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Rob Playford
Goldies Kopfstütze


1995: Rob Playford ist Chef und Gründer von Moving Shadow, einem der ältesten und einflussreichsten Breakbeat-Labels, das mit Künstlern/Projekten wie Foul Play, Omni Trio, Deep Blue, Dread Bass, DJ Pulse, Blame, Dead Calm, DJ Harmony, Essence Of Aura, JMJ & Richie, Flytronix und Aqua Sky traditionell die Nase vorn hat. Rob Playford ist ausserdem der Engineer des Goldie-Albums, Mitbesitzer des Section 5 Plattenshops, ein Hardcore-Fan seiner eigenen Musik und ansonsten ein höflicher Engländer wie er im Buche steht.

Was ist die Philosophie von Moving Shadow?

Ständige Weiterentwicklung Wir sind immer an der vordersten Front. Wir alle leben in der Szene und reflektieren, was in dieser Gemeinschaft von Leuten passiert. Wenn ich eine Platte raus bringe, habe ich gern ein bisschen von heute mit einem bisschen von morgen.

Wo ordnest du den Moving Shadow Sound von heute ein?

Wir konzentrieren uns im Moment auf einen Sound, der sich in den letzten anderthalb Jahren entwickelt hat. Es gibt andere Labels wie Good Looking und Metalheadz, die ebenfalls diese Vibes haben. Für mich ist das, was wir machen, im Grunde House. Im Moment haben wir sehr viele Jazz-Einflüsse. Ganz anders als vor zwei, drei Jahren.

Moving Shadow Platten klingen nie sehr offensichtlich und bauen auf keinen Gimmicks auf. Eine Platte wie "Dread Bass", die letztes Jahr den Würge-Bass einführte, finde ich vom heutigen Standpunkt aus eher untypisch. Als sie raus kam, war sie einzigartig. Sie wurde erst gimmickhaft, als alle andern anfingen, auf diesen Sound abzudröhnen. Mit dem "Helicopter Tune" von Deep Blue war es genauso.


Magst du den "Dread Bass" Bass-Sound heute noch?

Nicht besonders, er ist ein bisschen ausgespielt. Als ich ihn zum ersten Mal hörte, war ich mit meinem Freund Andy C im Paradise Club. Kenny Ken spielte ihn und die Leute kamen überhaupt nicht zurecht. Wir fragten uns "Was zum Teufel ist das?" In derselben Woche traf ich zufällig Asend & Ultravibe, die Typen, die den Track gemacht hatten. Sie selbst waren gar nicht so überzeugt von der Platte und ich musste sie quasi überreden, den Tune bei Moving Shadow rauszubringen.

Unser "Problem" ist, dass wir oft zu schnell sind. Doch inzwischen kapieren die Leute, dass sie uns vertrauen können. Wir haben immer schon Sachen rausgebracht, mit denen erst niemand etwas anfangen konnte und die am Ende echte Klassiker wurden.


Was ist die Idee hinter euren "Voodoo Magic"-Parties im Equinox?

Mit "Voodoo Magic" versuchen wir das gesamte Spektrum von Jungle rüberzubringen. Wir wollen eine ähnliche Stimmung erzeugen wie 89/90. In den letzten zwei Jahren hat das irgendwie gefehlt. Für die Promoter ist es zu serious geworden, seit es wirklich um Geld geht. "Voodoo Magic" versucht so zu sein wie damals, als wir einfach eine verdammt gute Zeit im Club um die Ecke hatten.

Welche anderen Clubs kannst du zurzeit empfehlen?

Eigentlich nur zwei: "Speed" im Mars und Goldies "„Metalheadz Club" im Blue Note Cafe. Sie haben dieses neue Etwas, das sich gerade durchsetzt. Wenn ich könnte, würde ich selbst so einen Club machen, aber es ist ziemlich schwer, eine Venue zu finden.

Warum?

Der Sound bei "Speed" und im Blue Note wird immer beliebter, so dass es dort inzwischen hoffungslos überfüllt ist. Man brauchte grössere Venues, doch dann tritt man in Konkurrenz zu den House-Clubs.

Die House-Clubs sind also auch in London immer noch größer?

Ja, House ist der kommerziell erfolgreichste Sound.

Ich bin immer ein wenig überrascht, wenn ich in London bin. Auf der einen Seite ist Jungle absolut präsent und entspricht total der Stimmung der Stadt. Club-mässig aber ist das Angebot an House viel größer.

Das liegt an den Promotern, die in den House-Clubs arbeiten. Sie haben ihre nette House- und Garage-Crowd und wenn du sie auf Jungle ansprichst, kriegen sie irgendwie Schiss. Ich weiß nicht, was sie von einer Jungle-Crowd erwarten, denn es gibt da überhaupt kein Problem. Sie denken, es gibt den gleichen Stress wie bei HipHop-Parties, aber das ist Quatsch.

Warum zieht ihr jetzt mit Moving Shadow von Stevenage nach Soho?

Unsere alten Räume waren einfach zu klein und es nervt auf Dauer, jeden Tag 35 Meilen nach London rein zu fahren. Deshalb verlagern wir die gesamte Organisation ins Zentrum. Für mich hat das aber auch eine persönliche Komponente. Denn genau dort, in Clubs wie dem Astoria und dem Rage, fing für mich alles an.

Ist es ein bisschen so wie: Die Musik der Vorstädte erobert sich das Zentrum?

Ja, wir schlagen zurück. Am Anfang wurden wir von den Behörden und den Clubs unterdrückt, doch wir haben uns nicht beirren lassen, weil wir wussten, was wir wollten. Heute füllen wir einmal im Monat den besten Club im Westend und können unsere Büros dorthin verlagern. Nicht, dass wir das so geplant hätten, aber es ist schon schön, etwas zurückzubekommen.

Eine "extended version" dieses Interviews erschien in easy #3.
Das Interview erschien 1995 im Spex Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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24.10.2014, 11:30 h | 3 Junglists online