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DJ Storm - First Lady of Drum and Bass


Die Karriere von DJ Storm ist untrennbar mit der Beziehung zu ihrer besten Freundin Kemistry verbunden. Aus wild durchtanzten Nächten entstand das Verlangen, selbst ein aktiver Teil der noch jungen Jungle-Szene zu werden. Mit einer wahren Obsession zur Musik verschlangen die beiden neue Platten und trieben sich beim mixen zu Höchstleistungen an. Aus der zufällig gewonnenen Freundschaft zu Goldie ergab sich die Chanze regelmäßig im legendären „Blue Note“ Klub in London zu spielen. Das Label „Metalheadz“ wuchs parallel mit dem Einfluss des Duos Kemistry & Storm zu der Instanz, die es heute darstellt und verschaffte Ihnen eine enorme Bekanntheit. Durch ihr Können ergaben sich zahlreiche DJ Gigs in Europa, Australien, Japan, Amerika, Neuseeland und der eigenen Heimat England.
Gerade als die zwei Frauen ein neues Level erklimmen wollten, geschah ein dramatischer Unfall. Auf der gemeinsamen Rückfahrt von einem Auftritt im April 1999 starb Kemistry bei einem Autounfall. Einige Monate nach dem tragischen Unfall begann Storm den völlig ungewohnten Weg als Solo DJ - mit der Dubplate-Kiste ihrer besten Freundin und den Erinnerungen an sie. Knapp zehn Jahre nach der Katastrophe hat sie sich zur First Lady des Drum and Bass hochgearbeitet.


Im nächsten Jahr ist es zehn Jahre her, dass Kemistry gestorben ist. Kannst Du uns sagen wie Du heute mit dem tragischen Unfall umgehst?

 
"Mein Herz wird durch den Unfall immer gebrochen sein, daran wird sich auch nichts ändern."

Ich vermisse Kemi immer noch sehr. Mein Herz wird durch den Unfall immer gebrochen sein, daran wird sich auch nichts ändern.

Ich lerne aber von Jahr zu Jahr besser mit dem Thema umzugehen. Das Leben geht weiter und meine Liebe zur Musik hilft mir, den Verlust auf positive Weise zu verarbeiten. Ich fühle bei jedem DJ-Gig ihre Anwesenheit, es ist als ob Sie auf der Bühne direkt hinter mir steht und die nächste Platte auf die Teller werfen möchte. Der weltweite Zuspruch von so vielen Menschen hat mich nicht immer glücklich gemacht. Manchmal habe ich es auch als Ballast empfunden, Trost von fremden Menschen ausgesprochen zu bekommen.

Bist Du immer noch gut mit Goldie befreundet?

Und wie!

Wie häufig trefft Ihr euch?

So häufig wir können, da wir beide wenig Zeit haben telefonieren wir ständig miteinander.

Kurz vor der Tragödie mit Kemistry habt Ihr einen Mix auf dem deutschen Label „K7“ veröffentlicht. Bestehen aus der Zusammenarbeit noch Kontakte?

Nein, das war eine äußerst schwierige Situation. Zwei Leute von dem Label waren sogar auf der Beerdigung von Kemistry - das hat mir unglaublich viel bedeutet. Zu der Zeit stand ich aber unter Schock und konnte mich nicht erklären. Es war äußerst spannend, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die solch eine urbane Vision von Musik haben. Witzig dass Du das fragst, es gibt auch immer wieder Personen, die ein Autogramm von mir auf genau dieses Album haben wollen.

Was hast du sonst für Beziehungen zu Deutschland?

Ich arbeite immer noch häufig in Deutschland – in Tübingen lege ich zum Beispiel als Resident bei der Pressure Kru auf. Deutschland besitzt eine der besten Klub Kulturen der Welt – das Level ist sehr professionell! Wenn man es genau betrachtet, ist Deutschland die zweite Heimat von Drum and Bass. Mein Booking- Agent (M. Bauer ESP Promotion) ist Deutsch und er ist der Inbegriff von Professionalismus.

Wie siehst Du die Entwicklung der weltweiten Drum and Bass Szene?

Durch das Internet wächst die weltweite Szene in einem rasanten Tempo. Selbst an den verschlafensten Orten kann man sich über die aktuelle Entwicklung im Drum and Bass informieren. Das letzte Jahr bin ich durch Asien getourt. Die Tour hat in China angefangen und in Korea aufgehört. Ich bin sehr fasziniert von der asiatischen Kultur. Australien und Neuseeland haben auch eine überaus spezielle Szene. Wahnsinnig interessant sind auch die riesigen Raves in Osteuropa auf denen mehr als zwanzigtausend Menschen zu Drum and Bass tanzen!

Wo siehst Du unsere Musik in zehn Jahren?

Ich denke sie wird weiterhin fortschrittlich und progressiv klingen.


Welche Frage stellt Dir die Presse am häufigsten?

Die Presse fragt häufig, wie es ist, als Frau in einem von Männern dominierten Umfeld zu arbeiten.

Nenn uns bitte vier Lieder die Dein Leben verändert haben.

Doc Scott “This is Derranged”, Björk “State of Emergency”, Goldie “Sea of Tears”, George Gershwin “Rhapsody in Blue”

Lebst Du in einer Beziehung?

Ja.

Was können wir als nächstes von Dir erwarten?

Im nächsten Jahr gibt es zwei große Geburtstage zu feiern: 15 Jahre „Metalheadz“ und 20 Jahre „Reinforced“ – da stehen einige Überraschungen auf dem Plan. Ich kann schon verraten, dass es von „Metalheadz“ eine DVD geben wird, an der alle Künstler beteiligt sein werden, die jemals etwas mit dem Label zu tun hatten. Erwähnenswert ist auch meine Partyreihe „Feline“. Wir feiern zwei monatlich im Herbal in London auf zwei Tanzflächen, hier legen ausschließlich Frauen für Frauen auf.

Danke für das Interview.


www.myspace.com/stormthe1stlady [1]

Text: Oliver Lüddecke
Der Text erschien im Headliner [2] Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


Ihr habt Kommentare / Fragen? Diskutiert das Interview im Future Forum [3]!



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