Die Geschichte von Breakbeat, Jungle bis zu Drum'n'Bass in Frankfurt am Main
Frankfurt am Main, die Finanzmetropole der Europäischen Union, ist eine
Stadt der Gegensätze. Nirgendwo in Deutschland ist der Unterschied zwischen
Moderne und Vergangenheit, zwischen arm und reich, so groß wie hier. Doch
hinter der gewaltigen Skyline und den mächtigen Treiben der Banken verbirgt
sich eine Metropole mit großer musikalischer Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft.
Bereits in den 50er Jahren als deutsche Jazz Hauptstadt gefeiert, avanciert Frankfurt
Anfang der 90er Jahre zur europäischen Wiege der elektronischen Musik Bewegung.
Das Groove Magazin wird geboren, Sven Väth erlangt als DJ & Producer
Weltruhm und namhafte Labels wie Eye-Q oder Harthouse errichten Ihre Basis in
der Rhein-Main-Metropole. Aus der "Musikschmiede Frankfurt" kommen viele
Künstler und Hits auf dem Weltmarkt.
Die Erfolgstory der Breakbeats beginnt ein paar Monate später als in Mannheim,
nämlich im Jahr 1992...
In diesen Jahr bekommen die Residents des Mannheimer milk! Clubs, Groover Klein
& Bassface Sascha den Resident Job für den Freitag des legendären
Frankfurter XS Club und den Auftrag, den Breakbeat Sound in Frankfurt zu etablieren.
Das kleinere Mannheim löst im großen Frankfurt das Breakbeat Fieber
aus und sogar Stammgäste aus Sven Väth's Omen Club ersetzen ihre "Velvet
Monkey" Klamotten durch Adidas OldSchool Trainingsanzüge um in XS auf
Breakbeats zu feiern.
Der Spirit und Vibe dieser Zeit ist fantastisch und lässt sich heute schwer
in Worten zusammenfassen. Frankfurter und Mannheimer feiern gemeinsam auf einen
völlig neuen elektronischen Sound, immer mehr Cluber entdecken dieses neue
Genre und die Szene wächst. Die geringe Entfernung zwischen den beiden Städten,
bringt einen regen Austausch – es entstehen Bekanntschaften und Freundschaften.
Eine regionale Trennung der Szene existiert zu dieser Zeit noch gar nicht, sondern
eine große Rhein-Main-Neckar-Massive, die Freitags im XS, Samstags im milk!
feiert und Bassface & Groover Klein bei den Gigs durch die gesamte Republik
folgen.
Mitte 1993 beginnen sich in Frankfurt erste lokale Strukturen zu bilden. Mit Leuten
wie Kwik (heute Kuttin Edge Beats), Scoobreak, Soniq, T-Fly oder G-Load taucht
die erste Frankfurter Jungle DJ Generation auf. Sie organisieren die offiziellen
XS Freitag Warm Up Sessions, die mit großem Erfolg erst in der Sachsenhäuser
Altstadt, dann im Erdbeermund Club zelebriert werden und D&B noch näher
an die Frankfurter bringen.
Ab 1994 finden mit den Euphoria Raves im Dorian Gray am Frankfurt International
Airport die ersten Raves mit gigantischen Line Up an UK und nationalen DJs statt.
1995 erleidet die aufstrebende Jungle Szene im Rhein-Main-Neckar-Gebiet einen
schweren Schlag, als innerhalb kürzester Zeit das milk! und XS schließen
(zum Jahresbeginn 2001 auch das Dorian Gray).
Die Schließungen sind gleichzeitig der Anfang vom Ende der großen
Rhein-Main-Neckar-Massive, da sich von da an die Regionen unabhängig voneinander
weiterentwickeln. In Rhein-Neckar kommen immer größere D&B Events
wie Vibration, Crime oder Meditation in Fahrt, während sich in Frankfurt
die Szene mit kleinen, meist illegalen Events und Locals wesentlich langsamer
aufbaut. Bassface Sascha versucht erfolglos mit dem Escape, einen neuen Breakbeatclub
in FFM zu etablieren.
Aus der "XS-Generation" entspringen viele der Aktivisten die zu dieser
Zeit und nohc heute ihren Beitrag zum Aufbau einer funktionierenden Frankfurter
Szene leisten.
Besonders erwähnenswert ist der Stadtteil Höchst, da von dort zu dieser
Zeit die meisten D&B Aktivitäten ausgehen. Zum einen hat es damit zu
tun das José aka DJ Soniq von dort stammt und zu den ersten gehört
die nach den Schließungen im gesamten Stadtgebiet illegale Events organisiert
vor allem aber auch, weil mit den Sons of the Underground dort das erste Frankfurter
D&B Live Kollektiv auftaucht und eine wöchentliche Reihe im JUZ startet,
die überraschenderweise einen Boom unter den meist ausländischen Jugendlichen
in Höchst auslöst. Die "Michael Barracks" im "MC Nair"
Kasernengebiet werden neben dem JUZ beliebte Partylocations, die von vielen Frankfurter
Junglists eine zeitlang besucht werden, bis nach 3 Monaten die Stadt aufgrund
der immer wieder auftretenden Gewalt in diesen Problemstadtteil die Partyreihen
beendet.
S.O.G bringen den ebenfalls aus Höchst stammenden HipHop & RnB Veranstalter
Hannibal auf den D&B Geschmack, der ebenfalls Events startet, u.a. die Homebase
Partys in "The Box" (die Nachfolgelocation vom XS), die Hypnotic Reihe
im Sol y Luna (heute o25), sowie diverse einzelne Events in verschiedenen Locations.
Eines seiner Events mit Hype und MC Trooper in den Michale Barracks/Höchst
gerät außer Kontrolle, als es aufgrund rivalisierender Banden aus angrenzenden
Stadtteilen in der Location zu starker Gewalt und einigen Verletzten kommt und
Hype bereits nach der zweiten Platte abbricht. Hannibal hört mit D&B
auf und widmet sich anderen interessanten Projekten, die Furore machen werden.
S.O.G löst sich auf.
Veranstalter und Booker Stefan Enders, sorgt für einen längeren Zeitraum
mit seiner Temptation Reihe für Aufsehen und holt u.a. UK Acts wie Peshay
nach Frankfurt.
1996 macht Mad Vibes von sich als DJ und Produzent reden und startet mit Gyration
sein eigenes Label.
1997 bringt Soniq zusammen mit Scoobreak die erste D&B Radioshow in Deutschland
an den Start, RUFFM auf Radio X. Kuttin Edge Beats und ROB-B (heute aktiv als
Veranstalter mit Breaks & the City) joinen einige Monate später das Team.
Aufgrund verschiedener musikalischer D&B Schwerpunkte werden aus RUFFM drei
unabhängige Redaktionen und Sendungen, die noch heute die Fahne hochhalten:
Krunchtime mit K'Edge, Ruffmob mit Rob-B und FutureJazzSessions mit Soniq.
Die lokale Szene kommt immer mehr in Gang. Immer mehr Aktivisten kommen dazu und
viel mehr illegale Partys kommen in Gang. Es gib Partys im Bockenheimer Exzess,
am Mainufer, auf verlassenen Tankstellen, in der Friesstrasse, im ehemaligen Schlachthof
etc.
Aus Hanau kommend wird um 1997 mit Precision eine neue und für Frankfurt
sehr wichtige Crew aktiv. Deren Mitglieder, Kabuki, Meinframe, Dolly Bastard (Miguel
Ayala), Ronin & Glacius erlangen mit ihren Projekt Megashire sowie diversen
Releases große internationale Anerkennung. Neben diversen Underground Partys
starten sie endlich wieder einen regulären D&B Abend im Nachtleben. Außerdem
sorgen die Jungs dafür das mit Precision Frankfurt mit Stolz ein erstes D&B
Label vorweisen kann.
In diesen Jahr werden außerdem die ersten Events in der noch illegalen Space
Place Location abgehalten. Besonders erwähnenswert, Kemistry & Storm
im Mai 1998 in einer unter Wasser stehenden Location auf der die Crowd sich auf
Paletten bewegen muss und keine nassen Füsse zu bekommen.
Wichtige Aktivisten wie Frankie Machine oder System Killaz werden aktiv, die in
naher Zukunft auch eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung von D&B
in Frankfurt übernehmen.
1999 erhält die seit 1997 bestehende illegale Space Place Location die Lizenz
und wird ein offizieller Club auf dem unregelmäßige D&B Events
von dem RUFFM Radio Umfeld und diversen Locals gehostet werden.
In diesen Jahr bekommt Bassfacae Sascha mit Outbreak seine eigene Show auf dem
überregionalen Sender HR XXL, die Ende 2003 aufgrund der Umstrukturierung
von HR XXL auf das Mainstream-orientiertere YOUFM eingestellt wird.
Somit ist heute Radio-X der einzige Sender in Frankfurt, auf dem Drum & Bass
gespielt wird: Regelmässige Sendungen im Rahmen der DJ-Night wie “Music
for a Hard Life” von den System Killaz, “Art of Rollin`” mit
der AOR Crew um Simon, Chopper, Miguel Ayala und MBR oder die Monsoon Crew halten
neben den etablierten Sendungen aus dem ehemaligen RuffFM Umfeld hier die Fahne
für den gebrochen Beat hoch.
Im Jahr 2000 startet im Space Place (jetzt Tanzhaus West) mit den Space Breaks
endlich eine neue und regelmäßige Veranstaltungsreihe, die den härteren
D&B Sound featured und von Simon & Neon gehostet wird. Space Breaks besteht
noch heute und kann auf 5 Jahre aktive Clubkultur, sowie vielen internationalen
Highlights mit Stolz zurückblicken.
Miguel Ayala von Precision startet mit Socio sein eigenes Label.
Mit Fresh! bringt Mad Vibes eine neue regelmäßige Partyreihe im o25
an den Start, zu der namhafte Gäste wie Fabio, Storm, Grooverider oder Bailey
gebucht werden. 2003 wird Fresh! eingestellt und um Mad Vibes wird es ruhiger
in Frankfurt.
Precision meldet sich Mitte 2001 mit FUEL @ Robert-Johnson wieder mit eigener
Partyreihe zurück. Zu Beginn noch im 3 monatlichen Rhythmus, dann bald monatlich.
FUEL existiert noch heute und zählt ebenfalls zu den wichtigsten monatlichen
D&B Reihen die Frankfurt vorweisen kann. Ein treues Publikum und eine coole
Location runden den Abend perfekt ab.
Die FutureJazzSessions Crew startet Anfang 2003 die monatliche Solid Soul in Mainz
und macht den „soulful“ Drum&Bass Sound im Rhein-Main-Gebiet salonfähig.
Nach der Sommerpause 2004 zieht die Reihe in die Heimat Frankfurt. Solid Soul
besteht ebenfalls noch heute und wird in unregelmäßigen Abständen
in immer wechselnden Locations gemacht.
September 2003 schliesst das SpacePlace und wird kurze Zeit später als Tanzhaus
West eröffnet.
Franksen, der Veranstalter der Wiesbadener Reihe Knietief in Beats startet in
Kooperation mit den Frankfurter D&B DJs unter den Namen "Unity in Bass"
einen neuen Mittwoch Abend, für soulful Drum&Bass im Unity. Diese Reihe
ist mittlerweile 1 Jahr alt und zeigt das in Frankfurt, so gut wie alle Gruppierungen
bestens miteinander arbeiten.
Neueste Eventreihe ist Breaks & The City von Rob-B, Public und MC Bullit im
o25. Eine Reihe die nach drei Events beweist, das man mit Local acts D&B,
Jungle, NuSkoolBreaks, funky Breakbeats oder Reggae/Dub beste Party machen kann.
Zur „new generation“ der Szene gehört die Monsun und Club Kiew
Crew, die seit ca. 2001 mit guten Events in underground locations glänzen.
Etabliert ist der junge und talentierte DJ Chopper, der zum Precision Team gehört
und mit "Art of Rollin" sein eigenes Label vorweisen kann. Erwähnenswert
ist auch, der aus dem System Killaz Umfeld stammende DJ Rome, der mit Start seines
eigenen und brandneuen Labels Blu Saphir, ein sehr spannendes Projekt für
soulful D&B verfolgt, dessen erste Produktionen bei Elite DJs wie Marky, Flight
oder XRS für große Anerkennung sorgt. Auch DJ Lomex gehört zu
den neuen aufstrebenden DJ´s und wurde vor kurzem in das FutureJazzSessions
Kollektiv aufgenommen, wo er neben Kuttin Edge Beats& MC Mike Romeo, den Job
als Solid Soul Resident erhalten hat, sowie zu den Residents von Unity in Bass
gehört.
Die Gegenwart und Infos über die aktuelle D&B Szene in Frankfurt am Main
findet Ihr in den Cityreports.
Text: José, FutureJazzSessions (März 2005) Ihr habt Kommentare / Fragen? Diskutiert das Feature im
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