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4 Hero aka Mark & Dego


Ihr habt mit als Erste Hardcore gemacht. was haltet Ihr im Rückblick von dem Weg, den er gegangen ist?

Mark: Ich glaube, daß die Art, wie Hardcore sich jetzt noch entwickelt, genug ist, um ihn zu einer der wichtigen musikalischen Kräfte zu machen. Und so wird es auch in den folgenden Jahren bleiben. Er ist langsam so stark wie Hiphop, und das heißt schon was, denn Hip Hop gibt es ja jetzt seit fast 15 Jahren!

Welches waren Eure ersten Projekte?


Dego: 4 Hero. Die ersten drei Releases, die wir damals hatten, waren 4 Hero-Sachen. "Combat Dance", "Rising Son" und die "Scourcher". Dann haben wir auch andere Namen und andere Acts genommen. Viel später kam dann das Tom-&-Jerry-Label dazu und mein Technolabel, Reflective Rec. Das ist allerdings nicht das Ambientlabel aus den Staaten.

Wir wußten nichts von dem. Nookie hat auch einen Track dafür gemacht.

Mark: Dego hat sogar noch ein Hiphop-Label.
Dego: Stimmt, ist allerdings nicht so viel erschienen in der letzten Zeit.

Ihr produziert also verschiedene Arten von Musik.

Dego: Wir machen Musik. Wir kümmern uns nicht drum, wie's genannt wird.

Auf Reinforced-Platten ist zuweilen der ein oder andere Hiphoptrack versteckt.

Dego: Das sind wohl unsere Roots.

Was ist das Image hinter den einzelnen Acts?

Dego: Eigentlich sind das eher musikalische Unterschiede, und die hört man ja dann auch sehr deutlich, es ist eigentlich kein Image- Ding. 4 Hero hat aber wohl ein Konzept hinter sich, und das unterscheidet es dann auch von allen anderen Sachen. Unser wichtigstes Projekt. Alle anderen sind eher danceorientiert. Die letzte 4 Hero ist 2 Jahre alt - wir haben uns davon wegbewegt.

Wie greift man so ein Konzept wie 4 Hero, und die Vision, die dahinter steckt?

Dego: 4 Hero ist schon Jungle, aber in Anführungszeichen. Ganz verschiedene Leute aus verschiedenen Bereichen mögen das. Es hält sich an keine Kategorien.

Als "Parallel Universe" rauskam, wurde es völlig unterschätzt. Heutzutage kann man es ohne Probleme spielen.

Mark: So kanns gehen...
Dego: Als die Platte erschien, war jeder auf dem "Jungle"-Trip. Das war wohl der falsche Zeitpunkt, ein eher stilles Album zu veröffentlichen, aber jetzt fangen alle wieder an, über dieses Intelligent Ding zu reden.
Mark: Jetzt kommt dieser Sound unter dem Label "Intelligence". 4 Hero waren immer ihrer Zeit voraus, und einige Leute verstehen auch den Einfluß, den wir haben. Wir machen nie, was gerade "in" ist. Finanziell brauchen wir allerdings das Backing von Tom & Jerry und den anderen Sachen. Das ist immer ein Teil der Diät dessen, was bei Reinforced passiert. Man muß seine Experimente supporten. Wir haben ja alles alleine gemacht, und wenn sich dann mal eine 4 Hero tatsächlich gut verkauft, ist es wie ein Geschenk.

Was bedeutet das parallele Universum für Euch?

Mark: Einer der Gründe ist, daß wir immer diese Spiegelung haben. Wir sehen immer Reflektionen von dem, was wir machen. Reflective. Die beiden, oder noch mehr verschiedene Stile. 4 Hero ist woanders. Die gleichen Sounds, die gleichen Tempi aber etwas völlig verschiedenes. Space ist auch irgendwie das Thema der LP. Science Fiction. Das hatten wir immer. Zuviele Bücher und Scifi Filme gesehen. Die Zukunft eben, das ist es, was uns interessiert.

Was ist Dein Lieblings-TV-Programm?

Mark: Discovery Channel. (alle lachen....) Doch, ist wahr!
Dego: Mir gehen diese Tierfilme auf die Nerven.

Glaubt Ihr, Ihr könnt mit der Musik auch gleichzeitig ein visuelles Element heraufbeschwören?

Dego: Ich denke eher, daß die Leute ihre Bilder selber entwickeln. Natürlich provozieren harte Tracks eher ein Bild, das man vielleicht mit düsteren, darken Stimmungen assoziiert und warme, weiche Sounds wirken anders, aber wirklich bestimmen läßt sich da nichts und soll auch nicht.
Mark: Irgendwie fühlt man sich, wenn man die Tracks produziert,
als Regisseur. Wie bei der Golden Age EP, die ja eine Geschichte hatte; vom Krieg zu einer friedlichen Gesellschaft zu gehen, und die Tracks haben das ausdrücken wollen. Man nimmt einen Sound, dem man ein Feld zuordnet. Wir haben ein starkes visuelles Gefühl, wenn wir die Tracks machen, aber wie es dann tatsächlich aufgenommen wird, ist uns nicht ganz klar. Das Artwork ist vielleicht eine Möglichkeit, Bilder in gewisse Bahnen zu lenken. 4 Heroes, die wie auf der golden Age von der dunkleren Seite des Planeten zu der lebendigen gehen. Ich stelle mir 4 Hero gerne als Cartooncharakter vor. Wir wollten das als Video machen, aber....

Ihr seid nur zwei.

Mark: Und unsere Parallelen.

Glaubt Ihr, dass Ihr Euch von der Hardcoreszene weiter entfernen werdet?

Dego: Wir waren da von Day One, und wir sind einfach was eigenes. Mittlerweile haben wir wahrscheinlich mehr zu tun mit der Technoszene als mit Jungle, wir sind einfach anders. Man kann sich auf nichts verlassen und also nichts vorhersagen. Wenn Leute fähig sind, etwas anderes für wichtiger zu halten als das immer gleiche, dann vielleicht.
Mark: Es braucht auch gewisse Umstände, um 4 Hero zu hören. Vielleicht, obwohl ich CDs echt nicht leiden kann, ist es wirklich CD- Musik. Auf Raves könnte das doch ganz schön irritierend sein.

Warum sollten Raves immer nur simple Musik zeigen?

Dego: Es ist zum Tanzen. Man will high werden. Aber manche DJs schaffen es, Dich durch Stimmungen zu tragen und trotzdem ein angenehmes Gefühl zu verbreiten. Die meisten DJs wollen aber wirklich nur Rewinds hören und ihr Big Up (raggaspr. für Lob) bekommen. Wer bekommt die Crowd dazu, am meisten abzugehen. Die haben einfach keine Balls (engl für Hoden, im übertragenen Sinne auch Mumm) mehr, die DJs von heute. Wenn ich auf einem Rave bin, dann garantiere ich Dir, daß ich bei jedem DJ mindestens Zwanzig der Platten kenne, die jeder in seiner Tasche hat. Fast keiner hat mehr eine Persönlichkeit. Nur ganz wenige.
Mark: Der DJ, der es schafft, nur mit Dubplates und Tracks, die wirklich niemand kennt, das Publikum zu halten, der hat wirklich seinen Namen verdient. Es gibt diese Formalitäten, die wirklich jeder DJ einhält und genau diesen Risikofaktor dessen, was wir als 4 Hero machen, ausschließt. Aber dann sind wir auch wieder die letzten, die auf einem Rave nicht abgehen würden, nur weil immer die gleichen Tracks laufen.
Es ist einzigartig, dass in der Hardcoreszene mittlerweile die Tracks Top sind, die auch von Der technischen und musikalischen Seite am weitesten gehen.
Mark: Das war allerdings nicht immer so, und das, was wir gemacht haben und für sehr wired hielten, ist jetzt schon Mainstream. Aber wir werden den nächsten Step machen. The new Sound.

Was ist der?

Dego: Abwarten.
Mark: Wir haben ja eben mal über Timestretching geredet. 4 Hero waren die ersten, die es benutzt haben, aber nur einmal, dann nie wieder. Das hat einen ganzen Wahn losgesetzt, und bei "Terminator" erst mal! Der Beginn der Dark Ages. Jetzt machen die Leute sehr viel mit Muting. Im Grunde ist es wie bei Techno. Es gibt die Innovator, und dann will man einfach auch nichts anderes mehr machen. Immer auf der Suche nach neuen Tricks.

Und den technischen Verbesserungen der Hardware.

Mark: Ja. Jeder in der Szene hat soviel gelernt.
Wir haben ja auch immer sehr viele analoge Synths benutzt und neue Keyboards und immer die benutzten Instrumente aufgelistet, damit alle sehen können, was wir benutzt haben. Bei Techno wird das auch sehr gerne gemacht. Mark: Das ist alles eine Soundfrage. Und eine, die sich immer weiter vom Song wegbewegt.

Ist Goldie noch bei Euch?

Mark: Im Grunde schon, er hat allerdings jetzt mit seiner LP zu tun und ist unglaublich busy. Er schließt sich regelrecht ein, um das wirklich zu einem Meisterwerk zu machen, der Druck ist ja auch sehr groß und die Erwartungen.

Jeder macht jetzt eine LP.

Dego: Als wir Parallel Universe gemacht haben, hat uns jeder gesagt, daß man genau das nicht tun kann, eine Hardcore LP. Aber jetzt wollen es alle machen. Eine LP war für uns aber wichtig, weil sie mehr Insight vermitteln kann. Persönlicher ist.

Wenn Ihr einen Einfluss darauf hättet, welche Art von Instrumenten sollte jemand endlich mal entwickeln?

Dego: Oh! > Ein Keyboard, das die verrücktesten Sounds hätte, etwas, das niemand sich vorstellen kann.
Mark: Einer neue Generation. Wir können ja alle kein Piano spielen. Sachen wie das physical Modelling sind eigentlich genau dazu da, Leute zu Musikern zu machen, die keine sind.

Mit welchen Technoproducern fühlt Ihr Euch verbunden?

Dego: Leute wie Mad Mike, Juan Atkins,
Dan Curtin, solche Leute. Wir haben gerade zwei Tracks mit Juan Atkins gemacht. Einer wird auf seiner LP erscheinen, einer auf unserer. Die Pioniere unter sich. Eigentlich ein cleverer Zug. Die Leute haben lange genug gesagt, daß man die beiden Sachen nicht miteinander mixen sollte, Hardcore und Techno, aber da ist jetzt alles anders.

Wie kam denn der Kontakt mit Juan Atkins zustande?

Mark: Wir haben ihn in Detroit getroffen.
Dego: Ich hab nie mit ihm in Detroit geredet. Ich hab ihn auflegen hören.
Mark: Ich dachte, Du hättest mit ihm geredet.
Oh verdammt, das war Eddie Flashin Fowlkes...
Dego: Stimmt, wir waren in Detroit
mit Kevin Saunderson unterwegs. Wir haben Mad Mike und die ganzen Leute getroffen.

Wann war das?

Mark:92 meinte ich, wir hatten ja eine Platte auf KMS, "Manix" und haben drüben ein paar PAs gemacht. In Detroit und Cleveland. Seitdem sind wir in Kontakt geblieben.
Es könnte auch in Detroit funktionieren, Hardcore, das Tempo wäre kein so großes Hindernis mehr, weil sie ja gerade durch diese Miami-Bass-Phase gehen. Miami Bass ist ja auch so ein schneller Hiphop Beat, und außerdem haben sie noch diesen neuen Electrosound. Aber es gibt noch mehr Verbindungen. Goldie hat die letzte "Scarface" 12" geremixt, wir werden die nächste machen. Was mit Reggae geht, geht auch mit Hiphop.

Ist schon seltsam, dass Jungle soviele Szenen zusammenbringen kann.

Mark: War ja von Anfang an auch ein sehr hybrides Thema. Breaks aus Hiphop und das Technotempo. Aber jeder findet die Arten von Musik wieder, die er sucht.

Gibt es auch eine Verbindung mit der Londoner Technoszene? Oder mit der Triphopszene?

Dego: Keine Ahnung. Ich kenne viel mehr Leute in Detroit, die Techno machen, als hier in London.
Mark: Die Leute von Talking Loud und Mo Wax scheinen sich sehr für Jungle zu interessieren. Alles, was mehr aus der Jazzecke kommt. Das funkioniert auch viel besser als die Raggageschichte. Warp hatte auch schon eine Beziehung dazu, am Anfang zumindest. Nightmares on Wax z.B. Das ist alles auseinander gedriftet und findet jetzt erst wieder zusammen.
Im geringen Masse passiert das auch schon auf den Mo Wax Parties. Hiphop, Jungle und Jazz passen plötzlich wieder zusammen.

Was macht Ihr als nächstes?

Dego: Unser R&S-Album müßte so langsam rauskommen. "Jason's Optical Stairway".
Wie wird die sein?
4 Hero, aber auch Jazz und auch Techno.
Hat es Breaks?
Mark: Ja, klar. Ich hätte gerne mal einen Live-Drummer.

Am Donnerstag soll einer im Speed gewesen sein.

Mark: Wirklich?
Dego: Das hab ich mal im Limelight gesehen. Kann gut sein.
Mark: Alles ist möglich.

Das Interview erschien im Mai 1995 im Frontpage Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Thanks to Jürgen Laarmann!
18.04.2014, 01:35 h | 11 Junglists online