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TC1 & Stress Level - Lost in Music


Seit 1998 ein Team, lernten sich TC1 und Stress Level - ganz klassisch – durch das gemeinsame Interesse an der Musik kennen. Schon früh begannen sie miteinander Tracks zu basteln. Heute hört man diese Tracks in Sets von Bryan Gee und DJ Metro, in Radio-Shows von Fabio und Bailey. Das Duo aus der Nähe von Leeds hat sich zu einer festen Größe etabliert, und ihre Remixe und Produktionen sind im Drum’n’Bass sehr gefragt.

Leeds, Yorkshire, am letzten Freitag im April des Jahres 2006. Im Club Wire läuft an diesem Abend die monatliche Clubnight der beiden, „Momentum“. Stress Level, mit bürgerlichem Namen Graham Booth, öffnet mir lächelnd die Tür zum Club: "Wir sind noch beim Soundcheck, aber komm doch mit runter" sagt er gutgelaunt und führt mich in ein renoviertes Kellergewölbe.

Auf die Frage, wo denn heute TC1 sei, kann er mir auch nicht genau Auskunft geben: "Der ist irgendwo in den Staaten auf Tour mit Basic Operations". Nach einiger Zeit sitzen wir in einer Ecke im Club, Stress Level ist "ein bisschen müde", und seine Haare sehen zottelig aus. Trotzdem unterhalten wir uns gut und ich vergesse kurz, dass ich für resident gekommen bin. Irgendwann schalte ich aber meinen Rekorder ein und ein freundlicher Stress Level ist trotz Müdigkeit bereit für sein Interview.


Ihr habt vor kurzem in Österreich gespielt. Wie war Euer Eindruck vom Land, dem Nachtleben und der Szene?

Stresslevel (lacht): Alles ist viel sauberer als bei uns in England. Und die Partys gehen ja ewig lang, das hat mich schwer beeindruckt! Wir haben Freitags in Wien bei Aziz & Con:cept im Roxy aufgelegt. Am Samstag war TC1 mit MC Coppa bei Audiosuite in Klagenfurt und ich bin in letzter Minute für Guy von Commix in Graz bei Strictly Beats eingesprungen.

Zur Szene kann ich leider gar nicht so viel sagen, weil wir nur so kurz dort waren; ich hätte gern mehr gesehen. Die Local-Crews waren aber unglaublich nett und der Vibe in den Clubs hat gestimmt. Neu für mich war die professionelle Visual-Szene und wie viel Wert darauf gelegt wird. Von Deutschland habe ich ähnlich gute Eindrücke.


Wo habt Ihr denn in Deutschland schon die Massen gerockt?

Ein paar Mal waren wir schon dort, aber ich würde dort gerne öfter auflegen. Kennst du vielleicht einige Promoter? Gute Erinnerungen habe ich an Rostock und ans Watergate in Berlin. Alle haben sich immer bei mir für ihr schlechtes Englisch entschuldigt, dabei sprecht ihr es so gut (lacht)! Wir Engländer sollten uns ein Beispiel an euren guten Sprachkenntnissen nehmen.

Ihr habt auch schon mit Deutschen zusammengearbeitet. Ich erinnere mich an ein Remix für Kabukis „Lovelines“ und TC1 hat auf Dispatch Recordings ein Mix-Album mit MC Lowqui aufgenommen, der ja seine Karriere in Deutschland gestartet hat. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

DJ Metro (Resident bei hard:edged im Watergate und der Mann hinter dem gleichnamigen Label, Anm. d. Red.) hat uns für sein Watergate Files-Projekt mit ins Boot genommen. Kabuki sind wir leider erst ca. ein Jahr danach begegnet, davor ging alles natürlich über AIM, schließlich befinden wir uns im digitalen Zeitalter.

Und zu Lowqui hat TC1 guten Kontakt, das ging über die Jungs von den „Essence of Chi [1]“-Nights. Wir mögen seinen Stil und den Flow, den leider nicht so viele anderen MCs haben, die dann oft Tracks einfach kaputt reden.


Was macht denn in deinen Augen einen guten MC aus?

Ein MC sollte die Musik verzieren! Nicht einfach seine Vocals über Tracks herunterquasseln, sondern auch mal Pausen machen. Zur Verschmückung der Sounds sind sie da!

Kommen wir zur üblichen Frage – Zukunftspläne?

Wir sind natürlich immer fleißig am Produzieren, für 2007 ist ein Album geplant. TC1 arbeitet viel an Dispatch Recordings das er mit einem Freund betreibt. Darauf ist im Mai sein Mixalbum „Mixed & Dispatched“ mit MC Lowqui erschienen. Weitere Mixalben von mir selbst und Chris SU sind in Planung.

Unsere Clubnight in Leeds, „Momentum“, machen wir natürlich weiterhin. Demnächst ist aber zunächst eine Tour bzw. vielmehr eine Reise angesagt. TC1 geht nach Australien und Neuseeland und ich bin zur gleichen Zeit auch groß unterwegs. Ich lege in Polen auf und fahre dann mit dem Zug über Russland bis irgendwo nach Südostasien. Ich will nach China, Thailand und Singapur. Das geht aber nur weil wir in unseren Jobs das Geld für solch große Reisen verdient haben, ich arbeite nebenher als Lehrer an einer Musikschule in Huddersfield nahe Leeds.


Tolle Pläne! Du warst ja auch schon in Japan...

Ja, da war ich einen Monat lang. Ein schönes Land! Ich hab auch während meiner Reisen dort zwischendurch irgendwo aufgelegt und so möchte ich das wieder machen.

Du hast grad „Momentum“ erwähnt. Erzähl mal was über eure eigene Clubnight?

Die Clubnacht machen wir einmal im Monat im Wire im Zentrum von Leeds. Es ist immer gut besucht und wir haben gute Gast-DJs. Auch Locals werden hier unterstützt. Ich finde, wir bieten mit unseren etwas softeren Sounds eine gute Alternative zu den sonstigen Events in Leeds.

Aber allgemein ist hier eine sehr lebendige Szene, das liegt auch an den vielen Studenten. Es gab eine Zeit da hatten wir „Momentum“ zweimal im Monat, aber in Leeds sind so viele Events, dass die Besucherzahlen ausblieben. Jetzt findet es einmal im Monat statt. Früher hieß dieser Club übrigens Dope und war total heruntergekommen und hatte eine nur mäßige Anlage. Wie haben wir hier nur Events aufziehen können? (lacht)


Wollt Ihr nicht mit „Momentum“ mal nach London umziehen?

Nein, das würde ich nie wollen! Es ist schön, einer gewohnten Menge hier in Leeds seine Tracks zu präsentieren. Man kann hier auch viel Neues ausprobieren. Außerdem sind wir beide aus der Gegend. Ich finde das auch gut, wenn im englischen Drum’n’Bass Alternativen außerhalb Londons existieren, Marcus Intalex macht das ja auch in Manchester. Allerdings wird es hier über den Sommer sehr ruhig, weil die Studenten nicht da sind.

Was du hier in Leeds zum Beispiel immer wieder ausprobierst, sind Sets mit Ableton Live. Hast du das auch schon mal woanders gewagt, zum Beispiel bei den Gigs in Österreich?

Nein, da hatte ich leider Probleme mit meinem Laptop. Ich mag Ableton Live, man kann damit so viel Neues probieren, ich würde gerne öfter damit auflegen. Aber es ist nicht so leicht, denn die Leute begegnen dem immer wieder misstrauisch.

Mir ist es schon passiert, dass DJs nach einem meiner Ableton Live-Sets sich mit ihren Platten benachteiligt fühlten, denn mit Ableton kann man mit der Musik einfach wunderbar herumspielen (vgl. Set von Stress Level auf www.momentumleeds.net, Anm. d. Red.). Ich spiele deshalb gerne am Ende eines Abends, und das geht hier in Leeds.

Klar will ich weiterhin auch mit Platten auflegen, aber wenn wir im Drum’n’Bass nichts Neues wagen, dann wird die Szene in zehn Jahren langweilig. Beim House wird beispielsweise ganz oft mit dem Computer ein Live-Set gestaltet.


Wie geht ihr denn gemeinsam an einen eurer Tracks heran?

Ich würde sagen, unsere Arbeit an Tracks besteht zu 70% aus Zuhören und zu 30% aus Herumbasteln. Man muss immer wieder bestimmte Stellen anhören, um dann zu sagen, ob das für den Track passt. Wir haben da den gleichen Rhythmus. Ich bin nicht einer dieser Produzenten die an einem Tag einen kompletten Track fertig stellen könnte. Das würde ich echt gerne mal hinkriegen!

Wie funktioniert dieser Rhythmus bei Tracks, an denen ihr mit anderen Produzenten arbeitet?

Ganz unterschiedlich. Sehr gut hat es im Studio beispielsweise mit Chris SU, Total Science und auch Artificial Intelligence funktioniert. Bald wird übrigens „Waves“ und „Free“ erscheinen, zwei Kollaborationen mit Chris SU. Und nächstes Jahr dann unser eigenes Album!


Stress Level


Bürgerlicher Name: Graham Booth, Herkunft: Huddersfield, Geboren: 1976, DJ seit: 1998, Website: www.momentumleeds.net [2]

TOP3 DnB:
Stress Level / TC1 / Chris SU - Free
Marcus Intalex - Red 7
Q Project & MC Conrad - Soul Patrol
    TOP3 non-DnB:
Digital Mysticz - Anti-War Dub
Cracow Klezmer - Tsive Ha Shamayyim
Japan - Ghosts
     
TOP3 Clubnights (UK):
Momentum, Wire, Leeds
Essence of Chi, Var. Venues, London
Movement Live, Cargo, London
  TOP3 Clubnights (Weltweit):
Strictly Beats, Graz
Friendly Fire, Berlin
Drum and Bass Tribe, Osaka
     
TOP3 Mahlzeiten bei Studio-Sessions:
3-Gänge „Sunday Roast“ mit Yorkshire Pudding (im Pub)
Vegetarische Pizza mit Salat “Nicoise” (zum Mitnehmen beim Italiener)
Chicken Biryani mit Tandoori Chapattis und Salat (zum Mitnehmen beim Inder)


TC1


Bürgerlicher Name: Ant, Herkunft: Huddersfield, Geboren: 1978, DJ seit: 1992, Website: www.momentumleeds.net [2], www.myspace.com/anttc1 [3]

TOP3 DnB:
Funky Technicians - Press Snatch (CIA)
S Ll / TC1 / Chris Su - Free (Dispatch)
Klute - Revolution (Commercial Suicide)
    TOP3 non-DnB:
J-Dilla - Two Can Win
Skream - Music to Make us stagga
Burial - Night Train
     
TOP3 Clubnights (UK):
Momentum, Wire, Leeds
The End, London
Tuesday Club, Sheffield
  TOP3 Clubnights (Weltweit):
Infuse, Tel-Aviv
Astra, Bangkok
Roxy, Wien
     
Erste Platte:
„1990, da war ich 12 – ich trau mich aber nicht zu sagen was es war! Ich muss mich direkt dafür schämen bei solchen Erinnerungen!“
 
Lustigste Erinnerung an Österreich/Deutschland:
„Letztes Jahr bei einem Gig ist DJ Geetox (Audiosuite, Anm. d. Red.) betrunken auf einem Stuhl eingeschlafen, während er immer noch sein Handy an sein Ohr hielt. Wahrscheinlich war das Telefonat so langweilig...“

Text: Mathias Hanf
Der Text erschien im resident [4] Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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Links:
   [1] http://www.essenceofchi.co.uk
   [2] http://www.momentumleeds.net
   [3] http://www.myspace.com/anttc1
   [4] http://www.resident.at/
   [5] http://www.future-music.net/forum/showthread.php?t=38603



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