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Köln. Drum'n'Bass. Basswerk - The Green Man Interview


Ist Drum and Bass tot? Nein. Er lebt... und zwar sehr vielseitig! The Green Man a.k.a TGM ist ein Breakbeat-Pionier und Gründer des Basswerk Labels aus Köln, das mehrfach zum besten deutschen Drum & Bass Label gewählt wurde [1] und eines der ersten dieser Art überhaupt war. Hier hört sich DnB immer wieder neu und spannend an und das Potenzial des Genres wird immer wieder ausgereizt. Neben Klassikern wie "Infinity" oder "Easy" wird sogar sein Remix des Reggaestücks "Illegal" für die Fernsehserie CSI Miami verwendet.

Es gibt DnB-Künstler, die fahren ihre Schiene und sind somit schon am Sound zu erkennen. Wie würdest Du Deinen Sound beschreiben? Was inspiriert Dich?

Ich muss Spaß haben an den Harmonien, Grooves und/oder Sounds. Ich habe gerade einige neue Stücke mit sehr schönen Basssounds & selbstaufgenommenen Sprachsamples gemacht, die andererseits kombiniert sind mit warm klingenden Streichern, Trompeten oder Vibraphonsounds. Oder einen Remix für eine serbische Hip Hop Gruppe (Bad Copy).

Ich glaub schon, dass es auch einen Green Man Sound gibt, der ist für mich eine Art Soundabenteuer, aber ich bin eben auch DJ und manchmal mache ich Sachen mehr aus der DJ-Perspektive. Andererseits gibt es von meinen “typischen” Stücken auch deshalb nicht so viele, weil ich meist sehr lange an ihnen arbeite. Es reizt mich immer, etwas Neues auszuprobieren oder einen Sound zu machen, den es so noch nicht gibt.

Also spielst Du auch selber Instrumente ein?

Eigentlich immer, wobei die Grenze zwischen elektronischen und akustischen Instrumenten mit den neuen Technologien verstummen. Aber es ist ein Hauptmerkmal meiner Stücke, dass die eigentliche “Musik” fast immer komplett selbst gemacht und nicht die Melodie eigentlich ein Sample ist. Letzteres fällt für mich aber eher in die Kategorie Remix.

Es gibt TGM nun schon seit 10 Jahren...was hat sich Deiner Meinung nach in der DnB-Szene geändert und wo geht`s hin?

Der Sound ist härter und funktionaler geworden und die Szene splittet sich auf in Subgenres, denn manchen ist es dann wieder auf Dauer zu hart. Ich mag den Split nicht, mir gefällt es besser, mehrere Flavours von DnB auf einer Party zu haben anstatt zum Beispiel zwei Floors zu bespielen.

Es ist auch ein bißchen von dem alten Spirit verloren gegangen, dass man offener war für etwas, was nicht ganz so ins Schema passte und sich einfach alle möglichen kulturell interessierten Menschen auch für Drum & Bass interessiert haben. Diese kleinen Sub-Szenen haben so etwas alternativ-spießiges, aber andererseits gibt es jetzt so viel mehr Artists... da muss der Hörer auch mehr selektieren. Nur die Allerbesten werden in Zukunft wahrgenommen werden.

Drum and Bass ist halt vielseitig und daher bleibt es Geschmackssache, welche Art von DnB man bevorzugt, aber Du hast Recht... Auf einer Party sollte man sich auch mal andere Styles anhören und offen dafür sein. Zu den Allerbesten, meiner Meinung nach, gehört auf jeden Fall: Roni Size. Er ist nun auch schon seit ca. 10 Jahren dabei und arbeitet mit Reprazent gerade an seinem dritten und letzten Album...denkst Du, dass Du irgendwann auch mal an den Punkt kommst, an dem Du Dich lieber anderen Projekten widmest und vielleicht gar nicht mehr selbst produzierst?

Ich glaube nicht, dafür ist es viel zu aufregend, was sich an neuen Produktionsmöglichkeiten immer wieder eröffnet und ich bin auch mit anderen Tätigkeiten tief involviert in das Ganze. Allerdings habe ich mich von März bis August 2008 sehr viel ums Label gekümmert und fast überhaupt nicht produziert. Es macht Spass, so eine CD rauszubringen wie unsere Compilation und mit vielen Leuten zu kommunizieren, anstatt nur allein im Studio zu sitzen. Es gibt so Phasen, wo ich mich auf das eine oder das andere konzentrieren muss. Gerade produziere ich wieder hauptsächlich, aber es gab eine längere Anlaufzeit, bis mir mein Setup wieder gefallen hat. Und ich sitze auch mal an Non-DnB Musik.

Gibt es eigentlich Künstler mit denen Du gerne mal zusammen arbeiten würdest?

Schwierige Frage, vielleicht Yello, Wally Badarou , Air oder auch Dead Can Dance oder Massive Attack.

Hört sich interessant an. Und aus dem DnB-Bereich?

Im Drum & Bass Bereich fand ich Noisia, Random Movement, Subz & Matik oder Chase und Status in letzter Zeit ziemlich cool. Meine ältesten Idole sind sicher Doc Scott und Shut Up & Dance, von denen ich ja kürzlich einen Track remixen durfte.

Welche Styles würdest Du gerne mehr in Deine Songs einbauen?

Ich habe einen Hang zu filmischer Musik, eine Art Soundtrack, und das ist eigentlich mein Haupt-Sound, aber das kann natürlich alles Mögliche sein und wie gesagt, ich tanze auch gern mal aus der Reihe. Als DJ finde ich zum Beispiel, dass man immer überraschen können muss.


Text: Mo, Fotos: Eva Bartsch
Der Text erschien im Subculture Magazin [2] und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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