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Paradox


Schon lange Zeit ist der 27-jährige Dev Pandya aka Paradox im Drum'n'Bass-Bizz dabei. Vor elf Jahren startete er mit einem Release auf Moving Shadow, heute kann er bereits zahlreiche Veröffentlichungen auf 17 verschiedenen Labels verzeichnen. Dabei ist er einer der wenigen Artists, der auf die starre Trennung von Genres keinen Wert legt. Dev veröffentlicht somit unter dem Pseudonym "Alaska" sowohl Tracks auf Good Looking als auch als "Paradox" auf Reinforced Records. Darüber hinaus liefert er fast jedes Wochenende in einem anderen Land eine ausgetüftelte Live-Performance, die er so interaktiv wie möglich zu gestalten versucht. Mit dabei ist eine kleine Handkamera, mit der er seine Erlebnisse festhält und zu seinen Platten als DVD/CD-Rom anbietet. Vor seiner Live-Show in Wien plauderte er mit Barbara Wimmer ...

Du produzierst bereits seit über 11 Jahren Drum'n'Bass und hast auf zahlreichen Labels veröffentlicht. Hast du da Favouriten?

Ja, könnte man so sagen. Die erste Platte, die ich mir mit 16 gekauft habe, war von Reinforced und dieses Label ist jetzt nach wie vor eines meiner Favouriten. Mein erstes Release auf Reinforced war auch eines der besten, die ich jemals gemacht habe. Dann stehe ich noch zu Good Looking. Auf LTJ Bukem's Label bringe ich unter “Alaska” mehr jazzigere, launische Tunes mit vielen Soundflächen heraus.

Du bist ja gerade dabei, dein eigenes Label, Paradox/Alaska Productions, zu gründen. Kannst du uns da schon etwas dazu erzählen?

Das Label Paradox Productions wird auf der Webseite basieren, dessen Voll-Version zirka Mitte Dezember online gestellt wird. Ende Januar wird dann die erste Platte von Alaska und Paradox erscheinen. Das bin eigentlich beides ich selbst, aber die Tracks sollen die beiden Elemente miteinander vereinen. Es werden harten und weiche Teile in ein Ganzes verwandelt.

Für weitere Releases habe ich dann Artists von Europa und Japan geplant wie etwa die deutschen Shake-Up sowie meinen japanischen Freund Makoto, oder Producer aus Schweden. Ich suche Talente außerhalb von England, weil ich denke, daß es schon genug Produktionen gibt, die wie der typische Londoner Sound klingen.


Wodurch unterscheidet sich dein Sound von dem anderer Drum'n'Bass-Artists?

Ich verwende vor allem Drums. Drum Computer sowohl wie Live-Schlagzeug. Die Szene in England vernachlässigt die Breakbeats völlig. Two Step dominiert den Markt seit etwa drei Jahren und der Pioneer-Breakbeat-Sound geht dabei unter. Allerdings glaube ich, daß Two Step keine Entwicklungsmöglichkeiten hat und deswegen bald wieder abnimmt. 90 Prozent davon ist einfach schlecht.

Welches Equipment verwendest du und was für eine Rolle spielen dabei die Videos?

Ich verwende neben Live-Drums auch Keyboards, Samplers, Live-Vocalisten und Video-Sampels. Ich mache auf der Bühne ja Live-Musik und ich möchte auch, daß die Leute das sehen können, was ich mache. Deswegen gibt es zu jeder CD oder LP von “The Musician as Outsider” eine Gratis-CD-Rom dazu, auf der Interviews vom meinen Touren, Live-Mitschnitte sowie Tips, wie man am besten Sounds sampelt, dazu. In Zukunft wird es auch DVDs geben.

Du bist kaum an einem Wochenende in England anzutreffen. Was war bisher dein eindruckvollstes Erlebnis auf Tour?

Performances in den verschiedensten Ländern der Welt zu bestreiten finde ich an und für sich schon sehr spannend. Ich finde es aber besonders interessant, in Länder vorzudringen, für die mein Sound noch etwas Neues darstellt. Amerika ist z.B. sehr vom Bad Company und Virus-Sound beeinflußt, deswegen war es gut, daß ich dorthin gefahren bin, um ihnen Sounds zu liefern, die sie bislang noch nie gehört hatten. Jetzt hat es ihnen so gut gefallen, daß ich im Jänner wieder in die Staaten eingeladen worden bin.

Wie sieht das eigentlich aus, wenn du “live” spielst und warum bist du nicht als DJ tätig?

Ich programmiere die Drums live auf Computern, spiele die Bässe auf Keyboards ein und verwende Sampler. Ich versuche, digitale Musik so interaktiv wie möglich zu erzeugen. Ich verändere die Tracks so sehr es geht von der Vinyl-Version, so daß das Publikum kaum einen Wiedererkennungseffekt hat. Ich finde, live zu spielen ist einfach viel interaktiver als Platten auflegen.
Mir persönlich bringt es nichts, meine eigenen Platten aufzulegen, ich will der Crowd etwas Außergewöhnliches, etwas Mehr bieten. Außerdem spielen nicht viele D'n'B-Künstler live. Roni Size, Kosheen... und ich. Das ist auch ein Mitgrund, warum ich lieber live spiele. Ich möchte anders sein als die Masse.


Wie siehst du die Zukunft der Drum'n'Bass-Szene in England?

Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, daß sich nächstes Jahr vieles ändern wird. Manche Sachen werden einfach crashen, vor allem glaube ich, daß Two Step bald vorbei sein wird, weil es die Leute langweilt. In den letzten Jahren hat so viel schlechter Drum'n'Bass den Markt überschwemmt und es wird mit der Zeit einfach langweilig, immer dieselben zwei Schagzeugkomponenten mit einer gefilterten Bassline zu hören ist. Ich habe vor, mit meinem Label auch Producer dazu anzustiften, wieder mehr mit ihrem Equipment herumzutouren und Breakbeatz live zu programmieren.

Was sind deine Pläne als Paradox im neuen Jahr?

Ich habe bereits zahlreiche Live-Shows in über zehn verschiedenen Ländern am Programm. Außerdem arbeite ich gerade an einer Film-Musik für die amerikanische Produktionsfirma "Universal". Es wird eine Komödie namens "Dreamworks", mehr darf ich leider noch nicht verraten. Außerdem werde ich ein paar Sounds für LTJ Bukem machen, Tracks abmischen, mich um mein Label kümmern und einen DVD Film produzieren.
Ich habe so viele Pläne und ich glaube auch, daß nächstes Jahr mein Drumsound explodieren wird. Mein Album kommt in Japan sogar auf "Sony" raus und ich denke, es ist genau der richtige Zeitpunkt, denn ich mache schon seit so vielen Jahren Musik.


Interview: Barbara Wimmer aka Shroombab (April 2000)
Das Interview erschien im Mai 2000 im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
21.11.2017, 18:26 h | 6 Junglists online