Home   Stage   Features

DOA steckt wieder in den Kinderschuhen


Zur Neueröffnung des MP3-Shops von DogsOnAcid.com haben sich die Betreiber etwas ganz tolles ausgedacht. Man nehme eine bereits etablierte Plattform, lege ein anderes Design darüber und promote das Ganze mit einem bekannten Namen. In diesem Fall: Grooverider.

Doch alles der Reihe nach. Nachdem DNB Arena vor ein paar Wochen seinen eigenen Shop gestartet hat, fühlten sich die Jungs von DOA scheinbar ein bisschen unter Druck gesetzt, die eigene Download-Plattform wieder ans Laufen zu bekommen, nachdem die Koorperation mit Beatport offensichtlich komplett in die Hose gegangen ist und es Besuchern monatelang nicht möglich war, das Portal zu betreten, geschweige denn sich auch nur einen einzelnen Track zu kaufen. Als neuer Partner wurde daraufhin TrackItDown auserkoren, der zugegebenerweise professioneller arbeitet und dem Besucher immerhin eine richtige Webseite, statt einer völlig überladenen Flash-Applikation anbieten kann.

Von der Koorperation sollten die DOA-Besucher aber nichts mitbekommen. Die ganze Sache wurde verschwiegen und das Interface, so gut es geht, dem von DogsOnAcid.com angepasst. Dumm nur, dass die eigens dafür eingerichtete Subdomain (downloads.dogsonacid.com) eine einfache Weiterleitung auf den Server von TiD ist (dogsonacid.trackitdown.net), was sich unter anderem daran beweisen lässt, dass beide Domains auf IPs aus dem Netzwerk von TrackItDown verweisen. Viel auffälliger aber: Das Favicon welches auf beiden Domains, also auch auf der von DOA, angezeigt wird, ist dummerweise das Logo von TiD (auf dem nachfolgenden Bild links zu sehen).

Soweit, so gut. Die Methode, Inhalte oder Angebote von einem Drittanbieter unter eigenem Namen zu verkaufen, nennt sich Reselling und ist eigentlich legitim, wenn da nicht der seit Jahren laufende, völlig überflüssige Wettbewerb zwischen DOA und DNBA in Erinnerung kommt. Scheinbar möchte DOA seine Besucher nicht wissen lassen, dass der "Gegner" in der Lage ist, einen eigenen Shop mit aktuellen Songs anzubieten und man selbst auf andere angewiesen ist, um überhaupt irgendetwas anzubieten.

Den eigentlich aber viel kritischeren Punkt findet man im Shop von DOA selbst. Dort gibt es ein Album, dessen Inhalt die angeblichen 10 Lieblings-Tracks aus diesem Monat von Grooverider sind. Außerdem stößt man auf ein Zitat von ihm, welches ebenfalls skeptisch betrachtet werden darf, hinter der Frage, ob Grooverider auch nur ansatzweise etwas in diese Richtung gesagt hat:

I'm supporting legal downloads 100%, [...]. It's easy to find what you're looking for, the download process is simple, and I was able to drop the tracks straight into Serato without any problems at all. Without doubt, this is the future.

Klingt nach einem normalen Pressetext? Richtig, allerdings verbirgt sich dahinter viel mehr, als einem auf den ersten Blick bewusst wird. Abgesehen von dem kindischen Wettbewerb mit DNBA und der armseeligen technischen Umsetzung, hat sich Grooverider scheinbar keinerlei Gedanken über die Folgen dieser Veröffentlichung gemacht. In der seit Monaten laufenden Diskussion, welches Format (analog oder digital) das bessere ist, hat er aufgrund seines Status' ein großes Statement gesetzt. Schlimm nur, dass der Inhalt an sich gar nicht stimmt.

  • Grooveriders Label Prototype bietet weder in dem oben genannten, noch in irgend einem anderen von mir durchsuchten Online-Shop einen Download an. Soviel zum Thema "ich unterstütze legale Downloads zu 100%".

  • Die Top10-Liste besteht ausschließlich aus Tracks von den größten Rave-Labels, unter anderem BBK, Ganja, Playaz, Ram Records und Audio Zoo. Sollte die Liste tatsächlich Grooveriders Lieblingstracks beinhalten, hat sich sein Geschmack seit Start des Download-Portals massiv geändert.

  • Die als "brand new cuts" angepriesenen Downloads stammen zum Teil aus dem Jahre 2005. Der neueste Track ist der von allen schon längst überhörte Remix von "Back To Your Roots".

Man könnte sich fragen, ob hier einige gute Bekanntschaften zu anderen Producern oder auch Geld einen Einfluss gespielt haben, welche Tunes zur Zeit Grooveriders Lieblinge sind. Ich bin mal gespannt, welche Tracks sich nächsten Monat an dieser Stelle befinden, es würde mich wundern, sollte sich dort etwas ändern.

Es ist meiner Meinung nach schade, dass sich der früher qualitativ hochwertige Grooverider für eine so misslungene Marketing-Aktion herhalten lässt. Vor allem beweist es aber, dass DOA aus den vergangenen Jahren nichts gelernt hat, das Image immer noch wichtiger ist als die Szene mit unbekannten, aber trotzdem guten Tracks weiterzubringen und Geld dabei eine nicht ganz unliebsame Eigenschaft spielt.

I was actually expecting some new/exclusive stuff to be on there... Hooray for tunes everyone's already tired of finally being available on mp3...


Text: Fabian K. aka Vortec
Der Text erschien im Blog Straight Ass Broken (Ein paar Überlegungen zur deutschen Drum'n'Bass & Jungle-Szene) und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


Ihr habt Kommentare / Fragen? Diskutiert das Feature im Future Forum!
20.11.2017, 16:34 h | 6 Junglists online