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Rupert Parkes aka Photek


Photek, Drum'n' Bass Wunderkind mit einem Fünf-Album-Deal von Virgin in der Tasche, gehört mit seinen mit chirurgischer Präzision geschnittenen Breakbeat­-Konstruktionen zu der Produzenten-Klasse von 1996. Stephan Enders unternimmt den Versuch, seine Arbeit zu analysieren.

Anfang Juni diesen Jahres wurde Rupert Parkes aka Photek von seiner neuen Plattenfirma Virgin Records zu einem Interview ­Marathon nach Köln eingeflogen. Eine Aktion, die eine Unregelmäßigkeit in seinem Wochengeschehen darstellt, das sonst durch ständige Studioarbeit, Austausch und Abhängen mit den Freunden von Source Direct, geschäftlichen Kontakten und Besuchen der wichtigsten Clubs bestimmt ist. Er konnte erstmal seinen Paß nicht finden, und dies führte zur Verschiebung des Interviewtermins um einige Tage.

Letztlich doch gut in Köln angekommen, präsentierte Rupert sich und sein Projekt in angenehm entspannter Laune. Alle wichtigen Magazine brachten in den darauf folgenden Monaten Photek-­Artikel. Virgin konnte mit dem Ergebnis der Aktion sehr zufrie­den sein. Die Zielsetzung, gute Presse zu bekommen, war erreicht und ließ auch Irritationen vergessen, die durch Photek' s Veröffentlichung „T' Raenon" auf OpArt just einige Wochen vor dem offiziellen Release der "Hidden Camera" EP auf Virgin/Science entstanden waren.

Klar wurde Photeks Interesse an Techno und dessen Einfluß mit OpArt 12. "T" Raenon" ist in 2 Versionen auf der Platte, als Drum'n'Bass - Stück und als Techno-Version in pulsierendem Rhythmus mit gedämpften Beats und Basssounds. Das zweite Stück der B-Seite ist "Kanei", relaxter Electrofunk, wie ihn Photek auch zu seinen Einflüssen zählt. Die Veröffentlichungsabfolge - im Frühjahr erschien Photek 06 mit "Rings around Saturn" / "U.Fo.", dann die OpArt, danach die "Hidden Camera" EP auf Virgin/Science - macht Ruperts Unabhängigkeit deutlich. Sein im November 1995 mit Virgin abgeschlos­sener Vertrag, läßt ihm die Freiheit, so viel zu experimentieren, wie er will. Er wird sein eigenes Photek-Label weiterführen, dort auch Platten anderer Produzenten veröffentlichen (die nächste 12", Photek 07, wird von Peshay sein) und nach seinem ersten Virgin/Science - Album auch eine Compilation seiner Photek-Serie mit einigen neuen Remixen herausbringen.

Eine gesunde Vereinbarung also für alle Beteiligten. Rupert nutzt die Möglichkeiten der Major-Company, behält absolute künstlerische Freiheit und vermittelte mit Source Direct und J. Majik weitere state of the Art-Producer an Virgin/Science. Das ist schon verdammt ernst zu nehmen. Anders als Alex Reece, der sich mit seinem Major-Deal (Island Records) auf unabsehbare Zeit auf einen Pop Nebenschauplatz gebeamt hat und an Selbstplagiaten durch Verkaufsdruck zu ersticken droht, kümmert sich Rupert "Photek" Parkes um das, was ihm wichtig ist: das Erzeugen futuristischer und revolutionärere Musik.
Die "Hidden Camera" EP zeigt seine Leidenschaft des Beat-Programmings in full effect. Diese EP, seine bisher abstrakteste Platte, sieht er als Miniaturversion eines Konzepts, das auch sein Album prägen soll.

  Photek's Ausrüstung:
Cubase auf einem PC
E-Mu e64
Kurzweil K2000R
Midi Express
E-Mu E TV (72 MB Ram, 1 GB HD)
Roland JV-1080
Apple CD-Rom
Ultrafex 11 EX3100
Ultrafex Composer MDX-2000
Tascam DA-30 Mk II
Arcam Alpha
Mackie 32 Mischpult
Sony Effects
Lexicon Alex
Alesis QuadraVerb
Technics SL 1200
Technics SL 1210
Vestax PMC Mixer
Roland A 30
Sony Portable DAT
Crybaby Wah-Wah Pedal
Encore Strat Kopie
Es gibt starke Verbindungen zwischen den Tracks. Sounds und Samples werden in verschiedenen Weisen wiederverwertet. Das Album soll, wie die EP, in einem Stil gehalten sein, aber verschiedene Musikarten (Geschwindigkeiten) enthalten. Wahrscheinlich wird keines der Stücke von "Hidden Camera" auf dem Album sein. Rupert möchte ein komplettes Original schaffen. Das charakteristische, der vor Energie und Dynamik fast explodierenden Musik der "Hidden Camera" EP, ist ihr organischer Klang. Der entsteht durch enormen Aufwand, den Rupert bei seinen Produktionen betreibt. Mit Ausnahme der Beats des Stückes "K.J.Z.", die aus Jazz-Drum-Solos gesampelt sind, hat er alle anderen Drum-pattern selbst aus Einzelteilen zusammengebaut, programmiert und im Sampler wieder nachbearbeitet. Insgesamt klingt das natürlicher als die Breakbeats der Photek-Serie, obwohl es wesentlich stärker bearbeitet ist.
Rupert Parkes möchte klingen wie ein Drummer, mit manchmal natürlich, manchmal unnatürlich klingenden Sounds. Dazu kommt seine Faszination vor absolut exakten Wiederholungen und filtermäßigen Variationen bestimmter Breaks und Beats, die kein Drummer dieser Welt so spielen könnte.

Photek' s Musik hat eine Menge mit Jazz-Fusion zu tun, aber insgesamt kommt seine Art Drums zu programmieren, zu etwa gleichen Teilen aus Jazz und HipHop. Er sampelt fast nie direkt HipHop, was aber vor allem damit zu tun hat, daß er keine Musik in ihrer originären Form und in ihrem Klang erkennbar sampeln will. Sein Arbeitskonzept ist es, aus vor­handenen und selbst programmierten Teilen etwas völlig neuartiges zu schaffen. Das erste Photek Album auf Virgin/Science erscheint Anfang 1997.

Der Text erschien in Pressure Nr.2 (Oktober 1996) und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
22.11.2017, 19:39 h | 6 Junglists online