte mir nicht vorstellen stundenlang nur einen Style zu spielen, das würde mich zu Tode langweilen. Mir macht es Spaß lange Sets von 4-6 Stunden zu spielen, da ich dabei experimentieren und mich voll entfalten kann. Ich bereite mir nie Sets vor, spiele immer aus dem Bauch heraus und lasse mich von der Stimmung leiten. Dennoch weiß man, aus Erfahrung, welche Tracks zusammen passen und wie sie auf der Tanzfläche wirken.

Ich bin nach wie vor ein Fan von Sounds wie RAM, Virus, Hospital, Full Cycle, Total Science und Futurebound & Matrix, Danny Byrd, Shimon und Sub Focus gehen mir gerade gut rein. Aber das sind lange nicht alle, es gibt so viele gute Produzenten und auch ne Menge neuer talentierter Jungs in der Szene, wobei es keinerlei Rolle spielt woher sie kommen. Der Vibe ist und kommt von überall! Kurz gesagt: Mein Style ist gute Laune und tanzen!

Früher warst Du auch eifriger Partygänger. Gehst Du heute auch noch selbst gerne auf Parties?

Aber sicher! Ich tanze und feiere gerne mit Menschen. Für mich gehört das einfach dazu. Ob ich nun selbst spiele oder nicht. Ich denke, dass ich auch dadurch das richtige Gespür habe was auf dem Dancefloor gerade gebraucht wird.

2002 gab es den großen Erfolg der Rawhill Cru mit "Mo' Fire". Wie kam es zu dem Hit?

Mo`Fire ist total zufällig entstanden. Eine Verkettung glücklicher Umstände. Royce und ich hatten den Track der Ursprünglich "Fight Fire" hieß produziert. Der Zufall wollte es das MC Spyda gerade an diesem Wochenende im Phaze Club zu Gast war und er MC Navigator im Gepäck hatte. Am nächsten Tag fragten mich beide was ich da als Intro gespielt hatte und eine Stunde Stunde später waren die ersten beiden Verse aufgenommen. Danach luden wir noch Tenor Fly, Shabba und Soultrain ein und Mo`Fire war im Kasten.

Keiner von uns war sich darüber im Klaren was mit dieser Nummer passieren würde. Wir entschlossen uns denn Track incl. einer Ragga Twins Version und dem Original (Instrumental) auf U3R zu veröffentlichen.

Nachdem wir dafür eine große Tour gemacht hatten und bereits einige tausend Platten über den Tisch gingen, kamen wir mit Fresh von Bad Company ins Gespräch, welcher einen Remix machte der auch tierisch einschlug. Daraufhin begann eine Zusammenarbeit von BC Rec & U3R. Wir drehten Videos und machten gemeinsam Promotion und arbeiteten in jeder Hinsicht zusammen. Wir alle konnten es selbst kaum glauben das wir bereits Wochen vor dem Veröffentlichungsdatum eine Vorbestellung über 30.000 Stück hatten. Dies reichte schon um am Tag der Veröffentlichung auf Platz 1 der UK Dancecharts und 24 der Sales Charts zu landen.

Heute hört man nichts mehr von der "Rawhill Cru". Ist das Geschichte? Wenn ja - warum?

Ja, momentan ist alles auf Eis gelegt, jeder Artist arbeitet an seinen eigenen Projekten und es ist bis jetzt noch ungewiß ob man in dieser Konstellation wieder zusammen findet

 
"Auffallend ist leider eine vermehrte Aggressivität auf Großveranstaltungen. Man muss wirklich sagen, dass sich in dieser Hinsicht schon einiges verändert hat. In meinen jungen Jahren kam es kaum zu Reibereien. Alle waren aus einem Grund da: Drum and Bass feiern!"

MC Soultrain hat in einem Interview sich ausführlich über Drum'n'Bass in Deutschland geäußert. Wie siehst Du die Szene heute?

Ich fand MC Soultrains Interview sehr gut und sachlich. Es ist wirklich schwer dazu eine fundierte Antwort zu geben. Man muss das Ganze aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Generell würde ich sie weiterhin als gesund bezeichnen. Es gibt massig Events, DJ, Produzenten und genügend treue Anhänger die sich seit Jahren nichts Besseres vorstellen können. Dennoch ist seit Längerem ein Rückgang am Interesse zu verspüren. In vielen Städten läuft es nicht mehr so wie es mal war, dafür leben andere auf. Es fällt mir wiederum positiv auf, dass vermehrt junge Leute zwischen 13-17 wieder starkes Interesse an Drum and Bass entwickeln. Mal schauen was und die Zukunft da bringt.

Auffallend ist leider eine vermehrte Aggressivität auf Großveranstaltungen. Man muss wirklich sagen, dass sich in dieser Hinsicht schon einiges verändert hat. In meinen jungen Jahren kam es kaum zu Reibereien. Alle waren aus einem Grund da: Drum and Bass feiern! Es kommt mir vor als wäre dieses Feuer ein wenig verloren gegangen. Ich finde es auch teilweise bedauernswert wie Partygänger auf Veranstaltungen reagieren nur weil die Eintrittspreise zu hoch erscheinen, doch im gleichen Atemzug wollen sie die Top Acts serviert bekommen. Große Events mit großen Line up’s verursachen nun mal Unmengen an Kosten, welche kompensiert werden müssen. Leider machen sich viele keine Gedanken darüber was dahinter steckt.

Dennoch finde ich es sehr positiv, dass die deutschen Artists mittlerweile immer mehr respektiert werden, dass auch diese Partys gut besucht sind. Um speziell auf die Mannheimer Szene einzugehen, herrscht hier schon seit einigen Jahren ein Partyüberangebot, was zur Folge hat, dass die einzelnen Events auch weniger besucht sind und die Stimmung darunter leidet. Das wiederum macht es schwer die Leute zu halten und neue Fans zu gewinnen. Doch wie man dieses Problem lösen kann weiß ich leider nicht denn es ist ein freier Markt. Vielleicht sollte sich jeder Neueinsteiger fragen ob es wirklich der Szene dient.

Hinter den Turntables feierst Du immer gut ab. Ist das Show?

Ich täusche keine Orgasmen vor! Nein, ich liebe es einfach. Ich kann nicht still halten wenn es rockt. Ich möchte nicht nur durch meine Musik ein Teil der Party sein. Es ist natürlich auch toll wenn man spürt, dass man dadurch die Menge noch mehr zum feiern animiert. Allerdings macht es mehr Spaß wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Eine schlechte Anlage bringt beiden Seiten keinen Spaß.

In welchen Städten oder bei welchen Crews spielst Du am liebsten?

Das ist eine schwere Frage. Ich bevorzuge weder Clubs noch Raves. In den vergangenen Jahren habe ich hauptsächlich nur gute Erfahrungen gemacht. Es gibt sehr viele nette Leute in der Szene und schöne Clubs in denen man am liebsten wohnen würde, doch am liebsten spiele ich an Orten mit einer fetten Anlage und für eine coole Crowd. Ich sehe es als eine Herausforderung, an Plätzen zu spielen, an denen nicht nur Drum and Bass Fans sind. Städte und Länder in denen ich noch nicht war reizen mich natürlich auch.

Um ein paar unvergessliche Erlebnisse zu nennen: Cocoon Club/Frankfurt, System Sound Bar/Toronto, Slammin’ Vinyl/ London und Warning at Junction/ Camebridge, Sonne Mond und Sterne, Kings of the Jungle/Maimarkt und Hannover, außerdem für mich persönlich waren die besten Parties die Meditaion V in Speyer, Halle 101 und natürlich Sun and Bass/ Sardinien.

Letztendlich spiele ich überall und für jeden gerne und natürlich hat man in vielen Städten seine Leute mit denen man regelmäßig zusammen arbeitet.

Du bist wiederholt zum "besten DJ national" bei den future-music.net Awards gewählt worden. Bedeutet Dir das was?

Ich würde lügen wenn ich nein sage. Natürlich ist das eine schöne Bestätigung und ein Motivator weiter zu machen und alles zu geben. Es freut mich, dass es vielen gefällt was ich tue, dennoch weiß ich auch das lang nicht alle Drum and Bass Lovers Deutschlands mitvoten. Ich danke euch allen an dieser Stelle noch mal für euren Support..

Dieses Jahr steht die "15 Years" Tour von Dir an. Wo überall machst Du Station?

15 Jahre sind wie im Flug an mir vorbei gegangen und ich durfte so viele schöne Dinge miterleben. An vieles erinnere ich mich noch als wäre es Gestern gewesen. Ich mache das nun mein halbes Leben und muss sagen, dass ich als 30 jähriger immer noch den gleichen Spaß an der Sache habe wie mit 15 oder 20.

Meine Tour hat Ende April begonnen. Es ist keine typische Tour mit festem Zeitraum, sondern ich werde bis Ende des Jahres in so vielen Städten wie möglich unter diesem Motto spielen. Bisher war ich in Berlin, Stuttgart, Bremen, Ulm, Weimar... Es folgen Auftritte in St.Petersburg (Russland), Köln, Hamburg, Frankreich, England und über den Sommer werde ich noch auf einigen speziellen Open-Air-Events vertreten sein.

Außerdem plane ich für Mannheim zwei extra Events in denen ich die 15 Jahre durchlebe, Part I mit den Anfängen meiner Karriere...Oldskool (22.06.07 im Rude 7 in Mannheim zu Gast Ellis Dee & Deemas Jay aus London) und Part II. Für nähere Informationen solltet ihr meine neue Webseite www.djedecay.com oder www.myspace.com/edecay besuchen. Dort werden auch eine Menge kleiner Specials für euch bereit stehen. Ein Besuch lohnt sich!

Gibt es demnächst neue Tracks von Dir? In Deinen DJ Charts konnte man den Namen $pyda lesen...

Ich arbeite nach wie vor gerne im Studio, doch fehlt mir dazu oftmals die Zeit, da ich viel mit Auflegen und anderen Projekten beschäftigt bin. DJing ist meist mit großer Vorarbeit und Reiseaufwand verbunden, dadurch fällt es oftmals schwer sich konzentriert und konsequent mit der Studioarbeit zu beschäftigen.

Den Track den du meinst heisst "Hands off my thing" und kann auf meiner MySpace Seite angehört werden. Es sind auch noch ein paar andere Stücke hochgeladen. Was damit passiert, ist bis dato noch nicht sicher, aber ihr werdet es frühzeitig erfahren.

Okay, gibt es sonst noch etwas was Du unserer Lesern sagen möchtest?

Unterstützt weiterhin eure deutschen Artist und Crews, damit deren Arbeit sich lohnt und ihr Spaß haben könnt. Hier würde ich gerne auf Soultrains Interview verweisen, denn er bringt das Wesentliche auf den Punkt. Bleibt dabei und feiert weiter, denn ihr könnt es weltweit am Besten!

Und nicht vergessen: 15 years E.Decay Part 1 „Breakbeat Edition“ E.D.K & MC Sinista Spezial Guests: Ellis Dee & Deemas Jay 22.06.07 Rude 7 Industriestr. 7c, Mannheim Don’t miss that one!


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21.11.2017, 05:30 h | 5 Junglists online