Wenn man die junge Garde der kutting edge Drum'n'Bass Produzenten in Deutschland
betrachtet kommt man an einem Duo nicht vorbei: n.phect & diz:play. "Erst"
in 2002 begannen die zwei Kölner mit dem Produzieren von D&B. Doch schnell
machten sie sich mit ihren high quality Tracks einen Namen und Releases auf dem
Future Forum Sampler, Cativo's "The Incredible New School of German D&B"
Mix CD, Basswerk und Protogen folgten. Hallo, stellt euch doch mal kurz vor - wer von Euch ist wer? ;)
Haha, das scheint ja irgendwie schwieriger zu sein als wir gedacht hatten: n.phect
& diz:play sind Sebastian & Henrik Wild. Ja, Brüder, weshalb wir
auch entgegen jeder Wahrscheinlichkeitsberechnung permanent verwechselt werden
;)
Was war Eure musikalische Laufbahn? Schon immer elektronisch?
Gitarrenschraddel, lange Haare, Grunge. NewMetal. Dann
Prodigy, Fluke, jede Menge Remixe, (Goa, aua!). Naja, und wenn man einmal "Torque"
gehört hat, geht man nicht mehr zurück.
Musik gemacht haben wir eigentlich auch schon immer, v.a. lange in Bands, teilweise
zusammen und/oder elektronischen Live-Elementen. Das Problem waren die Proben
in dunklen, versifften Löchern ohne Groupies.
Wie seid Ihr dann zu D&B gekommen? Gab es
ein Schlüsselerlebnis?
n.phect: Ich begann 2000 mit dem Auflegen bei einer
Party in hometown Marburg. Produziertechnisch führten mich Alben wie "The
Fat of the Land" oder Flukes "Risotto" zu einer Art Musik, die
mich nach meiner "Korn" und "Filter"- Zeit schockten wie begeisterten.
Derbe bässe, 100% Drumcomputer, zerstörte Samples...Den letzten Kick
gab mir Matrix '99 im Gebäude9 in Köln. Seitdem bin ich dabei. :)
diz:play: Eine ganze Reihe von unvergesslichen Clubevents in Köln.
Junglegrowers/Basswerk & die anderen lokalen Crews in abgefahrenen Locations.
Und das, obwohl DnB ja eigentlich tot ist. Hat mir jemand gesteckt :)
Vor 2002 wart Ihr in Deutschland praktisch unbekannt, danach habt Ihr eingeschlagen
wie eine Granate. Wie kams?
Uns gibt es als Producer auch erst seit Mitte 2002. Das
ging dann aber so schnell, dass wir das selber gar nicht so genau sagen können.
Typecell von Protogen meldete sich als erster auf unsere Demo CD, die wir im Dezember
2002 an diverse Labels, Producer und Radiostationen schickten.
Er signte "Rotor", baute es in seine Mixsets ein und plötzlich
kamen jede Menge Anfragen wegen der Tracks. Wir hatten bis dato keinerlei Erfahrung
und haben uns per Mail öfter Rat bei Chicken (Giana Brotherz) oder The Green
Man (Basswerk) geholt, was Gagen oder eventuelle Verträge anging. Seitdem
stehen wir in gutem Kontakt zu nationalen wie internationalen Artists und Labels.
Wie wichtig ist das Internet für Euch?
Ohne Internet würde es uns nicht geben. Der Austausch
ist viel einfacher als früher, die Welt rückt zusammen (mit all den
unangehmen Seiteneffekten). Snippets machen Tracks für Labels interessant,
Tools sind schnell verbreitet, die Quelle für Samples ist gigantisch. Wie
ging das eigentlich früher, haha...
Du kannst selbst als DJ Hannobert aus Timbuktu ein Set an die ganze Welt via Internetradio
senden. UK ist nicht mehr so wichtig wie früher, Leute aus allen Teilen der
Welt haben die gleiche Möglichkeit sich zu etablieren. Beispiele gibts genug.
Außerdem wird damit endlich dieser dämlichen Dub-Kultur der Todesstoss
versetzt. Es ist für uns viel einfacher Tracks an andere zu verschicken als
sie umständlich auf Vinyl pressen zu müssen. Der Fortschritt wird einfach
enorm beschleunigt.
Euer Style ist progressiv und geht in die BSE und Concord Dawn Richtung. Ist
das Euer Sound?
Ist das so? Keine Ahnung! Concord Dawn waren vor ein bis
zwei Jahren definitiv Teil unserer musikalischen Identifikation, aber durch einen
regen Track- und Kritik-Austausch mit vielen Artists wie z.B. Phace, Su3-ject,
Misanthrop, The Green Man, Cativo und Typecell sowie Skynet, BSE und Noisia unterliegt
unser Geschmack heute einer ständigen Wandlung, was man zum Beispiel an Tunes
wie "Cell Death" oder "Inside the Hive", die beide Anfang
2004 gemacht wurden, hört.
Ich denke schon, dass BSE uns ebenso stark geprägt haben wie beipielsweise
Teebees "Black Science Labs" oder Ed & Op"Wormhole", die
bestimmt ebenso Einfluss hatten wie Bad Company UK mit "Inside the machine".
Mittlerweile ist es jedoch so, dass guter DnB schon lange nicht mehr aus UK kommt.
Drum and bass hat sich gemausert; in allen Teilen der Welt werden mittlerweile
verdammt gute Tunes gebaut und machen den alten, großen Namen des Business
mehr als nur Konkurrenz.
Mit Phace, Noisia, Sunchase, Corrupt Souls oder Pendulum stürmt eine neue
Welle junger Produzenten die Fronten und sie fahren mit Tunes auf, die einen Andy
C oder "copy/paste sounds und drums" Dillinja in den Schatten stellen.
Uns inspirieren viele Musikrichtungen, v.a. auch Techno, Nuskool und der ganze
andere elektronische Kram, aber nach nem langen Produzierabend darfs auch mal
gediegener Jazz oder Frank Sinatra sein ;)
Ihr kommt aus Köln... Gerade produktionsmäßig kommt aus der
Ecke ja sehr viel. Hilft Euch das und findet da ein Austausch statt?
Der Green Man ist natürlich eine Kölner Konstante,
der seit xJahren hier aktiv ist und mit Basswerk eines der deutschen Top-Labels
führt. Die Neukölner Hotze Phace ist für uns einer der besten Producer
Deutschlands. Ansonsten spielt sich der Austausch eher im Internet ab. Aber klar,
die Kölner DnB-Szene ist sehr familär und glücklicherweise eine
der unverpilltesten. Durch die vielen Events auch in kleinerem Rahmen trifft man
die Aktivisten quasi wöchentlich und kann bei Kölsch und Currywurst
mit Pommes-Schranke die neuesten Goldie-Mixsets verreissen.
n.phect "&" diz:play. Ihr tretet meist als Team auf.
Was für Vor- oder auch Nachteile hat es denn wenn man so eng zusammen arbeitet?
Gibt es eine Aufgabenverteilung beim Produzieren?
Klar ist, dass sobald man zwei Köpfe in einen Raum
sperrt und ein Ziele erreichen möchte, man sich zwangsweise mit der Meinung
des Anderen arrangieren und mit vielen Kompromissen zurechtfinden muss. Wir kennen
uns ja nun zwangsläufig ein paar Jahre, und es ist daher relativ leicht für
uns, da wir mit den musikalischen Vorlieben kaum auseinanderliegen. Natürlich
gibt es geringfügig unterschiedliche Auffassungen über zu trancelastige
Synths oder langatmige Intros, aber generell finden wir schnell den Konsens.
Eine klare Aufgabenverteilung gibt es so nicht, viele Tracks beginnen wir mit
den Drums, die n.phect meistens vorbaut (so bei Nostromo) oder dass wir einige
Synthspuren bereits als Thema gesammelt haben (so diz:play bei "Velvet Morning"),
um die wir dann gemeinsam Ideen herumbauen und ein Drumwork entwerfen. Das Intro
bauen wir häufig zuletzt. n.phect baut FX-sounds, das finale Mastering übernimmt
diz:play.
Einer baut, der andere auch :)
Produziert Ihr nur, oder präsentiert Ihr Euren Stuff auch?
Wir legen seit der Popkomm 2003 als DJ-Team auf. Damals hatten wir unseren
ersten Gig bei der Basswerk-Album-Release Party, bei der diz:play mit "The
Syndicate" als Soloprojekt vertreten ist. Kurz darauf kamen einige Anfragen
zu Bookings, so z.B. auf der King of the Jungle, und seitdem haben wir regelmäßig
Gigs.
Eure Tracks erscheinen auf den verschiedensten Labels. Ein "Mutterlabel"
gibt es noch nicht... oder wollt Ihr nicht?
Bisher hat es sich noch nicht ergeben, wäre schon
nett. Dann ist eben die Signatur in den Foren länger...
Liegt vielleicht auch daran, dass wir zum einen durchaus verschiedene Stile in
unseren Tracks haben und zum anderen die derzeitige wirtschaftliche Lage die Labels
davon abhält, Platten in dem Tempo zu releasen, in dem wir produzieren.
Ein Track von Euch ("Logout") wurde auf U3R dem Rawhill Label gesignt.
Das überrascht sicher einige. Ein Stilbruch?
Nein, wieso? Der Track is schon etwas älter und gehört
in die Phase, als wir sowohl "Radium", als auch "2Rok" machten.
Dass der Track nach knapp einem Jahr jetzt mit U3R auf einem der größten
deutschen Labels released wird, hat uns selber überrascht und gefreut.
Und was den Stilbruch angeht...Nein, ich denke, der Tune klingt schon sehr nach
uns. Wir haben uns immer die Freiheit gelassen, dass zu tun, worauf wir Bock hatten
und uns nicht selber (andere Leute sollen das machen) in Schubladen zu drücken.
Wenn wir keine Lust mehr auf Drumandbass haben sollten, könnten wir genauso
gut House oder Nuskool machen und hätten mit Sicherheit ähnlichen Spaß.
Es ist und bleibt ein Hobby. In Deutschland kann wohl kein Produzent von seinen
Tracks alleine leben, vor allem wenn man mit dem anderen Bein noch in der Uni(-Mensa)
steht. Viele Leute nehmen das alles zu ernst. Es geht um Party und Spass haben.
Edit: Und Groupies, haha...
Was kann man außerdem von Euch in den nächsten Monaten erwarten?
In den nächsten Monaten steht eine Menge an neuem
Material an: "Nostromo" wird auf Skynets Label "Nvision" rauskommen,
auf Cativos Imprint "Assimilate Rec." wird eine 12" (003) mit "Body
Movin" und "Radium" erscheinen, Termin hierfür wird aller
Voraussicht nach Juni/Juli sein, desweiteren steht für Mai der Release von
"Tsunami" auf dem österreichischem Label "Trickdisc"
an, zusammen mit dem Su3-ject Remix auf der Flip. Auf "Incubation Rec."
aus Hannover wird "2Rok" rauskommen, das Date hierfür ist noch
nicht sicher, und "Logout" wird wie bereits oben erwähnt auf U3R
released.
O.k., sonst noch etwas, was Ihr los werden wollt?
Ist das jetzt die Stelle, wo wir unsere Mama grüssen
dürfen? Mama, wir sind im Internet!
Henrik, Sebastian, vielen Dank für das Interview. Alaaf!
Discographie (März 2004):