URL: http://www.future-music.net/stage/interviews/adamf/ Zurück zur normalen Ansicht

Adam F


Arbeitest Du noch für andere Labels als Section Five und Deep Jungle?

Adam F: Ja, ich mache jetzt zum ersten mal einen Remix für Moving Shadow, einen Track, der `Let Me In´ heißt, von Harmony, mein erster Remix. Das mache ich übrigens gerade in diesem Moment.

Sorry.

Adam F: Geht schon. Ich habe bei Lucky Spin angefangen, und vorher noch eine Platte auf Force Ten gemacht, deren Sublabel. Aber darüber sollte man nicht reden, das war eher meine Art zu lernen.

Wovon hast Du am meisten gelernt?

Adam F: Ich bin im Grunde, so absurd sich das für Dich anhören mag, ein Singer-Songwriter. Ich spiele Bongos, Gitarre, Drums, Piano und bin hauptsächlich Sänger. Funk, Jazz und Soul. Ich habe seit 3 oder 4 Jahren, sowas gemacht, und mir auch schon einen kleinen Ruf dadurch eingehandelt. Ich mußte allerdings feststellen, daß ich damit nicht das geringste Geld verdienen konnte.
Dann kam jemand, den ich kannte und der absolut auf Hardcore stand, vorbei. Er fragte mich und ich habe ihn dafür gehaßt, ob ich nicht sowas machen wollte

Vor 3 Jahren?

Adam F: Ich mache das jetzt ja im Grunde erst seit 11/2 Jahren. Und all die Balladen und Soultracks, die ich gemacht habe, sind von anderen gesungen worden Dabei ist das eigentliche Problem, daß es sich um soeine Art Longterm- Deal handelt, den man mit soetwas eingeht. Die wollen einen bei der Plattenindustrie entwickeln, müssen über alles lange nachdenken. Bei Underground Dancemusic geht alles sehr schnell. Also dachte ich, da ich überleben muß, mach ich es einfach. Obwohl ich die Musik nicht leiden konnte, eine Musik, die jetzt auch schon gar nicht mehr das ist, was sie vor einem Jahr noch war, denn es hat sich so unglaublich viel getan in den paar Monaten.

Mittlerweile ist die Musik so frei geworden, man kann alles miteinfließen lassen, jede Art von Einfluß. Ich kann jetzt meinen musikalischen Background einbringen. Bis jetzt habe ich im Grunde mehr darüber gelernt, was Hardcore eigentlich ist. Das hat die meiste Zeit über bedeutet, daß ich lernen mußte, es zu mögen. Jetzt aber mag ich es unglaublich gerne. Ich bin völlig drin, selbst wenn es einige Arten und Stile gibt, bei denen ich mir noch unsicher bin, ob sie Sinn machen. Kurzum, ich begann bei Lucky Spin, die Tracks liefen überdurchschnittlich gut, und bin dann zu Section 5 gegangen, weil sie jetzt zur Hälfte Moving Shadow gehören. Rob Playford hat die Hälfte davon gekauft. Die andere Hälfte gehört dem Shop-owner von Section 5. Es gab die ersten Tracks und jetzt den Remix für Moving Shadow.
Ich habe das Gefühl, daß ich jetzt erst richtig anfange, die wirklich wichtigen Tracks rauszubringen.

Ist Deep Jungle ein Sublabel von Section 5?

Adam F: Das gehört schon dem gleichen Typ, hat aber mit Section 5 nichts zu tun. Er hatte das sogar schon vor Section 5. Der erste Release war von DJ Crystl.

Den würde ich ja gerne mal hören.

Adam F: Das war auch unter irgendeinem anderen Namen. Eher ein Raggatrack, als Crystl noch Geld brauchte.

Welches waren die Events, die dich zu Hardcore gebracht haben, dich überzeugt haben? Oder gab es vielleicht irgendwelche Artists, die dich besonders beeindruckt haben?

Adam F: Nein, eigentlich nicht. Selbst jetzt gehe ich eigentlich kaum aus, auf Raves oder so. Ich kaufe kaum Platten, obwohl ich mit Leuten zu tun hab, die in Plattenläden arbeiten, einfach weil ich tun will, was ich mag. Das mache ich zur Zeit mehr denn je. Die Zeiten, als ich daran dachte, was sich verkaufen würde oder was jemand anders wohl mögen könnte, sind endgültig vorbei. Auf lange Sicht ist das der einzige Weg, ein Künstler zu werden, der durch seine Individualität aus dem Rest hervorsticht.

Und hoffentlich geht das auf. Ich mochte letztes Jahr einige Tunes, von Leuten wie Bukem, aber nicht alles, ganz und gar nicht, aber Musik war mir sehr wichtig. Als das zuerst rauskam, war es unglaublich neu und frisch. Danach fand ich die Sachen einfach gut.

Ich habe das Sample auf einer alten Detroitplatte wiedergefunden, eine Metroplex.

Adam F: Ein Technotrack, schon verrückt. Es ist immer seltsam, was man für Samples benutzt.

Wo liegt Dein Interesse an Jungle?

Adam F: Einfach Jungle.

Nein, welcher Bereich, Drums, Melodien, die Produktion?

Adam F: Die gesamte Produktion. Ich liebe musikalischen Inhalt und Harmonien, die sich dem Weg des Tracks anschließen. Man muß das Gefühl bekommen, einen langsamen Song zu hören, mit dieser Athmosphäre und ein starkes Rückgrat, positiv und stark. Die Beats... einfach alles.

Du arbeitest viel an den Tracks?

Adam F: Ich arbeite 19 Stunden am Tag, schlafe vier, fünf Stunden, und dann gehts weiter. Ich mache alles 100%ig selber. Das braucht dann etwas länger, weil einem niemand Entscheidungen abnimmt. Irgendwie schafft man es aber am Ende.

Mit Tracks wie Criminal Active, gibt es da eine Absicht?

Adam F: Kennst du `The Bible´? Da wollte ich vielleicht mehr eine Art Message rüberbringen. Ich bin eine sehr geistige Person. Ich denke, man braucht gute Vibes in der Szene, und das ist ja auch schon viel besser geworden.
Lustigerweise, obwohl es tatsächlich ein Raggatyp war, von dem die Worte stammten, waren es doch genau diese Worte, die ich haben wollte. Die Leute fingen an zu denken, ich würde jeden Tag in die Kirche gehen oder so einen Unfug. Also gabs `Criminal Active´, das mehr Underground ist, mehr die Underground- Seite thematisiert, und die Message am Anfang stellt klar, was man braucht, um im Leben weiterzukommen.

Glaubst Du, daß es wichtig ist, eine Message zu haben?

Adam F: Ja, ganz bestimmt. Sei es eine, die einen tiefen Gedanken ausdrückt, oder Wut, oder wasauchimmer, manchmal muß man vielleicht nur einfach floaten. Das ist auch irgendwie eine Art von emotionaler Bedeutung, die halt jeder versteht, wie er will, aber meistens mag ich das.
Da liegt auch das Problem mit vielen MC`s. Am Anfang versuchen sie, Dinge zu sagen, begreifbar zu machen und in Worte zu fassen. Je länger sie dabei sind, desto weniger fällt ihnen ein. Die nehmen ihr Geld, und weg sind sie. Immer das gleiche. Manchmal wissen sie nicht, was sie sagen, sie reden einfach Bullshit und verbreiten nicht mal gute Vibes. Vielleicht wird dadurch auch die Stimmung in der Szene manchmal etwas gedrückt.

Wo wohnst Du?

Adam F: In Hartfordshire.

Gibt es Leute, die Dich remixen?

Adam F: Ja, es gibt einen DJ Krust-Remix von Enchanted. Leute wie er und Size sind wirklich die Leute, die die Szene vorranbringen mit neuen Ideen.

Arbeitest Du immer noch an Deiner anderen Musik?

Adam F: Ja, manchmal passiert es mir sogar mitten in einem Hardcoretrack. Ich drücke aufs Keyboard, und dann bin ich plötzlich mitten in einer Ballade. Sehr seltsam. Die meisten Leute, die mich besuchen, halten das für einen absoluten Witz. Erst das ganze Raggageschrei und plötzlich softe Balladen und so. Ich bin eigentlich eher stolz drauf, aber mit den Sachen passiert nichts.

Wenn ich mal genug Tracks habe in den einzelnen Stilen, die ich mache, dann werde ich vielleicht mal wieder etwas versuchen. Tatsächlich hat mir Hardcore, sogar, wenn es um die Produktion geht, bei meinen Songs sehr geholfen. Weil die Drums und das Arrangement eines 8 Minuten Hardcoretracks einen Song von 4 Minuten einfach erscheinen lassen, wenn sie auch beide verrückt klingen.
Wenn man bedenkt, daß Jungle für mich noch vor einem Jahr das letzte war, wofür ich irgendeine Art Anerkennung hätte haben wollen. Jetzt liebe ich es, und wenn ich schon mal ausgehe, will ich Jungle hören, sonst nichts. Bässe. Ich liebe Bässe.

Das Interview erschien im April 1995 im Frontpage Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Thanks to Jürgen Laarmann!

URL dieses Dokuments:
   http://www.future-music.net/stage/interviews/adamf/


© 1995-2017 Future & www.future-music.net