Hersteller: Technics Produkt: DJ - CD-Player Preis: 1199,- € Released: Sommer 2004
Der Sinn der Sache kommt zurück! Nachdem Technics nun seit über 20
Jahren schon eine Legende am Start hat, wollen die Japaner im digitalen Bereich
Maßstäbe setzen. Ob ihnen das gelingt, erfahrt Ihr hier...
Technics / Panasonic
Die ersten scratchfähigen CD-Player kamen ja schon vor ein paar Jahren
auf den Markt. Mittlerweile haben die Hersteller solcher Abspielgeräte mehr
oder weniger gute Konzepte erbracht, wenn es darum geht, das Vinyl vollkommen
zu emulieren. Das ging dann sogar soweit, dass die verschiedensten Effekte und
Zusatzfunktionen mit verbaut wurden. Ein Problem gab es dabei aber immer: die
Übertragung vom Vinyl-Handling. Nun hat die Mutter aller DJ-Turntable - Hersteller das Heft selbst in die Hand genommen und einen CD-Player gebaut, der dem eigenen Plattenspieler Paroli bieten soll. Ob das Technics
auch gelingt erfahrt ihr jetzt:
Das Aussehen des SL-DZ 1200 überzeugt schon mal auf ganzer Linie. Das Auffälligste
ist dabei der Plattenteller, der, bis auf die Größe, genau so aussieht,
wie beim Technics-Plattenspieler. Später aber mehr dazu…
Kommen wir erst einmal zum Aufbau:
An der Frontseite des CD-Players befindet sich der Slot-Einzug
und der dazugehörige Auswurf-Knopf. Betätigt man den Eject-Knopf kommt die CD langsam aus dem Schacht gefahren.
Die Oberseite des CD-Players ist klar strukturiert. Links unten befindet
sich die Start-, Stopp- und CUE-Taste. An gleicher Stelle findet man auch
die Stroboskopleuchte vor. Etwas weiter oben hat der Hersteller die Sample- und
CUE-Pad-Funktion verbaut. Rechts oben hat Technics die Lade und
Speicherfunktion der SD-Karte, die digitale Plattenspieler-Emulation,
die Effekte und den Rückwärtsmodus realisiert.
Rechts unten haben die Entwickler die Pitch-Funktion verbaut. Schön
ist hier die Umsetzung vom Technics-Plattenspieler gelungen. Der Hersteller
hat auch hier an eine Reset-Funktion gedacht, die eine pitchfreie Wiedergabe
garantiert.
Weiterhin kann man als DJ die Pitch-Lock-Funktion aktivieren und
so den Micky-Maus-Effekt bei hochgepitchten Liedern vermeiden.
Zudem ist der Pitchbereich bei CD-Wiedergabe zwischen 8, 16, 33 und 50
% wählbar. Beim Abspielen von mp3s steht einem der Wertebereich 8 und 16
% zur Verfügung. Daneben hat der Hersteller die Auswahl zwischen CD und Speicherkarten-Wiedergabe ermöglicht.
Technics SL-DZ 1200
Die zentrale Einheit des SL-DZ 1200 befindet sich in der Mitte. Der rotierbare
Plattenteller ist im inneren mit einem Display und weiteren Steuerfunktionen versehen.
Das Display selber ist ja schon ein Hingucker. Hier werden alle nötigen Informationen,
wie zum Beispielt Pitch, Tempo, Geschwindigkeit, Zeit, aktuelle Abspielposition,
die Recordfunktion für Speicherkarten, Autocue, Trackanzeige und CD- oder
Speicherkarte-Wiedergabe angezeigt.
Die Display-Anzeige ist zudem jeweils um 90°, 180°, 270° und
360° verstellbar. Dies ist sehr vorteilhaft, wenn der CD-Player nicht
immer gerade vor einem steht. Weiterhin ist der Kontrast des Displays frei einstellbar,
sodass man bei sehr heller und dunkler Umgeben arbeiten kann.
Außerhalb des Displays befinden sich, wie eben schon erwähnt, weitere
Steuerfunktionen für den CD-Payer. Die Entwickler haben die Loop-Funktion, die Veränderung der Displayachse, die Vorspul- und Rückwärtsfunktion
und die Remain /Autocue-Auswahl verbaut. Wer die Loop-Funktion
nutzen möchte hat es ziemlich einfach; einfach die gewünschte Stelle
per In und Out aussuchen und schon wird geloopt.
Etwas unglücklich ausgesucht haben sich die Entwickler den Standort der Spulfunktion.
Die Bedienknöpfe sind leider so dicht beieinander angebracht, dass man versehentlich
die Track-Auswahl mit der Spul-Funktion verwechseln kann.
Display
Zu der Rückseite kann man sich dafür aber nicht beklagen. Ganz im Gegenteil,
denn der Hersteller hat an reichliche Anschlüsse gedacht. Neben den Chinch-Ausgängen sind auch die Digital- und Remote - Anschlüsse vorhanden.
Weiterhin hat Technics sogar an einen Kopfhörerausgang mit eigenem Volume-Regler gedacht.
Die Stromzufuhr, die Platzierung für die Bremsstärke des Plattentellers
und die Auswahl zwischen Vinyl- und CD-Modus ist ebenfalls an der Hinterseite
vorhanden.
Zur Stromzufuhr müssen wir auch ein kleines Lob aussprechen, denn es wurde
kein in das Gerät führendes Kabel verbaut. Der Hersteller hat hier ein
Kabel mitgeliefert, dass bei defekt ohne Probleme austauschbar ist.
Kommen wir nun zum Hauptaugenmerk, dem Plattenteller. Er ist im Vergleich zum
Technics-Turntable etwas kleiner im Durchmesser. Der Plattenteller ist
direktgetrieben, wackelt aber ein wenig, sodass das Reaktionsverhalten nicht 100%
wie beim Technics - Plattenspieler ist. Der Plattenteller weißt sonst ein
gutes Reaktionsvermögen auf und hat im Vergleich zu den anderen Modellen
von Pioneer, Denon und Stanton bis jetzt die wirksamste Umsetzung bei der Emulation
von Plattenspielern erreicht.
Das Bedienfeld in der Mitte des Plattentellers ist nicht fest verbaut. Denkt man
am Anfang über eine Fehlkonstruktion des Herstellers nach, kommt man bei
genauerem Hinsehen dahinter, dass diese Lockerheit ganz bewusst so realisiert
wurde. Man kann nämlich unter gezielter Verwendung Stottereffekte erzeugen,
die sonst nur fortgeschrittenen DJs vorbehalten sind. Muss man beim Plattenspieler
genau die Stelle wissen und auch noch richtig scratchen, kann man mittels CUE-Pad-Funktion und lockerem Bedienfeld ganz genau die gleichen Effekte
erzeugen. Großer Pluspunkt für Technics, denn diese Funktion hat meines
Wissens bis Dato noch kein anderer Hersteller realisiert.
Ein weiterer cooler Gimmick ist der Rückwärtslauf. Der Plattenteller
dreht sich nämlich auch rückwärts. Im normalen Zustand bremst der
Plattenteller kurz ab und spielt dann die Musik rückwärts weiter. Da
dies erstens Zeit kostet und zweitens hörbar ist, har der Hersteller die
Instant Change-Funktion verbaut. Bei Betätigung dieser Funktion wechselt
der CD - Player sofort in den Rückwärts –Modus, ohne eine zeitliche
Verzögerung zu haben. Der Plattenteller braucht zwar auch hier ein paar Sekunden
Zeit um sich rückwärts zu drehen. Dafür spielt die Musik sofort
rückwärts weiter.
Start- und Stop - Knopf
Der CD-Player kann im Übrigen nicht nur CDs, sondern auch CD-R, CD-RW
und mp3s bei konstanten Bit-Raten lesen. Wenn zudem ganze mp3-Sammlungen auf einer CD gebrannt sind, kann der Player die Reihenfolge und den
Inhalt der jeweiligen Folder anzeigen. Des Weiteren hat der Player noch einen
Slot für SD-Speicherkarten und kann mit dem Secure AAC-Format
und Secure mp3-Format umgehen.
Die Sample- und CUE-Pad-Funktion ist ebenfalls nicht zu verachten.
Dabei kann mit der Sample-Pad-Funktion jeweils vier Mal bis zu
32 Sekunden gesamplet werden. Es kann jeder beliebige Punkt ausgesucht werden,
indem man entweder auf den blinkenden Sample - Knopf oder den darunter liegenden
Realtime Rec.-Knopf drückt. Ein großer Vorteil besteht auch
mit der simultanen Abspielbarkeit der Samples. Man kann bis zu zwei Samples gleichzeitig
abfeuern und muss sich nicht nur auf einen einzigen verlassen.
Bei der CUE-Pad-Funktion kann der SL-DZ 1200 nun bis zu vier unterschiedliche
CUE-Punkte auf einer ganzen CD speichern. Der Clou ist aber die optionale
Speicherfunktion. Der interne Speicher lässt nämlich die Sicherung von
bis zu 50 Datensätzen zu. Anfangs- und Endpunkt einer Loop-Schleife,
CUE-Punkte, dynamische Effekte, Einstellungen der Funktion für Platenspieler
und die Einstellung der Sofortwechsel-Funktion können intern gespeichert
werden. Wer zudem die Samples aus der Sample-Pad-Funktion sichern
will, muss zur SD-Karte greifen, da bei Stromunterbrechung die Sample-Daten verloren gehen.
Nächster Pluspunkt ist die Überspielung der Datensätze auf die
Karte. Da man als DJ nicht immer den eigenen CD-Player mitnehmen möchte,
kann man sich somit seine Einstellungen und Samples auf der Speicherkarte sichern
und weiter auf ein anderen SL-DZ 1200-CD-Player übertragen.
Was will man mehr? Ein weiterer Pluspunkt ist die Vinyl-SIM-Funktion.
Hier hat der Hersteller eine coole Funktion zum Emulieren vom Plattenspieler -
Klang verbaut. Es stehen insgesamt acht unterschiedliche Algorithmen zur Verfügung,
die zudem einen anständigen Klang haben. Will man dagegen zwei identische
Lieder auf Vinyl und CD vergleichen und dabei die Vinyl-Emulation des
Technics-Plattenspielers testen, kommt man doch teilweise zu stärkeren
Unterschieden. Dies ist dem Hersteller aber nicht negativ anzukreiden, denn die
Emulation von Vinyl ist nicht gerade einfach. Man kann die Qualität zwar
erhöhen indem man einen leistungsstärkeren DSP mit besseren Algorithmen
verbaut, sollte dabei auch bedenken, dass der Preis, der ohnehin nicht niedrig
ist, noch weiter in die Höhe steigen würde.
Wo wir ja schon bei DSP und Algorithmen sind, kann man auch gleich die Effekte
vorstellen: Der Hersteller stellt dem User acht unterschiedliche Effekttypen zur
Verfügung. Mittels Drücken der Typ-Taste kann man den Effekt
auswählen. Die Effekte selber manipulieren kann man mit dem rotierenden Plattenteller.
Dabei wird die Veränderung des Effektalgorithmus umso stärker, je heftiger
man den Plattenteller bewegt. Wer sich hier geschickt anstellt, kann mittels Scratch-Bewegung ganz verrückte Effekte erzielen, die sonst nur sehr schwer
zu bekommen sind. Da könnte man sich eigentlich sogar überlegen, ob
man dieses Konzept nicht ausweitet und ein eigenständiges Effektgerät
baut…
Vor - und Rückwärts...
Bei der Realisierung ihres „digitalen“ Plattenspielers hat Technics
ebenfalls an den Stroboskop-Effekte des Plattentellers gedacht. Hier hat
der Hersteller bei seinem Original abgekupfert, sodass die Kontrolle der Plattentellergeschwindigkeit
auch ermöglicht wird. Drückt man zudem auf den Push-Button,
der sich auf der Stroboskop-Leuchte befindet, gehen die Lichter beim CD-Player aus. Hier hat Technics Stärke bewiesen und zudem die erste
richtige Emulation von ausdrehenden Plattentellern realisiert.
Bei der Konkurrenz hört man das Auslaufen immer raus, da diese Emulation
sehr schwer zu bewerkstelligen ist. Technics beweist, dass es auch anders geht.
Der ausdrehende Plattenteller verhält sich nämlich genau so, wie beim
Technics-Plattenspieler.
Einen weiteren Pluspunkt haben wir wegen der Relais-Wiedergabe und den
Fußdämpfungen vergeben. Hat man zwei SL-DZ 1200-CD-Player, so kann man diese untereinander mit einem Miniklinkenkabel verbinden und
so die Relais-Wiedergabe starten. Dabei spielt ein CD-Player die
Musik und der andere befindet sich im Warte-Zustand. Ist nun die Musik
des ersten Players zu Ende, fängt der andere sofort mit der Wiedergabe der
Musik an. Mit der Verbindung zu einem DJ-Mixer mittels Miniklinkenkabel
kann man sogar den CD –Player fernsteuern. Öffnet man zum Beispiel
den Line- oder Cross-Fader beginnt die Musik automatisch zu starten.
Die Fußdämpfung ist auch vom sl1200mk2 abgeschaut worden. In der Verbindung
mit dem DSP-Chip kommt es daher zu keinen Aussetzern oder Wacklern.
Ebenfalls positiv anzumerken ist die gut geschriebene Bedienungsanleitung, die
in mehreren Sprachen vorhanden ist.
CD oder Speicherkarte?
Nun kann man sich vor aller Wertschätzung mal fragen, ob es keine Kritikpunkte
bei dem Teil gibt? Wir haben feststellen müssen, dass der Japanische Hersteller
in ein paar Sache das Nachsehen hat. Technics hat es leider versäumt, dem
CD-Player eine Framesuche mitzugeben. Eine Frame ist zur Erinnerung 1/74
Sekunde.
Wer genau loopen will, ist auf diese Funktion angewiesen, da man hier zum Beispiel
den Beginn eines Stimmen- oder Bass - Parts erkennen kann. Im Vinyl-Modus
hat man ja das Verhalten eines Platenspielers und muss so nach Gefühl vorgehen.
Im CD-Modus verstummt der CD-Player vollkommen.
Weiterhin nervend ist die Umstellung zwischen CD-und Vinyl-Modus.
Will man im laufenden Betrieb zwischen diesen beiden Modi wechseln, so verstummt
für ein paar Sekunden die Musik und der CD-Player ist erst dann wieder
einsetzbar. Das gleiche gilt für den Wechsel zwischen CD- und Speicherkarten-Funktion. Hier sollte Technics nachziehen, denn die Konkurrenz hat dieses
Problem geschickt gelöst.
Weiterhin für uns unverständlich sind die eingeschränkten Funktionen
im CD-Player-Modus. Hier funktionieren zum Beispiel das automatische
Auslesen der Speicherkarte und die AUTO-CUE-Funktion nicht.
Fazit Technics SL-DZ 1200
Wer einen coolen CD-Player mit sehr guter Vinyl-Funktion sucht,
sollte sich den CD-Player von Technics näher anschauen. Weiterhin
positiv anzumerken ist die Effekt- und Speicherkarten-Einheit und die
Liebe zum Detail. Der Japanische Hersteller beweißt, dass das Auflegen mit
CDs Spaß machen kann. Wer in der Vergangenheit immer gejammert hat, dass
die Emulation des Vinyls nicht so gut umzusetzten sei, wird mit diesem Gerät
eines besseren belehrt.
Legt man als DJ viel aufs Loopen Wert und braucht daher die Wiedergabe von Frames,
wird von Technics leider enttäuscht. Hier sollten die Japaner noch einmal
nachziehen, denn das Gerät kann mit dieser Fehlerausmerzung zum Kassenschlager
werden.
Was einmal schon für über 20 Jahren mit einem Modell Namens sl1200mk2
geklappt hat, kann auch mit einer CD-Player-Reihe funktionieren.
Der Preis beträgt 1199,- €. Technics
SL-DZ 1200 Homepage[1] Text: Kilian Heller
Der Text erschien auf loveparade.net[2]
und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. URL dieses Dokuments:
http://www.future-music.net/techreport/djtools/technics-sldz1200/