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Brockie


Deejay Brockie ist seit neun Jahren Mitglied der Kool FM Piratenradio-Crew in London und beschallt den Äther mit hartem, rollenden Drum'n'Bass-Sounds. Gemeinsam mit MC Det legte er '91 gelegentlich beim illegalen Sender auf der Frequenz von 94,5 MHz auf, jetzt - nach unzähligen Underground-Parties als Resident-DJ von Jungle Fever - ist er der DJ Manager der Radiostation, der sich um neue Talente zu kümmern hat. Alles über Brockie ist das noch lange nicht: nachdem er schon mehrere Dj-Awards gewonnen hat und sich selbst eigentlich hauptsächlich als Dj sieht, hat Brockie vor zwei Jahren sein eigenes Label gegründet - Undiluted - um jetzt auch als Producer seinen Sound unter die Leute zu bringen. Ende Dezember dürft ihr euch von der Qualität seines Labels gleich selbst überzeugen, da kommt nämlich das bisher vierte Release auf Undiluted Recordings heraus: Showdown EP mit Tracks von Brockie, Ed Solo und Kane, sowie einem V.I.P.-Remix von "Showdown" (Undercover Agent). Bis dahin könnt ihr lesen, was uns Brockie so über Kool FM, sein neues Label und über das Deejayen erzählt hat.

Kool FM. 94,5. Hier fing Brockie's Drum'n'Bass-Karriere an. Aufgelegt hat er ja vorher schon, und zwar Hip Hop, Soul, Swing und Ragga, bis ihn dann der neue, darke Sound gepackt hat und es um ihn geschehen war. Er war von Anfang an beim Radio dabei und baute somit auch das Profil der Radiostation mit auf. Im Laufe der Jahre wurde Kool FM immer bekannter und setzte die Trends. Auch deren Parties wurden immer heftiger, die Flyers immer größer und Brockie war ein Teil von dem und zwar ein ganz bedeutender.

Brockie: "Ich glaube es war 1994 als das Ding so richtig ins Laufen kam für mich. Das war, als das ganze Konzept von Jungle sich zu ändern begann. Ich kann mich noch speziell an das erste Rave erinnern, es war eine Kool FM Party in Ashwin Street, wir haben aber auch ein paar in Coventry gemacht mit Jungle Fever. Wir haben so viele verschiedene Events selbst gemacht und haben uns kaum um was anderes gekümmert. Als uns gewisse Leute dann endlich wahrnahmen, hatten wir schon unser eigenes Ding aufgebaut. Wir hatten unsere eigene Musik und unser eigenes Publikum."


Du bist ja jetzt schon seit über 9 Jahren bei Kool FM. Wie wichtig ist dir die Sendung noch?

Es ist schon noch sehr wichtig, weil die Zuhörer einfach meine Musik hören. Auch generell bei der Radiostation ist die Atmosphäre ziemlich gut.

Meinst du mit deiner Musik jetzt dein neues Label? Kannst du uns ein bißchen etwas darüber erzählen?

Ja, ich habe Undiluted vor zirka zwei Jahren gegründet. Seit dem sind ein paar Releases herausgekommen. Z.B. habe ich gemeinsam mit Ed Solo zwei Tracks aufgenommen, namens "turntable1" und "dangerous". Dann ist noch was von Dj Kane und Genotype erschienen. Ende Dezember kommt dann eine EP raus, mit einem Undercover Agent-Remix, und Tracks von mir, Ed Solo und Kane.

Warum hast du eigentlich ein eigenes Label gegründet?

Es ist ein Weg, sich selbst in Musik auszudrücken. Du bringst einfach mehr Vibes rüber. Viele Leute, die von mir bis jetzt nichts wußten, werden vielleicht durch mein Label auf mich aufmerksam. Am Anfang waren DJs einfach DJs und Producer waren Producer, die glücklich darüber waren, wenn die DJs ihre Tracks gespielt haben.
Nun hat sich das alles geändert, und viele Producer legen auch auf. Manche von ihnen spielen dann die ganze Zeit nur ihre eigenen Veröffentlichungen, was, meiner Meinung nach nicht so gut ist, weil die Szene ja nicht nur von einem geprägt wurde. Für mich bedeutet das eigene Label auch finanzielle Absicherung. Es unterstützt mich und meine Familie.


Deine Familie?

Ja, ich habe eine Frau und Kinder. Ein Tochter ist 15, und dann noch einen siebenjährigen Sohn und einen zweijährigen. Leider sehe ich sie im Moment nicht so oft, weil ich dauernd unterwegs bin. Früher war die Musik ja nur ein Hobby für mich, aber mittlerweile ist sie mein Job.

War es eigentlich schwierig, ein eigenes Label zu gründen?

Nein, nicht wirklich. Labels schießen ja wie Pilze aus dem Boden. Es ist viel schwieriger, gute Musik zu produzieren, mit Qualität, als ein Label zu gründen. Wir sind gerade erst dabei, das Label etwas bekannter zu machen, es aufzubauen. Das passiert sehr langsam, wir haben ja alle Zeit der Welt. Die Qualität der Musik ist uns wichtig, auch wenn wir dann vielleicht für einen Track einen Monat brauchen.

Wie schaut es mit der Distribution aus?

Die Platten werden weltweit vertrieben, derzeit haben wir ca. 60 Prozent im Ausland verkauft, und den Rest in England. Ich mache die ganze Arbeit selbst, oft werden die Platten auch von den Kool FM Djs und Hype und Mickey Finn bekannt gemacht und gespielt.

Siehst du dich selbst eigentlich mehr als DJ oder als Producer?

DJ! Ich liebe es, Leute zum Lachen und zum Tanzen zu bringen. Ich will damit Leute glücklich machen, das ist meine Aufgabe. Früher war meine Einstellung eigentlich ganz anders. Ich dachte immer "die machen die Musik und ich lege sie dann auf", jetzt ist es schon fast automatisch so, daß, wenn du auflegst, auch ein eigenes Label gründest und ein Studio hast. Das Studio bleibt mir dann auch, auch wenn ich in 20 Jahren vielleicht keinen Drum'n'Bass mehr machen werde. Es wird einfach viel mehr Augenmerk auf Leute gerichtet, die beides tun - produzieren und auflegen.

Also du produzierst in deinem eigenen Studio?

Ja, ich habe ein eigenes Studio und wir produzieren so oft wir können. Ed Solo macht den tontechnischen Teil, das heißt er ist für die ganzen technischen Dinge verantwortlich. Die Atmosphäre ist aber ganz entspannt, weil er auch ein guter Freund von mir ist. Daher macht das ganze auch Spaß, es herrscht nicht so eine eiserne Arbeits-Atmosphäre. Wir sind meistens viermal pro Woche im Studio, aber, wie gesagt, wir haben ja alle Zeit der Welt und setzen uns nicht unter Druck. Ich lege auch vier- bis fünfmal pro Woche auf.

Wie schaut es mit der Distribution aus?

Die Platten werden weltweit vertrieben, derzeit haben wir ca. 60 Prozent im Ausland verkauft, und den Rest in England. Ich mache die ganze Arbeit selbst, oft werden die Platten auch von den Kool FM Djs und Hype und Mickey Finn bekannt gemacht und gespielt.

Was macht deiner Meinung nach einen guten DJ aus?

Wenn du die Musik liebst und auch das, was du damit machst. Man soll sich immer daran erinnern, daß man dafür gebucht wird, Leute zum Tanzen zu bringen und sich nicht durch sein eigenes Ego führen lassen. Manche Djs glauben einfach, daß sie Götter sind, und sich alles erlauben können. LTJ Bukem z.B. spielt alles, was ER will, aber er blieb immer dabei und macht Qualitätsmusik. Von diesen gibt es aber nur wenige.

Bereitest du ein Set meist vor oder überläßt du alles dem Zufall?

Ich habe eine ungefähre Idee von dem, was ich mache, aber es ist nichts wirklich vorbereitet. Ich schaue einfach, was gerade in meiner Box ist, dann schaue ich in die Menge, schaue, was passiert. Ich "übe" auch nie wirklich zu Hause. Meine Übung ist meine Radiosendung jede Woche.

In den letzten fünf Jahren habe ich mich nie zu Hause hinter die Decks gestellt bevor ich zu einer Party gegangen bin. Ich schaue einfach, was passiert. Daher sind auch keine meiner Sets exakt dasselbe. Manchmal denke ich mir, daß ich heute ein gutes Set gespielt habe, aber wenn ich mich dann zu erinnern versuche, habe ich alles vergessen.


Du bist ja auch bei der Jungle Fever-Crew als Resident dabei. Aus wievielen Leuten besteht Jungle Fever eigentlich?

Jungle Fever ist eine Partyorganisation, die aus ca. 10 DJs und 5 MCs besteht und über die Jahre hinweg halt ihre legendären Parties veranstaltet. Diese sind auch nicht nur in England, sondern man kann Jungle Fever überall auf der Welt buchen.

Du arbeitest ja auch schon lange Zeit mit MC Det zusammen. Ihr seid gemeinsam immer bekannter geworden. Arbeitet ihr jetzt noch immer zusammen?

Det ist ein super MC, einer der besten. Er hat mit dem ganzen "B-B-B-r-o-c-k-i-e" Zeugs angefangen, und das ist bei den Leuten hängengeblieben, sie haben es wegen seiner tiefen Stimme immer wiedererkannt. Im Moment zieht Det mit Red Snapper durch die Gegend und ich mache mein eigenes Ding, aber wir sind ein Team. Wir haben schon so lange zusammengearbeitet und wir werden es sicherlich auch wieder tun.

Wie siehst du deiner Meinung nach die Entwicklung der englischen Drum'n'Bass-Szene und was hältst du im Vergleich dazu von der deutschen?

Die Drum'n'Bass-Szene wächst noch immer, es kommen immer mehr Leute zu den Parties und das ist ein sehr positives Zeichen. Deutschland hat auch eine verrückte Szene, die sich sehr verbessert hat. Die DJs legen wirklich sensationell gut auf, die kann man nicht so leicht täuschen. Generell glaube ich, daß die Drum'n'Bass-Szene immer größer wird und sich dadurch auch die Musik sehr verbessert.

Interview: Barbara Wimmer aka Shroombab (Dezember 1999)
Das Interview erschien im Januar 2000 im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
24.11.2017, 11:56 h | 2 Junglists online