URL: http://www.future-music.net/stage/interviews/2011-04_heist/ Zurück zur normalen Ansicht

Heist




Der Londoner Heist veröffentlicht seit sechs Jahren auf zahlreichen renommierten Labels wie Metalheadz, Valve, Digital Soundboy und V Recordings – um nur einige wenige zu nennen. Er ist Labelchef von Co-Lab Recordings, Calypso Muzak und Sumo Beatz und hat unter dem Alias “Rufige Kru” zusammen mit Metalheadz-Ikone Goldie zwei Alben produziert, die getrost als logische Weiterentwicklung von Goldies wegweisendem Album “Timeless” zählen dürfen. Wir trafen den 29-Jährigen vor seinem Auftritt bei PLAY! im Kölner Studio 672 zum Interview.


Mit Co-Lab Recordings, Calypso Muzak und Sumo Beatz bist du für drei Labels verantwortlich. Wie kam es zur Gründung der Labels und welche Philosophie steckt hinter den einzelnen Labels?

Co-Lab Recordings haben wir 2002 gestartet. Seit dem Start vor acht Jahren haben wir sehr viel gelernt. Wir haben erfahren wie man ein Plattenlabel führt, wie man erfolgreich arbeitet und wie man die Fehler, die man zwangsläufig macht, nicht bei den anderen zwei Labels wiederholt. Wir haben bei Co-Lab versucht zwei verschiedene Styles zusammenzuführen. Am Anfang war das jeweils ein Liquid und ein Jump Up Stück auf einer 12“ Platte. Mit der Zeit hat sich aber ein eigener Label-Sound entwickelt und wir wissen jetzt genau, welches Stück zu Co-Lab passt. Calypso wurde ein Jahr später gestartet, weil wir sehr viel Musik von bisher ungesignten Künstlern bekommen haben. Die ersten zwei Tunes auf dem Label waren von mir. Jetzt veröffentlichen wir Lieder von Leute wie Pleasure, Sensai, Steppa & Kitcha, Dr. Dub oder Connecta aus Deutschland. Durch die Erfahrungen mit Co-Lab und Calypso Muzak ist Sumo Beatz, unser neues Flagship-Label entstanden. Wir wollen mit gutem Artwork und Design eine richtige Marke kreieren. Sumo Beatz soll vor allem für „Big Tunes“ stehen. Wir werden dort keine experimentellen Sachen veröffentlichen, sondern Stücke, die Support von großen DJs wie Hype, Andy C oder Grooverider bekommen.

Du hast zusammen mit Goldie zwei Alben unter dem Alias „Rufige Kru“ produziert. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Goldie und warum hat er dich gefragt mit ihm gemeinsam ein Projekt zu starten.

Ich habe keine Ahnung, warum Goldie mich gefragt hat mit ihm zusammenzuarbeiten. Wenn du ihn fragen wirst, wird er dir wahrscheinlich das gleiche antworten. Als ich ihn das erste Malm in seinem Haus besuchte um ihm die Stücke für meine erste Metalheadz 12“ zu zeigen und seine Meinung zu hören, war sofort ein großer gegenseitiger Respekt da. Ich war ein großer Bewunderer von Goldie und wir haben uns einfach sehr gut verstanden. Irgendwann hat er mich dann gefragt, ob ich für ihn nicht ein bisschen Engineering-Arbeit übernehmen soll. Um ehrlich zu sein, habe ich in diesem Moment nicht gedacht, dass ich dafür bereit bin, da ich zu diesem Zeitpunk immer noch ein junger Produzent war. Ich habe ihm das auch so gesagt, aber so etwas akzeptiert ein Goldie nicht. Wenn er etwas umsetzen mochte, dann nimmt er sich die Dinge und zieht es einfach durch. Also begannen wir zusammen zu produzieren und bevor wir es geahnt hatten, waren wir auch schon auf dem Weg zu unserem ersten gemeinsamen Album „Memoirs of an Afterlife“. Kurz nachdem wir das erste Album fertig gestellt hatten, waren wir auch schon dabei Stücke für das nächste Album zu produzieren. Zwischen der Pause bis zur Produktion für das das zweite Album „Malice in Wonderland“ haben wir noch ein paar andere Stücke aufgenommen und einen Remix für Stone Roses’ Ian Brown gemacht. Die Arbeit für das erste Album war für uns wie ein Training und wir konnten uns dabei im Studio besser kennen lernen. Ich habe mit vielen Leuten zusammengearbeitet, aber Goldie ist derjenige mit den besten Visionen in seinem Kopf. Wenn du das nicht hast, kannst du nur hoffen, dass der Engineer seine persönliche Note in deine Musik bringt, aber darum geht es ja nicht, es geht um deine eigene persönliche Vision und diese besitzt Goldie zu hundert Prozent.

Was denkst du über die heutige Szene in England und die Entwicklung allgemein.

Die Szene in England ist großartig. Natürlich haben wir auch Probleme durch die Rezession. Einige Veranstalter haben Schwierigkeiten und im letzten Jahr wurden mir so viele Gigs wie noch nie abgesagt. Ansonsten glaube ich, dass es im Moment eine unglaubliche Flut an Party Jump Up Produzenten gibt. Es muss hunderte da draußen geben. Wenn du mit ihnen Online sprichst, fühlen sie sich angegriffen wenn du nicht Bescheid weißt, wer sie sind. Ich versuche ja immer auf dem Laufenden zu sein, aber es sind so viele, dass es mir schwer fällt durchzublicken. Aber unter all diesen Produzenten sind zum Glück immer ein paar Juwelen versteckt. Zum Beispiel Sensai, der im Moment so richtig abräumt und diese neuen Jungs, die sich „The Prototypes“ nennen. Ich bekommen sehr viel Musik geschickt, wahrscheinlich zehn bis zwölf Tracks pro Tag. Aber am Ende der Woche, wenn ich mich für einen Gig wie heute vorbereite, bleiben vielleicht fünf Stücke von Hunderten übrig, die ich spielen würde.

Mit deiner EP auf Metalheadz hast du einen neuen Weg mit deinem Sound eingeschlagen. Welche Art von Sound können wir in Zukunft von dir erwarten?

Von mir kannst Du alles erwarten. Der Track „Captured“ auf der Metalheadz EP bekommt sehr gutes Feedback von Leuten wie Ed Rush oder The Upbeats, aber auch Grooverider, Fabio und Goldie spielen es. Ich habe mir gesagt, ich mache mal etwas in der Richtung wie Noisia oder Phace und gucke mal was passiert. Ich habe keine Angst davor auch mal andere Dinge auszuprobieren, aber es muss so klingen wie ich es haben will. Vor kurzem habe ich Fabio ein Stück für sein Creative Source Label gegeben, für das ich noch einen weiteren Tune für die andere Vinylseite produzieren werde. Für manche klingt es wie Liquid, aber für mich ist es etwas anderes. Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch mehr von diesem eher ruhigeren Sound
machen kann. Außerdem habe ich etwa vierzig Jump Up Stücke auf meiner Festplatte, von denen aber nicht alle herauskommen werden. Ich möchte keinen Stempel aufgedrückt bekommen. Du musst dich immer weiterentwickeln, wenn du das nicht tust, dann läuft etwas falsch.

Ein Stück von dir nennt sich Hockenheim. Magst du schnelle deutsche Autos?

Ich liebe schnelle deutsche Autos. Ich habe mir gerade einen 330er BMW gekauft und kann sagen, dass es das beste Auto ist, was ich je besessen habe. BMW habe ich schon immer gemocht, der 330er ist bereits mein dritter. Der Name für das Stück Hockenheim stammt übrigens nicht von der Rennstrecke, sondern von den Alufelgen, die die Jungs damals immer in meiner Heimatstadt Colchester für ihre Autos und Rennen benutzt haben. Das kam mir dann irgendwann in den Sinn, als ich das Stück gemacht habe. Es ist Lustig, weil mich sehr viele Leute wegen dem Namen auf das Stück ansprechen.

Vielen Dank für das Interview.


Text: J-Cut
Der Text erschien im Headliner [1] Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


Ihr habt Kommentare / Fragen? Diskutiert das Interview im Future Forum [2]!

URL dieses Dokuments:
   http://www.future-music.net/stage/interviews/2011-04_heist/

Links:
   [1] http://www.headlinermag.de
   [2] http://www.future-music.net/forum/showthread.php?t=67763



© 1995-2017 Future & www.future-music.net