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Cellebration - Drum'n'Bass in Celle




Im August 2010 feiert das "Cellebration"-Team in der CDKaserne in Celle die 13. Auflage der gleichnamigen Party. Steven "Cellebration" Shade (SCS), seit 2007 mit von der Partie und seit 2009 Geschäftsführer von "Cellebration", beantwortete ein paar Fragen zur Musik und zum Unternehmen, das bereits 1997 u. a. vom "Resident-DJ"1 Docta gegründet und ab 1999 von den MCs Stunnah und Mex-E weitergeführt worden ist ...


Steven, du bist gebürtiger Amerikaner aus dem sonnigen Kalifornien. Irgendwann hat es dich nach Celle verschlagen. Musik zu hören, wie sie bei der "Cellebration" zum Besten gegeben wird, ist das eine – etwas anderes ist es, so etwas geschäftlich zu betreiben. Die Zielgruppe von Drum'n'Bass kann man ja nicht gerade dem Mainstream zuordnen. Wie rechnen sich solche Partys überhaupt – nicht nur angesichts schwächelnder Konjunktur und zunehmend zurückhaltenden Sponsorentums?

Hallo erst mal! Eine gute Frage... Der Kernpunkt der "Cellebration" liegt in der Qualität jedes einzelnen Künstlers, der für die Veranstaltung gebucht wird. Anders als bei manch anderen Reihen in Deutschland machen wir keine Freundschaftsdienste und lassen nur "Freunde" auflegen, sondern suchen explizit nach Künstlern, die unserem Anspruch genügen. Die logische Schlussfolgerung ist in diesem Falle eine perfekte Darbietung für die Gäste und dem daraus resultierenden Erfolg. Dementsprechend handeln wir auch wirtschaftlich bei der Auswahl an Künstlern und greifen bei den Headlinern auf die Elite zurück, was sich dann aber auch auf den Abendkassenpreis entsprechend bemerkbar macht – ganz frei nach dem Motto "Qualität hat ihren Preis".

Was ist das Besondere an Drum'n'Bass und auch an deren Künstlern?

Das Besondere an Drum'n'Bass – im Gegensatz zu anderen Musikstilrichtungen – ist nicht nur die Geschwindigkeit oder die enorme Basskraft, nein, es ist die Vielseitigkeit und die Komplexität, die es halt bei Pop, Rock, Techno oder Schlager nicht wirklich gibt. Klar sind da Menschen, die diese Musik als belästigend empfinden (was ich auch nachvollziehen kann, da nicht jedermann die ganze Zeit ein Trommelgeräusch um sich haben will), aber das, denke ich, stört die wenigsten Zuhörer dieser Musik.

Die meisten Künstler und Aktiven dieser Musik machen dies aus Liebe zur Musik und nicht wegen des finanziellen Hintergrunds, wie es im Pop oder anderen Stilrichtungen gang und gäbe ist. Zwar gibt's auch in unserer Szene einige Künstler, die eine gewisse Tagträumerei ausleben und sich über Wert fühlen – aber damit kann man auch ganz gut leben. Ja, die Musik ist genauso toll wie die Menschen, die sie hören und leben.

Wobei ich sagen muss, das dieses "One Love – one Vibe"-Feeling über die Jahre abgestumpft ist. Früher waren solche Veranstaltungen alle ein, zwei Monate mal in einer Region und wurden auch weniger kommerziell beworben, sodass halt meistens nur die "True Junglists"4 davon Bescheid wussten und sich alle auf den Partys kannten, egal woher sie auch angereist kamen. Heute gibt es viel Laufpublikum (was ich an sich sehr toll finde, da es der Musik nur hilft, bekannter zu werden), sodass das Ganze mehr unpersönlich geworden ist und sich halt die typischen Trends verlaufen haben.

In Celle fallen im Rahmen von Partys, wie sie in der CD-Kaserne stattfinden, zuweilen auch solche Begriffe wie "Cellebration", "Analogue Boutique", "Night of Broken Beatz", "Connection / F|W|D". Was steckt musikalisch und von der Sache her dahinter?

Also erstmal zur Aufklärung: Die "Night of Broken Beatz" ist eine Veranstaltungsreihe, die von Mrs. Swan aus dem "Vanity" geführt wird. Zu der wurde ich zweimal als Kooperationsveranstalter eingeladen. Musikalisch ist diese Reihe mehr auf den konventionellen Sound ausgelegt, aber meines Erachtens leider in der falschen Location (diese ist zwar toll, aber von der Anlage her nicht für die Musik ausgelegt).

Dann gibt's die "Analogue Boutique", die eine Veranstaltungsreihe von Spuk aus der CD-Kaserne ist. Dort wurde ich auch mehrmals als Kooperationsveranstalter eingeladen. Eine supertolle Reihe, wenn man auf Low-Budget-Konzepte zurückgreifen kann. Meine Zusammenarbeit mit Spuk war immer supertoll, doch fehlte mir da leider die Möglichkeit, den Gästen das zu bieten, was ich als gerechtfertigt empfinde.

Nun zu meinen beiden kleinen Babys: "Connection" und "FWD" ... Die "Connection" schuf ich letztes Jahr mit dem Hintergedanken, auch experimentelle Styles am Abend anzubieten und den Gästen zu zeigen, dass es noch mehr gibt als den typischen "Kirmes / Autoscooter"-Partysound. Die Geschichte wurde durchgehend positiv angenommen, sodass ich dieses Konzept auch für die "Cellebration" übernehmen konnte. Die "F|W|D (Forward)", mein neuestes Geschöpf, gilt der Zukunft. An der Veranstaltung haben Nachwuchskünstler die Möglichkeit, sich unter Beweis zu stellen und mal vor vielen Menschen zu spielen. Derjenige, der sich am besten gemacht hat, kommt bei mir in den "Cellebration"-Planer und spielt je nach Auftragslage auf den "Cellebrations". Auf der anderen Seite widme ich mich den Mainfloor- Musikstilen, die gerade aus dem Boden gestampft worden sind, und biete damit den Gästen die Möglichkeit, neue Sounds zu erleben und zu feiern.

Steven, wir danken dir für deine erschöpfende Auskunft...

Oh, das war's schon ... Ich hoffe, Ihr habt ein paar gute Einblicke in den ganzen Apparat bekommen und freut Euch auf weitere interessante und tolle Abende auf den Veranstaltungen.

Last but not least bedanke ich mich bei meinen Freunden und Kollegen für die Unterstützung und die tolle Zusammenarbeit. Grüße gehen raus an: Patrick (ich danke dir für dein Vertrauen und deine tolle Unterstützung), Cardo, Andrej, Rubbel die Katz, Rolfi, die "Cellebration"-Fam, das "Shadybrain"-Camp, das "Bunte Haus" (ein sehr wichtiger Ort in Celle), Daniel, die "Phunkfiction"-Crew, Bobby, die "Lifeline"-Leute, die Braunschweiger (haben im übrigen die coolsten Clubs in der Gegend), die "4tp"-Leute aus Hannover (ich liebe die alternativen Veranstaltungen), Schrecki, Mrs. Swan (danke für die tolle Unterstützung, Madame), Gill, Ole, meine Ex-Freundinnen, die "Shady"-Ladies, meine Familie (big up Dad ´n´ Mum), Kaa, Annie, Jojo, Justine, Chantal, Lisann (die wunderbarste Frau, auch wenn sie einen gut den Geschmack an Tieren versaut), Schtine HBG, Celina, die "Rios"-Crew, Jörgi (einer der besten Künstler hier in Celle), die "Fritzenkiez"-Crew, die "Bored no habits"-Crew, das "Therapy"-Camp, viele weitere, die ich nicht erwähnen konnte ... und natürlich die Wichtigsten: Euch Gäste!

Vielen Dank für das Interview.


www.facebook.com/cellebration [1]

Der Text erschien auf www.celler-scene.de [2] Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.

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