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MC Conrad


Die Männer von der vordersten Good Looking Front waren am 18.Mai 2001 in der Tangobar in Leipzig zu Gast. Zum Interview stand MC Conrad zur Verfügung. Das Interview führte Sketch (copyright: repertoire-Kantige Musik in 0341) und wurde freundlicher Weise www.future-music.net zur Verfügung gestellt.

Ich habe gehört, dass 'Progression Level 4' die letzte Veröffentlichung dieser Serie sein soll?

MC Conrad: Das ist richtig.

Ende der Geschichte?

MC Conrad: Das Ende eines Kapitels.

Und das nächste Kapitel ist 'Words 2b Heard'?

    MC Conrad: Für mich rückt das zeitlich mehr in den Vordergrund. Es wird sehr wichtig werden, mir diesen Teil meiner 'musical message' selbst zu vermitteln. Aber es ist immer noch 'Good Looking'.

Für die Leute, die über die Jahre Drum & Bass unter dem 'Logical Progression' Banner hören, wird der Sound bekannt sein und es wird auch weitere Projekte geben.

Dass was auf 'Logical Progression' aufbauen soll, wird seinen Zweck erfüllen und weiter für Leute da sein, die es als Bewegung sehen.

In einem grossen Schritt zeigten die vier Kapitel wie 'Good Looking' als Ganzes Drum & Bass repräsentiert. Wenn Einzelne ein Album machen, zeigt das die Charakterstärke eines Labels. Das ermöglicht es jedem weiterzugehen und es individuell zu machen.

Aber darunter gibt es immer noch den von 'Good Looking' repräsentierten Sound, der es möglich macht, ein Stück weiterzugehen. Das ist eine Verstärkung, die dazu dient alle Arten von Projekten - EPs, Alben, Compilations, Singles, was auch immer - möglich zu machen. Jedes ist für sich eine Verstärkung der 'Logical Progression'.

Bei 'Words 2b Heard' arbeitest du auch mit Livemusikern. Gibt es Pläne mit ihnen eine Art Tour zu machen, so wie zum Beispiel Roni Size mit seinem 'Reprazent'-Projekt?

MC Conrad: Das wäre sehr schön. Als wir das Album machten, hatten wir das auf jeden Fall im Hinterkopf, definitiv. Was auch kommt, das ist etwas, was ich noch machen muss.

Zur Zeit bin ich aber ausgefüllt mit den 'Progression Sessions' und den 'Cookin Nights'. Ich muss sicher sein, dass die Grundlagen gelegt sind und dann ist es sicher möglich, es zu tun. Aber es ist eben mehr, als nur MC Conrad innerhalb der Organisation.

Deine Rolle in dem Projekt ist etwas anders?

MC Conrad: Ich hatte mal eine Art romantische Vision, dass es eines Tages möglich sein wird, sich in einen grossen Sessel zurückzulehnen und hinter dem Mischpult zu arbeiten. Richtig guten Sound produzieren indem ich drinstecke mit Musikern und Sängern.

Das ist die Rolle, die ich mit 'Words 2b Heard' ausfüllen möchte. Nicht mehr vorn stehen müssen. Das macht es anderen Leuten möglich, die Frontposition einzunehmen und ich bin einfach nur ein Zusatz. Durch mich wird es eben mehr Gesang geben.

Teebee sagte, dass das meiste bei ihm ein Produkt des Zufalls ist. Liegt das bei dir ähnlich?

MC Conrad: Es gibt Tatsachen, die Erfolg bringen oder scheinbar Erfolg bringen. Du kannst viel Geld in eine Sache stecken und wenn es richtig vermarket wird, dann kann es erfolgreich sein.

Du kannst aber auch das pushen, was dir wirklich am Herzen liegt und von dem du möchtest, dass die Leute es erfahren. Mit nicht soviel Geld, aber mit der Zeit den Sound überall mit hinzunehmen und weiter daran zu arbeiten. Auch das kann erfolgreich sein. Beides kann ein Flop werden.

Wenn du aber in etwas viel Zeit investierst und es weiter bringen möchtest, dann ist es viel schwerer daraus einen Reinfall zu machen. Es ist nicht einfach so erschienen, sondern es existierte schon eine Weile.

In einem Interview habe ich gelesen, dass du dich selbst als eine Art Jazzsänger beschreibst?

MC Conrad: Jemand fragte mich, welchen Stil ich habe. Woher ich meine Einflüsse habe. Jazz ist ganz sicher einer davon. Ich liebe es, zu hören wie die Leute über die Musik gehen. Ich würde mich selbst nicht als einen Jazzsänger einordnen. Ich möchte nur ein paar Sachen vom Jazz herausheben. Das kann man dann in verschiedene andere Musikrichtungen transportieren, wie zum Beispiel in den Drum & Bass.

Drum & Bass stellt ein paar Akkorde um, die normalerweise aus einer anderen Musik kommen. Das breitete sich dann über den Drum & Bass aus und man erhielt so ein ähnliches Bild. Es ist ein bestimmtes Tempo, ein bestimmter Style, der dann dieses abwechslungsreiche Bild ergibt. Und ich denke, das kann man auch mit Vocals machen.

Wenn ich eine Idee höre, die ich mag, versuche ich diese so einzubauen, dass sie passt. Wenn ich etwas aus dem Reggae verwende, macht mich das noch nicht zu einem Reggaesänger. Es hilft mir nur meine Ideen auszudrücken und vielleicht zu einem Reggaestar. (lacht)

Jazz spielt man eher in kleineren Clubs. Die meiste Zeit sieht man euch in grossen Hallen. Möchtest du manchmal mehr in kleineren Räumen spielen?

MC Conrad: Wir spielen auch in kleineren Clubs. Es gibt zwei Visionen, die man bekommt, wenn die Leute auf einen reagieren. Es ist intimer, wenn jeder wirklich in der Musik aufgeht. Der Schweiss tropft von den Wänden, die Decke hängt sehr niedrig und das Licht ist sehr gedämpft und überall unter den Leuten vertraute Gesichter. Das ist die eine Art.

Dann gibt es die andere Seite, wo sich eine Masse von Menschen über ein riesiges Feld erstreckt, zusammen mit dem grössten Soundsystem, dass du dir vorstellen kannst. Und dann zu sehen, wie man die Leute mit dem speziellen Sound mitnehmen kann. Es gibt all diese Spielarten. Für mich ist eigentlich nur wichtig, dass der Sound stimmt.

Zusammen mit dem 'Good Looking'-Sound bin ich happy. Wie ein Kind mit seiner Playstation. Das interessiert nicht, ob es allein spielt. So spiele ich mit dem Soundsystem. Das ist sehr egoistisch gegenüber der Musik, aber da beginnt es für uns.

Wir sind zufrieden wenn tausend, fünfzig oder nur zwei Leute zuhören. Die Grösse einer Halle ist für mich nicht besonders wichtig.

In einer BBC Dokumentation* vor einiger Zeit bekam man ein Blick auf eure Tour. Es sah ein wenig nach Teenagern auf Reisen aus. Du selbst bist zum Beispiel im Flugzeug vergessen worden. Ist diese Wahrnehmung richtig?

MC Conrad: Das ist schon ein Teil von mir. Die Kamera lügt nicht. Wie auch immer, das ist schon etwas länger her.

Ich denke, die Leute haben jemanden gesehen, der die Wege erlernt, die man braucht und die nötig werden, um einen bestimmten Grad an Erfolg zu haben. Du versuchst Erwartungen zu erfüllen.

Die Dokumentation zeigt auch die andere Seite der Geschichte, Dannys (Willamson aka LTJ Bukem, Anmerk. d. Red.) Sicht der Dinge und Tonys (Fordham**, Anmerk. d. Red.) Sicht der Dinge. Wir alle versuchen, etwas zu erfüllen. Es zeigt auch, was man mitnehmen muss, wenn man alles selbst macht. Es gibt kein Buch wo die Regeln drinstehen.

Es gibt viele Kräfte da draussen, die dich glauben lassen, dass sie entscheiden, was falsch und was richtig ist. Manchmal läuft es halt durch einen selbst falsch. Das ist ein grosser Teil von dem was in der Dokumentation gezeigt wurde. Verschiedene Eindrücke und eine andere Art von Druck.

Es ist immer noch hart, in ein Flugzeug zu steigen, an einem Tag in zwei Stunden in eine andere Stadt zu fliegen, dort fünf Stunden aufzutreten, eine Stunde zu schlafen, eine zu essen und schliesslich in einem Auto wieder zurück zum Flughafen zu fahren. Und dann beginnt das Ganze wieder von vorn. Das ist schon sehr hart und du musst dich irgendwie darauf vorbereiten bis du verstanden hast, wie es richtig läuft.

Die erste Zeit weisst du nicht, was dich erwartet. Da ist alles neu. New territory.

Interessierst Du Dich auch für andere Musikrichtungen?

MC Conrad: Auf jeden Fall. Darum beschäftige ich mich ja auch mit Drum & Bass. Dort stecken so viele verschiedene Musikarten drin. Es ist schwer, das alles in ein Paket zusammenzupacken. Ich denke, Drum & Bass macht das möglich. Es ist Hip Hop, Soul, Reggae, Jazz und Funk.

Hast du irgendwelche speziellen Vorlieben für bestimmte Alben oder Künstler?

MC Conrad: Zu viele, um alle zu erwähnen. Ich selbst liebe noch immer die Musik aus der Hochzeit des Hip Hop. Ich bin damit aufgewachsen, seit ich neun Jahre alt war. Das ist jetzt schon zwanzig Jahre her, was mich damals innerlich aufgerüttelt hat. Auf jeden Fall Marley Marl, Big Daddy Kane, Shantee, Biz Markey.

Diese ganzen Leute sind es, die die gesamte Hip Hop Szene jederzeit im Sturm nehmen würden. Die haben mich sehr inspiriert. Mantronik für das, was er technologisch gemacht hat. Dancemusic mit so einem verrückten Stil, dass ich schlaflose Nächte von den Sounds hatte und ich mich fragte 'Wie macht der das'. Er hatte ein leeres Papier und hat darauf seine Ideen skizziert. Das ist das, was in mir ist und aus mir herauskommt.

Zum Schluss, was war das letzte Buch, das du gelesen hast?

MC Conrad: Das letzte Buch was ich gelesen habe. (lange Pause) Ich lese alles. Ich mag es, etwas zu lesen. Das ist eine Art Quelle für mich. Die Art, die Arbeit von jemandem zu beurteilen, indem man entscheidet, was man daraus für sich nimmt. Also ich lese Sachen wie .... technische Handbücher (lacht).

In Boston habe ich ein Buch gefunden mit dem Titel 'sin and syntax'. Darin geht es um das Schreiben, die Kunst des Schreibens. Du kannst Autor eines Drehbuchs sein, ein Dichter, ein Rapper oder für die 'New York Times' arbeiten. Das, was du schreibst, ist für jemanden zum Lesen und zum Übersetzen. Es bringt den finalen Punkt der Übersetzung deiner gedanklichen Bilder, innerhalb eines Prozesses. Ohne dass der andere seine Vorstellungskraft benutzen muss. Du liest etwas, weil jemand anderes dir die Bilder in Wörter umsetzt und es dabei so richtig wie möglich macht.

Das Buch, was ich da lese, zeigt die Fallstricke dabei und die Sachen, die man dabei durcheinanderbringen kann. Es zeigt, wo man länger schreibt, als man sollte oder wann man einen bestimmten Punkt erreicht hat, der aber nicht mehr wichtig ist, erzählt zu werden. Es zeigt den Weg dort heraus und den Rhythmus der Wörter. Sehr interessant. Die Worte und ihre Bedeutung. Its deep.

Anmerkungen:
* Dokumentation von BBC2 'Modern Times' über die zweite Amerika Tour der 'Logical Progression' im Frühling 1997
** Good Looking Label Manager

Dank an www.breaks.org/repertoire [1] und www.repertoire-mag.net [2]

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