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DJ Suv

Folgendes Interview erschien im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Verfasser des Textes: Barbara Wimmer.    

Bristol. Und wieder steht diese kleine, englische Stadt im Mittelpunkt des Geschehens. Zumindest wenn es um die neuesten Projekte des Produzenten und DJs Suv geht.

Schon seit den Anfangstagen von Full Cycle ist er mit dabei, seine Solo-Veröffentlichungen hielten sich jedoch in Grenzen. Neben erfolgreichen Kollaborationen mit seinen Kollegen Die, Krust und Roni Size und seiner Mitgliedschaft beim Projekt "Reprazent", erschien 1997 seine Solo-Debut-EP namens "Freebeat", welche besonders durch ihre empirischen Qualitäten - der Entwicklung des sogenannten "Freebeat Licks" - hervorgestochen ist.

Unter dem Namen "Reel Time" hat Suv ein weiteres Projekt am laufen, welches durch den Track "Mine" auf der "Through the Eyes-Compilation" bekannt wurde.

Mit seinem neuen auf Full Cycle erschienenen Album "Desert Rose" geht Suv neue Wege. Er lässt sich ganz von seiner Inspiration leiten und durch lateinamerikanische, marokkanische und asiatische Einflüsse entsteht ein interessantes Werk mit frischen Sounds, die dem Drum'n'Bass wieder neues Leben schenken.

Das "Breakbeat" hat für euch mit dem Mann hinter den Beats gesprochen.

Dein neues Album "Desert Rose" beinhaltet viele lateinamerikansiche und asiatische Einflüsse. Wo kommt deine Inspiration her?

Suv: Meine Freundin ist spanischen Ursprungs, und sie hat mich sehr inspiriert. Ich habe mich allerdings schon immer für die verschiedensten Musikrichtungen interessiert und mich inspirieren lassen.

"Desert Rose" ist ein ethnisches Projekt, welches verschiedene Kulturen der Welt verschmilzt. Wenn ein Mann in Lateinamerika diesen Sound hört, entsteht vielleicht eine neue Brücke. Das Album soll die Denkweise, den Verstand vieler Menschen durch die Musik öffnen, das ist mir sehr wichtig.

Ich finde, dass Musik die wichtigste Sprache der Welt ist. Musik ist sogar besser als Religion, weil sie z.B. keinen Krieg auslöst. Gerade die jüngsten Ereignisse sind sehr traurig. Musik ist die einzige Kraft, die alle Kulturen miteinander verbinden kann. Immer das Gleiche zu machen, ist langweilig. Deswegen: Lasst uns etwas Leben in die Musik bringen!

Ist "Desert Rose" daher eher für das Publikum gedacht, welches zuhört, oder ist es auch für den Dancefloor gemacht?

Suv: Beides. Auf der Vinyl EP gibt es vier dancefloor-orientierte Tracks und einen Track zum Zuhören. Ich will meine Fans nicht verlieren, allerdings habe ich auch den Track "Flamenco Cybernetico" auf die Vinyl-Version gegeben.

Als ich mit den DJ-ing begann, wollte ich immer nur gute Musik spielen. Wenn der Song gut war, habe ich ihn gespielt und mich nicht auf ein musikalisches Genre begrenzt. Es ist wichtig, sich immer neu zu orientieren und sich weiter zu entwickeln.

Die Titel der Tracks scheinen alle einen tieferen Sinn zu ergeben und viel zu bedeuten. Was hat es damit auf sich, im Besonderen auch mit dem Titel?

Suv: England liegt auf der zentralen Linie zwischen Indien, Südamerika und Marokko. Länder, die wiederum die Wüste repräsentieren. Ein arabischer Mix. Der Track "Alhambra" fühlt sich richtig an, wie eine "Desert Rose".

Aber weißt du eigentlich, was "Desert Rose" ist? Es ist eine Art von wunderschönem Gestein, Quarzkristall, welches man im Sand findet. Sehr faszinierend. Die Verbindung dazu ist für mich ein perfektes Statement zu der Tatsache, dass es auch gute Dinge auf der Welt gibt, während so viele schlechte Dinge gleichzeitig passieren.

Man hört, dass auf dem Album viele Instrumente live eingespielt wurden. Ist für dich dieser Live-Aspekt wichtig?

Suv: Instrumente live einzuspielen ist für mich extrem wichtig. Richtige Instrumente machen den Sound erst so richtig schön. Es steckt mehr Leben drin, mehr Gefühl.

Nur den Computer zu verwenden, ist für mich viel zu mechanisch, ohne Leben. Die Musik ist dann ein Nichts. Für mich ist es auch unmöglich 24 Stunden ohne Unterbrechung im Studio zu arbeiten, ich brauche Lebenserfahrung. Wenn ich die nicht bekommen würde, wäre meine Musik schon längst tot.

Spielst du auch selbst Instrumente ein?

Suv: Nein. Ich versuche es zwar. Ich kann auch einzelne Instrumente spielen, aber ich liebe es, mit anderen, verschiedenen Leuten zusammenzuarbeiten. Der Kontakt ist für mich sehr wichtig. Auf viele Ideen würde man gar nicht stoßen, wenn man mit niemandem zusammenarbeitet. Dadurch entsteht eine einzigartige Musik und es ist mir sehr wichtig.

Was macht dir persönlich mehr Spaß - für ein Publikum zu produzieren, welches zuhört, oder für den Dancefloor?

Suv: Das ist für mich irgendwie unmöglich zu beantworten. Manchmal macht es Spaß, einen Track in fünf Minuten zu machen, manchmal brauche ich ein Jahr, bis er wirklich fertig ist. Spaß bedeutet für mich, wenn ich es nicht zwanghaft tun muss, weil dann ist es Arbeit. Herumexperimentieren und frei sein ist wichtig. Und mal etwas Anderes zu machen, das macht auch Spaß.

Als ich angefangen habe Musik zu produzieren, habe ich einfach Spaß daran gehabt. Ich werde sicher nicht vergessen, wo ich herkomme und wie wichtig es ist, das Leben als solches zu genießen. Warum sind wir alle hier? Ich bin froh, dass ich heute aufgewacht bin. Musik steht an zweiter Stelle.

Du hast ja auch diverse andere Projekte am laufen. Kannst du mir etwas darüber erzählen?

Suv: Ja, ich arbeite gerade an "Follow the Sun", das wird dann der zweite Teil von "Desert Rose". Es werden definitiv mehr Vocals zu hören sein. Ich möchte mich immer weiter perfektionieren und weiter entwickeln. Die Tracks auf dem Album werden auch viel kürzer werden - zum Zuhören - keine sieben Minuten langen Tracks, denn die sind viel zu anstrengend.

Mit "Follow the Sun" sollen wieder verschiedene Kulturen zusammengeführt werden. Ich arbeite außerdem mit verschiedenen Vocalistinnen zusammen, z.B. mit Talie aus Neuseeland, die ich sehr gut finde und da gerade eine Single für "Follow the Sun" im Entstehen ist. Abgesehen davon mache ich mit einem DJ und Produzenten namens Tatife aus Brasilien ein paar Tracks.

Dann ist da noch Reprazent, die Live-Shows und meine DJ-Tätigkeit, die mich sehr auf Trab hält. Mein anderes Projekt, "Reel Time", wird leider etwas warten müssen. Das geplante "Reel Time"-Album, welches mehr vocal-lastig sein wird, ist jedoch hoffentlich bald fertig.

Deine Beziehung zum Label "Full Cycle" ist sehr eng. Was bedeutet das Label für dich?

Suv: Full Cycle tut mir gerade sehr gut. Ich war irgendwie von Anfang an ein Teil von Full Cycle, und Full Cycle ein Teil von mir. Deswegen wird auch "Follow the Sun" wieder auf Full Cycle erscheinen. V Recordings gehört auch noch zu meiner Familie, vielleicht werde ich die Tracks mit Patice auf V releasen.

Was gibt es Neues beim Projekt "Reprazent", wo du neben Roni Size, Die und Krust auch dabei bist?

Suv: Das dritte Album ist eigentlich fast fertig, allerdings weiß ich nicht so genau, was damit jetzt weiter passiert, ob die Plattenfirma mit den Tracks einverstanden ist. Reprazent ist mehr Roni's Projekt. Wir haben gerade letzte Woche zwei Reprazent-Live-Shows gemacht in Brasilien, das war wirklich faszinierend.

Drum'n'Bass ist gerade so groß überall auf der Welt wo wir hinkommen. Drum'n'Bass ist, denke ich, die futuristischste Musik. Die treibende Kraft von elektronischem Equipment.

Du bist ja nicht nur Produzent, sondern auch ein sehr aktiver DJ und tourst viel herum. Was bedeutet es für dich, aufzulegen?

Suv: Ich liebe DJ-ing. Das ist für mich ein sehr wichtiger Teil des Produzierens und Komponierens. Du siehst die Reaktion auf deine Tunes. Ohne das weißt du ja nicht, wie die Leute auf den Sound reagieren. Es ist das beste Gefühl, wenn die Leute zu meinen Liedern tanzen.

Wo warst du schon überall auf der Welt?

Suv: Ich denke überall. Japan, Portugal, Neuseeland, ganz Europa... Der Kontakt zu den verschiedenen Kulturen ist mir sehr wichtig. Am größten ist Drum'n'Bass denke ich derzeit in Brazilien. Einfach unglaublich. Wahrscheinlich werde ich im April eine Solo-DJ-Tour in Brazilien starten.

Gab es für dich ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Suv: ... (Suv denkt lange nach)... Jedes. Wenn du keine Erfahrungen hast in deinem Leben, bist du bereits tot. Jetzt im Moment ist Brazilien am meisten in meiner Erinnerung, weil ich erst gestern zurückgekommen bin. Ich denke mir jetzt, dass ich noch gerne dort wäre.

Aber ich habe etwas Liebe mitgenommen von dort. Man muss immer offen sein für Neues und ich bin sehr froh, dass ich einen Platz gefunden habe auf dieser Welt!

Text: Barbara Wimmer
Das Interview erschien in Breakbeat Ausgabe 23 und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.

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