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Roni Size - out of Bristol


Zuerst waren wir ein wenig erstaunt, daß Roni Size in das Berliner WMF eingeladen wurde , denn da lief zwar schon immer ein bißchen Jungle, aber viel zu brav und auch zunftgemäß anständig kaputtgemixt, damit sich die wunderschönen Grunewalder Vorstadt Girlies nicht die hochhackigen Schuhe verknicken . Aber schließlich hat Roni ein paar Remixe für Mo'Wax gemacht, kommt außerdem aus megahip City Bristol und ist nebenher einer der Erstliga Produzenten der Insel. Und so einer gehört natürlich gerade in Clubs wie das WMF. Das Publikum war auch gar nicht erschreckt, sondern mehr entzückt, als Roni zeitweilig harten Drum & Bass aufgelegt hat, denn wenn einer mit einem großem Namen und umso mehr Verstand das macht und auch noch einen MC Dynamite dabei hat, der dem Publikum auch noch Wichtigkeiten wie Dubplate und Reload erklärt, hat es schon seine Richtigkeit. Das hervorragende Set von Roni war vielseitig und sorgte für eine erstaunlich unverkrampfte Stimmung, so daß nicht einmal ein kurzzeitiger Anlagenausfall irgendetwas veränderte. Wir sprachen also ein wenig mit Roni , und mußten feststellen: Keine Attitüden, sondern einfach cool.

Es kam raus ,daß er eigentlich erst seit zweieinhalb Jahren Jungle zusammen mit DJ Krust und DJ Di e produziert, bekanntermaßen drei Labels mit einem sehr selbstständigen Sound betreibt, nämlich V-Recordings für die aktuellesten Entwicklungen, Full Cycle für die jazzy Tunes und Dope Dragon für die harten Tracks, demnächst sogar eine LP auf Talking Loud veröffentlicht und dann gab es noch einige andere Antworten auf gewisse Stichwörter.....


Bristol und der Trip Hop Hype?


Das ist doch alles Quatsch. Es gibt nur gute und schlechte Musik. Gute Musik wird irgendwann wahrgenommen. Es gibt einfach gute Acts in Bristol wie Massive Attack, uns, aber auch Gitarrenbands wie die Blue Aeroplanes. Es gibt aber natürlich auch genauso viele schlechte Acts in Bristol.

Der Bristol Hype ist keine Junglesache, keine Rocksache, und erst recht keine TripHop-Sache. Es geht schlicht und ergreifend um gute Musik. Was uns aber alle verbindet sind die Bristol-Vibes. Wir sind anders drauf als vergleichbare Leute in London.


Unterschiede zwischen Bristol und London?

120 Meilen Entfernung! Wenn du von Bristol nach London gehst, wirst du immer hektischer. London ist für mich der Kern der Welt. Alles ist einfach unheimlich schnell. Die Menschen laufen schneller, reden schneller und denken schneller. Kommst du aber von London nach Bristol ist es genau umgekehrt. Du beruhigst dich und läßt dir Zeit. Das macht sich auch in der Musik bemerkbar. Das Motto: Mellow out & chill. In London kann man nicht chillen. In London muß man der Konkurenz immer einen Schritt voraus sein, sonst bist Du aus dem Rennen.

Aber Veröffentlichungen?


Ich bin nicht sicher wie viele Tracks ich gemacht habe. Vor etwa einem Jahr habe ich ständig Remixes gemacht. Da habe ich dann irgendwann den †berblick verloren. Das ist jetzt aber vorbei, denn ich habe seit vier Monaten niemanden mehr geremixed und konzentriere mich nur noch auf eigene Releases.

Kommende Projekte?

Vor kurzer Zeit habe ich einen Vertrag für ein Album auf Talking Loud unterschrieben. Und dann mache ich noch eins mit DJ Krust und DJ Die zusammen. Außerdem werde ich weiterhin Sachen für V und Full Cycle machen. Und dann steht noch die Umsetzung der Sache auf der Bühne an und wir proben mit Drummer und Bassist. Das wird die erste pure Drum & Bass Gruppe.

Die Arbeit im Studio?

Versuche nie im voraus etwas zu planen. Drücke eine paar Knöpfe und warte was passiert. Es gibt soviel zu lernen im Studio.

Synthesziser?

Diese Keyboards fasse ich nicht an. Mein Konzept ist: Finde einen Sound und ab damit in den Sampler.
Im Sampler haben die Sounds die Möglichkeit, einen völlig neuen Vibe zu bekommen...


Yo!

Interview: Thaddi (September 1996)
Das Interview erschien 1996 im Berliner D&B Magazin "easy" und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
24.11.2017, 02:42 h | 8 Junglists online