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Black Sun Empire


"England ist zwar immer noch der Mittelpunkt, aber nicht der einzige Fleck, an dem es Drum’n’Bass gibt." – Black Sun Empire.

Auch René von Black Sun Empire traf ich am letzten Tag des Urban Art Forms 2006 nach seinem Set, um ihn für resident zu interviewen. Was mich wunderte war, dass er um 11 Uhr morgens total fit zu sein schien und ich dagegen total fertig war. Aber zum Glück schwappte seine Motivation bald auch auf mich über, sodass ich ein sehr nettes Interview mit dem Black Sun Empire-DJ führen konnte.


Als große Produzenten und DJs bekommt ihr sicherlich viele Tracks als Dub oder MP3 zugeschickt. Denkst du, dass es als DJ wichtig ist, viele Dubs zu spielen oder worauf kommt es bei einem DJ an?

Nun, die Sache mit Dubs ist die, dass wenn du nur Dubs spielst, du Gefahr läufst viele Leute zu verscheuchen, weil die sich dann denken: „Ich kenn das Lied nicht“. Ich persönlich mag es, eine gute Mischung aus beiden zu spielen. So habe ich immer ein paar ältere Scheiben dabei, die für mich inzwischen schon Klassiker sind. Das hat dann zur Folge, dass die Besucher diesen „Aha-Effekt“ haben, wenn du einen Klassiker zwischen ein paar noch nicht veröffentlichten Tunes reinmischst.

Glaubst du, dass man als DJ, der nicht produziert, überhaupt noch Chancen hat im Drum’n’Bass Geschäft groß rauszukommen?

Natürlich ist es möglich, aber es ist verdammt schwer. Denn Drum’n’Bass existiert nun schon eine Weile und es gibt genug Leute, wie Grooverider, die schon vom Anfang an da waren und sich als DJ einen Namen gemacht haben. Aber in heutiger Zeit ist es wirklich schwer nur als DJ groß rauszukommen.

Vielleicht kommt da noch die Politik des Drum’n’Bass dazu, weil zwischen den DJs unterschieden wird. Man hat seine lokalen DJs, die nur Vinyl kaufen und kaum eine Möglichkeit haben, an Dubs zu kommen um so auf sich aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seite gibt es dann aber die DJs, die selber produzieren und Tracks an andere verschicken, wofür sie im Austausch auch Tunes zurückbekommen – außer du heißt Grooverider, weil du dann eh jeden Track auch so zugeschickt bekommst (lacht).

Was hältst du von der immer wichtiger werdenden Rolle des Internets im Drum’n’Bass-Geschäft? Schadet es der Szene, den Produzenten und DJs oder ist es eher eine Bereicherung?

Natürlich ist das Internet wichtig. Ob es denn letztendlich gut oder schlecht ist, kann ich nicht beantworten. Es gibt viele Leute, die das Internet wegen dem Filesharing hassen. Aber auf der anderen Seite ist es einfach, deinen Namen in die Welt zu streuen.

Wenn du einen Mix auf Dogs On Acid postest und du 10.000 Downlaods hast, dann kannst du sagen, dass du berühmt bist. Das ist die einfachste Art und Weise, dich selbst zu promoten. Das gleiche gilt auch für neue Producer. Außerdem bringt Internet noch den Vorteil mit sich, dass du mit Leuten aus verschiedenen Ländern sehr einfach und schnell kommunizieren kannst.

Würden die Leute die Producer respektieren und die Tunes nicht einfach so sharen, dann wäre Internet eine super Sache.

Wie seid ihr in Kontakt mit den Jungs von Noisia gekommen? Kanntet ihr euch schon vorher oder habt ihr euch erst nach ihrem Durchbruch kennen gelernt?

(denkt nach) Nein, wir haben die schon vorher kennen gelernt. Die sind immer zu unseren Shows gekommen. Thijs hat immer ganz große Kopfhörer beim Tanzen getragen. Das sah für uns so komisch aus, dass einer mit Kopfhörern auf einer Party tanzte. Außerdem hatte er einen Irokesen, mit dem er noch mehr aus der Menge herausstach. So lernten wir die Jungs noch lange bevor sie anfingen zu produzieren kennen.

Siehst du England immer noch als das innovativste Drum’n’Bass-Land oder denkst du, dass es inzwischen Producer gibt, die allgemein gesehen besser und interessanter sind als die englischen?

Nein, natürlich nicht (lacht)! Es war mal so, denn schließlich war England die Mutter des Drum’n’Bass und es war richtig hart, dort in den Produzentenpool reinzukommen. Inzwischen hat sich das aber alles geändert. Schau dich mal um, Producer wie Concord Dawn, Pendulum, Noisia und noch viele andere Größen kommen nicht aus England. Die Insel ist zwar immer noch der Mittelpunkt, aber nicht der einzige Fleck, an dem es Drum’n’Bass gibt.

Die Szene in England ist außerdem wirklich klein. Natürlich ist die Szene super, aber wenn du in die angesagten Clubs gehst, von denen du immer wieder hörst, wie z.B. „Bluenotes“ oder die „Metallheadz Nights“, wirst du feststellen, dass alleine die Tanzfläche dort verdammt klein ist. Da passen dann vielleicht höchstens 200 Leute rein. Wir haben ja bereits in Holland Clubs, wo wir mindestens 1.400 Besucher haben. Oder schau dir die ganzen großen Raves in Russland bzw. im Osten mit bis zu 20.000 Leuten an. Ich war wirklich enttäuscht, als ich das erste Mal in England spielte. Sehr gut haben mir in England aber „Fabric“ und „The End“ gefallen. Die Clubs sind verdammt groß und dort herrscht eine Hammer Stimmung.

Ihr seid ja nun viel rumgekommen, da würde mich einfach mal interessieren, ob und inwiefern sich die Szenen der einzelnen Länder unterscheiden. Sei es der Tanzstil, die Klamotten oder ähnliches.

Nein. Ich finde eigentlich nicht, dass es da einen Unterschied gibt. Der einzige Unterschied, der mir während unserer Shows auf der ganzen Welt aufgefallen ist, ist, wie die Leute dich wahrnehmen. In Russland zum Beispiel hast du diese großen Raves, wo ungefähr 2.000 von 3.000 Besuchern auf wirklich harten Drogen sind. Aber wenn ich ehrlich bin, gefällt es mir, vor so einer zugedröhnten Menge zu spielen. Ich halte zwar selber nicht viel von Drogen, aber es macht Spaß, vor solchen Leuten zu spielen. Außerdem sind die Russen immer extremst erfreut, wenn ein DJ aus dem Ausland zu Besuch ist. Sie sind sehr emotional und dankbar. Sie zerren dich am Arm und wollen ein Autogramm haben. Es macht immer wieder Spaß, dort zu spielen.

Ähnlich sind auch die Leute in Neuseeland. Es beeindruckt mich immer wieder dort zu spielen, weil die Leute schreien und pfeifen und einfach nur total feiern. Manchmal hast du ein Gefühl, das dich immer wieder an einen Ort zurückzieht – Neuseeland ist definitiv ein Land, wo ich dieses Gefühl habe.

Wenn ich aber ehrlich bin, gibt es auch Orte, an denen ich nicht so gerne spiele. So gehört Amerika manchmal dazu, obwohl ich in Atlanta einen meiner besten Gigs hatte. Die Besucher stehen oft einfach nur rum, warten auf irgendwas und wippen mal mit. Sie schauen mich an, als ob ich eine Band sei, die ich aber nicht bin. Ich schätze mal, dass es einfach daran liegt, dass die elektronische Musik bei denen noch nicht so etabliert ist wie zum Beispiel bei uns und sie somit damit noch nicht so viel anfangen können.

Was ist die erste Musikrichtung, an die du dich erinnerst und die deine Kindheit geprägt hat? Würdest du sagen, dass der Musikstil aus der Kindheit dich heute gesehen in gewisser Weise geprägt hat?

Die Musik, die ich in meiner Kindheit gehört habe, war Musik aus den 60ern und 70ern. Sachen von Johnny Cash, der immer noch mein Held ist, haben mir sehr gut gefallen. Dann kamen aber die ersten Pop- und Techno-Pop-Stücke, die mir gefielen und so hörte ich auch zum ersten Mal was von Kraftwerk. Mein Musikgeschmack entwickelte sich dann weiter und es kamen diverse andere Künstler wie Prodigy, Chemical Brothers, Underworld dazu, die uns auch in unserer Musik stark beeinflussten. Nicht umsonst sagen die Leute, dass unsere Stücke sehr technolastig klingen.

Wie kam es dazu, dass neben Black Sun Empire noch ein weiteres Label, Obsessions, gegründet wurde? Was hat euch dazu bewegt?

Eigentlich hatten wir vor, auf dem Label Black Sun Empire alles zu veröffentlichen. Wir wollten es nie soweit kommen lassen, dass man mit dem Label Black Sun Empire einen bestimmten Sound verbindet. Aber wenn du ein paar Tunes rausbringst, die in eine Richtung gehen, dann passiert genau dieser Effekt. Auch obwohl wir es nicht wollten, mussten wir uns trotzdem diesem Effekt beugen. So wurde dann auch Obsessions gegründet um eben andere, freakigere Sachen herauszubringen, die nicht zu dem Klischee von Black Sun Empire passen. Wer weiß, vielleicht starten wir noch ein drittes oder viertes Label, auf denen wir dann noch freakigere Sachen veröffentlichen...

Aber eigentlich ist Black Sun Empire nicht nur ein bestimmter Sound. Meine Sets baue ich auch immer recht abwechslungsreich auf. Ich starte sehr melodisch, tief und treibend und werde dann immer härter. Wenn du zum Beispiel Tech Itch buchst, der wirklich ein großartiger DJs ist, weißt du schon vorher, was du bekommst – den totalen Abriss und zwar vom ersten bis zum letzten Tune. Das ist aber nicht meine Art. Ich liebe die Abwechslung und Spannung in Sets.

Hältst du es für wichtig oder sinnvoll, dass auch Drum’n’Bass politische oder andere kritische Aussagen in den Tracks aufgreift und thematisiert?

Ich halte nicht so viel von politischen Themen in Tanzmusik. Ich habe schon einige Tracks gehört, die politische Ansätze in ihren Vocals hatten. Aber es ist immer wieder das gleiche und handelt von Anarchie oder sie kritisieren das System. Außerdem kann man von keiner wirklichen Message sprechen, die der Track dann rüber bringt. Die Vocals werden nur dazu verwendet, um eine gewisse Atmosphäre aufzubauen. Bob Dylan hatte politische Aussagen in seinen Liedern. Aber ich finde nicht, dass so was zu Drum’n’Bass passt. Es ist einfach nur eine Musik zum Feiern!

Aber ihr habt einen Remix für Dance4life, einer Organisation, die junge Leute über die Risiken von HIV und AIDS aufklärt, gemacht. Erzähl doch mal bitte, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam.

Also da ist der Unterschied zu der eben gestellten Frage, dass der Track keine direkte Aussage hat, außer du kennst diese. Der Track versucht dir keine Meinung aufzuzwingen.

  Alltime D&B Top 5:
Ed Rush & Fierce - Locust
Stakka & Skynet - Altitude
Ed Rush & Optical - Flightpath
Kemal & Rob Data - Gene Sequence
Cause4concern - Soul


Alltime non D&B Top 5:
System of a Down - Chop Suey!
Rammstein - Engel
Cat Stevens - Father and Son
Metallica - Enter Sandman
Bob Dylan - Like a Rolling Stone


Top 3 sports:
Sorry, I don't care for sports, I like watchin world cup and european cup football, that's all.

Top 3 meals:
Chicken Tikka Masala
Pizza Spinach, Chicken, Parmezan
Boerenkool Met Worst
(dutch dish, can't be beat)


Top 3 sports:
Sorry, I don't care for sports, I like watchin world cup and european cup football, that's all.

Top 3 countries to play:
New Zealand
Russia (or at least East Europe)
The rest, Germany, Portugal, Italy, etc.

Zu der Zusammenarbeit kam es durch einen unserer Freunde, den wir bereits seit der Highschool kennen und der kennt wiederum jemanden, der bei Dance4Life mitwirkt. So erzählte er ihm dann, dass er Black Sun Empire kennt und dass er uns fragen würde, ob wir einen Track Remixen würden.

Als wir dann von der Organisation hörten, fühlten wir uns verpflichtet, diesen Remix zu machen und so diese Organisation zu unterstützen soweit wir es konnten. Wir sehen diese Organisation als eine sehr gute Sache und freuen uns, dass es so viele bekannte Künstler gibt, die Dance4Life unterstützen.

Eine Tour macht durchaus viel Spaß, jedoch bedeutet es auch viel Stress. Wie versuchst du dich nach einer Tour zu entspannen? Hast du irgendwelche Hobbys, mit denen du dich neben dem Produzieren beschäftigst?

Eigentlich bin ich wirklich langweilig, was diese Sache angeht. Ich habe keine ausgeflippten Hobbys, denn schließlich ist Musik machen schon seit Jahren mein Hobby. Ich entspann mich ein bisschen mit meiner Freundin und schau mir ein paar Filme an. Und neuerdings versuche ich mich auch an der Gitarre.

Du versucht dich an der Gitarre? Hat es einen musikalischen Hintergrund im Hinblick auf eure Produktionen oder ist nur so just for fun?

Ich habe früher mal mit Keyboard angefangen und bin inzwischen wirklich gut auf dem Keyboard. Das große Problem, was mich beim Keyboard stört, ist, dass du anfängst, dich nach einiger Zeit zu wiederholen. Du spielst im Endeffekt immer wieder die gleichen Akkorde. Bei der Gitarre kannst du viel mehr rumexperimentieren und auch total wirre Akkorde spielen, die eigentlich nirgendwo aufgeführt sind. Das ist das, was mich an der Gitarre so reizt. Es wird mit Sicherheit in irgendeiner Art und Weise Auswirkungen auf die Produktionen haben, aber inwiefern genau, kann ich noch nicht sagen.

René, Danke für das Interview!


www.myspace.com/blacksunempire [1]

Text: Alexander Tur
Der Text erschien im resident [2] Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


Ihr habt Kommentare / Fragen? Diskutiert das Interview im Future Forum [3]!

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