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DJ Kane


DJ Kane und die Gesetze der Quantenmechanik oder: Der Zusammenhang zwischen einem neuen Wecker und neue Beats.

Als einziger unter der Renegade Hardware Kolonne, der den Präfix DJ trägt, sitzt der 23 -jährige DJ Kane natürlich auf der Vorderbank wenn es um das musikalische Repräsentieren geht.

Der DJ/Produzent unterscheidet sich von dem Rest des Teams auch dadurch, daß er einer der wenigen Künstler ist, die sich nördlich des River Thames eingenistet haben.

Mit Wohnsitz in Camden liegen auch an alle möglichen Drum and Bass Knotenpunkte in unmittelbarer Umgebung: Seine zweite Arbeitsstelle, der Piratensender Kool FM in Hackney und das Dub-Plate Preßwerk, Music House, in der Holloway Road. Auch Black Market Records in Soho; alles Institutionen, die nicht weniger als eine halbe Stunde von seinem Bett entfernt sind. Nur sein Studio im Büro der Trouble on Vinyl Villa liegt eine halbe Odyssee entfernt.

Und obwohl er mit Tracks wie The Wrath und Morphis (das einzige Track von ihm auf dem Quantum Mechanics Sampler) bewiesen hat, daß er im letzten Jahr die Drei-mal-umsteigen doch mit Gusto bewältigt hat, war es ihm nicht genug. Hunderte von rhythmischen Sprengköpfen warten immer noch darauf, gebastelt zu werden. Zu Weihnachten gab's deshalb einen neuen Wecker.

Bleibt nur noch die Frage offen, ob sich die die Compagnons von future Forces Inc. auch an ihren Wecker halten und die Studiokonsole rechtzeitig räumen.

Du bist einer der wenigen Mitglieder der Renegade Hardware Familie, die in erster Linie einen Namen als DJ haben. Wie siehst Du das? Bist Du eher DJ oder gehörst Du zu den Vollblutproduzenten?

DJ Kane: Eigentlich bin ich sowohl als auch. Beide Tätigkeiten gehen Hand in Hand. Bis jetzt habe ich aber nicht so viel produziert, aber das werde ich dieses Jahr berichtigen.

Arbeitest Du lieber alleine oder zusammen mit anderen?

DJ Kane: Das Studio wird ja von allen Trouble on Vinyl Künstlernmitbenutzt, deswegen kam es in letzter Zeit immer öfter vor, daß ich im Studio sitze und jemand dazu stößt. Das hängt auch damit zusammen, daß ich nicht unbedingt alleine ins Studio gehen mag.

Ist das auch mit eines der Gründe warum sich der Trouble on Vinyl Sound und der Renegade Hardware Sound so ähnlich sind, weil jeder dasselbe Studio teilt?

DJ Kane: Die zwei Labels sind sich schon recht ähnlich. Meiner Meinung nach ist das aber als ein Spiegelbild der momentanen Lage anzusehen. Die Grenzen innerhalb der Szene verwischen sich. Früher spaltete sich alles in verschiedene Lager: Jump-Up, Techstep, usw. Heute spielt man sogar Shy FX im Blue Note. Das ist auf jeden Fall ein Zeichen.

Mit wem arbeitest Du konkret zusammen?

DJ Kane: Mit D-Bridge von Future Forces Inc. habe ich in letzter Zeit mehr gemacht. Außerhalb des Labels arbeite ich mit wenigen Leuten. Das Label bleibt im allgemeinen bei sich, so wie jedes Label. Wir haben alle unsere eigene Agenda.

...aber DATs wirst Du wohl verschicken, oder?

DJ Kane: Ich gebe ungern mein Zeug weiter. So etwas überlasse ich Clayton Hines. Ich mag nicht mit Leuten auf dieser Ebene zu tun haben.

Du bekommst aber DATs zugeschickt?

DJ Kane: Deine Dub Plates mußt Du haben! Es gibt nichts schöneres als der Geruch eines frischen Plates... Von außen bekomme ich hauptsächlich Material von Ram Recordings, V, von Swift, von Optical, Ed Rush und Dylan.

Renegade Hardware und das Mutterlabel Trouble on Vinyl scheinen einen sehr ausgeprägten und familiären Umgang mit ihren Künstlern zu pflegen. Ist das für Dich auch ein entscheidender Faktor?

DJ Kane: Die Musikgruppe ist wie eine Einheit. Irgendwie herrscht das Bewußtsein, daß wir alle dasselbe Ziel vor Augen haben.

Andere Labels gehen sehr distanziert mit ihren Künstlern um. Du gehst ins Büro rein, es sind keine der Künstler da (weil sie alle ihr Zeug zu Hause machen und von dort aus verschicken) und alles wird irgendwie im Papierverkehr geregelt. Hier hat jeder Mitspracherecht. In Meetings stimmt jeder bei den Sachen zu, die Auswirkungen auf das Label haben.

Bist Du sehr aktiv im Tagesgeschäft?

DJ Kane: Ja, in der Vergangenheit habe ich schon im Büro mitgearbeitet: A&R, DATs verschicken, usw. Aber momentan versuche ich das herunterzuschrauben. Solche Arbeiten stehen mir und meinen künstlerischen Ambitionen nur im Weg. Ich will nicht im Papierkram untergehen. Das ist nicht der Grund, weshalb ich hiermit angefangen habe.

Aber es ist schon ein Job?

DJ Kane: Manchmal habe ich Probleme, den Leuten das beizubringen. Man glaubt halt nicht, daß um die Welt fliegen auch harte Arbeit mit sich bringt.

Und wie sieht so der übliche Tag in London aus?

DJ Kane: Das muß ich noch auf die Reihe bekommen. Ich stecke noch in diesem Weihnachtsferien Trott - oh, Man, die haben's mir angetan! Mein Schlafrhythmus ist noch total im Eimer. Ich stehe immer noch gegen 13.00/14.00 Uhr auf. Ich hatte ja auch kein Grund dazu; das Studio wurde renoviert. Es lief halt gar nichts. Aber das läuft jetzt nicht mehr so weiter. Das Studio ist bald fertig, es gibt neue Geräte zum Erforschen und ich muß etwas leisten. Ich habe mir auch vor kurzem einen neuen Wecker gekauft und bin jetzt bereit!

Das Interview führte Oli Koehler für DE:BUG

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