Nachdem wir im Winter letzten Jahres das Fireface
800[1] auf Firewire-Technologie vorgestellt hatten und RME mal wieder bewiesen
hat, was "Made in Germany" bedeutet, kommt heute die PCI-Variante
HDSP 9652 + ADI-2-Wandler ins Testlabor.
Dabei wollen wir natürlich wissen, was die aktuelle PCI-Technik so alles
kann und wie die Qualität des Wandlers ausschaut. Hardwareupdates per Treiber
sind bei der HDSP 9652 dank Sicherheits-BIOS-Technologie ohne jegliches Risiko
durchführbar. Und dank der einzigartigen Null-Prozent CPU-Technologie garantiert
Hammerfall DSP höchste Performance und niedrigste Latenz bei maximaler Flexibilität.
Schauen wir uns erst einmal das Hammerfall DSP System HDSP 9652 genauer an.
RME
Die HDSP 9652 ist generell in zwei Teile unterteilt, der PCI- Karte und dem Expansion
Board. Die PCI-Karte läuft selbstverständlich auch ohne Expansion Board
und beinhaltet die ersten beiden ADAT-Ein- und Ausgänge, wobei der erste
ADAT-Anschluss auch als optischer SP/DIF Ein- und Ausgang genutzt werden kann.
Sehr schön!
Neben den ADAT-Anschlüssen ist der Anschluss für das Breakout-Kabel
vorhanden. Schließt man dieses an, hat man ein koaxialen SP/DIF- Ein- und
Ausgang. Die Konfiguration des SP/DIF-Einganges erfolgt über den Settingsdialog.
Die Karte akzeptiert alle üblichen Digitalquellen, wie SP/DIF und AES/EBU.
Kennung und Kopierschutz werden dabei ignoriert, was bei vielen Soundkarten nicht
der Fall ist!
Der optische und koaxiale Ausgang arbeiten im SP/DIF-Betrieb parallel, gibt also
ein identisches Signal aus. So lassen sich auch zwei SP/DIF-Geräte gleichzeitig
anschließen und die Karte als Splitter benutzen. Wer das professionelle
AES/EBU-Format einspeisen will, muss lediglich einen Kabeladapter von Chinch auf
XLR parat haben.
Gesamtansicht RME HDSP 9652
Auf dem Slotblech des Expansionboards befindet sich der dritte optische ADAT-Ein-
und Ausgang und der Wordclock- Ein- und Ausgang. Neben den beiden BNC-Buchsen
zeigt eine LED den Lock-Zustand der Wordclock-Eingangsschaltung an. Das mitgelieferte
Breakout-Kabel wird in die 9-polige Mini-DIN Buchse gesteckt und ergibt zwei MIDI
Ein- und Ausgänge.
Neben den externen Anschlüssen hat RME noch einen internen Digitaleingang
für SP/DIF als auch ADAT zugegeben. Dieser kann zum Beispiel verwendet werden
um mehrere Karten zu synchronisieren oder den Anschluss eines internen CD-ROM
Laufwerks mit digitalem Audioausgang zu gewährleisten.
Kommen wir zu den Features der Karte. Hier hat der Hersteller überzeugt.
Das Hammerfall-Design belastet die CPU selbst mit 0 %, wenn alle 52 ASIO-Kanäle
genutzt werden. Alle Signale werden über den DSP-Chip berechnet. Durch diesen
werden alle Änderungen in Echtzeit vollzogen, der interne RME-Mixer und das
mitgelieferte Tool DIGICheck berechnet.
DIGICheck beinhaltet mehrere Levelmeter in Peak- und RMS-Berechnung, einen Spectral-Analyzer,
ein Vector Audio Scope mit Korrelationszeitmesser, ein Channnel Status Display
und eine Bit-Statistik. Das Beste dabei ist, dass jeder ASIO- und MME- Ein- und
Ausgang angesteuert werden kann. Es spielt also keine Rolle, ob man gerade ein
wiedergebendes oder aufnehmendes Signal kontrollieren will. Perfekt!
Der Enhanced Mixed Mode sorgt dafür, dass alle Ein- und Ausgänge simultan
nutzbar sind. Dank Sample Split können bis zu zwölf Kanäle bei
96 kHz/ 24 Bit Record/ Playback über ADAT optical betrieben werden. Rechnet
man das auf 44,1 kHz/ 24 Bit oder 44,1 kHz/ 16 Bit hat man sogar das Doppelte
an Kanälen zur Verfügung. Leider steht ein Sampling bei 192 kHz/ 24
Bit momentan nicht zur Verfügung. Dies soll in den nächsten Monaten
per Update nachgebessert werden. Der Hersteller stellt acht Puffergrößen
bzw. Latenzzeiten bereit: 1,5; 3; 6; 12; 23; 46; 93 und 186 ms. Somit kann jeder
Rechner, der einen PCI-Steckplatz frei hat, angeschlossen werden.
Sample-Frequenz, Pegelauswahl
Über die beiden MIDI I/O, für 32 MIDI-Kanäle, kann die Karte mit
anderen MIDI-Anschlüssen kommunizieren. Das Enhanced-ZLM ermöglicht
Latenz-freie Submixe und perfektes ASIO Direct-Monitoring. Das Settingsdialog
und der Mixer sind von RME in gewohnt guter Qualität vorzufinden. So kann
man alles bequem einstellen und überblicken.
Kommen wir nun zum ADI-2 – Wandler: Ganz links ist die Inputwahl zwischen
Lo Gain, + 4dB und -10 dbV vorzufinden. Somit können alle gängigen Eingangspegel
aufgenommen werden. Es spielt also keine Rolle, ob man Chinch, Klinke oder XLR
verwenden will. Beim Chinch-Format muss lediglich ein Adapterkabel benutzt werden.
Der jeweilige Betriebsmodi wird mit einer grünen LED angezeigt.
Weiter rechts ist die Aussteuerungsanzeige in dBFS angegeben. „FS“
steht für Full Scale und ist als Pegel im digitalen Aufnahmebereichen zuständig.
Dabei muss darauf geachtet werden, dass niemals ein Signal über 0 dBFS sein
darf, da alle darüber liegenden Signale sofort verzerren. Daher hat RME auch
sinnvoller weise bis -6 dBFS alle LEDs in grün ausgestattet. -3 dBFS leuchtet
gelb auf. Die rote LED OVR beginnt bei -2 dBFS dunkel zu leuchten, bei –1
dBFS leuchtet sie heller, bei 0 dBFS in voller Helligkeit.
In der Mitte ist die Auswahl für die Sample Frequenz, den digitalen Eingang
und den Format-Ausgang untergebracht. Über Input hat man die Wahl zwischen
koaxialen und optischen Eingang. Benutzt man überhaupt keinen digitalen Eingang,
sondern will lediglich analog/digital wandeln, blinkt die LED für den Koax-Anschluss dauerhaft auf. Über den Clock-Taster kann die interne Samplefrequenz
ausgewählt werden. Zur Verfügung stehen 32; 44,1; 48; 64; 88,2; 96;
128; 176.4 und 192 kHz.
DSP Settings
Über den Output-Taster kann man zwischen ADAT, PRO und CON wählen. Der
optische TOSLINK-Ausgang gibt bei der ADAT-Auswahl ein ADAT Signal aus. Die
Ausgabe ist bis 96 kHz möglich. Beim PRO-Modus wird das Signal mit einem
Professional Channel Status versehen. Der physikalische Pegel an der Koax-Buchse
auf der Rückseite wird erhöht und ist damit vollständig AES/EBU
kompatibel. Das gleiche Signal wird optisch ausgegeben."Con" steht für
Consumer. Dabei wird dem Signal ein Consumer Channel Status versehen. Der physikalische
Pegel an der Cinch-Buchse wird verringert. Das gleiche Signal wird ebenfalls
optisch ausgegeben.
Wer sich fragt, wie man mit ADAT, SP/DIF und AES/EBU in bis zu 192 kHz aufnehmen
kann, sei gesagt, dass dieses Feature bei ADAT und AES/EBU momentan nicht angeboten
wird. Lediglich SP/DIF kann im Single-Wire Modus bis zu 192 kHz übertragen.
Das soll nicht heißen, dass dies bei den anderen Formaten nicht möglich
sein wird. Zukünftige Updates können Sample-Raten in diesen hohen Frequenzen
ermöglichen.
Ganz rechts außen ist als letztes der laute 6,3 mm große Klinken-Kopfhöreranschluss mit Volume-Regler und die Auswahl zwischen Hi Gain +4dB
und -10 dbV angebracht.
Schauen wir uns die Rückseite an: Hier ist ganz rechts die Stromzufuhr untergebracht.
Leider ist kein Powerschalter zu finden, so dass der Wandler immer über den
Netzsteckers ein- und ausgeschaltet werden muss!
Der weite Spannungsbereich des ADI-2 erlaubt dafür aber auch die Verwendung
eines Bleiakkus statt eines Netzteiles, für komplett netzunabhängigen
Einsatz. Ein passendes Anschlusskabel ist bei RME erhältlich. Ein Bleiakku
von Panasonic (LC-R122R2PG, 12 V 2,2 AH) kann den ADI-2 circa vier Stunden lang
betreiben.
Links sind die analogen Stereo-Ausgänge in XLR und Stereo-Klinke verbaut.
Zentral findet man zwei optische und koaxiale Digitalein- und Ausgänge für
das ADAT-, SP/DIF- und AES/EBU- Format vor. Rechts sind die Ausgänge im XLR-Format angebracht. Schade, dass RME leider keine Klinkenausgänge bereitgestellt
hat.
Kommen wir zum Klang des Wandlers. Hier hat RME wieder ganze Arbeit geleistet.
Die Qualität ist besser als das hauseigene Fireface 800 und den Soundscape-Wandler
iBox 48-TA. Nur vor dem Apogee-Wandler Mini Me muss sich der Wandler messtechnisch
noch geschlagen geben. Wer einen sehr guten Wandler benötigt, ist beim RME
ADI-2 gut aufgehoben. Alle Frequenzen werden so wiedergegeben und aufgenommen,
wie sie sein sollen. Eigenrauschen der Wandler kann man kaum wahrnehmen.
Wandler
In Kombination mit der oben beschriebnen Hammerfallkarte ergibt sich somit ein
leistungsfähiges Recording-System, dass für digitale Produktion mit
einem Aufnahmekanal bestens geeignet ist. Wer mehr Kanäle will, muss auf
den ADI-4 mit vier Input/ Outputs oder den ADI-8 mit acht Input/ Outputs umsteigen.
Die Hammerfallkarte kann noch weitere Wandler über ADAT bereitstellen oder
weiterhin mit einer zweiten Hammerfall-Karte kaskadiert werden.
In unseren gesamten Test hat das Hammerfall-System mit dem Wandler genauso tadellos
funktioniert, wie das Fireface 800. Egal wie viel Spuren wir verwaltet haben,
es gab weder mit einem AMD, noch mit einem Intel-Rechner Probleme.
Mit einer UVP von 1.188,- € und einem Internetpreis von ca. 100,- €
weniger muss man zwar tief in die Tasche greifen. Wer aber ein stabiles Aufnahmesystem
besitzen will, dass noch ausbaufähig ist, sollte über den Kauf von der
RME 9652 HDSP-Karte plus ADI-2 Wandler nachdenken. In Verbindung mit dem Zusatztool
DIGICheck bekommt man ein Produkt, dass es zu diesem Preis kaum zu finden gibt.
Fazit RME HDSP 9652
DRME überzeugt auf ganzer Linie! Die PCI-Audiokarte 9652 HDSP verrichtet
ihren Dienst hervorragend. Der Wandler ADI-2 tut dies ebenso. Mit dem Zusatztool
DIGICheck wird das Paket noch abgerundet.
Der fehlende Power-Schalter muss momentan leider in Kauf genommen werden. Trotz
alledem ist das Produkt zu empfehlen.
Was in der Zukunft auf den Audio- Markt passiert, bleibt abzuwarten. PCI-X steht
als nächstes an. Wie lange man auf Systemen mit diesem leistungsfähigeren
Steckplatz kaufen kann, bleibt abzuwarten. Wir halten Euch auf dem Laufenden… RME
HDSP 9652 Homepage[2] Text: Kilian Heller
Der Text erschien auf loveparade.net[3]
und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. URL dieses Dokuments:
http://www.future-music.net/techreport/producing/rme-hdsp9652/