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Jumpin' Jack Frost
Keep Drum'n'Bass Sexy!


Jumpin' Jack Frost ist ein DJ mit Reputation. Ein "Sarf London rude bwoy", mit dem nicht gut Kirschenessen sein soll. Zusammen mit seinem Partner Bryan Gee betreibt er V Recordings, ein Qualitäts-DJ-Label, das Roni Size, DJ Krust und DJ Die groß gemacht hat und nur allerbester Future Funk an der Schnittstelle von Jump Up und Drum'n'Bass releast. Mit „Classics“ haben Frost und Bryan Gee jetzt ein hervorragendes Album mit überwiegend neuem Material von Roni, Krust, Die, Lemon D, Dillinja, Goldie, Ray Keith, Bill Reily und Suv zusammengestellt.

Ich treffe in Köln auf einen ausgesprochen freundlichen und relaxten Frost beim Zwischenstopp von London nach Nürnberg.


Du warst gerade zusammen mit Grooverider, Kemistry & Storm, Fabio, Mickey Finn und Cleveland Watkiss auf einer Tour Eurer Booking-Agentur Groove Connection. Seid wann bewegst du dich auf dem internationalen DJ-Circuit?

Jumpin' Jack Frost: Schon ewig. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal im Tresor in Berlin gespielt habe, das war als die Mauer runterkam. Ich habe heute noch ein Stück davon zu Hause. Oder das „Omen“. Dort traf ich einen echt coolen Typen, der sich DJ Off oder so nannte. Erst Jahre später fand ich raus, dass das Sven Väth war. Damals spielte ich noch Techno, als die Musik noch wirklich sexy war. Techno wurde mir dann irgendwann ein bisschen zu verrückt, und ich spielte ein wenig Trance, bis es zu trancy wurde. Das war der Zeitpunkt, als wir anfingen, unsere eigene Musik zu entwickeln.

Ich kenne Dich bisher leider nur von Mixtapes. Wie wurdest du Deinen Style heute beschreiben?

Ich habe eine Show auf „Kiss FM“. Sie heißt „The Conference“, und die bringt es am besten auf den Punkt. Mein Style ist das Beste aus allen Styles. Ich liebe Jazz, ich liebe den darken Style - und natürlich V. Die Basis meines Sets ist der einzigartige Sound von V. Sehr sexy, mit Jazz und darken Beats. Ich spiele mittlerweile lieber für Frauen als für Typen.

Kann ich gut verstehen. Gerade im Moment erlebe ich immer wieder, dass man bei zuviel so genanntem Techstep nach einer Zeit fast nur Typen auf der Tanzfläche hat.

Manchmal gerät es wirklich zu einem „Boy's Thing“: Äh-äh-ähh (imitiert eine Reece-Bassline), T-Shirts aus und all das. Ich habe es lieber, wenn die Girls zum Zuge kommen, und der Sound von V scheint mir mehr auf die Girls ausgerichtet zu sein. Wir versuchen, die Sexiness zurückzubringen.

Ähnlich wie die Full Cycle Sachen zeichnen sich V-Tracks für mich durch eine ganz bestimmte Art von Funkiness aus, die ich nur schwer beschreiben Kann, aber in der Form woanders nicht zu kriegen ist.

Definitiv. Nimm dir die „Bar Rhumba“, wo wir zusammen mit S.O.U.R. den Donnerstag machen („Movement“). Dort gibt es die Heavy Beats, aber eben auch diesen sexy Vibe. Das ist wichtig, denn so hat die Szene angefangen.

Da in den Drum'n'Bass-Clubs kaum Ecstasy genommen wird, musst du diesen Vibe mit der Musik rüberbringen. Es geht darum, wie du dem Set programmierst und das ganze Spektrum von Drum'n'Bass einbringst. Du musst schon verdammt clever sein, um das hinzukriegen.


Wie ist das in der Club- und Rave-Realitat mit 60- oder 90-Minuten Sets möglich?

Wir wissen alle, dass eine Stunde nicht genug ist. Das ist eine der Sachen, die ich an Europa mag. Auf manchen Partys kannst du vier, fünf Stunden spielen und dich wirklich ausdrücken. Das nenne ich ein richtiges Set.

Aber längst nicht jeder DJ ist in der Lage, ein solches Set zu bringen.

Ich denke, das ist eine Generationsfrage. Die Generation von DJs, mit denen ich angefangen habe, Grooverider, Bryan Gee, Carl Cox, Dave Angel, sind das gewohnt. Auf manchen Warehouse-Parties habe ich ganz allein aufgelegt, von zehn Uhr abends bis früh um sechs. Wenn ich aufs Klo wollte, musste ich eine extralange Platte spielen. Viele der jüngeren DJs haben das nie erlebt. Sie stiegen ein, als es längst hieß: „Du von eins bis zwei, und du von zwei bis drei.“ Dabei sind die besten Parties meist die mit den wenigsten DJs.

Lass uns über das Label reden. Was war der Anstoß für das V-Album, abgesehen davon, dass im Moment jeder ein Album macht?

Ständig riefen Leute an und wollten Stücke für Compilations lizenzieren. Als wir dann im letzten Jahr den VIP-Jungle-Award als bestes Label gewannen, meinte Bryan: „Laß uns ein Album machen.“ Aber eins mit komplett neuen Tracks, so dass niemand sagen kann: „Hab ich schon auf 12-Inch.“ Es ist halt Album-Zeit.

Und alle haben geliefert...

Richtig. Natürlich gibt es immer Probleme mit Deadlines. Dillinja mussten wir endlos nachtelefonieren, aber jeder, der auf dem Album ist, hat irre viel zu tun: Goldie, Roni, Krust, Keith, Lemon D, Dillinja, Bill, Die, Suv.

Der einzige, bei dem es nicht geklappt hat, war Peshay. Er hätte den Kreis, den wir mit dem Album schließen wollen, wirklich komplett gemacht. Denn bei V geht es nicht um Jump Up oder Drum'n'Bass oder Jungle oder was auch immer. V steht für V, Punktum.


Ich denke, das Album repräsentiert diesen Ansatz sehr gut. Obwohl sämtliche involvierten Produzenten auch auf anderen Labels veröffentlichen, kommen sie auf eurem Label stets mit hundertprozentigen V-Tunes. Wie schafft ihr es eigentlich, dass es zwischen V und Full Cycle zu keinem Konkurrenzverhältnis kommt? Schließlich habt ihr mit Roni, Krust und Die dieselben Kernproducer.

Es könnte nie zu einer Konkurrenz kommen, denn wir sind ein Camp. Alle unsere Mailings gehen über Full Cycle, und obwohl unsere Büros weit entfernt liegen, stehen wir in ständiger Kommunikation. Manchmal bin ich den halben Tag mit Bristol am Telefon.

Im Moment überlegen wir sogar, die Operation ganz zusammenzulegen, statt bei den Majors zu unterschreiben, selbst eine Art Independent Major zu werden.


Roni und Krust waren gerade in Miami. Glaubst du, dass die Amerikaner auf die Musik einsteigen werden? Wenn überhaupt, dann scheint sich dort momentan eher die Rave-Szene für Drum'n'Bass zu interessieren. Die Hip Hopper sind trotz aller nahe liegenden Connections bisher nicht aufgewacht, was mich allerdings auch nicht wundert. Denn Drum'n'Bass geht die kulturelle und soziale Dimension, die HipHop für Afroamerikaner besitzt, zwangsläufig ab.

Ich weiß nicht, ob die Hardcore-HipHop-Headz drauf einsteigen werden, aber ein paar Leute fangen an zu experimentieren. Roni Size hat seinen Track mit Bahamadia, und Goldie hat ein Stück mit KRS One gemacht. Goldie meinte, er stünde wirklich drauf, und KRS One hat es nun wirklich nicht nötig irgendeinen Scheiß zu machen. Seine Karriere läuft besser denn je.

Also, ich glaube schon, dass sie irgendwann kommen werden. HipHop und Swing sind heute Mainstream, und Dance braucht auch definitiv frischen Wind. Aber ich werde es selbst sehen, wenn ich demnächst drüben bin.


Text: Oliver von Felbert (1995)
Das Interview erschien 1995 im Spex Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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23.11.2017, 02:50 h | 8 Junglists online