Home   Stage   Features

Peshay


From there to there! Von Jazz zu Darkness, von Noise zu Saxophonen und Xylophonen; Peshay ist einer der flexibelsten DJs und Produzenten unter den Rängen seiner Metalheadz und Mo' Wax Mit-Künstlern.

Aber als Sohn italienisch-deutscher Eltern, scheint diesem Londoner namens Fisch, die Gabe sich im heimischen Pool, als auch in fernen Ozeanen wohlzufühlen in die Wiege gelegt worden zu sein. Und nach längerer Krankheit 1996 kehrt Peshay mit einer Spitzenreiter 12", Predator, zu den Metalheadz zurück und beweist, daß er nach wie vor ein authentischer Meister des Eklektizismus ist.


Peshay Part 1: On the Nile

Mittwoch Abend, irgendwann Anfang 1997, im Jazz Café in Londons heimlichem Popstarviertel, Camden Town. In ungefähr einer Stunde wird MC Cleveland Watkiss's Baby, Project 23, ein interaktives Live Drum'n'Bass Spektakel, auf die Bühne treten. Ihr Ziel: die Dämonen des Acid Jazz für eine Nacht aus den vier Mauern des Jazz Cafés zu verbannen, und, für eine Nacht nur, Drum'n'Bass in einen völlig neuen Rahmen zu setzen.

Für den Breakbeat sind nämlich Venues wie das Jazz Café unerforschtes Terrain. Aber nicht mehr lange. Kennzeichneten sich die Jahre 1995/1996 durch den Durchbruch der Metalheadz Clique, und sie bezeichnet sich ganz bewußt als Clique, so steht 1997 im Zeichen der flächendeckenden Präsenz.

Zuerst ist aber DJ Peshay an der Reihe. Seine Aufgabe: ein Publikum von Trendsettern, Medientypen und Skeptikern auf das bevorstehende Event vorzubereiten. Ein Warm-Up für Personen, die ihr Stammlokal unter der Belagerung einer musikalischen Minderheit sehen, ist keine leichte Aufgabe; die Reaktionen der Anwesenden sind dem Drum'n'Bass gegenüber deutlich reserviert. Also erleichtert ihnen Peshay diesen Zwang zum Trend, unter dem sie offensichtlich stehen.

Peshay fängt mit Jazz an. Kein Acid-Jazz, auch kein abgedroschener Quotenjazz, sondern Jazz der pursten Sorte, so rein wie der Schnee, der draußen vom Himmel zu fallen droht. Und es gelingt ihm. Es gelingt ihm, weil Peshay weiß, wie Drum'n'Bass funktionieren kann (und wie es nicht funktionieren kann). Er weiß sein Publikum einzuschätzen, und sich ihm auf integerste Art und Weise anzunähern:

"Ein Style von Drum'n'Bass mag zwar gut für den einen sein, dem anderen mag es aber nicht unbedingt gefallen. Das schöne an Drum'n'Bass ist ja, daß die verschiedenen Styles so vielfältig sind. So ist jeder happy! Ich höre mir alle möglichen Styles an. Ich glaube nicht an nur einem Sound, und das zeige ich auch, wenn ich auflege..."

Und mit diesem Rezept gelingt es Peshay seinen Fuß in der Tür des Jazz Café eingekeilt zu halten, genauso wie es Drum'n'Bass grundsätzlich gelingt, den Fuß in die einstigen House- und Trendstätten Großbritanniens zu bekommen. Hochrenommierte House-Residents dürfen von einem Samstag auf den nächsten ihre Plattenkoffer packen. Der Einzug von Drum'n'Bass Fanfare ist kaum zu überhören!

Inzwischen steht das Metalheadz Wappen über der Leisure Lounge, im Herzen von Londons Clubland, und, vielleicht seit heute, über dem Jazz Café, sowie über der Basis im Blue Note Club, Islington. Und morgen? Weht morgen schon die Metalheadz Fahne über dem Ministry of Sound, oder Cream vielleicht?

"House ist nach wie vor ein ganz anderer Markt. Es ist auch ein massiver Markt. Drum'n'Bass ist eine ganz andere Geschichte, es wird nie diesen Markt übernehmen. Wir sind vielleicht innovativer als diejenigen, die momentan House machen und, wenn jemand, der ausschließlich House hört, unsere Musik auch mag, dann können wir behaupten, daß wir sogar in diesen Markt einbrechen. Wir haben auch Zeit, wir sind nicht in einem Rennen. Solange es sich vorwärts bewegt, ist es egal, ob wir schnell oder langsam im Kommen sind. Ich glaube sowieso, daß viele Leute das, was wir machen, dem bevorzugen, was auf ihrer Seite geschieht."

Peshay weiß wovon er redet. Das Aufsetzen von Jungle Scheuklappen widerstrebt ihm. Drum'n'Bass ist zwar die logischste Folgerung der diversen Einflüsse, die auf die britische Tanzmusik eingewirkt haben, darf aber nicht in das Dilemna verfallen, sich jetzt, zu dem Zeitpunkt an dem es an Eigenständigkeit gewonnen hat, von der Außenwelt abzuschotten. Die Beats, die Breaks sind das Gerüst, den Rest bestimmt der Künstler, im Falle On the Nile ist es Jazz. Eine merkwürdige Offenbarung sowohl für Peshay, als auch für die von Darkness befallenen Metalheadz, aber keineswegs abwegig, wie Peshay erklärt:

"Zur Zeit reden alle von verschiedenen Styles von Drum'n'Bass: Jungle, Intelligent, Jump-Up, Hardstep, Techstep, usw. That's all Bullshit! Für mich existieren nur zwei Sorten Musik: Gut und Schlecht. Ich achte nicht darauf, wie es genannt wird. Die Presse versucht die Musik abzustempeln, versucht Namen zu diktieren. Letzten Endes sind es Breakbeats, Beats, und was auch immer drum herum ist, ist drum herum. Wenn es gut ist, spiele ich es auch. Mir macht es nichts aus, ob es jazzig, dark oder sogar Hip-Hop ist. Ich will den Leuten zeigen, was es alles gibt."

"Dasselbe gilt für Metalheadz. Wenn Goldie etwas gut findet, bringt er es heraus. Ich habe schon immer verschiedene Musikstile gehört; früher war es Jazz, Rare Groove, Soul, Electro, Hip-Hop, Techno, House, usw. und ich höre heute noch alle möglichen Musikarten. Wo glaubst Du, bekomme ich meine Inspiration her? "Deshalb hat mich Cleveland Watkiss für seinen Gig heute Abend gebucht: wiel er weiß, daß ich keine Grenzen ziehe. Ich setze keine Barrieren zwischen Jazz und Darkness..."

Peshay Part 2: Predator

"Im Winter ist es oft so, daß viele Platten eher dark und kalt sind. Predator hat aber eine jazzige B-Seite, On the Nile; so bin ich halt, von dort bis hier ,zur Metalheadz Thinking Music!"

Mittwoch Abend, irgendwann Anfang 1997, im Jazz Café in Londons heimlichem Popstarviertel, Camden Town. Vor ungefähr einer Stunde hat Cleveland Watkiss's Project 23 seine letzte Zugabe vor einem frenetischem Publikum gespielt. Die Stimme von Watkiss ringt zu Peshays zunehmend darkem After-Set immer noch im Ohr:

"Twenty First Century Touchdown with the Drum'n'Bass Sound!"

Wie das Raubtier schleicht Peshays Musik, insbesonders seine neue Metalheadz 12", Predator, um seine Beute, den Skeptizismus. Lange genug wurde ihm dieses Vergnügen verweigert; fast sechs Monate war Peshay 1996 mit Rückenproblemen krank. Fast sechs Monate konnte Peshay kein Blut schlecken. Fast sechs Monate ohne Beute. Heute Abend holt er dies nach. Seine darke Bestie jagt er auf das Publikum los. Die, die jetzt noch da sind, sind auch bereit. Gefesselt hat er sie vor dem Gig, jetzt zerfleischt er sie mit seinen Metalheadz Krallen. Wie er es mit dem ganzen Land, mit der ganzen Welt vor hat:

"Deutschland, Thailand, Kanada, Japan, Australien, Thailand... 1997 werde ich wortwörtlich überall auf der Welt spielen!"

Die Qualifikation dazu hat Peshay sich nach vielen Jahren in der Metalheadz Familie verdient. Die goldene Mitgliedskarte, die Goldie um den Hals trägt und andere sich zur Zeit erarbeiten, ist Peshays Garant dafür, daß er als Ambassador des Drum'n'Bass befähigt ist. Denn Peshay ist kein Bindeglied im Soundtrack, sondern ein unabhängig funktionierendes System. Seine Platten sind keine Tools. Sie sind ein Intro, Höhepunkt und Outro, zusammengebunden in einem autonomen System. Trotzdem legt Peshay viel Wert darauf, mit den Künstlern und DJs, die seine Vision teilen, zusammenzuhalten.

"Ich beabsichtige in einer Einheit mit so vielen Leuten wie möglich zu arbeiten, um mein Ziel, diese Musik zu pushen. Leute wie Doc Scott, Rider, usw., die dieselben Vorstellungen von Musik haben. Ich spreche auch nicht von produzieren. Ich muß mich auf meine eigene LP und auf die nächsten zwei Metalheadz 12"'s, Tribute und Phobia, die im März erscheinen werden, konzentrieren. Danach kann ich mit Goldie oder Photek etwas zusammenmachen."

Im Alleingang, wie 1996 zeigte, kommt niemand voran. Alleine ist man dem Risiko der Stagnation ausgesetzt. Auch 1997 wird zeigen, wer wirklich Überlebender ist, und wer zur Beute der hungrigen, blutrünstigen Majors wird. Peshay zeigt aber Vertrauen: "Wir tun alle, was wir tun müssen. Ich kann nicht auf die Anderen achten, aber ich denke, wir wissen alle, was wir tun!" Und eben deswegen schraubt sich die Clique so eng zusammen:

"Wir müssen die Szene so kompakt halten wie sie ist. Wie kann ich denn jemanden aus einer anderen Szene darum bitten, für mich einen Remix zu machen. Zugegeben, wenn mein Nachbar eine gute Platte prouzieren würde, würde ich sie auch releasen. Aber z.B. Mickey Finn wird nie auf die Idee kommen, für mein Label eine Platte zu machen, weil wir für verschiedene Sachen stehen. Wir können das Ganze nicht zu offen halten, wir müssen das Ganze eng halten!"

Wer unbedingt in die Reihen will, für den existieren trotzdem noch Wege. Sei es über Doc Scotts 31 Records, sei es über Grooveriders Prototype Stempel, oder sei es über Peshays brandneues Label, Elementz. Das eigene Label, das Herzstück eines jeden Künstlers, ist nämlich in den meisten Fällen dazu konzipiert, sich neuem Talent zu widmen. Denn, im Umgang mit den Majors stabilisiert die eigene Firma den Kontakt zum Untergrund, zu dem, was folgen wird, was folgen soll, im Gegensatz zu dem, was verkaufen soll:

"Wenn eine meiner Platten 100.000 Stück verkauft habe ich kein Problem damit, solange es vom Herzen kommt. Wir bleiben aber noch so unabhängig wie wir sein können. Ich habe jetzt gerade mein neues Label, Elementz, mit einer Veröffentlichung von Decoder, aus Bristol, gestartet. Auf dem Label plane ich auch Remix-Projekte von Photek und Source Direct. Ansonsten arbeite ich nur noch für Metalheadz und Mo' Wax, was viele für falsch halten; aber es geht mir nicht um Mo' Wax dabei, es geht mir um mich, Peshay! Ich habe eine LP bis zum Sommer fertigzubringen, also kann ich mich von solchen Argumenten abhalten lassen. Die sollen sich um ihr Zeug kümmern. Ich muß mich fokussieren."


Commercial Success
if something sells 100.000 and it comes from my heart I have no problem with it - as independent as we can be - we all gonna do what we're doing, we all know exactly what we're doing anyway - I'll look out for what I'm doing - too much to do to worry about what's going on, gotta keep focussed, gotta keep my head down otherwise I'll start to lose the plot - should stop worrying about what everyone else is doing and shut up and get on with what they're doing - my business is mine and not yours

Rate of progression:
been progressive doesn't matter if it's slow or fast, we're not in a race, we have time, no rush to get anywhere as long as it's moving forward - all done big raves, preferr clubs - started early breakbeat experimentation, so-called - my own studio together 1994, Photek taught me how to use it

Bukem
don't work on Good Looking anymore, last thing was Music Remix - contract only allows me to work on Metalheadz and Mo' Wax - did them for GL before signed album deal - LP should be finished by summertime on Mo' Wax - A&M backing - people ask why did I go to Mo' Wax but it's not about Mo' Wax it's about me - listen to what people say don't do anything - just Mo' Wax and Metalheadz

Keeping it in the family
has to be, how can I ask someone from another clique to do something for my label - like asking Roger Sanchez to do rmx - if my next-door neighbour and I like it I'll put it out - but we have to keep it tight, we can't create too much of an open thing - Mickey Finn's not gonna give me a tune for my label because we're about different things, we're all still close, but because we play different circuits, the music keeps us apart musically, not socially

DJ'ing & producing: 50/50
ill: did my back in, came back August, September 1995 - literally playing all over the world - not easy - silly, music comes from UK, best of the music -

Metalheadz darkness:
often around winter time dark, cold - but Predator has a jazzy B-side: from there to there, that's me - Metalheadz is thinking music - Goldie KRS One'll turn hip-hop world upside down - I play that every time because I want people to see what's going on

Own label:
Elementz - first release Decoder (Tech Itch) - lined up: rmx's, yet nobody as such - get Photek and Source Direct to do rmx's

Germany
tour for me, Meditation, world tour will come when I finish the album, Germany's done alot for drum'n'bass -

collaboration
gotta do my album first, after that whole load of projects with people like Goldie, Photek etc.- at the moment I'm concentrating on the album and Metalheadz - 2 trax Metalheadz May/June Tribute & Phobia

predator
sounds like a predator stalking its prey, ready to attack, locked on to its target Þ to work with as many people as possible, people like Doc Scott, Rider, work as a unit together, pushing it forward, my goal to push the music

Takeover from House:
- house is different market, still massive market - dnb different thing, won't take over, becoming more popular than house - more innovative than house - if house people lie our music then we are breaking into that market, yes - alot of house people preferr what we do to what they do -

Inspirations
mum classical singer - no musical training - jazz, soul, rare groove, hip-hop, electro - everyone talks about different styles of drum'n'bass: jungle, drum'n'bass, intelligent, techstep, hardstep etc. - that's all bullshit - to me there's only two kinds of music: good & bad - me personally, I don't care what people call it - press trying to tag it, dictate these names, this music - It's all breakbeat, it's beats, whatever's around it is around it -

Versatility
just like to show that I like all different styles - tonite I started jazzy, harder in second set - don't believe in one sound - if it's good it's good - don't care if it's musical, mellow, jazzy, play from jazz to hard to rapping - to show people more about what there is - Metalheadz no set style if it's good Goldie'll put it out - techno flava as well - listen to al iinds of music - where else do you think I get my inspiration from?! - not only drum'n'bass

Paul Pesce
dad born in Turin; Italian
Breakthrough drum'n'bass:
- this music way of life - everyone's getting into it - so many different styles so everyone's happy - one style not necessarily good for one person, but good for another

Jazz Café gig
Cleveland booked me because he knows that I don't draw any boundaries - I don't put barriers up between jazzy, hard, dark, deep etc. -

Das Interview führte Oli Koehler für DE:BUG
21.11.2017, 01:32 h | 8 Junglists online