Technics hat einen neuen Konkurrenten. Die Japanischen Kollegen holen mächtig
auf und zeigen, dass das Medium Schallplatte noch lange nicht ausgediehnt hat.
Seht in unserem Vergleich, wer der wahre König ist...
Vestax DJ Tools
Wir haben seit Existenz der DJ-Tools schon einige Plattenspieler getestet. Bis
jetzt haben wir allerdings in dieser Rubrik eine Firma ausgelassen, die im DJ-Bizz
aber schon seit einigen Jahren erfolgreich mitmischt! Die Firma heißt Vestax
und ihr heute vorgestellter Turntable heißt PDX-2300 MK2 Pro.
Wie bei jedem Turntable-Test wird natürlich der Vergleich zum Technics SL
1200 MK2 gezogen.
Wie nun dieses Vestax-Modell sich im Vergleich zum Technics schlägt, soll
heute dieser Test zeigen. Als Vergleichsmodell tritt aber nicht der „normale“
Technics, sondern das Spitzenmodell, der SL 1210 M5G, an.
Kommen wir aber erst einmal zum generellen Aufbau des PDX:
Der Plattenspieler ist zu unserer Verwundung vom Design her etwas anders gestaltet.
Die abgerundeten Ecken und auch das leichtere Gewicht von 9,5 kg machen sich sofort
bemerkbar.
Vestax PDX-2300 MK2 PRO
Links unten sind der Start / Stopknopf und die Auswahl zwischen 33 und 45 Umdrehungen
vorzufinden. Links oben ist der Power-Schalter. Rechts oben findet man die Ablage
für den Ersatztonabnehmer, die Gewichtaufhängung mit dem Einstellregler
für dynamischen Andruck und die Tonarmhöhen - Justierung vor.
Der dynamische Andruck erfolgt mit einem Federgewicht und sorgt für eine
Auslöschung der in- und auswärtigen Traktionskräfte, die bei anderen
gebogenen Tonarmen zu Sprüngen führen können. Weiterhin wird ein
Widerstand gegen auftwärtige Bewegungen des Tonarms erzeugt.
Beim PDX-2300 MK2 Pro hat der Hersteller zudem einen geformter J-Arm, der etwas
länger als ein konventioneller Tonarm und zum Tonabnehmer hin wie ein "J"
geformt ist, verbaut. Mit diesem Tonarm lässt es sich wunderbar spielen,
so dass auch eingefleischte House- und Techno-DJs keine Probleme haben sollten.
Darunter kommt der 10mm lange Digital-Pitchfader mit Digitalanzeige, Digitalsteuerung
und Ultra Pitch-Fader, der das Mixen noch einmal um 50 % erweitert. Man kann somit
60 % nach oben und unten pitchen!
Pitch-Sektion
Daneben ist die Einstellregelung für das Bremsen und Starten der Platte und
der Pitch Bend - Joystick, der in vertikaler Richtung jeweils die Platte um 2
% nach oben bzw. unten korrigiert und in horizontaler Richtung ± 50% pitcht,
vorzufinden.
Dabei sind die 2 % kein fester Wert. Mithilfe des Pitch Bend - Joysticks kann
man den Grad der Geschwindigkeitsänderung auf 1, 2, 3 oder 6% einstellen
(Standard: 2%). Zu diesem Zweck drückt man den Joystick nach unten. Bei einmaliger
Betätigung wechselt der Wert zunächst auf 3%, bei jeder nachfolgenden
Betätigung nacheinander auf 6%, 1%, dann wieder 2% usw.
Das Angleichen bemerkt man im Mix übrigens nicht, da die Geschwindigkeit
der Platte sehr gleichmäßig gesteuert wird. Dies ist per Hand nur sehr
schwer zu realisieren!
Weiter links ist der Knopf für den Rückwärts-Modus verewigt.
Dieser funktioniert wegen des überaus leistungsstarken Motors tadellos.
Unter dem Plattenteller hat der Japanische Hersteller noch einen Chinch-Anschluss für die weiße LED-Lampe verbaut. Ein Aufstecken der
Lampe ist ohne Probleme jederzeit möglich. Sehr vorteilhaft bei diesem Lampen-System ist die Flexibilität. Einerseits kann man die Lampe um 360º
drehen, so dass jedes Abnehmer - System angeleuchtet werden kann. Zum anderen
muss man bei Defekt der Lampe nicht den Plattenspieler auseinanderbauen, sondern
kann ganz bequem eine neue auf den Chinch-Anschluss drauf stecken. Besser
geht’s nicht!
Die Rückseite beinhaltet einen Chinch- und Erdungsanschluss. Hier hat Vestax
ebenfalls ein Lob verdient, da der Hersteller nicht auf eine Festverkabelung,
sondern auf austauschbare Chinch - Kabel gesetzt hat.
Reverse, Pitch-Kreuz...
Vielmehr als der Aufbau interessiert mich aber die Spielweise dieses Plattenspielers.
Dazu habe ich den Turntable im ganz gewöhnlichen Plattenangleichen und beim
Scratchen getestet.
Beim Plattenangleichen war der Vestax etwas ungewohnt für mich, da der Plattenteller
anders als beim Technics reagiert. Wenn man aber jahrelang mit einem Technics
mixt, ist man eben auf diesen eingeübt. In einem Test von drei Wochen kann
man sich nicht komplett umgewöhnen. Daher ist der Vergleich mit einem Vestax
PDX-2300 MK2 Pro auch ein subjektiver Eindruck.
Ich kann aber beurteilen, dass die digitale Steuerung wegen ihrer sehr schnellen
Reaktion schon einen gewaltigen Unterschied ausmacht.
Beim Technics und auch bei anderen Plattenspielern dauert es ’nen Tick länger.
Und genau diese kurze Zeitdifferenz nimmt man aber als langjähriger Benutzer
eines anderen Pitch-Systems doch sehr wahr!
Die DJs, die hauptsächlich mit CD-Playern auflegen, mögen da
auf jeden Fall einen Vorteil haben, was ein DJ-Kollege auch bestätigt
hat. Da hilft nur üben und umgewöhnen…
Power-Schalter
Kommen wir zur zweiten Disziplin, dem Turntablisim. Dabei haben ein DJ-Kollege und ich über eine Stunde gecuttet und gescratch.
Bei einer Stunde Dauergescratche mit einem Shure M44-7-System haben wir
beide keinen einzigen Sprung gehabt. Jetzt werden vielleicht einige unter Euch
fragen, warum denn gerade ein Shure-System für den Test benutzt wurde?
Dies wurde es gar nicht ausschließlich. Zur Auswahl standen dieses Shure-System, von Ortofon ein DJ Blau und ein Scratch-System und ein
Stanton Discmaster II zur Verfügung. Mit dem M44-7 bekommt man beim Scratchen
und Cutten die besten Ergebnisse. Aber das das nicht nur Vorteile hat, muss auch
ganz klar gesagt werden. Näheres gibt es in unserem DJ-System-Vergleich im Sommer…
Generell haben wir im direkten Vergleich bei Verwendung der gleichen Testplatten
und der gleichen Scratches ebenfalls feststellen müssen, dass die Nadel beim
Vestax-Plattenspieler einfach in der Plattenrille „kleben“
bleibt. Dies liegt nicht an der Nadel, sondern an der Konstruktion des Vestax-Tonarms, da beim Direktvergleich das gleiche System benutzt wurde.
Start & Stop
Was nützt einem ein sehr guter Plattenspieler, wenn dieser kaum im Club benutzt
wird?
Diese Frage ist berechtigt, wenn man knapp 600,- € für einen neuen Plattenspieler
ausgeben soll. Hier muss sich aber jeder die Frage stellen, was denn mit einem
Turntable alles gemacht werden soll? Ist man zudem noch Anfänger oder schon
Vollprofi?
Aus diesen Gründen kann ich generell keinen Tipp für irgendeinen Plattenspieler
gegeben werden.
Fest steht, dass Vestax in den USA und Japan in der HipHop-Fraktion sehr
hoch angesehen ist und dort auch wesentlich weniger DJs auf die Marke Technics
fixiert sind.
Wer aktuell Interesse an einem neuen Plattenspieler hat, sollte daher auf jeden
Fall den PDX-2300 MK2 Pro in Betracht ziehen. Momentan gibt es keinen besseren!
Fazit Vestax PDX 2300 MK2 Pro
In den letzten Jahren wurden immer wieder Plattenspieler miteinander verglichen.
Der Technics gilt bekanntlich seit Jahren als das Maß aller Dinge. Und genau
bei jedem Test wurde und wird auch immer wieder mit einem Technics-Turntable
verglichen.
Die meisten Plattenspieler haben es nicht geschafft an ihn heranzukommen, weil
man immer irgendetwas zu bemosern hatte. Die Luxusvariante mit den Zusatzfeatures
von Vestax steht nun auf der gleichen Ebene und ist zudem in einigen Disziplinen
sogar besser.
Was die Japaner einem als Profi-Turnatble verkaufen, stimmt absolut! Wer eine
längere Zeit beide vergleicht, wird sich zwar am Anfang etwas umgewöhnen.
Mit der Zeit wird aber jeder merken, dass der PDX 2300 MK2 Pro dem Technics SL
1210 M5G technisch überlegen ist. Vestax
- PDX 2300 MK2 Pro Homepage[1] Text: Kilian Heller
Der Text erschien auf loveparade.net[2]
und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. URL dieses Dokuments:
http://www.future-music.net/techreport/djtools/vestax-pdx2300mk2pro/