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)EIB( aka Bad Company (Maldini & D-Bridge)


Bei einem Gig in Slowenien stellte beSSo (von Place4Bass) Maldini & D-Bridge von Bad Company Fragen zu deren Sound, zu Mp3 und der weltweiten Drum'n'Bass Szene.

Bevor es los geht die große Frage: Soll ich Euch mit Bad Company oder EIB ansprechen? Wie spricht man denn das EIB-Logo aus? Es wird beides noch genutzt, was ist die Bedeutung des Logos?

Das sind einfach wir. Es hat keine tiefere Bedeutung. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber es ist einfach nur ein Icon für BC Recordings. Im Print wird da Logo nicht oft genutzt, wir setzen das Logo ein, damit die Leute unseren Stuff dadurch erkennen.

Wie würdet Ihr mit Euren eigenen Worten den 'Bad Company Sound' beschreiben - sagen wir einem 10-jährigen.

Ha, ha! 10-jährige sollten sich unseren Musik nicht anhören... anyway...
Recht hart, dancefloor orientiert, 'it's just happening'. Für einen 10-jährigen wäre es eher traurig und primitiv. Aber Du weisst die Musik ist nicht für 10-jährige, obwohl als ich 10 war auch anfing die Musik meiner Eltern zu hören. Auf der anderen Seite ist es noch nichts für deren Ohren. :)
Ich würde unsere Musik als energeriegeladen, anstachelnd, hart und rau bezeichnen.

Habt Ihr schon mal daran gedacht ein Video für einen Eurer Tunes zu machen? Glaubt Ihr dass das ganze Video-Konzept in einem Genre wie Drum'n'Bass überhaupt funktioniert?

Auf jeden Fall! Wir haben viele gute Tracks auf verschiedenen Independent Labels am Start und es braucht viel Geld ein gutes Video zu machen. Die Öffentlichkeit geht ziemlich hart mit Videos um. Es gab schon das ein oder andere Drum'n'Bass Video. Die waren aber billig produziert und zeigten alle ziemlich das Gleiche. Sie sind nicht so propper wie Musikvideos anderer Genres. Aber wir denken darüber nach Videos zu machen, nicht unbedingt für Bad Company - aber für unser 'Digital Nation' Projekt. Daran arbeiten wir noch...

Videos sind heute ein wichtiger Teil der Musik, aber wir haben nicht das Geld um 'big bugdet' Videos zu produzieren - auch wenn wir liebend gerne wollten. Aber da wir keinen großen Major hinter uns haben, haben wir viel mehr Kontrolle über unserer Musik.

Wenn eines Tages Drum'n'Bass größer wird und sich mehr Leute dafür interessieren, sind wir vielleicht auch in der Lage Videos zu produzieren.

Glaubt Ihr dass Drum'n'Bass seinen Höhepunkt erreicht hat(te)? Seht Ihr das ganze Drum'n'Bass-Ding eher steigend oder fallend?

Auf jeden fall steigend! Drum'n'Bass kommt ursprünglich aus England und hatte dort Höhen und Tiefen. Zum Beispiel in London und im Rest von England gibt es einige wirklich große Parties. Von Raves bis Chill Out, Fabio-mäßiges Mittwochs, Bar Rhumba Donnerstag, wo fast jeder DJ der Szene am Start ist; die Labelnights, und die Farbric. Es sind viele Parties im Gange. Auch in Brasilien, Canada, USA, Europa - überall geht was. Mal mehr mal weniger. Auch wir selbst haben verschiedene Phasen durchgemacht.

Aber die Szene muss wachsen, obwohl es harte Zeiten gab. Besonders in England, weil es da ein sehr breites Angebot an Musik gibt.

Die englische Presse hat Drum'n'Bass oft gedisst und x Mal schon als 'tot' abgestempelt. Leute, die nicht in die Clubs gehen und sehen was dort wirklich abgeht erzählen Bullshit!

Auf den großen Festivals wie 'God's Kitchen' ist der D&B-Floor immer am lautesten und versprüht die meiste Energie. Wenn Du Dir die Flyer anschaust ist das eine einzige Lüge: 5 Zelte mit den top Trance- und House-DJ's und dann liest man in der Presse, dass das D&B Zelt am meisten gerockt hat. Die Presse weiß nicht was läuft, die kennen nur den 'cheesy' Schrott. Es gibt auch da ein paar gute Tunes, ab das ist einfach nicht unser Ding.

Die Medien sollten etwas differenzieren... Die Musik hat sich in den letzten Jahren verändert. Viele Leute die für die Magazine schreiben machen das nicht weil sie Ahnung von der Musik und der Szene haben, sondern weil sie einen 'English degree' haben und gut schreiben können.

Wenn Du deren Berichte liest, wird Dir gleich klar, dass sie keine Ahnung haben. Sie bringen nur was über den bekannten Shit und wissen nicht, was wirklich läuft. It's frustrating, but fuck it!

Drum'n'Bass ist jetzt seit 10 Jahren jetzt vorne mit dabei. So wie wir uns von der Musik beeinflussen ließen, beeinflussen wir jetzt andere Leute mit unserer Musik. US HipHop, wie die Timbaland-mäßigen Beats, doubling, time stretching - solche Sachen. D&B verwendet so was schon lange... dann hörst Du so was... und dann wieder diese Print-Reviews, you know what I mean?

Es gibt viele Magazine in London bei denen man den Eindruck hat, dass die Schreiber nicht über Drum'n'Bass berichten wollen. Sie wollen für ein Mag arbeiten, kennen aber nur die bekannten Namen wie Roni Size oder LTJ Bukem.

Wenn Ihr irgendwo hin auswandern müsstet - sagen wir auf eine einsame Insel - welche 5 Tunes würdet Ihr mitnehmen?

Das ist schwer. Aus dem D&B-Bereich würde ich etwas von Kust und Future Unkown mitnehmen. Ansonsten Stone Roses' 'Fool's Gold', Marvin Gaye's 'Sexual Healing', Jaydee's 'Pause' und das 'Spacek'-Album meines Bruder.

Wie lange braucht Ihr um die eine LP wie 'Digital Nation' oder nur einen Track zu produzieren? Wie viel Zeit habt Ihr für 'Spacehopper' gebraucht?

Die meisten Tunes werden in einer Session gemacht. Wir fangen an... sagen wir um 20.00 h und sind dann so morgens um 06.00 h fertig.
Wir bauen die Tunes einfach. Wir kennen unser Equipment.

Wie seht Ihr als Producer die Zukunft von Computer und Software? Wir alle wissen, dass es möglich ist gute Musik nur damit zu machen. Was benutzt Ihr?

Wir haben einiges an Stuff. Momentan benutzen wir ProTools zusammen mit Logic. Wir haben normale Sampler, arbeiten aber auch viel mit dem Laptop. Man kann inzwischen so viel nur mit den kleiner dunklen Kisten machen... Man ist nicht an einen Ort gebunden. Du kannst dein Laptop überall mit hinnehmen. Im Studio haben wir die ProTools Plug-ins dann auch noch mal.
Elektronische Musik wird immer am Zahn der Zeit sein.
I'm in it, I'm in anything that just blows me away.

Es ist bekannt dass Ihr Anhänger der 'being wired' Geschichte seid. Was denkt Ihr über das Verbreiten Eurer Musik über das Internet (z.B. als MP3)?

Es ist o.k. wenn sich Leute Stuff runterladen und anhören. Denn stoppen oder verhindern kann man das sowieso nicht. Aber es ist was anderes, wenn Leute dann die MP3's auf Dubplate schneiden und im Club spielen. Das ist gleichzusetzen mit Diebstahl. Es lädt sich jeder Stuff aus dem Netz runter - es geht nur darum, was man dann damit macht!

Wenn Du Dir die MP3's dann nur paar mal anhörst, ist es etwas anderes als wenn Du sie öffentlich spielst. Das ist so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz. O.K., lade die den Tune runter, höre ihn an, aber benutze ihn nicht als Tool zu DJing.

Ich weiß nicht, aber mit der ganzen MP3-Sache ist es schon seltsam. Die Leute sollten den Producer in unserer Szene gegenüber etwas Respekt zeigen. Aber viele scheinen diese 'Ethik' nicht zu kapieren und machen aus einem Track z.B. einen 'unofficial Remix'. Das ist nicht real! Man sollte auch dem Tune gegenüber Respekt zollen und wenn man einen Remix machen will, soll man die Person fragen die ihn im Original gemacht hat.
'Don't do it backhanded like sneaky ones.'

Wenn Leute sich bei Audiogalaxy, Soulseek oder wo auch immer unsere Tracks herunterladen noch bevor sie released sind, dann werden wir einfach keine Tunes mehr rausbringen. Und das ist genau dass, was bei jedem Artist so passieren kann. Es gibt nicht so viele Künstler die gute D&B Musik machen. Es ist relativ einfach an Tunes ranzukommen und sie im Club zu spielen. Aber wenn Du keine Erlaubnis vom Künstler (Autor) hast, dann spiele sie nicht.

Was für Musik hört Ihr zu Hause oder im Auto? Auch D&B oder etwas anderes?

Was wir gerade auf dem Weg vom Flughafen hierher im Auto gehört haben war DJ Kicks. Ansonsten viel Hip-Hop, Jaydee und Spacek. Wenn wir zu Hause produzieren hören wir genug Drum'n'Bass. Dasitzen und Tapes anhören ist nicht so unser Ding.

Wie sind die Reaktionen der Leute wenn sie zu Drum'n'Bass feiern? Gibt es da Unterschiede zwischen England und dem Rest von Europa?

Es ist so, dass die Leute auf verschiedenen Levels sind und die Szenen unterschiedlich weit entwickelt sind. So gibt es Länder in denen sich gerade eine Szene aufbaut und Länder in denen es schon seit Jahren eine große Szene mit dicken Parties gibt. Z.B Kanada, wo sich eine große Szene entwickelt hat, die nur 3 oder 4 Jahre 'hinter' London ist.

In London hat ein Top-DJ kein freies Wochenende, so wie Andy C irgendwo in Europa spielt. Es ist unterschiedlich... Bei einem normalen Event in London hast Du Grooverider, Hype, Andy C, Ray Keith, ... ungefähr 6 top UK DJ's, während man in Europa oder sonst wo ungefähr 2 Headliner am Abend hat. In London werden die Besucher mit DJ's überhäuft.

Ich spiele gerne in Europa; Deutschland, Italien, Portugal, ... Wir waren schon fast überall (Brasilien, Australien, Japan, ...) und haben so einen Überblick bekommen wo was läuft.

Der einzige Unterschied zwischen den Ländern ist die Zeit ab der die Szene entstand und sich entwickelte. Die Wege sind gleich: DJ's, Producer, ... - it just spreads.

Abschließend: Welcher )EIB( Track ist Euer fave?

Ich denke jeder hat seinen eigenen Favoriten. Für mich ist es 'Spraycan'... kam der überhaupt raus?! Ich glaube schon... Und 'The Nine', weil wir auch nach Jahren den Track immer wieder mit Rewinds spielen können. Der Track ist zeitlos und die Leute fahren immer noch drauf ab.
 
Alles klar, vielen Dank für das Interview!

Thanks to beSSo @ P4B!

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