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AJC - Amaning, J-Cut, Canoma - Part 1


Amaning (Tom), J-Cut (Jens) und Canoma (Andreas) sind sind eines der umtriebigsten deutschen Teams im Drum&Bass Dreikampf (Auflegen, Produzieren, Parties machen). Ihr kennt sie von den Play Parties wenn ihr im Kölner Raum wohnt, von drumandbass.de oder der broken beatz Webshow, habt wahrscheinlich schon einige ihrer Tunes gehört die mittlerweile auch von big Playern wie Teebee und Bailey gespielt und auf Labels wie Renegade, PhunkFiction und Basswerk veröffentlicht werden, und wahrscheinlich haben sie auch schon in eurer Stadt aufgelegt. Grund genug mit ihnen zu sprechen.

Es ist Samstag, der vierte Februar in Köln Mühlheim. Draussen tobt Karneval, während redshirt und SAIGON sich in der Nähe der Frankfurter Strasse in ein Haus retten das so aussieht als wäre das Gerüst aussen der hauptsächliche Grund warum es noch nicht zusammenfällt. Oben in der zweistöckigen AJC WG wird zuerst abgewogen ob es mehr Sinn macht erst auf die "Tatort" Party mit Chris.su und SKC zu fahren, oder gleich zu "Pathfinder" zu gehen die heute zu Future Prophecies und BlackSunEmpire einladen. Bevor sich die Anwesenden entscheiden müssen bekommen sie aber erst einmal das Microphon unter die Nase gehalten.


Wie habt ihr angefangen, wie seid ihr zu Drum'n'Bass gekommen?

Amaning: Ich bin '86 nach London gekommen, davor hab ich in Ghana gelebt. Damals hab ich viel Roots Reggae und Dancehall gehört und Michael Jackson und solche Sachen. Mit zwölf, dreizehn bin ich losgegangen und hab Tapes gekauft von so Rastamännern, und irgendwann hatten die die ersten Jungle Sachen, was ich erst gar nicht gecheckt hab, aber irgendwann auch da mal reingehört und es war einfach fett! Seitdem hör ich DNB/Breakbeat.

J-Cut: Angefangen hab ich mit HipHop, das waren so die ersten Sachen die ich mir auf Platte gekauft hab Anfang der Neunziger. So bis '95 etwa, dann hab etwas das Interesse verloren und ich hab angefangen mich für elektronische Sachen zu interessieren, TripHop wie das damals noch hiess. Dann hab hab ich mal im Radio ein Set von Bukem gehört und das war es dann. Ich dachte nur "mein Gott ist das geil, was für ein fetter Sound!"

Canoma: Bei mir war's ähnlich, genau dieselbe Zeit. Da hab ich noch in Bergisch Gladbach gewohnt. So '96 hab ich mal im Plattenladen gestanden und hab CDs angehört, das Boymerang Album und Logical Progression 2 und war völlig weggeballert von dem Spektrum der Musik. Da fing zum ersten Mal für mich die Liebe zu einer bestimmten Musikart an in der ich völlig versunken bin.

Das faszinierende für mich ist, dass DNB wie keine andere Musikart mit allen anderen Styles fusioniert hat, so dass wir 2005 unheimlich viele verschiedene Stilrichtungen haben. Da bin ich irgendwie drauf hängen geblieben. Klar, man kann ja nicht 24 stunden, 365 tage D&B hören, jeder für sich macht schon mal andere Sounds: Instrumental HipHop, TripHop oder House, das ist alles elektronische Musik, Abwechslung ist wichtig. Prinzipiell find ich alle Musikarten interessant die Breakbeats haben, ob das jetzt Downtempo HipHop ist oder 170/180 bpm.


Wann habt ihr angefangen aufzulegen?

A: Ich dachte erst das wär ganz einfach, du brauchst zwei Plattenspieler, kaufst dir paar Platten und das war's, aber es hat vier Jahre gebraucht bis ich einigermassen tight was auf die Reihe gekriegt hab und vor Publikum auflegen konnte ohne mir selbst in die Hose zu machen. Mit 23 hab ich angefangen in Clubs aufzulegen, da war schon klar dass ich das hauptberuflich machen will und meine eigenen Tunes spielen und Musik machen will. So bin ich auch zum Produzieren gekommen.

C: Motivation war Bukem der mich damals geflasht hat, auch wenn sich seitdem da nicht mehr viel bewegt hat. Ich fand das interessant wie er mit seinen Platten die Energie rübergebracht hat, wie das aufs Publikum übergesprungen ist. Ich hatte auch Bock das selbst zu probieren, eine musikalische Reise anzutreten und die Leute mitzunehmen auf dem Weg.

Meine ersten Schritte hab ich mit einem Kollegen gemacht der Trance aufgelegt hat, den hab ich immer begleitet und hab dann auf einer Party auch mal ne Viertelstunde mit seinen Platten aufgelegt und dann irgendwann D&B auf dem zweiten Floor bei einer Techno Party. Später, als ich in Hamburg gelebt hab, bin ich losgegangen und hab in Kneipen und Bars Breakbeat und Downbeat ala "Compost" aufgelegt, gemischt mit Bukem DNB.

 
J-Cut's "AJC Studio Mix" Januar 2005

Tracklisting:
AJC - Global Thing (dub)
Artificial Intelligence - Switch On (Commercial Suicide)
Greg Packer - Hawaaian Groove (Chihuahua)
Basic Operations - Bring Love (Renegade)
Greg Packer - Bring Da Funk (???/dub)
Crescent - On My Mind (???/dub)
AJC - What U Like (Renegade)
Digital - Lucky 7 (Bassbin)
Drumsound & B-line Smith - Do It To Me Baby (WAR dub)
Total Science - Murder Thing (Juju Remix) (???/dub)
Loxy & Ink - Revolution (??/dub)
Chris.Su - Solaris Theme (Subtitles dub)
AJC - By Ure Side (Phunkfiction dub)
Laroque - You Got It Remix (???/ dub)
Goree & Lowqui - Remember The Good Times (???/dub)

Download AJC Mix [1] (MP3, 55 MB)
J: Ich hatte nur einen Nachbau am Anfang, hab dann jahrelang mit CD-Player hin und her gemixt und hab mich dann mit Kumpels zusammengeschlossen mit denen ich auch feiern gegangen bin. Das erste öffentliche Date hatte ich mit 18 am Hauptbahnhof in einer Lagerhalle.War geil da, alles durcheinander gemixt, TripHop, Jungle, Deepes Zeug.. aber von da an wusste ich: das ist es, das muss ich weitermachen!

Dann kamen ja eure eigenen Parties.

J: Angefangen hab ich bei Basswerk, da hab ich zum ersten mal regelmässig in einem grossen Club aufgelegt. Den Heiner (TGM) hab ich auch durch ein Interview kennen gelernt. Wir haben immer bei Basswerk rumgehangen und gefragt hey, darf ich mal, darf ich mal, darf ich mal, und irgendwann hat er mich dann gelassen, und dann war ich drei Jahre lang Resident bei Basswerk.

Hast du da auch Kolt Siewerts kennen gelernt?

J: Kolt hab ich auch durch Heiner kennen gelernt, er hat dann bei uns im Basswerk Netradio aufgelegt, das haben wir damals noch regelmässig einmal die Woche gemacht, einer der ersten Internet DNB Webradio Streams, mit Webcam sogar... in 28kbit (Gelächter). Kolt ist oft vorbei gekommen und so hat sich das immer weiter entwickelt. Er hatte Kontakt zu VIVA und daraus hat sich dann "Broken Beatz TV" entwickelt, und daraus, und der Reihe im Blue Note ist dann im Endeffekt auch "Play!" entstanden.

Für die Leute die nie da waren und es nie gesehen haben, erklär mal wie das da gelaufen ist.

J: Das war eine Webshow auf der Seite von VIVA+ die wir jeden Donnerstag gemacht haben, mit zwei Kameras, in einem ganz kleinen Studio. Das war eigentlich nicht mal ein Studio. Alle die wir angeschrieben haben meinten: "Ja klar, ich komm mal vorbei!", und die sind auch alle gekommen. Der Canoma ist auch gekommen, extra aus Hamburg und am selben Abend noch zurück.

Wir hatten jede Woche Gäste da, auch Namen wie Pentagon aus Japan und Takeja von Phuturistic Bluez aus New York, und eben die Speerspitze der deutschen Szene. Dann gab es nach der Sendung noch den Clubabend, der ein Jahr lang ganz gut gelaufen ist. Allerdings als die Show vorbei war, war das Interesse plötzlich weg, und da sieht man mal wieder wie medienfixiert die Leute sind. Sobald sie VIVA lesen rennen alle hin, sobald das vorbei ist geht nichts mehr.


Mit drumandbass.de hat ihr auch zu der Zeit angefangen, oder?

J: drumandbass.de haben Kolt und ich zusammen gemacht seit '99. Ich hatte Glück, dass die Domain noch frei war. Das lief dann eine Zeit lang so vor sich hin aber jetzt wieder intensiver. Den Shop hat Kolt damals angefangen, auf eine Idee von Heiner hin, dass man die deutschen Sachen etwas besser auch international präsentieren könnte. Fast alles was in Deutschland rauskommt haben wir auch im Shop.


Wie und wann habt ihr angefangen zu produzieren?

A: Das ist daraus entstanden, dass Andy und ich zusammen angefangen haben Sound zu machen. Wir wollten auch unseren Beitrag leisten in Köln, und Kolt und Jens haben uns aufgenommen. Wir haben zusammen das Play! Ding gestartet und daraus ist unser Dreierteam entstanden, da wir auch zusammengezogen sind hat sich das so ergeben. Zusammen arbeiten und wohnen ist auf jeden Fall effektiver als sich zwei Mal in der Woche zu treffen um Sound zu machen.

Beschreibt mal eure WG.

A: Wenn du ins Haus kommst und denkst du: "Was ist denn das für'ne Bruchbude?", dann kommst du in die Wohnung und es geht noch. (Gelächter) Zum Glück haben wir den zweiten Stock und können oben Musik machen, ohne dass sich die Nachbarn beschweren.

C: Es ist auf jeden Fall ein Nachteil auf der anderen Rheinseite zu wohnen, die Kölner wissen wie das gemeint ist. Wir sind hier total abgeschieden, aber nutzen auch die Zeit um an unseren Sachen zu arbeiten.


Meint ihr dass durch AIM und Internet auch eine neue Offenheit für internationale Producer entstanden ist?

J: Die Engländer sind auch offener geworden und bringen Sachen raus einfach wenn sie gut sind. Früher musstest du in dem London Ding drin sein, und da hast du die Kontakte gemacht. Heutzutage gibt es das nicht mehr, du brauchst gute AIM Kontakte und musst gute Tunes machen und du musst dich echt anbieten, dann ist es auch scheissegal, wo man herkommt. Das war lange nicht so, aber in den letzten zwei, drei Jahren hat sich das massiv geändert, auch durch das ganze AIM-Business.

So sind eure Connections dann auch entstanden dadurch, dass ihre eure Tunes rausgegeben habt?

J: Einige sind dadurch entstanden, dass wir die Sachen dahingeschickt haben, andere aber durch Tom.

A: Ich hab jemanden in Amerika kontaktiert und ihm unsere Sachen geschickt. Loxy und Ink kenne ich seit vier, fünf Jahren, aber hab den Kontakt verloren. Aber der Typ hat, was ich aber nicht wusste, Loxy sofort kontaktiert und dem unsere Tunes geschickt. Loxy hat sich auch ziemlich schnell gemeldet, lustigerweise saß an dem Abend Clayton neben ihm, der AIMt mich dann gleich am nächsten Morgen an und meint "Ich hab eure Sachen gestern bei Loxy gehört und will die releasen.", und so ist unser Release bei Renegade entstanden.

Klar, alles Beziehung, weil am Ende ist es doch nicht ganz egal wo du bist, du musst auf jeden Fall Leute kennen und in der Materie drin sein.

C: Wir haben noch niemanden von unseren Labelbossen persönlich getroffen, ausser Heiner von Basswerk natürlich.


Zähl doch mal alle kommenden Releases auf.

C: Die Renegade 58 "What U Like / Sticks & Stones", die es schon als Promo gibt. (Streetdate 23.03.05)
Vibez Productions UK "Global Thing", April / Mai 2005.
U3R Rec. A: "M-Factor" AA: "The way", April / Mai 2005.
Phunkfiction Rec. A: "By your Side" AA: "Changes", April 2005.
Dimensions Rec. A: "Pornstar" AA: "Bust da Beats", April / Mai 2005.
Basswerk A: "The Sound", April 2005.

Das sind die Sachen die jetzt in den nächsten sechs bis acht Wochen anstehen. Ausserdem planen wir mit den bestehenden Labels neue Sachen und reden mit neuen Labels über Releases.


Was sind denn die nächsten Sachen die ihr ausprobieren wollt, werdet ihr zum Beispiel mit Vocalists arbeiten? Im Moment sind ja alle eure Vocals gesamplet.

C: Ja klar, immer wenn wir irgendwo auf Sessions sind und gute Vocalisten hören graben wir die an und sammeln Nummern. Wir haben jetzt schon ein paar Leute mit denen wir hier oder woanders professionell was aufnehmen könnten, so dass wir selbst aufgenommene Vocals haben die wir in die Tracks einbinden können.

A: Der erste mit dem wir schon was gemacht haben ist der Lowqui, den werdet ihr auf der Dimensions hören. Das wir ein fettes Ding, und dann haben wir auch noch etliche Sängerinnen, meine Exfreundinnen sind auch noch da (großes Gelächter), die ganzen Exen müssen nochmal ran.. Nee, durch das Internet haben natürlich auch alle die gleichen Samples, uns ist das auch schon passiert mit den Vocals auf der B Seite der PhunkFiction, der Track wurde auf Renegade schon vor einem halben Jahr veröffentlicht...

Es gibt echt verdammt gute Sängerinnen in Deutschland, bei Bassface Sacha seinem Jah Ding hat er so eine Jamaicanerin am Start und die klingt wie..Aretha Franklin. Klar, das ist jetzt keine Jamaicanerin (Gelächter) aber hat auf jeden Fall ne mächtige Stimme, da steckt was dahinter.


Drum'n'Bass in Köln, bestes Thema, wer will was sagen?

J: Ich nicht (lacht).

A: Naja ich find's auf jeden lustig dass ich jetzt hier in so einer B-Hauptstadt bin (Gelächter) Es geht auf jeden Fall ab hier, fünf, sechs Crews, bestes Beispiel heute Abend, Future Prophecies, BlackSunEmpire und GianaBrothers auf der einen Party, Chris.Su, SKC und die Tatort Crew auf der anderen. Es gibt manche Wochenenden an denen drei Parties sind zwischen denen du dich entscheiden musst, schon hart. Köln ist echt nicht so gross, aber eigentlich geht es den Parties immer gut, da sind immer zwischen 200 und 400 Leuten da. Auf jeden Fall eine lebendige Szene, hier geht einiges.

C: Ich kenn nur den Vergleich zu Hamburg, das ja doppelt so gross ist, und da geht nur halb so viel. Das liegt glaub ich schon an dem Geist der Stadt. Köln ist schon ziemlich weltoffen, gerade was elektronischen Musik angeht, auch Techno oder House, Kompakt, HipHop Labels.. und weil es eine Medienstadt ist, auch durch VIVA.

J: Der Sog nach Berlin ist schon krass, leider kriegt man echt mit dass viele dahin gehen, aber so direkten Einfluss auf das was jetzt hier musikalisch passiert hat es eigentlich nicht, also hoffe ich jetzt nicht, dass sich das dann irgendwie auswirkt. Wird sich bestimmt irgendwie bemerkbar machen, aber es kann ja nicht jeder nach Berlin gehen. In Köln geht auf jeden Fall einiges mehr als in Berlin, also wenn ich mir ansehe was Producer angeht, Partyreihen in Berlin gibt es hard:edged und Icon, aber danach kommt nicht so viel.


Watergate ist schon ein geiler Club. Egal, es sind ja noch mehr nach Berlin gegangen, Labels schliessen ihre Büros hier, die Popkomm war früher ein grosses Ding, weniger wegen der Popkomm an sich, sondern mehr als Anlass für grosse Parties.

C: Das mein ich mit lebendig, obwohl Köln mit einer Million Einwohnern eine relativ kleine Grossstadt ist passiert hier gerade in Bezug auf elektronische Musik relativ viel in allen Bereichen, und speziell DNB ist sehrt vielschichtig hier. Es gibt für jeden Sound eine Basis, eine Crew und Partyreihe die den Sound repräsentiert, für Liquid und harten Sound. Ich war neulich in Hamburg und gerade da gehen die Leute mehr auf harten, minimalistischen technoiden Sound ab.

... und weiter geht es hier mit Teil 2 des AJC Interviews [2]!

Interview: SAIGON & redshirt (Februar 2005), Fotos: redshirt

Ihr habt Kommentare / Fragen? Diskutiert das Interview im Future Forum [3]!

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Links:
   [1] http://basswerk.section09.com/J-CUT_AJC_STUDIO_MIX_JAN_2005.mp3
   [2] http://www.future-music.net/stage/interviews/2005-03_ajc2/
   [3] http://www.future-music.net/forum/showthread.php?t=22880



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