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Das zweite Album hat einen sehr schweren Stand, da es ausschließlich als Folge des ersten rezipiert wird. Und weil „The Raw Truth“, das Debütalbum von Lynx & Kemo aus 2009, eines der größten Werke im Drum & Bass ist, stellte es bereits vor zwei Jahren die kürzlich erschienene LP „Devils In The Detail“, diesmal ein Soloalbum von Lynx, in Frage. Was sollte jetzt noch kommen? Der Brite hätte eine durchaus gute Antwort mit seinem neuen Album geben können.
Doch er hat einen Fehler gemacht: Hellrazor! Gleich fünf Tracks hat dieser mitzuverantworten, die alle des geliebten Charmes beraubt wurden. „Without Warning“ z.B. ist ein Klon des großen Hits „Disco Dodo“, der aufgrund von Hellrazor´s veränderter DNA zu einem E-Gitarren verzehren Krüppel mutierte. Bei den anderen vier spielen sich ähnlich Szenen ab. Doch glücklicher Weise gibt es noch neun weitere Tunes, die in wesentlich sinnvolleren Kollaborationen (unter anderem Noisia, Marcus Intalex, DRS und Kemo) stattfanden und den Lynx-Trademark entfalten lassen und ihn in neue Kontexte setzt. Und die hätten auf der Tracklist vollkommen ausgereicht. Der bester Track der Platte ist allerdings als einziger in Eigenarbeit entstanden: Rhythmisch dissonant pumpt die Bassline von „Playskool“ den erfrischenden Groove zwischen Uplifting und Deepness voran.
Ein gutes Album, das sich teils folgerichtig an „The Raw Truth“ anschließt und die Ideen weiter denkt. Wer digital kauft sollte allerdings die Möglichkeit nutzen und nur neun Stücke in den Warenkorb verfrachten.

Im Vergleich mit der Größe und Einwohnerzahl von Jamaica zu anderen Flecken auf unserem Planeten hat die kleine karibische Insel die Welt musikalisch enorm geprägt. Reggae und Dancehall ist nicht nur ein globale Begriff, sondern ein Lebensgefühl, dass von vielen gelebt wird. Trotzdem öffnen sich die Künstler und Promo- Agenten anderen Einflüssen wie in diesem Fall den Thema Dubstep. Das aufeinandertreffen von Namen wie Busy Signal, Yellowman, Mavado, Gyptian, Vybz Kartel, Barrington Levy auf Coki, Mala, The Bug und Kromestar klingt vielversprechend. Die Remixe bestechen fast alle durch deepe Beats ohne Wobblebass.
Besonders positiv stechen Yellowman vs Horsepower´s "Zungguzugguguzungguzeng" Remix, Sizzla vs Mala/Digital Mystic´s "One Love" Remix und Gappy Ranks vs TMSV´s "Stinkin Rich" Remix hervor. Admiral Bailey vs Terror Danjah´s "Jump Up" Remix und Gyptian vs L.D.´s "Nah Let Go" Remix stechen sehr noisy hervor.
Barrington Levy vs Kromestar´s "Here I Come" Remix ist der Hit auf dem Silberling. Insgesamt finden sich 14 Lieder auf der CD - eine absolut lohnenswerte Anschaffung.

Nach 21 Jahren im Geschäft veröffentlicht Marcus Intalex sein erstes Album. Die Veröffentlichungen auf seinen beiden Labels Soul:R und Revolve:r haben das deepe Geschehen im Drum and Bass stark geprägt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an sein Debütalbum.
In der Presseinformation schreibt Mr. Intalex viel über den Einfluss von Techno auf seine Musik und dass die Zeit im Studio ohne Scheuklappen so viel Spaß macht wie noch nie. Aus einem Fundus von 35 Liedern hat er 13 ausgewählt. Drei Songs haben ein Tempo um die 130 bpm, die anderen spielen in typischer Drum and Bass Geschwindigkeit. Alle Lieder klingen auffällig nach dem Mann mit der markanten Brille: Präzise, Hypnotisch, Melodiös und Minimal. Ein Track sticht besonders heraus: „Climbing Up The Walls“ ist eine Coverversion des gleichnamigen Stückes von Radiohead. Die Vocals stammen unvorhergesehen von Danny Fierce. Lynx zeichnet sich für das Arrangement aus. Als weitere Kooperationspartner hat Markus Intalex Zed Bias, S.P.Y., Riya, DRS und Ras Tweed ins Boot geholt.
Jedes Lied auf "21" besitzt einen äußerst eigenständigen Charakter, was dem ohnehin individuellen Album noch eine positiveren Note verleiht. Die Techno und House-Stücke, die es nicht auf das Album geschafft haben, werden höchstwahrscheinlich auf Swamp81 veröffentlicht. Erwartungen erfüllt!

Wenn ein System krank wird, braucht es häufig frisches Blut. Der Drum-and-Bass-Organismus ist zur Zeit gesundheitlich nicht angegriff en. Alle Organe der Breakbeat-Kreatur funktionieren tadellos. Die lebenswichtigen Elemente dieses Basskörpers: Ein quicklebendiges Partyleben und eine Vielzahl an unterschiedlichen und hochwertigen Veröffentlichungen.
Hospital schickt trotzdem wieder ein paar frische Künstler direkt aus der Dialyse in die Tonstudios um den Corpus mit neuem Material zu versorgen. Die Auswirkungen sind durchweg positiv. Auf zwölf Liedern beweisen New Blood´s wie Lung, Flame, Sato und Anile, dass Medikamente für die Tanzfläche nicht immer nach dem Rezept der Schulmedizin hergestellt werden müssen.
Von Rawtekk wird nach langer Zeit des Wartens endlich die Gänsehaut-Nummer „Snowflakes“ releast. Eleven8 füllt die Gefäße mit temperamentvollem Dubstep und Subreachers, Bulp und Furi Anga pumpen minimale Beats bei variablem Tempo in die Venen.
Das Herz freut sich über das zusätzliche Elixier und zeigt keinerlei negative Nebenwirkungen.


Im Pressetext für sein letztes Album “Just A Souvenir” hatte Squarepusher von einem Traum erzählt, in dem er eine Band gesehen hat, die man mit der verrückten Alien-Combo aus der „Mos Isley Bar“ von „Star Wars“ vergleichen könnte. Im Pressetext zu seinem neuen Album „d´Demonstrator“ erzählt Thomas Jenkinson, dass ihn aufgrund der letzten Info einige Musiker angesprochen haben, mit denen er das Projekt jetzt realisiert habe. Ob die Geschichte ein PR-Gag ist oder nicht, können wir mit Bestimmtheit nicht sagen, dass dieses Album eines seiner Durchschnittlichsten ist schon.
Ich bin ein großer Fan des britischen Drill and Bass Musikers und verfolge seine Karriere seit 15 Jahren. Der Sound auf dem neuen Album besteht aus Electro Funk, Jazz-Rock, Space Pop und Fahrstuhl-Ambiente. Über jedem Lied liegt eine Vocoder-Stimme, was schnell nervt. Dafür hört man weniger Basslines und komplexe Tonartmodulationen des virtuosen Musikers. Die Synthesizerklänge drängen in den Vordergrund und die experimentellen Stilmittel in den Hintergrund. Das letzte Lied auf der CD fällt als elektronische Metall-Nummer völlig aus dem Rahmen. Der Mr. Oizo Remix kann auch nichts mehr retten.
Für das nächste Album wünsche ich mir wieder mehr Eklektizismus.





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